… und er hat sie alle abgezockt!

Warum Schulden bezahlen, wenn es auch anders geht?

 

In einem Mitarbeiterbrief betonte GKK-Chef Miguel Müllenbach: „Der heutige Tag ist der Startschuss für einen Neuanfang, denn unser Unternehmen hat jetzt wieder eine gesunde Basis und die Aussicht auf eine sichere Zukunft.“ Der Warenhausriese könne sich voraussichtlich schon im Oktober wieder ohne irgendwelche insolvenzrechtlichen Einschränkungen und schuldenfrei dem Wettbewerb stellen. ….
Für die Gläubiger bedeutet das Ja zum Insolvenzplan den Verzicht auf einen Großteil des Geldes, das ihnen der Warenhauskonzern noch schuldet. Insgesamt müssen die Lieferanten, Vermieter und sonstigen Gläubiger auf mehr als zwei Milliarden Euro verzichten.
Für die Gläubiger gab es kaum eine andere Wahl, als dem Plan zuzustimmen. Bei einer Ablehnung des Insolvenzplans hätten sie wohl überhaupt nichts von ihrem Geld wiedergesehen. (alles aus der Süddeutschen Zeitung)

Der Spieleinsatz von Benko soll sich auf mehrere hundert Millionen beziffern – ein guter Schnitt.
Der Spieler nennt seinen Coup „Rettung für Galeria Karstadt Kaufhof“ statt „gelungene Erpressung“ und so lautet dann auch die Überschrift in der Zeitung. Es kann also weitergehen: Fortsetzung folgt…

Hochachtung vor dem Bezirksausschuss Ramersdorf/Perlach und allen Beteiligten, die mit Herz und Entschlossenheit ein ortsprägendes Gebäude verteidigen! (Bericht in der SZ vom 18.August)

Ganz anders Söder (damals Finanzminister), der Stadtrat Münchens und das Landesamt für Denkmalpflege im Fall Alte Akademie: sie haben ihren historischen und charakteristischen Wert nicht mal erkannt, sie haben den Immobilienspekulanten Benko eingeladen, sein Umnutzungsprojekt geradezu hofiert und schlussendlich (fast) alles genehmigt.

Der Einsatz der Perlacher zeigt, wie man auftreten kann, während bei der Alten Akademie die Werkzeuge des Denkmal- und Ensembleschutzes weggeworfen wurden:

Keine Umnutzung!

Die Alte Akademie hat über Jahrhunderte ausschließlich kirchliche, wissenschaftliche, staatliche Institutionen beherbergt. Die letzte Nutzung durch das statistische Landesamt nach dem Wiederaufbau hat bestens geeignete Räumlichkeiten für eine ähnliche Weiterverwendung hinterlassen. Der Bedarf dafür wurde kurzerhand verneint und das Ensemble meistbietend verkauft. Folge: Rein gewerbliche Nutzung eines historisch herausragenden Kulturbaus.

Keine gravierenden Veränderungen im Inneren!

Nach Buchstaben und Sinn des Denkmalschutzgesetzes ist das Innere eines Denkmals ebenso geschützt wie das äußerlich Sichtbare. Niemand der Verantwortlichen hat sich für das Innere mit vielen charakteristischen Details des Nachkriegs-Wiederaufbaus eingesetzt. Folge: Komplette Entkernung, kaum eine Wand im Inneren bleibt, alles wird für die neue Nutzung rausgerissen: für Kaufhaus, Luxusbüros, Luxuswohnungen.

Keine gravierenden Veränderungen im Äußeren!

Nach den Verwertungswünschen des neuen Besitzers soll – soweit es diesen als Aushängeschild dient – die Fassade erhalten werden. Da muss man schon sehr gutgläubig sein. Wie weit das tatsächlich der Fall sein wird, hängt von der nichtöffentlichen Baugenehmigung ab… Zugestanden wurde Benko schon die weitgehende Schließung und Verhunzung der Arkaden, die Zerstörung des Einfahrtstores, der Abbruch des Dachgeschosses und neue „zeitgemäße“ Dachgauben im Hinterhof.

Kein Entgegenkommen für unlautere Gewinnabsichten!

Wo die Perlacher sagen, der neue Besitzer muss wissen, worauf er sich eingelassen hat – dass er ein Denkmal erworben hat – wird bei der Alten Akademie das Gewinninteresse Benkos über alles gestellt: der horrende Kaufpreis rechtfertigt alles, was er für nötig hält, um aus der Alten Akademie als einem Verwertungsobjekt Gewinn zu schlagen. Die lächerlichen, propagandahaften Verdrehungen der SIGNA-Leute, dass nun endlich dieses Gebäude „begehbar“ und „geöffnet“ werde, wurden begeistert im Stadtrat übernommen.

