Die Politik hätschelt den Kommerz, der Verlust geht zu Lasten aller

Veranstaltungshinweis:



Die neuen Standpunkte (Mai 2017) des Münchner Forums enthalten auch einen unbedingt lesenswerten Artikel zum aktuellen Verlauf der Fronten rund um die Alte Akademie.
Daraus möchten wir zitieren, in welch irre Situation sich Prof. Mathias Pfeil mit seiner Haltung noch bringen wird:
„In jüngster Vergangenheit wurden von seiner staatlichen Denkmalschutzbehörde historischen Gebäuden die Denkmalwürdigkeit versagt und sie dem Abriss anheim gegeben – unter Verweis darauf, dass diese Gebäude im Innern über die Jahre teilweise umgebaut worden seien und damit nicht mehr den Zustand ihrer Entstehung in aller Reinheit widerspiegelten. Anders aber im Falle der Alten Akademie: Hier lässt der Generalkonservator den Umbau des denkmalgeschützten Akademie-Gebäudes mit sehr weitgehenden inneren und äußeren Eingriffen zu. Dies betrifft vor allem auch den „Hettlage-Bau“, der in seiner Gesamtheit als charakteristisches Bauwerk der Wiederaufbauzeit in die Denkmalliste eingetragen ist. Hier lässt das Landesamt den Totalabbruch mit der Maßgabe der Wiederherstellung der Fassade an der Neuhauser Straße zu. Nach den strengen Maßstäben, die sein Amt an andere denkmalgeschützte und denkmalwürdige Gebäude anlegt, müsste die Alte Akademie nach den Umbauten ihren Denkmalstatus verlieren – soll es etwa darauf hinauslaufen?“

Nachtrag: Die Veranstaltung war mit 120 Teilnehmern gut besucht. Von CSU und SPD war kein einziger Stadtrat erschienen. Zunächst trug Herr Uhmann vom Planungsreferat dessen Beschlussentwurf  vor, als sei es der normale, wohlbedachte Gang der Dinge. Durch die anderen Podiumsteilnehmer und das Publikum kam eine andere Haltung zum Ausdruck und es wurden viele wichtige Einzelheiten bekannt. Ein starkes Votum für die Arkaden und gegen das Kommerzprojekt, das SIGNA mit der Alten Akademie insgesamt vorhat. Sie können sich die Podiumsdiskussion anhören unter
http://muenchner-forum.de/wp-content/uploads/2017/05/Mitschnitt-_Alte_Akademie.mp3
Am Ende (1:59) sprach Gert Goergens als Jury-Mitglied über den Wettbewerb. Daraus: “ … Wir hatten keine Arbeiten, die besser waren. Das war das große Problem. Was machen Sie mit einem Wettbewerb, wo am Ende alle Arbeiten nicht umsetzbar sind? Dann suchen Sie nach der, die noch am ehesten umsetzbar ist. …“

Bayerische Staatszeitung: Die Altstadt als Freilichtkaufhaus

Wie sollte die Alte Akademie jemals 10 Prozent netto schaffen?

„Aus der Alten Akademie wurde die Alte Akademie Immobilien GmbH & Co. KG. … Die Alte Akademie wird für 65 Jahre Geldmaschine für Investoren und Immobilien-Kapitalanleger. Und das mit staatlicher Zustimmung.“
(Dieter Wieland, Festvortrag zur Verleihung der Bayerischen Verfassungsmedaille, Dez. 2016)

Und wenn es anders kommt?
Zahlen des Schweizer Wirtschaftsblatts Bilanz, April 2017

„… Auch weil Benko als sehr harter Geschäftspartner gilt. Seine Intransparenz wiederum weckt bei den Medien Argwohn: Benkos Imperium verzweigt sich auf über einhundert Gesellschaften, zwischen denen munter Gelder und Immobilien verschoben werden. Darauf, dass man von aussen in den Bilanzen nichts erkennen kann, ist man bei Signa stolz. Nun dringen erstmals Zahlen nach draussen.“
Hier also – ohne jegliche Gewähr – die Tabelle (den Comix haben wir woanders abgekupfert):


„Wir zahlen vier bis sechs Prozent Cashdividende pro Jahr, dazu kommt die Wertsteigerung, so dass in der Summe jedes Jahr eine Gesamtrendite von über zehn Prozent herausschaut“, heißt es bei Signa Prime. (Bilanz)

Da rollt der Rubel – wenn er rollt! Auch von dieser Warte aus gesehen, kann die Alte Akademie letztlich nur durch einen Fehler ins Portfolio geraten sein. Sie wurde vom bayrischen Staat im wahrsten Sinne des Wortes auf den Markt geworfen und SIGNA ließ sich durch die verhängnisvolle Super-Best-1a-Lage zum Kauf locken.
Der Appetit ist da, aber über 10 Prozent Rendite? Jahr für Jahr? Wie soll das gehen? Was ist da versprochen worden? Wie ist das Konzept (signatypisch so geheim wie großsprecherisch in der Ankündigung)? Auf Steuer-Vermeidungs-Energie gebaut? Mit maximalem Luxusfaktor (in der Neuhauser Straße)? Oder 1-Euro-Shops? Mit maximaler Anpassung an die großen Geldbringer? Immobilienblase ante portas? Weiterverkauf?  Viele Fragen.
Die Realität sieht freilich anders aus (immobilienreport München, März 2017 und Statistik-Portal):


