Das Kaufhaus Hettlage in den 50er Jahren (Bild: Architekturmuseum der TU München)

Im Moment läuft das Bebauungsplanverfahren. Die Verwaltung hat viel zu prüfen und die Einwendungen aus der Bevölkerung zu sichten, um sie dem Stadtrat vorzulegen. Aus der Einwendung des BDA Bayern (Bund der Architekten) möchten wir zitieren (hier vollständig veröffentlicht):

„Das Problem dabei ist, dass dies nicht nur einen Verlust öffentlichen Raumes in der ohnehin stark frequentierten und dort auch relativ schmalsten Stelle der Fußgängerzone darstellt, sondern dass die Qualität des Kaufhaus-Neubaus seiner wesentlichen Charakteristik beraubt wird. Die wohlproportionierte Fassade mit ihrer eleganten Flächigkeit in den Obergeschoßen kontrastiert mit der durch tiefe Schatten plastisch wirkenden Arkaden im Erdgeschoß über Eck zu beiden Seiten des kubisch wirkenden Gebäudes.
Es ist überhaupt nicht nachzuvollziehen, warum die Stadt ohne Bedenken und ohne Not einer solchen Banalisierung und Entwertung des denkmalgeschützten Baus von Prof. Wiedemann zustimmen will, nachdem der Investor den Gesamtkomplex schließlich ausdrücklich mit der Maßgabe der Erhaltung der Arkaden als öffentlich gewidmeten Raum vom Freistaat Bayern erworben hat und seine wirtschaftlichen Interessen immer noch bestmöglich verfolgen kann, zumal das Gebäude durch Entkernung ohnehin im Innern neuen Anforderungen beliebig entsprechen kann. Dass dabei die für die Architektur von Josef Wiedemann typische Innenraumdisposition mit atriumartiger Aufweitung und geschwungenem Treppenlauf verloren geht, ist schon bedauerlicher Verlust genug.
Es war ein Kunstgriff des damaligen Architekten, eine Kaufhausnutzung funktional bestmöglich zu realisieren und gleichzeitig die notwendig großflächigen Schaufenster in der Fassade zurücktreten zu lassen, um der Würde der angrenzenden historischen Erscheinung der Renaissance-Fassade und seiner früheren Nutzungen der Alten Akademie zu entsprechen. Soll dies keine Bedeutung mehr haben?
Die vom Investor anscheinend als Kompensation gedachte Öffnung des Schmuckhofes ist zwar grundsätzlich begrüßenswert, stellt jedoch keinen Ersatz für den Verlust des öffentlichen Bewegungsraumes im Fußgängerbereich dar und erst recht nicht für die nachteilige Veränderung des Fassadenbildes. Man kann sich fragen, was an Denkmalwert bei dem Gebäude eigentlich noch übrig bleibt, zumal zu befürchten ist, dass bei der Realisierung der mehrgeschossigen Tiefgarage die Erhaltung der Fassade in situ auch noch nachträglich infrage gestellt werden könnte.“

NB: der BDA plädiert schließlich für die ursprüngliche Realisierung des Wettbewerbsentwurfes, was wir nicht für ganz schlüssig halten, da dieser Entwurf den kompletten Abriss des Hettlage-Gebäudes hinter der Fassade bedeuten würde.

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Greta Thunberg: Yes we can! Dagobert Benko: It is all about money…

Das auf Bereicherung und Überkonsum ausgerichtete Wirtschaftssystem zerstört die Balance der Erde und die Lebensgrundlagen der Zukünftigen. Wir müssen andere Prioritäten setzen: jetzt reagieren – oder versagen.

