Nach der Devise: ordentlich Beton rein, wir haben es ja …

Für den Elbtower, den René Benko und Olaf Scholz der Hansestadt Hamburg aufs Auge gedrückt haben, wurde am 4. Advent (der Christen an die Ankunft des Erlösers erinnert) geklotzt: 11.000 Kubikmeter Beton wurden stolz zur Bodenplatte vergossen*. Mit den noch mehr Kubikmetern für die Stützpfähle darunter und der Bodenplatte für den restlichen Sockel, multipliziert mit dem Gewichtsfaktor 2,5 kommen leicht 100.000 t Beton zusammen – noch bevor eine Wand hochgezogen ist. Da hat sich nicht viel getan, Wolkenkratzer sind Technologie des 20. Jahrhunderts. (Insgesamt verbraucht der Elbtower 118.000 Kubikmeter Beton und 27.000t Baustahl) Für den Wohnturm ONE in Frankfurt wurden 2019 8.000 Kubikmeter und für die Bodenplatte des „Uptown“ in Moosach 2001 7.200 Kubikmeter versenkt. Diese Menge ist für die zwei geplanten Türme, die Herr Büschl der Stadt München „schenken“ will, doppelt zu veranschlagen. 

Große Leistung, die die Bauarbeiter da vollbringen; auch nicht teuer, Beton ist billig, denn die wahren Kosten werden nicht eingepreist: die riesigen Mengen an Kohlendioxid, die dabei in die Atmosphäre gehen, heizen die Klimakatastrophe an. Hier ist nicht der Raum, um diesen Zusammenhang darzustellen, denn die Möglichkeit das nachzulesen gibt es vielfach, es ist allgemein bekannt. Man kann mit Jahreszahlen jonglieren, bis wann das und das passieren muss… Eindringlicher zeigt es das verbleibende Budget an CO2: Nicht später, jetzt kommt es darauf an, jede vermeidbare CO2-Emission zu unterlassen – das misst sich in Tonne für Tonne. Die Verwendung von Beton muss gesamtgesellschaftlich geplant und rationiert werden, z.B. für die unabdingbaren Verwendungen in der Infrastruktur.  

Die Herren und Firmen, die da ihr Ding machen wissen es und die regierende Politik weiss es. Die breite Bevölkerung, die gewisse Möglichkeiten hat, durch bewusstes Verhalten CO2 zu sparen, weiss es auch, hat aber auf dieser Ebene keinerlei Macht. Wir gehen sehenden Auges in die Klimakatastrophe, aber nicht alle gleich. Weil eben im Baubereich nicht reagiert wird, weil die Fahrzeugindustrie nur den Antrieb ändert und die Massenproduktion verbrauchsintensiver Vehikel fortsetzt, weil das Verheizen von Kohle und Gas kaum begrenzt weitergeht, weil der Flugverkehr boomt und die Dreckschleuder der Höllenmaschine Militär aufgerüstet wird. Wir leben in einem Zustand tollwütiger Aggression gegenüber der Natur und unseren Lebensgrundlagen. Das muss sich ändern denn noch sieht die Wissenschaft bei einem radikalen Aufbruch die Chance, dass die Menschheit in Einklang mit der Erde leben könnte.

Wir haben das Wissen und der Wille fehlt. Die industrielle Zivilisation (Unterordnung der Natur, Profitorientierung, Technikglaube, grenzenloses Wachstum) steht vor dem Scheitern und Milliarden Menschen auf der ganzen Welt, die dafür nichts können und alle nachkommenden Generationen werden die Folgen zu tragen haben. 

Es ist sicher so (soweit man für andere sprechen kann), dass wohl jede/r Momente hat, in denen das deutlich und erschreckend vor die Augen tritt und dann wird man wieder vom Alltag eingeholt, will doch wieder den Beschwichtigern glauben und den Posaunen von Recht und Unterordnung und Erhalt eines so nicht zu erhaltenden Wohlstands auf der Grundlage von Raubbau. Aber stellen sie sich vor: Sie können nicht mehr verdrängen! Das was Sie zuerst nur wissen wird zu einer tiefen sinnlichen Empfindung der Bedrohung und der verantwortungslosen Unvernunft, die sich in Strukturen festgefressen hat. Es beißt sich unerträglich mit Gehorsamsvorstellungen und dem Vertrauen auf kosmetische Maßnahmen, die vor der Aufgabe komplett versagen. Dann kann man die Letzte Generation verstehen. Man muss da nicht mit kleben, vielleicht entstehen aber noch viele andere Ideen und Handlungsbeiträge, um die großen Betonierer, Boden- und Luftvergifter zu bremsen, das versteinerte technokratische Zukunftsbild durch ein freundlicheres zu ersetzen und das Leben auf diesem Planeten zu schützen.