Für die Alte Akademie steht ein Vernutzungs-Szenario unter knallhartem Profitregime in Aussicht. Denn, Freundschaft hin oder her, eines erwarten die Geldgeber hinter Benko: die pünktliche Zahlung. „Im Gegensatz zu vielen anderen hat Benko immer geliefert, seitdem ich ihn kenne“, sagt Hans-Ulrich Lehmann, der via Falcon Bank beteiligt ist und Benko zudem eine Villa am Gardasee abgekauft hat. (Bilanz)
250 Millionen gingen an den Staat, sagt man (schon bezahlt?); noch ist kein Stein abgebrochen und nichts reingesteckt (nicht mal ins Sauberhalten). Das kann noch mal soviel kosten. Dabei ist die Münchner Innenstadt bereits überkommerzialisiert und der Trend zeigt nach unten. Wir machen uns nicht die Sorgen von SIGNA, nur was soll dabei herauskommen?
Für den reichtumssüchtigen „Immobilien-Zaren“ (Bilanz) ein Klotz am Bein (ein sog. Low-Performer), der die hoch gesteckten Profitziele gefährdet und für die Stadt München ein ausgeweidetes, ein kaputt „revitalisiertes“ Denkmal von einst großer Bedeutung – verloren. Dieses doppelte Fiasko kann der Stadtrat verhindern; und wenn man es mal so sagen will: zum Besten aller Beteiligten.


Die Immobilien-Zeitung sieht da manches ähnlich: Signa in 10%-Falle

Die Debatte kommt in Fahrt – noch ist nichts verloren

Trotz dieser Aussage war es insgesamt ein recht erfreulicher Abend in der Akademie der Schönen Künste! Endlich kamen viele Menschen mit ihrer Kritik und ihrer Wertschätzung für die Alte Akademie zu Wort. Das war schon etwas anders als die geschmeidige Art und Weise, wie dieses Projekt bislang durchgefädelt wurde – mit dem Ergebnis einer verfahrenen Situation.
„Um die m.E. wichtigste Aussage gleich am Anfang über diesen heutigen Abend zu stellen, möchte ich ausdrücklich feststellen, dass alle Probleme mit der Alten Akademie letztlich daher rühren, dass das bayerische Finanzministerium ein Herzstück der Münchner Altstadt ausschließlich unter dem Aspekt des Maximalgewinns verkauft hat, ohne konkrete Auflagen.“ Prof. Nerdinger erinnerte auch an die schon begangenen Sünden in der Münchner Altstadt (z.B. Alter Hof) und bezog sich auf Dieter Wieland und sein flammendes Plädoyer an die Münchner Stadträte. Meike Gerchow vom Denkmalnetz stellte heraus, wie entscheidend (und deshalb auch gesetzlich gefordert) die richtige Nutzung solch alter Gebäude ist – möglichst nah an ihrer ursprünglichen Zweckbestimmung. Prof. Andreas Meck, Dekan der Architekturfakultät der Hochschule München, stellte fünf Thesen vor. Sie gingen von der hohen Qualität der 50er Jahre Architektur über sinnentleerte Nutzung, die Innenstadt als Raum für Begegnung, den Präzedenzfall für Nachahmer bis zur emotionalen Bedeutung: eine klare Absage an die Umbaupläne. Es ist zu hoffen, dass diese Thesen zu einer ihrer Aussagekraft entsprechenden Veröffentlichung kommen.

Herr Stadlhuber zeigte in seinem ganzen Auftritt, wie gebriefte, auf Sieg eingeschworene Investoren-Offiziere gegenüber einer Öffentlichkeit agieren, die einfach viel Zeit braucht, die verschiedenen Gesichtspunkte und Meinungen zu sortieren, um sich zu einer gebührenden Abwehr zu sammeln. Dieses Muster lief nach folgenden Punkten ab:
1. Wir sind die Boten des Zeitgeistes und haben „naheliegenderweise“ Vorfahrt in der frequentiertesten Fußgängerzone Deutschlands. Die Alte Akademie sei derzeit eine „massive Unterbrechung des Flusses in der Neuhauser Straße“
2. Wir sind ja schon sehr, sehr weit in den Gesprächen, es geht nur noch um drei Punkte
3. Was schon ausgehandelt wurde, geben wir nicht mehr her
4. Wir sind keine „Raubritter“ sondern verkannte Wohltäter: „Öffnung des Schmuckhofs nach 400 Jahren“ (!) und gleich noch des Klosterhofs dazu
5. Alles andere ignorieren wir und lassen es ins Leere laufen
6. Es sollten jetzt keine Fronten aufgebaut werden

„Man bezeichnete es als eine ‚Unehrlichkeit‘, hinter einem historischen Akademiebau ein Geschäftshaus zu verbergen. Auch das Landesamt für Denkmalpflege verhielt sich ablehnend.“ (SZ, 1951) Das war einmal. Der amtierende Landeskonservator Dr. Mathias Pfeil forderte von Denkmälern die Weiterentwicklung und konnte mit den Plänen von SIGNA leben, sie zeigten die Früchte des Einsatzes des Landesdenkmalamtes. Fassade und Dach (plus Eingangshalle, Kantine und ein Treppenhaus oder zwei) würden ausreichend die vergangenen Zeitschichten ablesbar machen. Und eine Mini-Arkade täte dies auch. (Seine unabhängige Meinung könnte sicherlich anders sein.)