Erhalt des historischen, sozialen und kulturellen Zusammenhangs!

Die Alte Akademie ist in der Neuhauser Straße das letzte nicht-kommerzielle Ensemble, von hohem historischen und einem wieder gewinnbaren kulturellen und sozialen Wert. Gehandelt wurde nach einer anderen Maxime: die Innenstadt München als Zentrum für Kommerz, Profitmacherei durch Bodenspekulation, ein Standort, an den die Reichen der Welt ihr Geld tragen sollen… Die Kommerzialisierung der Alten Akademie wurde geradezu als Vervollkommnung dieses Umbaus der Innenstadt von einem kulturellen und sozialen Treffpunkt zur Einkaufscity hochgeredet.

Leider ist Perlach keine eigenständige Gemeinde, muss man jetzt sagen. Zuständig ist der Stadtrat Münchens und ausgerechnet das Münchner Referat für Stadtplanung und Bauordnung wird diesen Bauantrag bearbeiten. Rechtlich hat ein Bezirksausschuss kaum etwas zu sagen und seine Meinung wird regelmäßig im Interesse der Spekulation übergangen.

Den Perlachern wünschen wir Standhaftigkeit und Erfolg in ihrem Kampf für den Gasthof zur Post!

Und trotzdem mit Vollgas in die Katastrophe hinein bauen

„Im Dezember 2019 hat der Münchner Stadtrat den Klimanotstand für München ausgerufen und gleichzeitig die Stadtverwaltung beauftragt, einen Handlungsplan zu erarbeiten, wie das Ziel der Klimaneutralität der Gesamtstadt bereits in 2035 erreicht werden kann.“ ((muenchen.de) Dennoch gibt es einen Mann an entscheidendem Posten, der davon noch nichts gehört hat bzw. meint, es ignorieren zu dürfen.

Es gibt ja viele Leute (zuletzt Architekt Peter Haimerl in der SZ vom Wochenende), die überzeugt sind, dass München nichts derartiges wie eine Stadtplanung besitze. Dagegen steht, dass kürzlich, am 5. August, die SZ im Interview einen Mann präsentierte, der behauptet, gerade der neue Leiter der Stadtplanung in München geworden zu sein! Michael Hardi ist ein Eigengewächs aus dem Referat, das seltsamerweise auch „Stadtplanung“ im Namen führt. Beweist er mit dem alten abgestandenen Kalauer „Aber wir können nicht wie im Mittelalter die Zugbrücke hochziehen und sagen: Wir sind voll, keiner darf mehr rein“ die Qualität für den Posten? Mit dem pseudo-sozialen „Wir müssen unseren Platz teilen“ (soll heißen: die Baumafia verlangt Grundstücke und Baugenehmigungen) zeigt er schon Fähigkeiten im Nachsprechen Orwell’scher Sprechblasen.

Keine Scherze mehr. In dem Gespräch, das Sebastian Krass für die SZ führte, geht es nur um eins: Bauen, bauen, bauen – und es wird toll, machen Sie sich keine Sorgen!

Es geht einzig darum, dass München möglichst bald dicht sein soll – dafür wird der Mangel an Wohnungen instrumentalisiert (der wiederum Folge solcher landesweiter Nichtplanung ist). Offensichtlich geht es aber darum, dass die derzeit aktiven Grundstücksbesitzer und Baulöwen schnell ihr Futter bekommen – die letzten freien Flächen zur maximalen Bebauung. Das Wettrennen um die letzten Gelegenheiten läuft und Hardi macht den Weg frei. Auf Kosten der restlichen Bevölkerung, für die er Verständnis übrig hat. Von der wichtigsten Aufgabe einer tatsächlichen Stadtplanung, München auf die Klimakatastrophe vorzubereiten, ist dagegen nicht im Ansatz die Rede. Herrn Hardi (der als Untergebener von Frau Merk wohl nicht anders kann) nicht zu konfrontieren, geht auf das Konto der SZ-Lokalredaktion, die brav mitspielt. Mag vom Tod der Betonstädte auf anderen Seiten zu lesen sein, für unsere Stadt gilt das nicht…

Einen Gegenschlag würde Benko schon verstehen


Die Dringlichkeit des Antrags wurde von der Mehrheit im Stadtrat nicht anerkannt und somit der Antrag abgewiesen. Zehn Stimmen für die Kaufhof-Belegschaft und die Alte Akademie im Münchner Stadtrat! Zur selben Zeit schaut es im Erdgeschoß des Hettlage-Teils der Alten Akademie, der abgerissen werden soll, sehr wohl dringlich aus:

Vielen Dank an ÖDP und Freie Wähler wie an Die Linke und Die Partei!