Zurück zum Beton. So wie die GRÜNEN in Hamburg hinter dem Elbtower steht Katrin Habenschaden als Zweite Bürgermeisterin von München mit ihrer Partei begeistert hinter den geplanten Doppeltürmen von Büschl an der Paketposthalle. Sie meint zu wissen, dass es nachhaltige Wolkenkratzer gäbe und gibt ihr Wort: „Der sparsame Verbrauch von Ressourcen wird bei Bauprojekten immer wichtiger, denn die CO2-Emissionen im Bausektor sind riesig. Darauf werden wir im weiteren Prozess achten.“ Aber wie, wenn man nicht sehen kann?

* SIGNA behauptet, dass für diesen „Ökotower“ in der Bodenplatte Recycling-Beton verwendet würde. D.h. Sand und Kies werden teilweise durch zerkleinerten Alt-Beton ersetzt. Wenn es stimmt, was die das Schüttgut liefernde Firma Ernst Krebs auf ihrer Webseite schreibt, dann dürfte auch das eine Lüge sein: „12.000 Tonnen Sand 0/2 und 2.500 Tonnen Kies 16/32 sind innerhalb von 14 Tagen in Hamburg zwischengelagert, am Wochenende (17./ 18: Dezember 2022) mit 5 Sattelzügen in die Werke verteilt worden. Somit sind insgesamt 11.500 m³ Beton zur Schüttung der Bodenplatte des Elbtowers mit unserer Hilfe produziert worden.“

Dezember 2020, da war mal eine Baustellenführung … 

… und es war die Erste und Letzte. Vor zwei Jahren, am 8. Dezember 2020 hatte SIGNA die Presse in frisch gefegte Räume der in Würgegriff genommenen Alten Akademie geladen. Immerhin erschienen hallo und Abendzeitung und druckten, was den Reporterinnen erzählt worden war. 

Zwei Jahre später. Die gesamte Baustelle befindet sich … im Abbruchzustand. Die rückwärtigen Gebäudeteile, die als erste fertig sein sollten: Rohbau. Der Hauptteil mit wiederaufgebauter Renaissance-Fassade: Rohbau. Der Kopfbau wartet noch auf die geplante Unterkellerung; der Haupteingang, der als Einziges im Inneren denkmalgerecht erhalten bleiben soll, dient als Baustellenzugang; die soliden Dachstühle, die für Top-Büros und Top-Wohnungen neu aufgesetzt werden sollen, sind noch an ihrem Platz. Der Hettlage-Bau: bis auf die Außenmauern abgerissen, der Aushub noch nicht begonnen.

Im Grunde ist zu konstatieren, dass in den zweieinhalb Jahren seit Mai 2020 nur abgerissen und dekonstruiert wurde. Was ist los mit einem der bedeutendsten Denkmäler der Stadt München? „Die Alte Akademie wird 2023 in neuem Glanz erscheinen … Bis das Ensemble eröffnet, liegt noch ein Weg vor uns und wir möchten Sie bis dahin transparent über den Baufortschritt und die damit einhergehenden geplanten Maßnahmen frühzeitig informieren.“ (https://alteakademie.de/baustelle/

Alexander Cronauer – Head of Projects von SIGNA Real Estate – hat sich dieses Jahr einen neuen Job gesucht, René Benko taucht in diesen Monaten nur noch auf der Angeklagtenbank in Wien auf – es muss sich jemand finden, der Rede und Antwort steht! 