Frau Stadtbaurätin Merk sprach einmal im Nebensatz davon, dass sie hier wohl für Ambivalenz zuständig sei – was durchaus spürbar wurde. Einerseits beschwor sie die Gefahr, dass durch eine Erlaubnis der Veränderung der (immer wieder zu sagen: durch Bezahlung rechtlich gesicherten) Arkaden weitere Arkaden in der Innenstadt gefährdet würden (nur ein Teil ist verbrieft). Sie vertrat das Interesse der Bürger, Räume zu haben, die nicht konsumorientiert sind. Andererseits ist sie derzeit doch bereit, die große offene Halle im Kopfbau aufzugeben. Und Frau Merk möchte weiterhin dem Ergebnis des Architektenwettbewerbs folgen.

Der berühmt-berüchtigte SIGNA-Architektenwettbewerb

Von Frau Merk selbst wurde nun, ein Jahr später, berichtet, dass nur zwei der elf Entwürfe überhaupt sich dem Denkmalschutz vernünftig genähert hätten! Die Möglichkeit, diesen Skandal auf die Architekten zu schieben, konterte Herr Meck mit der nachvollziehbaren Erfahrung, dass sich Architekten an der Erwartung des Bauherrn orientieren würden. Die Jury hat aber das schräge Ding unter dem Vorsitz von Sir David Chipperfield zu Ende geführt: der Entwurf von Morger Partner Architekten wurde zum „Sieger“ erklärt.
Eine aufschlussreiche Passage: Mitschrift 4.April Debatte
Seitdem ist die Stadt bestimmt vorsichtiger mit dieser Art Wettbewerb, aber was hilft das der Alten Akademie? Wie wir bereits in früheren Beiträgen dargestellt haben, bedeutet der gewählte Entwurf die Aushöhlung des Ensembles und die praktisch komplette Neubefüllung einer äußeren schamhaften Hülle. Solange das von vielen Beteiligten nicht wahrgenommen oder verdrängt wird, haben SIGNA und die Verantwortlichen des bayerischen Staates in der Hauptsache gewonnen.

Um nur einen Bruchteil, um die Arkaden, geht gerade der Streit um die Baugenehmigung und der Niederschlag davon in den Zeitungen. Die Schließung der offenen Halle im Kopfbau entgegen den Vorgaben des Stadtrats ist ein so schwerwiegender Verfahrensfehler, dass das zurückgenommen werden müsste! Die Begründung, warum es trotzdem vertretbar sei, ist Frau Merk auf Frage von Prof. Nerdinger nicht gelungen:
„Und die Wettbewerbsentscheidung war, und das habe ich versucht, eben ganz kurz zu erläutern, weil man es wirklich nicht sofort versteht. Der ist sozusagen dieser Argumentation des Architekturbüros Morger Partner Architekten gefolgt, zu sagen, im Prinzip habe ich da zwei Körper, die zusammengewachsen sind und ich behandle diesen Körper Alte Akademie wieder als eine räumliche Einheit. Dafür kann man dann die anderen Dinge, die wichtig sind, besser erhalten.“  ???

Wie strategisch dagegen SIGNA arbeitet, sieht man daran, dass Herr Stadlhuber noch drei Eingriffe zusätzlich durchbringen will. Die waren vorsorglich vor einem Jahr am Ende des Preisgerichtprotokolls unter „zu prüfen“ notiert worden: Wegfall der Arkade Kapellenstraße – noch schmälere Arkade vor Hettlage – mehr Portale im Kopfbau. Dafür ist SIGNA bereit, seinen Verhandlungs“partner“ zu quälen und alles auszureizen bis an die Grenze. Es fehlt der Respekt vor der Geschichte und der bestehenden Substanz dieses Ensembles – und vor der Stadt.

Der Stadtrat Münchens hat die Planungshoheit. Er ist nicht daran gebunden, was bisher besprochen wurde. Er kann zwar den Verkauf an SIGNA nicht aufheben. Aber er kann, nachdem nun endlich angefangen wurde, das Ganze offen zu diskutieren, sich die Zeit nehmen, auf Fachleute und auf Stimmen aus der Bevölkerung zu hören. Er kann und muss das Denkmalrecht anwenden. Er kann noch einmal die Frage annehmen, wohin die Entwicklung in der Innenstadt gehen soll: Kommerz total oder wieder mehr öffentlicher Raum.