Abgefieselt bis auf die Knochen: Kundgebung vorm Kaufhof in Ingolstadt

Das sagenhafte Kaufhaus-Konzept von René Benko ist sehr einfach gestrickt:
So viel Profit aus der Substanz ziehen wie nur möglich – so wenig Verantwortung wie möglich! Das Risiko tragen: nein – abwälzen!

Versagen ohne Konsequenzen

Ein Drittel der Häuser wird geschlossen, Tausende langjährig Beschäftigte werden auf die Straße geworfen. Insolvenz in Eigenverantwortung – das wunderbare Werkzeug, um Tarifverträge aufzukündigen, die Entlassenen um ihre Abfindung zu prellen und andere Rechnungen nicht bezahlen zu müssen. Sein Vermögen braucht Benko nicht anzutasten! Möglicherweise macht er noch einen Reibach aus dieser Situation: durch Lohnraub, Erpressung von Vermietern und Lieferanten, durch Immobilienverkäufe und Geschenke der Politik.

Die Innenstädte sollten gerettet werden – reinster Hohn! Ein immer versprochenes besseres Konzept gab und gibt es nicht. Sichtbar ist nur: für die Städte und die Nahversorgung wichtige oder beliebte Kaufhäuser werden rücksichtslos und eigenorientiert geschlossen. Weitere Schließungen sind zu erwarten – bis auf den Bestand an „Luxus“häusern, die vielleicht der Traum von René Benko sind. Solange er dirigieren kann, wird es so weitergehen; was er nicht brauchen kann, wird aussortiert.
Schuld sollen jetzt alle sein, die im Internet einkaufen, dann noch Corona, die Vermieter, die schrecklichen Autobeschränkungen, das Sonntagsverkaufsverbot und was noch … nur nicht der Versager Benko. 

Wer kann den Beschäftigten helfen, ausser sie selbst? Das Verhalten der Gewerkschaft ver.di ist schon fragwürdig. Sie hat die Macht der Belegschaft, den Betrieb zum Stillstand zu bringen und damit effektiv Druck zu machen, nicht nutzen wollen und steht nach „zähen Verhandlungen“ zu einem Vertrag mit einem rüden Kapitalisten, der den letzten Vertrag vom Dezember (mit Beschäftigungsgarantie) zerrissen hat. Wenn Benko raus wäre, hätte die Belegschaft vielleicht in Selbstregie eine Chance, die Kunden zu halten. Aber angesichts der zu erwartenden Sabotage z.B. der Banken und der Konkurrenz des bevorteilten Internethandels ist ihr das kaum zuzumuten.
In München läuft dieses Spiel noch übler ab als in anderen Städten (Berlin, Düsseldorf, Mainz, Ingolstadt …) wo es zu Aktionen und auch zu Kritik von Bürgermeistern an Benko kommt.

OB Reiter will was tun – und geht auf Tauchstation

22. Juni
Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter äußerte sich am Montag in einer Pressemitteilung zu den Schließungen der Filialen in München:
„Die Ankündigung der Schließung von Galeria Karstadt Kaufhof Häusern in München hat mich sehr betroffen gemacht. Vielen Menschen droht der Verlust ihres Arbeitsplatzes. Daher habe ich den Generalbevollmächtigten von „Galeria Karstadt Kaufhof“ heute um ein möglichst zeitnahes Gespräch gebeten, um zu klären, inwieweit die Stadt unterstützen kann, um die angekündigten Schließungen und damit verbundenen Kündigungen vielleicht doch noch abwenden zu können.“

3. Juli
„Ich bin total skeptisch, ob Herr Reiter wirklich was tun oder nur sein Gesicht in der Zeitung sehen will. Der Konzern lügt chronisch und Reiter wird sich auch anlügen lassen. Wir haben einen Runden Tisch gefordert, mit Unternehmens-Vertretern, Vermietern, OB und uns. Seit einer Woche warten wir auf einen Terminvorschlag von Reiter“, schimpft Dominik Datz (36), bei Verdi für den Einzelhandel verantwortlich. „Die Zeit läuft weg.“ (zitiert aus der BLÖD-Zeitung)

Bis heute war nichts mehr von OB Reiter zu lesen – die Arbeiter*innen hat er hängen lassen, die Gegenwehr unterlaufen, Benko sagt Danke.