Die Klimaaktivistin aus Schweden in ihrer Rede auf der Klimakonferenz in Katowice:

„Ihr sprecht nur von grünem, ewigem Wirtschaftswachstum, weil ihr zu viel Angst habt, euch unbeliebt zu machen. Ihr sprecht nur darüber, mit den immer gleichen schlechten Ideen weiterzumachen, die uns in diese Krise geführt haben. Und das, obwohl die einzige vernünftige Entscheidung wäre, die Notbremse zu ziehen.
Ihr seid nicht einmal erwachsen genug, die Wahrheit zu sagen. Sogar diese Bürde überlasst ihr uns Kindern. Aber mir ist es egal, ob ich beliebt bin. Ich will Gerechtigkeit in der Klimafrage und einen Planeten, auf dem wir leben können.“ (Osnabrücker Zeitung, 16.12.) 


Fast gleichzeitig äußert sich der Geldaktivist aus Tirol über seine Ziele (bzw. immer gleichen schlechten Ideen):

Wir sind einer der größten und jedenfalls der profitabelste Immobilienentwickler Europas   noch viel Potenzial herauszuholendigitale Transformationeinen führenden Multichannel-Riesen20 Mio. Konsumenten  Größe ist Marktmachtüber eine Milliarde Euro Jahresgewinnelf Milliarden Euro wert25 Prozent aufs Eigenkapital …“ (Stichworte aus dem Interview mit „trend“, wiedergegeben in der Tiroler Tageszeitung vom 14.12.)

Benko – NO FUTURE. Gibt es vielleicht noch einen anderen kuscheligen dort im Weltraum für die, denen unser Planet egal ist?

Greta Thunberg:
„Euch gehen die Ausreden aus und uns die Zeit. Wir sind hierher gekommen, um euch wissen zu lassen, dass Veränderung kommen wird. Ob es euch gefällt oder nicht. Die echte Macht liegt bei den Menschen.“

Was zählt ist was im Sack ist, müsste es an dieser Stelle heißen

Eine zutiefst unchristliche Botschaft leuchtet plötzlich aggressiv von der Fassade der Alten Akademie. Sie wird den Budenmarkt mit Kripperln und Heiligenfiguren überstrahlen und sie demonstriert die Dominanz des blanken Konsumterrors. Die Message: Weihnachten ist ein Fest der Freude mittels Geldausgeben – neben dem Geldverdienen die Bestimmung des dressierten Menschleins in der modernen Megamaschine.

Was zählt ist natürlich nicht „unterm Baum“. Überteuerte Trikots etc. zählen doch nicht wirklich. Nur armselige Würstchen zählen nach und addieren unter ihrem „Baum“, der mal ein Christbaum war. Liebe, menschliche Zuneigung und Besinnung haben keine Ziffern! Wer da zählt, hat das Wesentliche verloren – Hoeness und Benko zählen unter ihrem Baum, was ihnen dann bleibt.

Im Übrigen: Auf derartige Installationen muss man erst mal kommen und sie müssen genehmigt werden vom Referat für Stadtplanung und Bauordnung. Damit zeigt sich einerseits, wie total SIGNA den Charakter der Alten Akademie respektiert herabwürdigt und wie die Verantwortlichen der Stadt München der gute Geist verlassen hat. Es ist eine Ankündigung, die jede/r verstehen kann: Für den Profit wird jede Kultur niedergetreten, der neue Gott heißt Mammon. Die einzige Erleuchtung daraus für alle Münchnerinnen und Münchner: Die Alte Akademie darf kein Kaufhaus werden, Widerstand gegen Benko ist gerechtfertigt.


Nachtrag vom 4. Dezember: Das FC Bayern-Plakat wurde zwischenzeitlich durch Automobilwerbung ersetzt. Das dürften etwa zwei Zentner Plastikmüll gewesen sein für Nichts.


Von der mitbeteiligten Firma PoolOne Giant Media wird dieser missratene Coup stolz gefeiert: „Durch seine einzigartige Frontallage ist das Riesenposter für die darauf zulaufenden Passanten schon aus weiter Ferne und sehr lange einsehbar, was für ein echtes Markenerlebnis sorgt.“

Benko will kritischen Artikel aus dem Internet entfernen lassen

Diese Kunde kommt ganz aktuell aus Österreich. Eine im Auftrag Benkos agierende Anwaltskanzlei hat am 2. Oktober an den Webbetreiber WordPress nach San Francisco geschrieben. Auf den einen nun folgenden Satz wird das Ansinnen gegründet, dass WordPress einen kompletten Webbeitrag von der Webseite eines Kunden entferne:

„Mehrfach haben wir bereits über diesen umtriebigen Ex-Bundeskanzler und Ex SPÖ-Vorsitzenden aus Österreich berichtet, der auch mit der Firma Signa-Holding des vorbestraften austrischen Geschäftsmannes Rene Benko geschäftlich verbandelt ist.“

„take the content … offline immediately“.