Nur noch zum Davonlaufen


Absurder geht es nicht mehr. Wozu wird von Denkmalschutz geredet, von Entwicklung, von Belebung, von Qualität, von Behutsamkeit und was noch – wenn das dabei herauskommen soll nach einer aktuellen Computervisualisierung aus dem Hause SIGNA? Erzählt werden kann viel, wer sehen kann ist nun deutlich gewarnt.
Gibt’s schon hundertmal, ein Standard der gesichtslosen Kommerz-Stadtverschandelung! Wo stehen wir kulturell im 21. Jahrhundert, wenn diese 08/15-Schaufensterpassage eine Antwort sein soll auf den historischen Bestand der Alten Akademie? Was könnte man nicht aus diesem wunderbaren Gebäude mit dem Hettlage-Kaufhaus machen, würde die Stadt (oder der Staat) bedachtsame Bauleute und Künstler im Auftrag und in Beratschlagung mit der Bevölkerung mit Renovierung und Nutzbarmachung beauftragen? Stattdessen soll es SIGNA machen, die nur ihren Umsatz und eine Käuferschicht im Auge hat, deren Erlebniserwartung sie offensichtlich als ganz leicht zu befriedigen einschätzt (bzw. dahin dressiert).
Warum sollte die Stadt München solchen Banausen einen Freibrief geben, wo doch der Stadt München diese Arkaden rechtsverbindlich als öffentlicher Raum verbürgt sind und sie erstmal nichts anderes als nur Nein zu sagen braucht? Eine „ablesbare Zeitschicht“ (Lieblingswort von …) zum Vergessen und die alte, bessere, wird weggehauen. Wer es nicht kann, soll es lassen oder an diesem Ort daran gehindert werden! Wenn nicht, sollten wir Angst vor uns selber haben, weil unter Zuschauen der Bevölkerung etwas ganz grundsätzlich falsch läuft: ein Kulturbau ersten Ranges wird zunächst Immobilienbürokraten überlassen, dann den Handelsoptimierern und die Ausführung schlussendlich einem Zeichenprogramm mit Zugriff auf Industriebauteile-Kataloge.

„Erfahrung mit aufwendigen Revitalisierungen denkmalgeschützter Immobilien hat SIGNA bereits mehrfach bewiesen – zuletzt mit dem aufwendigen Projekt »Goldenes Quartier« in Wien, das gleichsam als Vorbild dient. Durch behutsame Sanierung und Neukonzeption, nach den hohen Maßstäben der SIGNA, bietet die Alte Akademie erneut Gelegenheit, im Herzen der innerstädtischen Fußgängerzone ein charakteristisches Ensemble in der Münchner Innenstadt zu entwickeln.“ (Webseite SIGNA)

„Wir haben nur noch wenige Punkte zu klären, damit dieses Gebäude wieder einer neuen und modernen Nutzung zugeführt werden kann, weil derzeit unterbricht es den Fluss in der Neuhauser Straße massiv.“ (Stadlhuber, 4.4.2017)

Diese Woche steigt die Immobilienmesse in Cannes und wir sind ganz vorne mit dabei!

Im Frühling sammelt sich am Strand der Côte d’Azur die Herde der Investoren, um zu beratschlagen, in welche Städte und Weltgegenden sie als nächstes lostrampeln werden, um saftiges Gras zu weiden, das sie nicht gesät haben. Eine zu blumige Beschreibung für eine müßige Veranstaltung? Die Immobilien-Zeitung plaudert: „Auch dieses Jahr gibt sich die Reed Midem redlich Mühe, die Branche zu tiefsinnigen Debatten in dunkle Säle zu locken. Trotzdem werden die meisten wieder nur draußen sitzen und aufs Wasser schauen.“ Viel Banales auch dort, aber man unterschätze die Stellvertreterfiguren des Geldes nicht. Sie sind im allgemeinen hyperaktiv, eigennutzprogrammiert und ihre Macht ist größer als die von Politikern.

Einer braucht wie immer den Cäsaren-Auftritt:
„Dieses Mal überlässt René Benko nichts dem Zufall. Zur Mipim wird seine Yacht, die Roma, an der begehrten Jetée Albert Edouard vor Anker gehen und von allen 23.000 Messebesuchern zu sehen sein. Nicht wie letztes Jahr, als der Kaufhaus-Tycoon kilometerweit entfernt ankerte und jeden seiner Gäste per Shuttle holen lassen musste. Das garantierte zwar maximale Diskretion – zuhause bleiben hätte jedoch den gleichen Zweck erfüllt und wäre deutlich billiger gewesen.“ (Immobilien-Zeitung)

Auch unsere Stadt München ist mit einem großen Stand vertreten, dem größten aller teilnehmenden deutschen Städte. Um als Anbieter auf diesem „Markt“ aufzutreten, zum Zeigen des Angebots und zur Stimulierung der Nachfrage – während München in einem ungesunden, unbeherrschten Wachstum steckt: überall in der Stadt entstehen Engpässe, wir ersticken im Verkehr, die Mieten steigen uferlos, Münchner mit wenig Geld sehen sich vertrieben, die Infrastruktur für Eltern, Kinder und Jugendliche kommt nicht nach …  Es wird die rhetorische Frage gestellt: „Ist in München noch Platz für Unternehmen?“  Aber sicher, wir können die letzten landwirtschaftlichen Flächen zubetonieren; alles abreißen, was unter drei Stockwerken ist; noch mehr Straßen und Tunnels bauen. Wir können Bolzplätze zu Bauland machen. Wir können die letzten Brachflächen opfern. Wir haben noch Platz für weitere 100.000 Stinkkarren, für tausende Zweitwohnungen und für Niederlassungen von Finanzdienstleistern und ihre Entourage, die Münchner mit kleinem Bankkonto aus ihren Vierteln verdrängt. Sollten Denkmäler im Wege stehen: sprechen Sie mit uns! Das schöne Wort „Entwicklung“ wird in diesem Zusammenhang zur Bedrohung und zum orwell’schen Herrschaftsbegriff. Platz für die Investoren! Damit sie nicht woanders hingehen! Metropole werden! Wir dürfen nicht zurückfallen! Info der Stadt München

Die Förderung des Auswucherns unserer Stadt durch die Stadtpolitik treibt die Spekulation und die Preise an – gut für wenige, Horror für viele. München wird unsozialer, hässlicher und weniger lebenswert!