Nachtrag:

17. Juli
Aktion am Stachus

21. Juli
René Benko lehnt Angebot ab. Michael Zechbauer, der Vermieter vom Kaufhof am Stachus: „Ich bin schockiert. Es ist extrem geschmacklos. Herr Benko hat niemals das Interesse an einer Einigung gehabt. Es geht ihm nur um die Erhöhung des Wertes seines Immobilienportfolios. Seine Mitarbeiter werden im Oktober auf der Straße stehen. Mir fehlt jede Form von Verständnis für diese Rücksichtslosigkeit“.

Oder so: Ein Kämpfer für Karstadt!

Ein guter Tip umsonst: Keine neuen Läden mehr!

tz vom 6. Juli: „Viele Läden schließen – Clemens Baumgärtner ist ratlos“.

Die Münchner Innenstadt hat ein Problem, richtig. Und auch dieses Problem wird letztlich auf dem Rücken der Kleinen ausgetragen: der kleineren Ladenbetreiber*innen oder der Beschäftigten. Kundschaft fehlt – gibt es eine Lösung? Es muss eine Lösung geben!

Wirtschaftsreferent Baumgärtner hat die Lösung bestimmt nicht. In dem Artikel hat er genau zwei Ansätze: 1. Ein neuer Posten Quartiersmanager Innenstadt. Dieser Mensch soll dann „gezielt Ladenflächen vermitteln“ – ändert nichts am Grundproblem! 2. Autonom durch die Fußgängerzone fahrende Kleinbusse – Na ja…  In der Abendzeitung vom 23. Juni hat er 3. noch die Idee von Sonntagsöffnungen – o je.

Das Problem ist doch, dass die Innenstadt innerhalb von vielleicht 20 Jahren zu einem Hot Spot des Überkonsums gemacht wurde, zu einem Mekka des Kaufens um des Kaufens willen, zu einem Walhalla der Reichtums-Touristen – muss nicht weiter beschrieben werden, genau deshalb gehen viele Münchner*innen nicht mehr rein. Hat wer gedacht, dass das immer so weitergeht? Ewiges Wachstum, ewige Verschwendung? Ewige Verdrängung und Erniedrigung vor dem Götzen Geld?

Voraussetzung dafür ist der klimaschädliche Wohlstands-Städte-Flug-Tourismus. Überhaupt eine Welt ohne andere Probleme… und eine Mittel- und eine Oberschicht, bei denen das Geld für den Kauf unnötiger Dinge locker sitzt etc. Die praktizierte Münchner Innenstadtluxusaufblähung hat keine Zukunft, ob man es jetzt schon wahrhaben will oder nicht. Im Grunde ist es obszön, die Vorzeigeseite der Plünderung des Planeten. Es ist höchste Zeit, sich von dieser Entwicklung zu lösen und umzukehren. Da ist ein ganz einfacher Lösungsbeitrag zum ersten Anfang: wenn Läden schließen und noch viele schließen werden – keine neuen zusätzlichen Läden mehr!

Diese Durch-Kommerzialisierung wurde von der Politik begrüßt und gefördert. Sie hat den Investoren und Spekulanten geholfen und könnte auch wieder gegensteuern. Da kommen wir zur Alten Akademie: dieses letzte große freigewordene, jahrhundertealte Gebäude hat der Staat auch noch dem Kommerz nachgeschmissen. Jetzt haben die Bauvorarbeiten begonnen, ohne Sinn und Verstand. Benko will neue Läden (ungenannte Luxusläden) errichten, während er gleichzeitig mehrere Kaufhäuser schließt. Ist das in Ordnung? Überdies sagt Herr Wolfgang Fischer, Lobbyist von City-Partner in der tz angesichts der Leerstände: „Rekordmieten von 350 Euro pro Quadratmeter werden nicht mehr aufrufbar sein“ – und genau auf diesem Sand sind Benkos Pläne gebaut. Wenn die Politiker*innen der Stadt das Innenstadt-Fiasko verhindern wollen, sollten sie z.B. dem Wunderknaben Benko etwas klarmachen. Der Stadtrat hat übrigens gerade eigene Baumaßnahmen aus Geldmangel gestoppt, darunter die Erweiterung des Stadtmuseums (was für dieses Gebäude eine Rettung ist). Nach wie vor eine Idee, die zum allgemein notwendigen Umdenken passt: Benko raus aus der Alten Akademie und dort das Stadtmuseum erweitern!