WordPress lehnte ab und informierte den Betreiber der Webseite http://www.politicacomment.wordpress.com. Das ist hier nachzulesen. Und der vorausgehende ungenehme Beitrag hier. Wir verstehen Benko nicht! Denn von der in der wahren und richtigen Welt im August 2014 in Wien in zweiter Instanz ergangenen Verurteilung weiß doch heute fast jedes Kind!

Der Webbeitrag, der gelöscht werden sollte, hat allerdings weniger Benko, sondern seinen väterlichen Freund und Helfer Alfred Gusenbauer zum Thema. Über ihn wird dort einiges (Bekanntes) zusammengetragen, was gar nicht gut ausschaut. Hinweise auf seine vielfältigen internationalen Geschäfte, sein Lobbying für Diktatoren, die ganzen trüben Geschichten aus der oberen Etage des Kapitals, zu denen sich Gusenbauer aber nicht äußern will. Lobbyarbeit ist in Deutschland und Österreich nicht strafbar und für weitergehendes muss man erst mal verurteilt werden. Aktuell rücken Gusenbauer aber Untersuchungen des FBI über seine Lobbyarbeit in Kooperation mit dem ehemaligen Trump-Wahlkampfleiter Paul Manafort gefährlich nahe. Da ist in den österreichischen und Schweizer Medien einiges zu lesen.

Deshalb fragen wir uns angesichts dieser nervösen Aktion, mit der Benko auf Spatzen schießen hat lassen: Was steht da möglicherweise im Hintergrund, geht es um mehr?

Wird sich René Benko von Alfred Gusenbauer, seinem Stellvertreter im Beirat von SIGNA, trennen müssen?

Wie schon von der Falcon Bank, von Beny Steinmetz, von Georgios Iconomou … Wo doch gerade die Pressearbeit so erfolgreich läuft und die Wirtschaftszeitungen voll sind von Lobesliedern? Geld wird mittlerweile von vielen Seiten zugetragen – doch Alfred Gusenbauer ist eine zentrale Stelle im Beziehungsgeflecht. Noch ist es nicht so weit, dass man sagen könnte „Ist der Ruf erst ruiniert, …“


Wie einen Monat später auf Spiegel Online zu lesen ist, hat es Benkos Anwalt auch beim Spiegel probiert – vergebens. Und nicht nur da: „Mehrere österreichische Journalisten sagen auf Nachfrage, auch sie hätten schon Unterlassungsaufforderungen von Benkos Anwälten erhalten, nachdem sie über dessen Verwicklung in Korruption berichtet hatten. … Zumindest in Österreich sei er damit erfolgreich, sagt ein anderer Redakteur.“ Ein Alarmzeichen für die Pressefreiheit! Und gleichzeitig kauft sich Benko in die Presse ein. Ohne freie Berichterstattung in der Presse keine Demokratie, das muss allen klar sein.


Über den rechtlichen Hintergrund schreibt der Standard.