Das Motto am Mittwoch:
Ist in München noch Platz für Unternehmen? Der Gewerbeflächenmarkt der Landeshauptstadt mit Josef Schmid, Landeshauptstadt München, 2. Bürgermeister & Leiter des Referates für Arbeit und Wirtschaft und Dr. Jürgen Büllesbach, Bayerische Hausbau CEO

Die Themen am Donnerstag:
Neue Standorte für Entwickler und Investoren mit Axel Markwardt, Kommunalreferent, Leiter Kommunalreferat

Wohnen am Nockherberg – Eine der größten innerstädtischen Quartiersentwicklungen nimmt konkrete Formen an mit Elisabeth Merk, Stadtbaurätin, Leiterin Referat für Stadtplanung und Bauordnung und Dr. Jürgen Büllesbach, Bayerische Hausbau CEO

Gleichzeitig gehts zur Kasse, der Nockherberg wird schon weiterverkauft, bevor gebaut ist:

Ist die Nähe der Stadtverwaltung zum „Projektpartner“ Bayerische Hausbau nicht etwas zu eng – was meinen Sie?

Hoffentlich ein schlechter Witz

Bei dem, was die tz heute über die Alte Akademie geschrieben hat, kann man nur hoffen, dass es sich um einen vorgezogenen Aprilscherz handelt.
Dazu haben wir nichts zu sagen, schließlich nennen wir uns auch nicht Aktion gegen den kompletten Irrsinn.
Trotzdem bohrt da die eine oder andere Frage weiter:
Könnte den Ausbeutern eines Münchner Kulturbaus im ökonomischem Wahn die letzte Hemmung wirklich derart abhanden gekommen sein?
Ist Stadtrat Pretzl der erste Anlaufpunkt von SIGNA im Rathaus? Ohne Scheu, sich sofort alles was von SIGNA kommt, zu eigen zu machen? Das kann sich die tz doch nicht einfach ausgedacht haben …
Ach, und Sie wissen noch nicht, dass in das übrige Gebäude das erste TRUMP-Hotel in Deutschland  reingebaut wird und ausgewählte Stadträte leidenschaftlich im Kämmerlein darüber feilschen, ob der Schriftzug einen, zwei, drei oder fünf Meter hoch werden darf? Die streng geheime neue Pächterin des Tambosi heißt übrigens mit Vornamen Ivanka und für den neugestalteten Viktualienmarkt möchte Amazon zehn Stände für eine Food-Sale-Location (designed by David Chipperfield) …

So wie der Bezirksausschuss fordert: Bebauungsplan-Verfahren und Beteiligung der Öffentlichkeit!

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„… Falls der Investor das nicht akzeptiere, solle ein Bebauungsplan-Verfahren eingeleitet werden. Unabhängig davon solle das Planungsreferat vor einer Stadtrats-Entscheidung über die Alte Akademie eine Einwohnerversammlung einberufen, fordert der BA.“

Wir haben schon mehrfach über das Wettbewerbsverfahren bei der Alten Akademie geschrieben. Wir wollen es noch einmal aufgreifen.

Die Stadt hatte sich mit SIGNA darauf verständigt, nach dem Wettbewerbsverfahren vorzugehen. Dabei war SIGNA der Auslober und der Wettbewerb fand in Abstimmung mit der Landeshauptstadt München statt. Die Durchführung folgte den Richtlinien für Planungswettbewerbe RPW 2013, herausgegeben vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Das beinhaltet, wie abgedruckt in der Auslobung:

„Ausloberin, Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie alle am Verfahren Beteiligten erkennen den Inhalt dieser Auslobung als verbindlich an.“

„Grundlage für den Wettbewerb sind der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan mit Grünordnung Nr.1975 der Landeshauptstadt München aus dem Jahre 2005 und die dort enthaltenen städtebaulichen Zielvorstellungen für die Entwicklung des Planungsbereiches, die darauf aufbauenden umfangreichen Voruntersuchungen sowie der Beschluss des Ausschusses für Stadtplanung und Bauordnung vom 11.11.2015 mit der Konkretisierung der städtebaulichen Rahmenbedingungen.“

Zu den Arkaden lauten die Vorgaben der Stadt von 2015 wie folgt, übernommen in die Auslobungsbroschüre:

„Die sogenannten „Arkaden“ bilden eines der konstituierenden Elemente des Entwurfs von Josef Wiedemann. Der sogenannte „Ausstellungsraum“ im Kopfbau der Alten Akademie bildet zusammen mit den Kolonnaden des Kaufhauses Hettlage an der Neuhauser- und Kapellenstraße einen zusammenhängenden überdachten öffentlichen Durchgangsraum. Wiedemann greift damit einen in den ersten beiden Nachkriegsjahrzehnten charakteristischen Typus auf, der für den Wiederaufbau der Münchner Innenstadt als ein stadtbildprägendes Element bezeichnet werden kann.“