Lobbyismus schadet der Gesellschaft – SIGNA ist darin Meister

In einem ausführlichen Artikel der Berliner Zeitung wird die Lobbyarbeit von SIGNA geschildert – sowohl auf Politiker*innen wie die Öffentlichkeit gerichtet. Von schweren Geschützen wie einem Joschka Fischer bis zu windigen Vorspiegelungen, SIGNA würde sich um den Fahrradverkehr im Viertel kümmern.
Lobbyismus heißt: Falsche Entscheidungen, Intransparenz, Vorteilsgewährung, „Eine Hand wäscht die andere“ bis hin zur Korruption, das Übergehen gewählter Gremien, vorgetäuschte Bürgerbeteiligung, Verarschung der Öffentlichkeit. In Berlin gibt es zum Glück Widerstand dagegen und Zeitungen, die solche Machenschaften aufdecken wollen. In München?
Auf Einladungen von Society-Liebling Stavros Konstantinidis (einem SIGNA-Mann) kommt man zusammen und versteht sich. (SZ-Photo, 2019)

In München gibt es natürlich keinen Lobbyismus, bzw. da ist es so wie es schon immer war. Es fügt sich alles wundersam, aber es bleibt tunlichst unter der Decke. Der vormalige Finanzminister verkauft das Kulturerbe. Der Oberbürgermeister lädt Benko ins Rathaus, um ihm die Alte Akademie auszuliefern, damit ein Ende hergeht (es spielt auch keine Rolle, dass dieser Herr keinerlei verantwortliche Funktion im SIGNA-Konzern ausübt). Der Stadtrat ist froh, dass er nicht mehr diskutieren muss und die Proteste der Bevölkerung übergehen kann. Die Verwaltung ist zu Diensten. So kann es jetzt dazu kommen, dass SIGNA die Alte Akademie für ein absurdes Luxusobjekt zerstört, während gleichzeitig Kaufhäuser von Karstadt/Kaufhof geschlossen werden! Niemand wird schuld gewesen sein.
Mit CSU und SPD läuft es also prima. Vielleicht müssen nach der letzten Kommunalwahl die Grünen mehr einbezogen werden? Gab es da schon Einladungen? Wie blauäugig wollen wir sein?

Weitere Artikel aus Berlin:
Undurchsichtige Besitzverhältnisse durch Beteiligungsgesellschaften – ein Basiswerkzeug von SIGNA

Außerordentlich professioneller Lobbyismus von SIGNA

Projektentwicklung von SIGNA – eine Form der Gewalt gegen die Nachbarschaft

Neoliberales Leitbild mit Ökotouch

Der Hochhaus-Deal

Wenn die Stadt schon den Immobilienhaien gehört, dann liegt die logische Perfektionierung in der Gleichschaltung der Baubehörden:


Wir finden es einen Skandal: Eine private Organisation bietet Seminare an:
– mit einem Referenten aus dem Referat für Stadtplanung und Bauordnung
– zur gemeinsamen „Fortbildung“ von Beamten und Leuten der Immobilienspekulationsbranche
– damit die „erfolgreiche Zusammenarbeit“ gelingt!

Wieso stellt die Stadt München dafür einen Referenten ab? Und bezahlt die Stadt München etwa noch ein Heidengeld (mit Rabatt!), um Bedienstete auf Social Meetings mit Spekulanten zu schicken? Ist jetzt schon auf dieser Ebene alles eins oder sollten Amtsträger nicht allein die Interessen der Allgemeinheit vertreten?

Gibt es noch Stadträt*innen in München, die diesen Anschlag auf die Unabhängigkeit der Verwaltung nicht mittragen wollen?

Kopf des Management Circle ist im übrigen Stephan Heller, der mehrere Immobilienprojekte als Lobbyist vertritt – die graue Eminenz des Städtebaus in München?