Es ist an der Zeit, dass Stadträte und kritische Presseleute Zutritt verlangen und sich die Ruinenlandschaft, die einmal die Alte Akademie war, zeigen lassen um der Öffentlichkeit Bericht geben zu können, was noch da ist. Denn auch in München stellt sich wie in Hamburg (Elbtower), Berlin und vielen anderen Städten die Frage: Was wird SIGNA hinterlassen, sollte der Immobilienkonzern des Galeria-Insolvenz-Treibers und Korruptions-Verdächtigen in Schieflage kommt?

Es braucht umgehend eine Bestandsaufnahme, was SIGNA mit der Alten Akademie gemacht hat!

Hier muss Klarheit geschaffen werden, auch wenn vieles zurückfällt
– auf den Staat Bayern, der die Alte Akademie ohne Auflagen verscherbelt hat
– auf das Referat für Stadtgestaltung und Bauordnung, das die komplette Umnutzung und Überforderung dieses Denkmals durch die fälschlich wohlklingende Formel Geschäfte/Büros/Wohnungen/Gastronomie/Tiefgarage erst ermöglicht hat
– auf die staatliche Denkmalpflege, die Fachleute und Stadträte, die auf das leicht zu durchschauende und großsprecherische Gesumse von „Bewahrung und neuem Glanz“ hereingefallen sind.

Das Kaufhofgebäude am Neupfarrplatz ist als Eigentum auf Wanderschaft, von wo nach wohin hat ein Regensburger Bürger versucht herauszufinden, dokumentiert in einem Artikel der Mittelbayerischen. Es hat sich – allerdings nur für die Öffentlichkeit – im Weg durch das Konzerngespinst von René Benko verloren, die Spuren weisen nach Bermuda oder Delaware/USA. Eigentlich sollte es sich als Vermögen in der Insolvenzmasse von Galeria Kaufhof Karstadt befinden, zur Absicherung der Ansprüche von Gläubigern und Belegschaft. Ein Einzelfall? Die Vermutung geht in diese Richtung:

„Wahrscheinlich hat Signa durch die Immobilienverkäufe und die Grundschulden auf die verbliebenen Immobilien mehr als den ursprünglichen Kaufpreis erwirtschaftet und sich dann vom Staat retten lassen“. 

Alles was zu sagen ist steht in dem Artikel, außer dass diese Form der heimlichen Vermögensverschiebung nur möglich ist, weil sie von der Finanzgesetzgebung der Reichenrepublik Deutschland gefördert und gedeckt wird. Man muss nur wie SIGNA jede Antwort auf eine normale Frage verweigern. Irgendwann fliegt alles auf.

Hier der vollständige Artikel der Mittelbayerischen vom 30.11.

Die durch Benko geschädigten Menschen haben ein Gesicht. Benko hat keines.

Die Mittelbayrische Zeitung veröffentlichte am Wochenende einen Bericht über einen Abteilungsleiter, dem als Sparmaßnahme 2018 gekündigt worden war – nach 45 Arbeitsjahren für Kaufhof. Mit den Fristen entsprechend der Betriebszugehörigkeit endete das Arbeitsverhältnis 2020 erst nach Beginn des Insolvenzverfahrens. Dadurch wurde er zum „Gläubiger“ und muss nun vor Gerichten um die ihm zustehende Abfindung kämpfen, der Ausgang ist ungewiss. Hier der ganze Artikel.

Während Benko als „Schlawiner“, als begnadeter Unternehmer mit dem goldenen Händchen noch immer von Banken und Politikerinnen unterstützt wird*, wurden tausende Beschäftigte entlassen und viele noch zusätzlich um ihre Abfindungen geprellt. Manche Presse schreibt davon, dass Benko „Neider“ (z.B. die SZ vom 30.10.) habe – nein, es sind Menschen, die durch ihre Arbeit die tatsächliche Basis schaffen, damit ein Benko überhaupt jonglieren kann – Benko selbst erarbeitet nichts. Nach der ersten Schließungswelle und Insolvenz kommt nun die Insolvenz Nr.2 nach genau demselben Muster. Wieder sollen die Beschäftigten, auch die Lieferanten und Vermieter bluten. 

Und der talentierte Herr Benko – greifbar sein, Verantwortung übernehmen?

Letzte Woche vor Gericht im Wiener Korruptionsverfahren. Er ist ja wegen einer ähnlichen Sache bekanntlich schon 2013 aus dem „operativen Geschäft“ ausgestiegen.