„Es ist zu untersuchen, ob und wieweit die Retailflächen im Erdgeschoss straßenseitig vergrößert werden könnten, indem die Schaufensterfassade nach „vorne“ geschoben wird.“

„Die Arkaden müssen als typologisches Element und als öffentlich zugänglicher Außenraum erhalten bleiben.“

„Die Tiefe der Arkade ist im Kontext mit der o.g. Ausstellungshalle zu konzipieren und muss so bemessen sein, dass sie den heutigen Fußgängerströmen in der Fußgängerzone gerecht wird.“

„Folgende Eckpunkte sollten beachtet werden:
– Im Bereich des Kopfbaues der Akademie – zum Platz mit dem Richard-Strauss-Brunnen – sollen die vorhandenen Durchgänge Bestandteil der Passage bleiben.“

Zum Gewinner des Wettbewerbs wurde der Entwurf von Morger Partner Architekten gekürt. Jetzt kommt der Punkt: Dieser Entwurf schmälert die Arkade vor Hettlage, was noch als konform mit den Vorgaben gelten kann. Er enthält keine Arkade mehr im Kopfbau der Alten Akademie und verstößt damit eindeutig gegen die Auslobung. In der Formulierung des Preisgerichts: „Das Kopfgebäude der Alten Akademie – derzeit als Arkade ausgebildet – erhält eine Verkaufsnutzung und seine historische Fassade einschließlich des östlichen Mittelportals.“ Zusätzlich ist es ein vorausgedachter Verstoß gegen die Vorgaben, was übersinnliche Feen in das Protokoll der Preisgerichtssitzung schrieben:  „Der weitere Planungsprozess soll in Abstimmung mit dem Stadtrat und der Verwaltung Folgendes beinhalten: – Die Arkade an der Kapellenstraße ist zu prüfen. …“

Damit steht das Ergebnis des Wettbewerbs in punkto Arkaden im klaren Widerspruch zu den eigenen Bedingungen. Es ist anfechtbar, auch wenn es keine juristische Handhabe gäbe. Es darf einfach nicht sein. Wie heißt es so schön: Architektenwettbewerbe dienen der Qualitätssicherung …

kopfbau-alte-akademieÖffentlicher Raum – Architektenwettbewerb – Verkaufsnutzung

Ein Verfahrensfehler, der im Nachgang geheilt wird? Leider nicht: In den Verhandlungen, die darauf folgten und über die wir mangels Transparenz nur mutmaßen können, hat SIGNA die Ansprüche auf Reduzierung der Arkaden sogar noch ausgeweitet. Wie der BA 1 schreibt, soll auch die Arkade an der Kapellenstraße wegfallen. Übrig bliebe nur ein schmaler Streifen vor dem Hettlage-Eingang. Damit überschreitet SIGNA bei weitem das, was man einem Bauherrn vielleicht als Verhandlungssturheit zubilligen möchte. SIGNA hat den Vertrauensvorschuss und den entgegenkommenden Verfahrensweg verspielt. Es ist anzuerkennen, dass Stadtbaurätin Merk hier nicht weiter nachgeben will. So kann das nicht dem Stadtrat vorgelegt werden.

Und man muss wissen: Die Alte Akademie ist vom bayrischen Staat versilbert worden. Die Stadt war darüber nicht glücklich und Stadträte haben das mit teils scharfen Worten kritisiert. Letztlich wollte aber die Stadt diesen „Sündenfall“ (Landtags-SPD) nicht scheitern lassen und hat SIGNA große Zugeständnisse gemacht, die Zweckentfremdung und Vernutzung hingenommen, eingeschlossen den Abbruch des Hettlage-Kaufhauses. Sie hat die verniedlichende Star-Lyrik von David Chipperfield über sich ergehen lassen. Diese Zugeständnisse sollten sich jetzt, nach dem Verhalten von SIGNA, erübrigt haben!

PS: Auslobungsbroschüre und Protokoll des Preisgerichts sind zugänglich über http://www.alte-akademie.com
SZ-Artikel vom 18.2.2017. (Das Wettbewerbsergebnis bewerten wir allerdings, wie ausgeführt, anders als der BA.)

Erst kommen die Reichen und dann lange nichts. Und weiter?

politik-gibt-die-innenstadt-auf
Nach dieser Logik wurden vor allem in den letzten 20 Jahren die armen und die meisten nicht-wohlhabenden Einwohner der Münchner Innenstadt vertrieben. Mieten werden horrend hochgetrieben, der Wohnungsbestand wird für die Upperclass umgemodelt, soziale Strukturen werden zerstört, Lebensplanungen vereitelt, ältere Menschen aus ihrem Umfeld gerissen …
die-letzten-vom-lehelEin Franziskaner-Pater beschreibt es drastisch für das Lehel:
„Pater Markus (79) kennt das Viertel seit fast 60 Jahren, er sagt: „Luxussanierung und Zweckentfremdung haben sich hier ausgebreitet wie ein Geschwür.“ In seinem Urteil ist der Franziskanermönch eindeutig: „Über all die Jahre habe ich das Bemühen beobachtet, die Armen aus dem Lehel zu kriegen.“ Hier seien zwar nie „zerlumpte Gestalten“ herumgelaufen, aber die Not der Menschen sei trotzdem echt und drängend gewesen. Das Lehel stirbt, das sagt auch Pater Markus. „Die kleinen Läden verschwinden, Bäckereien, Metzger, die Familien ziehen weg, die einfachen Menschen.“ Für ihn sind das Symptome eines langsamen Todes.“ (Münchner Merkur, 25.2.2017)