Erhalten und pflegen oder dem Investorenzeitgeschmack opfern – um diese Entscheidung geht es bei vielen Gebäuden der Nachkriegszeit in München

In einem großen Bildband (letzte Jahr erschienen) wird ein umfassender Überblick gegeben über die Bauten der Nachkriegsjahrzehnte in München, darunter auch die Alte Akademie. Der Seite mit dem Schmuckhof der Alten Akademie sei hier gegenübergestellt das geplante Vorhaben von SIGNA.


zum Buch:
50 60 70 Architektur aus drei Jahrzehnten im Münchner Stadtbild 
Herausgeber Alexander Fthenakis, Fotograf Oliver Heissner
672 Seiten, 850 Farbabbildungen, Format 16,5 x 27,5 cm
»DAM Architectural Book Award 2017«
ISBN 3-86218-098-0, Juni 2017, 48.00 €

Aus dem Vorwort:
„Eine bedauernswerte Gemeinsamkeit der Architektur dieser drei so unterschiedlichen Jahrzehnte liegt aus heutiger Sicht allerdings in der gleichgültigen bis negativen Bewertung durch die Öffentlichkeit. Im besten Falle als praktische Gebrauchsarchitektur geschätzt, wird ihr der Rang einer baukünstlerischen oder gar kulturellen Leistung, die es zu bewahren gilt, nur in den seltensten Fällen zugesprochen. In der Konsequenz wird dieses Erbe meist voreilig, zumindest aber unbedacht dem technischen und ökonomischen Entwicklungsdruck preisgegeben, der auf einer begehrten Innenstadt wie der Münchens lastet. Dieses Schicksal ist – mit der Ausnahme akademisch geadelter Einzelfälle – den meisten Bauwerken der 50er-, 60er- und 70er-Jahre gemein. Erstaunlicherweise kann selbst der Eintrag in die Denkmalliste manches Gebäude nicht vor dem Abriss bewahren, wenn der wirtschaftliche Druck durch den Münchner Immobilienboom zu groß wird.“

Das Erbe Münchens erhalten und angemessen nutzen oder sich dessen zu bemächtigen und es nach jeweiligen Gutdünken umzumodeln – das steht jetzt bei der Alten Akademie zur Entscheidung. Sie wird Vorbild sein im Guten oder Schlechten für viele andere Bauten aus dieser Zeit in München.

Eine vermeidbare Frage: Wer wird dann schuld gewesen sein?

Folgende Antwort erhielten wir auf eine Anfrage von der Immobilienverwaltung des Finanzministeriums:

„Sie haben sich mit Schreiben 15.07.2018 an die Immobilien Freistaat Bayern gewendet mit verschiedenen Fragen zum Erbbaurecht Alte Akademie in München.
Dazu kann ich Ihnen ganz allgemein mitteilen, dass mit der Bestellung eines Erbbaurechts neben dem Recht auf Errichtung von Bauwerken auch bereits bestehende bzw. aufstehende Bauwerke in die Verfügungsgewalt des Erbbauberechtigten übergehen, nur das Grundstück verbleibt im Eigentum des Grundstückseigentümers, hier des Freistaats Bayern.
Für den Erbbauberechtigten gelten allerdings für die Dauer des Erbbaurechts im Rahmen der Zweckbestimmung und dem Inhalt des Erbbaurechts alle einschlägigen Vorschriften wie Denkmalschutz, städtebauliche und sonstige baurechtliche Vorgaben.
Sie werden verstehen, dass ich Ihnen darüber hinaus schon aus Datenschutzgründen keine Vertragsdetails eines privatrechtlichen Vertrages weitergeben kann.“

Damit ist klar gesagt:

Die Verfügungsgewalt über die Alte Akademie hat SIGNA und der Staat Bayern hat nur noch das Grundstück. Geld kassiert, das Kulturgut achtlos privatisiert.

Die Verantwortung dafür, was SIGNA mit der Alten Akademie anstellen kann und dafür, was SIGNA lassen muss, trägt nun der Stadtrat Münchens mit seinen Behörden.

Die Gegenwart steht näher zur Vergangenheit als zur Zukunft. Die Vergangenheit ist real, die Zukunft imaginär. Wir leben in einer kurzen Zeitphase, die getrieben ist von den Paradigmen Tempo, Niederreißen und etwas Neues machen, Wettbewerbsfähigkeit, X.0 auf allen Feldern. Doch die Städte sind bereits gebaut, überall ist der Anfang des Nächsten die Zerstörung von Bestehendem. „Zeitgemäß“ ist der herrschende Slogan. Das ist heute schlimmer als 1980 oder 2000 und der Treiber ist nicht das selbstbestimmte Wollen der Münchner Bevölkerung sondern das bei den Reichen angehäufte Geld.

