Geduld, Gründlichkeit und Verantwortlichkeit sind gute Tugenden

Die Kommission für Stadtgestaltung wird sich mit den Arkaden der Alten Akademie beschäftigen – zum dritten Mal. Am 23. Juli hatte Frau Merk die Wiederbefassung als Ausweg genommen. Die geäußerte Meinung aus der Kommission war merkbar überwiegend kritisch. Hauptgrund für die Vertagung war dann auch, dass der Vortrag von Herrn Architekten Morgner (alles toll, richtig, notwendig) den schalen Geschmack von „Alternativlosigkeit“ hinterließ. Die Hintergrundinformation fehlte wie beim ersten Termin (das Referat für Stadtplanung will nun liefern). Es wäre schwierig gewesen, einen positiven Kommissionsspruch zu formulieren – oder überhaupt einen.

Also wieder am 17. September um 16 Uhr im großen Rathausssaal.

Zitat Webseite www.muenchen.de: Neben dem Oberbürgermeister und der Stadtbaurätin setzt es sich aus weiteren Vertreterinnen und Vertretern der Stadtverwaltung, Fachleuten anderer Behörden, dem Heimatpfleger, Stadträtinnen und Stadträten sowie zehn freiberuflichen Architektinnen und Architekten zusammen.“

Es wäre demnach schön, wenn OB Reiter diesmal dabei wäre, um seine Verantwortung in einer Angelegenheit wahrzunehmen, die viele in der Stadt aufregt. Es sollte nicht noch einmal passieren, dass eine Stadträtin und eine Referentin, die beide in die Arkadenfrage verstrickt sind, die Sitzungsleitung einnehmen.


Klares Votum für die Arkaden – Bericht folgt!

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Trommeln im öffentlichen Raum für den öffentlichen Raum

Sonntag, 8. September, 14 – 16 Uhr

Eine Veranstaltung des Münchner Forums. Aus der Ankündigung:

Umbruch – Abbruch – Aufbruch
Die Alte Akademie und ihre Arkaden: Ende eines offenen Baudenkmals?
Der Kaufhof am Marienplatz: (k)ein Baudenkmal?

 Im Rahmen eines „sich fortbewegenden Aufzugs unter freiem Himmel“ gemäß Versammlungsgesetz wird uns die Musikgruppe „Ruhestörung“ auf dem Weg vom Marienplatz zur Alten Akademie begleiten und im öffentlichen Raum für den öffentlichen Raum trommeln.

Ausgangs- und Endpunkt dieser Veranstaltung sind zwei prominente Bauten des Architekten Josef Wiedemann.
Treffpunkt und erste Station: Kaufhof am Marienplatz / Ecke Rosenstraße
Zweite Station: Alte Akademie, Neuhauser Straße 8/10
Es führt Klaus Bäumler, 2. Vorsitzender des Münchner Forums


Eine gelungene Veranstaltung mit großer Beteiligung! Gute Stimmung trotz Dauerregen dank der guten Vorbereitung und kundigen Führung durch Klaus Bäumler. Von ihm und Brigitta Michail (Tochter von Josef Wiedemann) gab es geschichtliche Einblicke und einen unbeirrten Ausblick, dass die Arkaden noch lange nicht aufgegeben sind. Selbst nach dem womöglichen Satzungsbeschluss um die Jahreswende (im Kommunalwahlkampf) hat das Vorhaben von SIGNA noch genügend Haken und Schwierigkeiten auf dem steinigen Weg zur Zerstörung eines Münchner Baudenkmals. Wir informieren weiter.

Was in New York gehasst wird, ist in München der letzte Schrei


Das mittlere Bild (Hudson Yards, New York) ist real. Links und rechts Computerzeichnungen. Da streben die Klingen aus einem Grün heraus, das es nicht geben wird. Das Büschl-Projekt zeigt sich schamhaft von hinten, weil die Halle wegen massiver Bebauung von vorne nicht mehr zu sehen sein würde.