Den Akteuren war es das Naheliegende, das Natürliche, der Zug der Zeit. Wohlwollend „Re-Urbanisierung“ genannt. Geld dringt durch alle Türen, Geld hat das Recht auf seiner Seite, Geld bietet lukrative Chancen für manche Beteiligte. Dagegenhalten ist oft machtlos und zermürbend. Der Münchner Stadtrat hat es laufen lassen.

Die Alte Akademie ist auch dafür ein trauriges Beispiel. Auf den Punkt brachte es SPD-Stadtrat Amlong:
„Wobei uns allen natürlich klar ist, dass es sich in dieser Lage um Wohnungen im Höchstpreissegment handeln wird.“ Christian Amlong am 11. November 2015 in einer stolzen Presseerklärung der München-SPD.*

So wurde mit dem Erbpachtkäufer SIGNA eine Hochpreis-Wohnenklave in der Alten Akademie ausgehandelt. Fataler Nebeneffekt für das denkmalgeschützte Ensemble: statt den Bestand schonend zu nutzen (was bei einfacheren Appartements z.B. für Niedriglohn-Beschäftigte der Innenstadt immerhin möglich wäre) – Totalentkernung und Verschandelung des Schmuckhofes für Residieren auf „Luxus“niveau.

Das konnte SIGNA nicht allein bestimmen. Söders Privatisierungsideologie, seine Immobilienverwalter und der Münchner Stadtrat gaben die Hilfestellung. Aber noch gibt es keine Baugenehmigung. Der Fehler kann noch zugegeben und korrigiert werden! Die SPD setzt auf neue Töne mit Martin Schulz, aber ohne Taten und Umkrempelung der Partei von unten wird auch das nur ein weiteres Fake. München braucht statt einer lamentierenden Politik ein radikales Umdenken und korrigierendes Handeln gerade in den Brennpunkten der Fehlentwicklung.

Das wäre ein Zeichen:
Stopp für die Luxuswohnungen in der Alten Akademie!
Soziale Stadtreparatur statt Kapitalistenlogik!

hofstatt-luxusglueckHier geht’s zu einer urbanen Luxus-Oase in der Hofstatt

* Mittlerweile ist Herr Amlong gut dotierter Geschäftsführer der städtischen GWG geworden.

Eine Gefälligkeitsentscheidung oder ein „Machtwort“ – das kann es jetzt nicht sein

Je länger über die Baupläne verhandelt wird, desto mehr breitet sich Unfrieden aus. Und das kann auch nicht anders sein, weil das SIGNA-Projekt und die Alte Akademie nicht zusammenpassen – was klarer wird, wenn Chipperfield weg ist und die Sache konkret werden muss. SZ und AZ berichteten vor ein paar Tagen.
Artikel der Abendzeitung und der Süddeutschen Zeitung

Daraus ist zu entnehmen, dass Heimatpfleger und Stadtbaurätin Merk nicht ganz mit SIGNA mitziehen wollen. Streitpunkt sind die Arkaden, sie wären die von aussen am deutlichsten sichtbare Deformierung der Alten Akademie. SIGNA will noch mehr von den Arkaden verschwinden lassen. (Baufachleute hätten das schon zu Anfang erklären können als Notwendigkeit für einen Zugang zu der Riesenbaustelle auf beengtem Raum. Aber dieser Punkt ginge jetzt zu sehr ins Detail.)

„Die Fronten scheinen verhärtet. Stadtbaurätin Elisabeth Merk will keine weiteren Zugeständnisse an den Investor, die Signa-Unternehmensgruppe, machen. Es gibt aber auch Stimmen aus dem Stadtrat, die diese Haltung kritisieren und eine flexiblere Haltung der Stadtbaurätin fordern. Öffentlich äußern will sich seitens der Politik und der Verwaltung dazu niemand.“ (SZ) Mauscheleien und Geheimniskrämerei?

Und an was arbeitet CSU-Stadtrat Zöller? „Vermutlich wird sich Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) einschalten müssen, glaubt CSU-Stadtrat Zöller. Anders werde sich die Angelegenheit nicht klären lassen. Zu verhärtet seien die Fronten zwischen Denkmalschutz und Investor mittlerweile.“ (AZ) „Machtworte“ und politische Tauschgeschäfte?

„Sollte es nun jedoch zu keiner Einigung kommen, müsste ein zeitlich aufwendiges Bebauungsplan-Verfahren eingeleitet werden, bei dem auch Bürger und Vertreter von Interessensgruppen ihre Ansichten äußern.“ (SZ) Genau das sollte jetzt geschehen! Dafür muss die Zeit sein.