Über alles erst noch mal nachdenken, das wäre nötig. Nicht an noch mehr Kommerz muss die Stadt angepasst werden, die Fehler der letzten Jahre sind zu korrigieren, die Stadt muss lebenswert für die Masse bleiben und sie muss auf die selbstverschuldeten Umweltkatastrophen vorbereitet werden.

In Einzelgesprächen hört man immer wieder zur Selbstentlastung „der Staat ist schuld, er hat die Alte Akademie verkauft“. Soweit richtig, aber 2018 und 2019 liegt es allein an der Stadt, die Vernutzung der Alten Akademie durch gute, rechtlich einwandfreie Argumente zu verhindern.

Eine Nachricht von gerade eben, ein Glücksfall! Die Zentrale des Goethe-Instituts kann in das leerstehende Gebäude am Oskar-von-Miller-Ring 18 umziehen. Zentral, 15 000 Quadratmeter, Verwaltungsbau, denkmalgeschützt, Baujahr 1953 – fast dasselbe wie die Alte Akademie, nur wenige 100 Meter entfernt. Ein solcher Glücksfall kann sich wieder finden und die Alte Akademie wäre gerettet. Man müsste nur Fehler zugeben können, dann wird sich ein Weg finden.

Die Krise der Stadt und der Bebauungsplan Alte Akademie

Dem Bebauungsplan muss aus vielen Gründen widersprochen werden: schon wegen der fast kompletten Schließung der Arkaden (SIGNA-CSU-SPD) oder der halben (womit das Planungsreferat und der Bezirksausschuss einverstanden wären). Vollständiger Erhalt der Arkaden wie im Bestand! Kein Verschenken von öffentlichem Raum! Keine Verschandelung einer stadtbildprägenden architektonischen Wiederaufbauleistung!

Die Arkaden stehen mit gutem Grund im Fokus – aber es geht um weit mehr.

Der vorgelegte Bebauungsplan würde (als ein Akt zwischen jahrelangem Trauervorspiel und einer noch lange bis zum eventuellen Baubeginn weitergehenden Farce)
– einen maßlosen Umbau („Umstrukturierung“, Destruktion, Zweckentfremdung …) eines für München so bedeutenden Ensembles genehmigen,
– für die Allgemeinheit den Verlust eines Gebäudes bedeuten, das ihr von großem Nutzen sein und den städtischen Gemeinschaftssinn fördern könnte
– die weitgehende Zerstörung eines hochrangigen Denkmals der Stadtgeschichte zur Folge haben.

In diesem Blog wurden in vielen Beiträgen seit dem Architektenwettbewerb 2016 die Zusammenhänge dargestellt, soweit sie uns bekannt sind. Davon muss nichts zurückgenommen werden!

In der Folge noch von Stoibers Privatisierungskampagne hatte die Regierung Bayerns kein Interesse an weiterer eigener oder einer städtischen Nutzung der Alten Akademie, sondern – so kann man das wohl sagen – wollte sie gegen einen Batzen Geld loswerden. Das geschah schließlich unter dem bekannten Söder als Finanzminister im Jahr 2013. Es war genau die Zeit, als er zur Deckung der Milliardenverluste der Bayerischen Landesbank die landeseigenen Immobilien der GBW verscherbelte. Die Alte Akademie wurde zum Höchstgebot teuer verkauft. Der Vertrag, den Söder mit Benko gemacht hat, ist nicht einmal der Stadt München bekannt! Es ist nicht einmal bekannt, in welchem Zustand die Gebäude nach Ablauf der Erbpacht zurückzugeben sind.