Die Frage, ob er er in der Signa der Chef sei, wollte Benko so nicht bejahen. Er verwies auf die Vielzahl an Firmen des Konzerns und das jeweilige Management bzw. den Aufsichtsrat. Worauf einer der Vertreter der Staatsanwaltschaft konkret wissen wollte: „Was tun sie?“ „Also langweilig wird mir nicht“, beteuerte Benko. Er habe mit den unterschiedlichen Unternehmen Beraterverträge. Er begleite auch die Vorstände bei der Betreuung von Investoren oder von großen Mietern. Man diskutiere Projekte, man diskutiere Architektur. „So füllt sich schon der Tag.“
„Ich hab mich gefragt, warum ich hier sitze“, meint er. Er sei für die Medien das Gesicht von Signa. Aber die Geschäftsführer würden die Unternehmen leiten. (Tiroler Tageszeitung)

* Siehe Hamburg. Der Harakiri-Bau des Elbtower soll nächste Woche endgültig durch Rot/Grün fixiert werden. Der arrogante SIGNA-Vorstand Timo Herzberg kann sich da auf seine Gesellen verlassen: „Bei aller Vorfreude hat Herzberg aber auch die Kritiker im Blick – und teilte gegen „zwei Bürgerschaftsabgeordnete“ aus, deren Namen er nicht nannte: Die würden mit ihren Äußerungen gegen das Projekt nur Aufmerksamkeit erzielen wollen. Den Bau könnten sie damit aber auch nicht mehr verhindern.“ (Hamburger Morgenpost)

Das Schmierentheater geht weiter …

Alles in einem Bild gesagt.

Wobei… eigentlich ist Benko ja unsichtbar. Er tritt nicht auf, zeigt sich nur seinen Jüngern. Er ist eine Imagination, es gibt ein vermitteltes Bild durch Medien, die nicht enthüllen, komplizenhafte Politiker, von Staunenden, Gläubigen und Ungläubigen. Er ist Schein und Vorstellung von etwas Transzendenten, etwas Mächtigerem über uns – und im Realen doch nur eine Puppe des Geldes, des Gottes unserer Zeit; mehr ist es nicht.
Also stimmt das Bild dann wieder…

+++ René Benko unter neuem Bestechungsverdacht +++

René Benko und Landtagspräsidentin Ilse Aigner im Mai diesen Jahres beim Fashion Floor Opening im Oberpollinger.Der Spiegel fragt in seiner neuesten Ausgabe: „Mit wem haben sich Deutschlands Politiker da eingelassen?“

Es sieht ganz danach aus, dass nun – gerichtsverwertbare – Geheimnisse des Aufstiegs dieses Kaisers/Zaren/Tycoons, was auch immer, ans Licht kommen. Seit Dienstag ist die Presse voll mit Berichten von Hausdurchsuchungen in der SIGNA-Zentrale und der umfangreichen Aussage des österreichischen hohen Ex-Finanzbeamten Thomas Schmid vor der Staatsanwaltschaft. Die zu erwartende Anklage: Benko hat diesem Beamten einen lukrativen Job angeboten, wenn dieser laufende Steuervorgänge zu seinen Gunsten beeinflusst. Der Strafrahmen liegt bei mehreren Jahren Gefängnis. Benko selbst hat es bis dato nicht für nötig befunden, Stellung zu beziehen und sich von dem Verdacht zu befreien.

Wir können es gut verstehen
– wenn plötzlich Politiker keine Lust mehr verspüren, sich mit Benko fotografieren zu lassen,
– wenn Bankdirektoren vorsichtshalber ihre Chats löschen und für Benko nicht mehr ans Telefon gehen
– wenn Beamte sich nicht mehr auf die Yacht einladen lassen und Prominente auf Schampus aus Benkos Hand lieber verzichten …

Benko und SIGNA sind Sumpfblüten einer ausbeuterischen Ökonomie

Das kann es nicht gewesen sein! Der Aufstieg Benkos ist nicht nur eine Bussi-Bussi-Geschichte der oberen Klassen, die sich eine dekadente Heldenfigur erschaffen haben. Es geht um Monopolbildung, Aneignung unserer Städte, Lohnraub, Steuerbetrug, wirtschaftliche Erpressung mit allen Mitteln, inklusive krimineller Energie. Benko und SIGNA stehen für die Grundfehler des kapitalistischen Wirtschaftssystems: Autokratie, Verschwendung, Intransparenz, für Geld- und Machtanhäufung als Selbstzweck.