„Das entscheidende Kriterium: Die Modernisierung verändert den Komplex nicht in seinem charakteristischen Erscheinungsbild. Die verschiedenen Stilelemente und Materialitäten aus der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Krieg bleiben erhalten.“ (SZ) Das wäre das SOLL, es ist aber eben nicht der IST-Stand nach dem Wettbewerbsergebnis! Hier würden wir uns von der Presse einen Journalismus wünschen, der nicht nur Äußerungen wiedergibt, sondern nachforscht.

Es wird jetzt viel an den Stadträten liegen, die eine große Verantwortung tragen.

An die Stadträte Münchens

Damit Sie bei dieser wichtigen Entscheidung nicht überrumpelt werden und sachkundig Ihre Position einbringen können, sollten Sie schon jetzt Fragen an SIGNA (Maximiliansplatz 12) und das Referat für Stadtplanung und Bauordnung richten. Gegenüber der Öffentlichkeit werden die Verhandlungen als Geheimnis gehütet, was für Sie aber nicht gelten dürfte.

Diese Fragen würden wir stellen:

Was genau ist mit dem Hettlage-Haus geplant?
Was soll von diesem Kaufhaus, das das erste neue Nachkriegskaufhaus Münchens war und das in seiner noblen, nicht protzigen und zeittypischen Art weitgehend erhalten geblieben ist, übrigbleiben? Es könnte durch Renovierung und sinnvolle Weiternutzung ein lehrreiches Schmuckstück für unsere Zeit werden.

Mit welcher Begründung sollen die Arkaden überhaupt angefasst werden?
Die Bevölkerung Münchens hat davon rein garnichts, sondern verliert. Wenn, was ja offensichtlich ist, einzig SIGNA ein Interesse an größerer Verkaufsfläche hat, dann fragen Sie:
Mit welchem Recht fordert SIGNA diesen Eingriff in ein geschütztes Denkmal und ein traditionelles und für die Münchner Innenstadt enorm wichtiges städtebauliches Detail?

Der Hauptteil der Alten Akademie wurde unter Erhalt der noch stehenden Fassade von Josef Wiedemann wiedererrichtet für das Statistische Landesamt als vielseitig nutzbarer Verwaltungsbau. Es war ein böser Fehler des bayerischen Finanzministeriums, gegen eine schonende Weiternutzung durch eine andere Verwaltung oder gemeinnützliche Verwendung zu entscheiden. Es galt nicht „was ist uns die Alte Akademie mit ihren über 400 Jahren wert“ sondern „was bekommen wir für eine Spitzenimmobilie“. Jetzt liegt es bei der Stadt:
Was wird aus den vielen schönen und besonderen Details der Alten Akademie durch die Umnutzung zu einem Handel/Büro/Wohnungs-Renditekomplex? Was wird mit den Treppenhäusern, der Kantine, dem Eingang, der Bibliothek, der Fassade, dem Schmuckhof und den Dächern im Einzelnen angestellt?

Verlangen Sie Zutritt in die Gebäude, um sich ein eigenes Bild zu machen, beharren Sie auf konkreten Antworten zu allem, was Sie da sehen. Damit für Sie und für Transparenz statt Machtkämpfen hinter verschlossenen Türen genügend Zeit bleibt, sollte ein geordnetes Bebauungsplan-Verfahren eingeleitet werden!

Flugblatt der Aktion gegen den faulen Zauber

Aus der Anzeige zur Eröffnung des Kaufhauses Hettlage:
„Am kommenden Samstag, 27. März, wird das neue Geschäftshaus der Firma Hettlage in der Neuhauser Straße eröffnet. Die Besucher, die es schon morgen ab 15 Uhr besichtigen können, werden ihre Erwartungen übertroffen finden und den Fachleuten gerne glauben, dass es eines der schönsten Geschäftshäuser Westeuropas geworden ist, vielleicht sogar das schönste.
… Die Firma Hettlage betraute Architekt BDA. Dipl.-Ing. Josef Wiedemann, der sich schon mit der Neugestaltung des Odeon einen besonderen Namen als Baukünstler gemacht hatte, mit der Lösung der heiklen Aufgabe. Unter seiner künstlerischen Leitung glückte es, gefördert durch die vorbildliche Zusammenarbeit aller beteiligten Stellen, den umfänglichen Bau in kurzgehaltener Zeit durchzuführen.
… Die Absicht der Firma Hettlage, eine Kaufstätte zu schaffen, die ohne Aufwendigkeit modern und zweckmäßig und wirklich schön sein sollte, ist so eindrucksvoll verwirklicht, dass es fast notwendig erscheint, zu betonen, dass alle Bauelemente nur die normal üblichen sind. Es ist eine angenehme, harmonische Verbindung historischer Monumentalität mit moderner Baukunst gefunden worden.“hettlage_eroeffnung-1954

Soll dieses herausragende Zeugnis des Wiederaufbaus Münchens klammheimlich abgerissen werden? Hier gibt es kein Verstecken und kein Vertun; das ist keine Nebenbei-Entscheidung, die im allgemeinen Vergessen untergehen wird. SIGNA wird nur eine kurze Episode im Lauf der Zeit sein – die Frage, wer diese Zerstörung im Namen der Stadt München zu verantworten hat, wird bleiben.