Ein Geschäft, das viele Mitwirkende braucht, vor allem die Stadt München: sie könnte das Schlimmste abwenden – auf rechtlicher Grundlage. Sie entscheidet über den Flächennutzungsplan und das Referat für Stadtplanung und Bauordnung mit der ihr zugehörenden Unteren Denkmalschutzbehörde hat über die Genehmigungsfähigkeit nach dem Bayerischen Denkmalschutzgesetz zu entscheiden!

Die Änderung der Nutzung

Das Bayerische Denkmalschutzgesetz von 1972 sagt in Artikel 5:
„Baudenkmäler sollen möglichst entsprechend ihrer ursprünglichen Zweckbestimmung genutzt werden. … Sind verschiedene Nutzungen möglich, so soll diejenige Nutzung gewählt werden, die das Baudenkmal und sein Zubehör am wenigsten beeinträchtigt. Staat, Gemeinden und sonstige Körperschaften des öffentlichen Rechts sollen Eigentümer und Besitzer unterstützen.

Die Nutzung entsprechend der ursprünglichen Zweckbestimmung ist offensichtlich möglich, sie ist das Einfachste und Naheliegendste. Der Bedarf wäre da, die Räumlichkeiten und die Lage in der Innenstadt sind bestens geeignet für weitere öffentliche oder kulturelle Nutzung. Der Staat hatte sich kaum bemüht, eine adäquate Weiternutzung zu finden, bezeugt durch den Söder-Vorgänger Faltlhauser. Das hätte die Untere Denkmalschutzbehörde schon lange einzufordern, spätestens dann, bevor rechtsverbindlich genehmigt wird.

Dem entgegengesetzt heißt es im Entwurf des Bebauungsplans: „Ziel war es unter anderem, die Umstrukturierung der stadt- und baugeschichtlich bedeutenden Anlage zu begleiten …“

Zusätzlich legt der gültige Flächennutzungsplan das Planungsgebiet als Gemeinbedarfsfläche „Verwaltung“ fest. Das soll nun beiläufig gestrichen werden zugunsten privater Verwendung – mit absurder Begründung:
Im Entwurf des Bebauungsplans heisst es an gleicher Stelle: „Ziel war unter anderem, … die innenstadtspezifische Nutzungsvielfalt zu fördern …“ – und die letzte Enklave in der Kommerz-Overkill-Zone Neuhauser Straße ist damit Kommerz-fördernd und Vielfalt-zerstörend bereinigt.

Der Abriss des Hettlage-Gebäudes

Das ist der absolute Hammer: ein eingetragenes Denkmal verschwindet – bis auf die Fassade – und muss letztlich nach üblichem Vorgehen aus der Denkmalliste gestrichen werden! Aber mal ganz sachlich, ganz rechtlich gesehen:

Bayerisches Denkmalschutzgesetz, Art. 6:
(1) Wer
1. Baudenkmäler beseitigen, verändern oder an einen anderen Ort verbringen oder
2. geschützte Ausstattungsstücke beseitigen, verändern, an einen anderen Ort verbringen oder aus einem Baudenkmal entfernen will, bedarf der Erlaubnis.

Bayerisches Denkmalschutzgesetz, Art. 15:
(1) Der Antrag auf Erteilung einer Erlaubnis nach Art. 6, 7 und 10 Abs. 1 und auf Verpflichtung des Eigentümers nach Art. 7 Abs. 5 ist schriftlich bei der Gemeinde einzureichen, die ihn mit ihrer Stellungnahme unverzüglich der Unteren Denkmalschutzbehörde vorlegt.
(2) Die Untere Denkmalschutzbehörde soll vor einer Entscheidung … das Landesamt für Denkmalpflege hören.

Wir gingen davon aus, dass das Landesamt für Denkmalpflege längst gehört wurde. Wir wurden auf Anfrage belehrt, dass die Stellungnahme des Landesamtes schon noch kommen wird, weil sie dem Stadtrat am Ende mit vorzulegen ist – noch gibt es sie nicht! (und ist dann auch nicht öffentlich einsehbar.)