Was in Österreich nun bekannt wurde – man kann sich gut vorstellen, dass Ähnliches geschehen sein könnte in Hamburg, Berlin, Bozen oder München. Zu fordern ist als Erstes Nachforschung und Schadensbegrenzung, d.h. in München
– dass jetzt alle Behörden prüfen, ob in ihrem Bereich etwas ähnliches vorgefallen sein könnte. Und konkret: ob beim Verkauf der Alten Akademie mit dem Obertrickser Sauter an Benkos Seite alles sauber gelaufen ist
– dass z.B. die Stadtsparkasse München ab sofort keine Kundengelder mehr an SIGNA ausleiht
– dass das Münchner Referat für Stadtplanung und Bauordnung die Planungen für das SIGNA-Projekt Schützenstraße ruhen lässt

Keine Unterstützung von SIGNA mehr durch staatliche Stellen! Keine Staatszuschüsse mehr für das Herunterwirtschaften der Galerie-Kaufhäuser mit Insolvenzperspektive. Konsequente Durchleuchtung dieses Oligarchen!

Wo …

„Der Eigentümer, die von Benko gegründete Signa-Gruppe, hat in den letzten Jahren gezeigt, wohin die Reise für die meisten Warenhäuser von Karstadt und Kaufhof führen wird: zur Abrissbirne.“

GALERIA Kaufhof: seit Tagen überschlagen sich die Meldungen:

Kündigung des Tarifvertrages
– Neuer Staatszuschuss wurde beantragt
– Notprogramm in den Filialen

Bevor René Benko wieder 

– die Beschäftigten zum Dank für harte Arbeit um Lohn prellt
– den Gläubigern durch Insolvenz die Rechnungen nicht bezahlt
– weitere Staatshilfe nachgeschmissen bekommt

wäre eines zu klären:

Wo sind die Milliarden aus den Verkäufen von Karstadt- und Kaufhofimmobilien gelandet?

https://www.capital.de/wirtschaft-politik/benko-will-weitere-karstadt-kaufhof-immobilien-verkaufen

Denkmalzerstörung nach Retail-Quadratmetern

Das österreichische Fernsehen sendete am 7. Juli eine Benko-Doku (nur noch kurze Zeit in der Mediathek). Nach einem früheren Einblick in die Benko-Trickkiste wollte wohl jetzt auch Christoph Stadlhuber (derzeit Managing Director SIGNA Holding GmbH) mit Eigenlob glänzen. Am Beispiel des „Goldenen Quartiers“ in Wien exemplifizierte er die Büro->Retail-Geldvermehrungsmasche. Damals (Umbau ab 2011) war er noch nicht vom Staatsdienst zu SIGNA gewechselt, doch die Wiederholung bei der Alten Akademie (Kauf 2013) darf er mit auf sein eigenes Schlaumeier-Konto buchen.

Ö2: Wer mit den Augen von Christoph Stadlhuber durchspaziert, sieht bald nur noch teuer vermietbare Quadratmeter hinter jeder Fassade.

Stadlhuber: Wenn Sie hernehmen, die höchsten Büromieten in der Innenstadt liegen irgendwo rund um die 25 Euro. Stellen wir jetzt, dass da vorne ab dem 1. Stock Büromieten 25 haben. Die höchsten Retailmieten sind hier auch am Platz, die sind jenseits von 300 Euro. Was muss ich tun? Ich muss schauen, dass ich den Retailer in den 1. Stock oder in den 2. Stock ziehen kann, so wie es bei Louis Vuitton passiert ist und dann habe ich deutlich höhere Mieten im 1. und 2. Stock im Vergleich zu einer Bürovermietung und in Summe haben wir bei jedem Haus die Miete von vorher gegenüber der Fertigstellung vervierfacht.

Ö2: So funktioniert das Modell Benko/SIGNA?

Stadlhuber: Klingt ganz einfach, oder?