Nichts Gutes zu berichten

Die Abbrucharbeiten haben eilig begonnen*, München hat verloren. Von der Alten Akademie wird ein teilweises Fassadenskelett übrig bleiben, um zu einem beliebigen Konsum/Bürogebäude mit wertsteigerndem Erscheinungsbild verhunzt zu werden. Zum nicht wieder gut zu machenden Verlust hat Dieter Wieland 2017 an OB Reiter geschrieben (siehe rechte Leiste). Im Februar 2020 hat OB Reiter für das abgewählte CSU-SPD-Benko-Kartell persönlich den Deal mit René Benko abgeschlossen, damit eine Ruhe ist und der Kommerz brummt und was verdient wird – was anderes zählt in München nicht mehr. München hat sich dem Kommerz verschrieben, bis dieser tot ist. Und wer noch nicht im Bett von Benko liegt, kann reinschlüpfen. Aber gemütlich wird es nicht: der Spekulant gibt gerade bei Karstadt/Kaufhof Anlass zu raten, was von ihm als ehrbarem Kaufmann zu halten ist: „Wird die Warenhauskette jetzt wegen Corona zerschlagen? Ehemalige Mitarbeiter, darunter frühere Aufsichtsräte, glauben, dass die Insolvenz von langer Hand vom österreichischen Eigentümer René Benko geplant worden sei.“ (Süddeutsche Zeitung, 13.5.)
Die Abendzeitung leistete sich einen Tiefpunkt des Journalismus. Vielleicht weil der Lokalteil noch nicht voll war, machte man es sich leicht: „An der Alten Akademie wird jetzt gebaut. Wie René Benkos Projektentwicklungsunternehmen Signa gestern mitteilte, sind die Arbeiten „im Inneren des Ensembles“ angelaufen.“ Und dann wird abgeschrieben, als sei die AZ ein Mitgliederjournal der Immobilienmafia; als könne man in München, wo die Spekulanten ihr Unwesen treiben und man die Bayerische Hausbau, Büschl u.a. kennt, in deren verdrehten Falschinformationen mehr als 1% Wahrheit finden. Keine Mühe gemacht, keine Recherche, keine Erinnerung an die vielen widersprechenden Stimmen, kein Nachfragen … traurig, Betrug an den Leser*innen, die glauben, was in der Zeitung steht.
Wer will sicher sein, dass diese Baustelle jemals fertig wird, nach dann zehn Jahren Vorlauf, mit drei Jahren Bauzeit, mit 400 (so heißt es) rausgeschmissenen Millionen und einer zerstörten Alten Akademie? Als Projekt einer falschen, nicht zukunftsfähigen Kultur und des gestörten Versuchs, ein „Imperium“ zu errichten …

  • alles in Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und dem Referat für Stadtplanung und Bauordnung

Umfrage: René Benko – ein Abfindungspreller?

Nach einem Bericht der SZ vom Gründonnerstag stellt es sich so dar:

  Von Kaufhof 2019 rausgeschmissene Angestellte müssen vor Gericht um Abfindungen streiten
  SIGNA ignoriert gerichtliche Zahlungstermine …
  um mit einer fragwürdigen Begründung („Schutzschirm“, Insolvenzverfahren) …
  die überfälligen Auszahlungen zu verweigern.

(Bitte ankreuzen)

Herr Innenminister Joachim Hermann:

Finden sie dieses Verhalten korrekt?

Ο  Wir in Bayern wissen doch, dass eine erfolgreiche Wirtschaft elastisch geführt werden muss.
Ο  Herr Benko hinterläßt mir immer einen freundlichen Eindruck. So ein tüchtiger Mann!
Ο  Also, wer seine Angestellten bescheißt, disqualifiziert sich selber – geht überhaupt nicht!

Herr Stavros Konstantinidis (Anwalt und Society-Liebling aus München):

Wie werden Sie als Aufsichtsrat bei Kaufhof und Karstadt reagieren?

Ο  Als Anwalt kann ich das immer von der einen und auch von der anderen Seite betrachten.
Ο  Das Aufsichtsrat-Sein ist nun mal nicht so, wie es sich Lieschen Müller vorstellt…
Ο  Ich werde das keinesfalls dulden, da lege ich mich quer!

Herr Markus Söder:

Was würden Sie machen, wenn diese in langen Jahren erschufteten Abfindungsansprüche kapitalsparend in die Umnutzung der Alten Akademie gesteckt würden?

Ο  Ich bin ein sehr guter Ministerpräsident!
Ο  Mein Land ist Eigentümer der Alten Akademie – angesichts eines so unsozialen Verhaltens steht der von mir als damaligem Finanzminister mit Benko geschlossene Pachtvertrag in Frage!
Ο  Wer kann und will die geheimen Wege des Geldes erforschen? Das ist ein wesentlicher Teil unserer Freiheit.