Im Entwurf des Bebauungsplans heißt es:
„Größere Veränderungen erfolgen im westlichen Bauteil, dem ehemaligen Hettlage-Kaufhaus. Das Gebäude wird mit Ausnahme der Fassaden an der Kapellenstraße und Neuhauser Straße abgerissen und durch einen Neubau mit mehreren Untergeschossen ersetzt.“ (Das kann sich jeder denken: ohne Möglichkeit einer neu anzulegenden Tiefgarage hätte das Ganze für Benko keinen Sinn gehabt, also was sagt da die staatliche Denkmalpflege? Wir hätten es gern gelesen.)

Wie kann das passieren?

Hans-Jochen Vogel hat genau die treibenden Zusammenhänge beschrieben, schon 1972, und nicht nur er hat es damals gewusst:

Die Krise ist die Krise des über seine Grenzen hinauswuchernden ökonomischen Systems, es ist die Krise der ökonomischen Stadt. Sie besteht darin, daß auch in unseren Städten die Zuwachsrate das ausschlaggebende Entscheidungskriterium darstellt. Alles was die Zuwachsrate des Sozialprodukts, des Konsums, des Profits steigert, ist gut und geschieht, alles was die Zuwachsrate auch nur abflacht, ist schlecht und unterbleibt. Am deutlichsten tritt dies Prinzip bei der Konkurrenz mehrerer Nutzungsarten um das gleiche Grundstück hervor. In aller Regel wird sich die Nutzung durchsetzen, die den höchsten Ertrag abwirft und demgemäß den höchsten Preis zahlen kann. Die Frage, ob dies auch für die Gemeinschaft optimal ist, tritt demgegenüber weit zurück. Deshalb siegt im Konfliktsfalle – um Beispiele aus München zu nennen – stets das Warenhaus über das Kulturzentrum, die Bank über das alteingeführte Café, das Bürogebäude über den Biergarten. Und wären Dome und Rathäuser nicht in aller Regel unverkäuflich, müßten sie nach dem herrschenden System eigentlich auch einer profitträchtigeren Nutzung weichen.“

Quelle: Hans-Jochen Vogel: Die Amtskette. Meine 12 Münchner Jahre, München: Süddeutscher Verlag 1972, S. 306 (mit Dank an den Finder dieser Zeilen)

Man braucht hier nicht zu spekulieren, wie das im Einzelnen im Zusammenspiel von Profitsuchern, Mehrheits-Politikern und Ämtern abläuft. Es ist die Abwägung der wirtschaftlichen Interessen, ihre absolute Vorneanstellung, die diese Abläufe durchdringt: das beginnt beim geheimnisgeschützten Verkauf, spätestens dann beginnen die Gespräche aller mit allen, es wird abgeklopft und Schritt für Schritt fixiert und angepasst und zugestanden und gedehnt und gestreckt bis der Bauantrag durch ist. Da soll sich keine Ebene dagegenstellen oder drücken. Dann kann in diesem Fall die Alte Akademie durch Teilabriss und Entkernung fast wieder in den Zustand nach der Bombardierung zurückversetzt werden, um hinter der täuschenden Fassade als zeitgemäße Profitmaschine neu gebaut zu werden. Und damit gibt es wieder einen Zuwachs 

Die denkmalzerstörende Umnutzung und der Abriss des Hettlage-Gebäudes sind längst ausgehandelt, das muss man so sehen. Es ist auch nachvollziehbar, wann und von wem die Haltelinien aufgegeben wurden, schon 2005, vor dem Wettbewerb in der Auslobung, im fulminanten Wettbewerb, nach dem Wettbewerb … Behörden und Politiker gehen nicht gern zurück und „das dauert ja alles noch“ – wir erleben hier die politisch/bürokratischen Niederungen der Krise des über seine Grenzen hinauswuchernden ökonomischen Systems. Doch eins ist sicher: Der nimmersatte Investor SIGNA mit dem goldenen Händchen bringt mit seinen maßlosen Ansprüchen das Fass zum Überlaufen. Benkos Kampf um Maximalprofit und die Herrschaft über die Stadt treibt die Krise bis kurz vor den Sieg – doch dann ist das Pferd tot.