Dann auf zum nächsten Opfer nach München (das Geld kam von Beny Steinmetz): bei der Alten Akademie ging es unter diesem Aspekt um einen perfekten Bürokomplex (Landesamt für Statistik) mit etwas Kaufhaus (Hettlage) aus der Wiederaufbauzeit nach dem Krieg. Stadlhuber erkannte den 1. Stock, den 2. Stock und die noch fehlenden bzw. nicht ausgebauten Untergeschosse. Und daneben die Lage, die Lage, die Lage. SIGNA schlug meistbietend zu, andere Interessenten verdrängend, die die SIGNA-Brechstange nicht im Kopf hatten. Im Einklang mit der „Stadtplanung“ Münchens und dem Amt für Denkmalpflege wurde dann ein Entwurf gekürt, der als einfühlsam und mit geringen Eingriffen in die geschützte Substanz verkauft wurde. Danach setzte Benko (für ihn vor Ort Stadlhuber) noch die weitgehende Retailisierung der zusätzlich geschützten Arkaden durch, gegen großen Widerstand und mit Zeitverzögerung. 

Die Abbildung prangt am Zaun rund um die Baustelle

Im Mai 2020 war Baubeginn – und nun im Juli 2022 steckt das Projekt noch immer im Rohbau. Untergeschosse, der bis auf ein Fassadenskelett abgerissene Hettlage-Teil und ein komplett neues Dach sind noch nicht angefangen, der Zeitplan völlig gerissen. Soweit – die Alte Akademie als das, was sie war und hätte werden können – verloren. Herr Stadlhuber kann das auf sein Macher-Konto buchen. Wie geht es weiter? Hat sich da jemand verhoben?

Und so dreht SIGNA an einem großen Rad weiter ….

Noch ein Spruch von Stadlhuber aus der Ö2 Doku:
„Wir sind ein privat geführtes Unternehmen und dementsprechend kommunizieren wir das, was wir müssen und nur das, was wir wollen.“

… wann wird (wieder) ein anderer Spruch kommen: Wir sind ein systemrelevantes Unternehmen und benötigen dringend Entschuldung und Staatshilfe …

Verbrannte Erde – Benkos mieser Abgang am Stachus

Interview in der Abendzeitung vom 6. Juni

Zwei Jahre wurde die Galeria-Filiale „gerettet“: ein weiteres Mal, dass Benko Geschäftspartner und entlassene Angestellte um ihre Ansprüche prellt – wie lange will die Stadt München dieses unreelle Geschäftsgebaren weiter beschenken (wie bei der Alten Akademie) und fördern (wie beim Monsterprojekt Schützenstraße/Stachus)?

Von wegen fair – der Zweck heiligt die Mittel!

Kürzlich fand in München eine „Zukunftskonferenz“ statt. Aus Steuermitteln finanziert, nur nebenbei. Bei Zukunft denken wir daran, dass in der letzten Vergangenheit massive Fehler gemacht wurden und in der Gegenwart weiter gemacht werden, weshalb es ein komplettes und sofortiges Umdenken und bewusstes Handeln braucht, damit es eine lebenswerte Zukunft geben kann – es geht um alles. Die Konferenz wurde aufgezeichnet und man kann sich da durchhören. In dem endlosen Blabla aus immer denselben Sprechbausteinen wiederholte sich ständig „Wir brauchen etwas Neues, etwas Innovatives, etwas Kreatives, was Anderes…“

Wie es so ist, bleibt man manchmal doch an einem Satz hängen. Das war gegen Ende bei dem folgenden: 
„Ich hab auch nix gegen die billigeren Klamottenläden, muss ich auch sagen, finde ich ganz, ganz wichtig …“* Gesprochen hat ihn Elisabeth Merk, die Münchner Stadtbaurätin (die selber keine billigen Klamotten kaufen würde und sich so einen kleinen Aha!-Effekt verschaffte).

Es gibt aber bekanntlich viele Einwände gegen solche Läden: 

Die billigen Klamotten halten nicht besonders lange und sollen es wohl auch nicht. Sie werden auf der anderen Seite der Erdkugel in riesigen Mengen produziert und in großen Pötten, die viel Dreck machen, in die reichen Länder geholt. Sie werden im Schweiße des Angesichts von schlecht bezahlten, schlecht behandelten Arbeiterinnen in Fabrikhöllen gewebt, gefärbt, genäht… Diesen Menschen wird das Leben und die Gesundheit gestohlen. Wenn sie in den Herkunftsländern ihre gräßlichen Spuren an Natur und Menschen hinterlassen haben, dienen diese Klamotten hierzulande nicht dazu, den Leuten mit wenig Geld zu dauerhafter, angenehmer, gesunder Kleidung zu verhelfen. Dazu sind sie nicht gemacht worden, das würde so nicht funktionieren und so ist es nicht gewollt. 

Aber warum dann ganz, ganz wichtig? Weil diese „Zukunfts“konferenz nur um ein Thema ging, um den Marktplatz Innenstadt. Dann geht es nicht mehr um die Ware selbst, ihren Gebrauchswert und die wahren Kosten, wir sind dann bei den Erfordernissen einer Profitmaschine, wo allein zählen: die Mieten und Wertsteigerungen der Immobilien, der Umsatz und Profit der Händler und dann noch der geschäftsförderliche Spaß der Leute, die man in Massen in die Innenstadt holen muss, damit es kein Minus gibt und kein Kollabieren dieses Mikro-Systems. Das hängt eng zusammen und ist durch Sinnfragen akut gefährdet. Da muss man bereit sein, alles bessere Wissen zu vergessen, Augen zu und durch.

Die Abwägung zwischen purem Kapitalismus und Ökologie/Nachhaltigkeit verträgt keine Skrupel, alles geht, sorry.

Was man das Zynische dabei nennen kann: Es geht nicht nur darum, Autofahrer, Senioren, Touristen, reiche Ladies an die Kassen der Innenstadt zu bringen. Die Kapitalisten wollen die Jugend haben um sie zu Konsumenten zu formen, um sie mit Tand (kleiner Geldbeutel…) zu locken, damit sie ja nicht ihre eigene Kreativität entdecken, selber das Neue und das Andere für sich finden. Damit sie lernen, immer wieder ins Kaufhaus zu rennen für spannende Such- und Kaufmomente und damit sie sich ins System einpassen, um genug Geld zu verdienen, das ihnen so durch die Finger rinnt. Eine Art Suchttraining.

Die Konferenz vom 29. März kann auf der Webseite der Stadt München nachverfolgen, wer denn will.
Ein Suchttreffen? Gesättigte Funktionsträger, die nur daran denken, dass ihre Geldsachen laufen, hemdsärmelige Range Rover-Typen darunter, die Freiheit statt Bürokratie fordern und danach rufen, dass man ihnen „Neues“ liefere. Neues von der Art, das sie beherrschen, instrumentalisieren und ausbeuten können um die Kauflust zu steigern und einen Schein von Kultur auszunebeln, hinter dem sie die Innenstadt Münchens zur Kommerzzone optimieren. Ihr Wachstum heißt weiter zu okkupieren, heißt, alles was noch „normal“ ist, wird ökonomisiert. Das ist keine wünschenswerte Zukunft. Und wenn sie nicht wachsen können, dann haben sie Krise, die sie auf uns andere abwälzen wollen – auch keine wünschenswerte Zukunft. So oder so – Nein danke! Neue Ideen haben die Kommerzleute nicht, sie müssen danach klauen gehen! Bewusstsein für Gemeinwohl und Bewahren der Lebensgrundlagen haben sie schon garnicht. Ramsch ist notfalls halt auch eine gute Idee – danke für den Input.
Ihr Vergangenheitskonzept wird scheitern, weil sie Zukunft nicht können. Zukunft zeichnet sich aus durch Spaß haben ohne Verschwendung, ohne Gaffen und Grapschen, durch Wertschätzung der Natur, einfache Vergnügungen, Selbsttun und Gleichheit unter den Menschen.

Nur wenn es umgekehrt läuft, kommen wir aus der Krisenzange: Denen, die hier beispielhaft die Profitökonomie verkörpern, welche die Ökologie ignoriert, müssen sich die entgegenstellen, die für Ökologie und Nachhaltigkeit stehen und klarmachen, dass um der Zukunft willen die Profitökonomie ignoriert werden muss.

7 Fakten: Der hohe Preis der Billigkleidung
Fair Einkaufen

* Der verschwurbelte Satz endet: „… des muss offen sein, des muss eine Mischung sein.“