München ist verschlafen, hinkt der Zeit hinterher, braucht endlich einen richtigen Push, um Metropole zu werden … Hochhäuser müssen her, egal für was (Büros, Hotels, Wohnungen) egal wie sie ausschauen (verblasene Skizzen genügen, um Begeisterung zu entfachen), egal wie umweltfeindlich (das maximale Anti-Grün) und menschenfeindlich (Depressionen). Denken Sie vielleicht auch so wie die meisten Stadträte und der BA 9 sogar fast vollständig? Man sieht es ja in München schon – von New York können Sie lernen, dass es dabei um den Selbstmord der Stadt geht.

„Manhattan aber ist zur Blaupause für jene Stadtentwicklung geworden, die mit dem Begriff „Gentrifizierung“ längst nicht mehr ausreichend beschrieben wird. Die radikale Kapitalisierung des Wohn- und öffentlichen Raums hat Städte wie London, Moskau, Paris und München zu Refugien der sehr Wohlhabenden und Bestverdiener gemacht. Ganz New York scheint die Hudson Yards zu hassen – ja, der Ausdruck ist durchaus angebracht.“

Eine tolle Reportage (keiner dieser diffusen Überflieger-Artikel von Gerhard Matzig) in der Süddeutschen, eine letzte Warnung, aus dieser Entwicklung auszusteigen. Mehr sei nicht zitiert, lesen sie alles, hier oder hier. Das hilft gegen die Gehirnwäsche des Hyperkapitalismus. Die Mehrheit der Münchner Bevölkerung ist nach allem was weiß keineswegs dafür, statt demokratischer Meinungsbildung und Entscheidung wird die Propagandamaschine angeworfen: „München braucht Wohnungen“, „München muss jetzt in die Höhe bauen“ – nein, Wohnungslose brauchen Wohnungen und für sie entstehen sie zuletzt!

Undemokratisch – antiökologisch – unsozial

Jetzt kommt der Rundschlag: Die München-Lobby-Firma Heller & Partner scheint ihre Finger mit drin zu haben. Der Kommentar auf ihrer Webseite kann nur eitel Selbstlob sein: Kommunikation die funktioniert und starke Clippings, die den Erfolg des Projekts bekräftigen.“ Diese Agentur fädelt auch mit am Innenstadt-Projekt Georg-Kronawitter-Platz der Firmen Inselkammer und Hirmer. Gemeinsames Merkmal der Kampagnen: Angestellte eines Stararchitekten ersetzen mit vage gehaltenen, dafür mords-gehypten Studien breite Vorüberlegungen mit Architektenwettbewerb und Bürgerbeteiligung. Hier Herzog & de Meuron, dort Norman Forster. Da denkt man sofort an Chipperfield und in der Tat, sein Hamburger Elbtower-Entwurf für Benko gleicht den beiden Türmen wie eine Glas-Stockwerk-übereinander-Multiplikation der anderen. Wahrscheinlich gibt es gute Kontakte zwischen Benko und Büschl. Unsere Vermutung: Benko will in München auch noch ein großes Ding drehen, aber da durch sein aggressives Verhalten bei der Alten Akademie die Sympathie von helfender Bürokratie und Politikern gesunken ist, wäre ein ortsansässiger Immobilienspekulant an der Seite von großem Vorteil. (Das würden wir ohne Hinweis nicht schreiben.) In Hamburg stehen die Grünen als Teil der Stadtregierung hinter dem Elbtower – in München sind die Grünen ungebunden und doch freiwillig die schärfsten Befürworter der Pläne von Büschl, wofür besonders Anna Hanusch (im Stadtrat und BA 9) steht. Wissen manche Grüne überhaupt noch, worum es geht? Beim gleichzeitigen Projekt im Münchner Norden, dem Eggarten, will Büschl eine für das Münchner Stadtklima wesentliche Naturoase ausradieren. Das lehnten die Grünen im Stadtrat zwar ab, aber mit geringem Einsatz und üblicher Kompromissbereitschaft. Der Widerstand aus dem Viertel und von vielen anderen ist das, was gerade in München Mut macht! Wenn da ein Bündnis entsteht mit Fridays for Future … erstmal Globaler Klimastreik am 20. September!

Und, wollen Sie einen positiven Vorschlag lesen? Gut, dann bleibt die Paketposthalle leer, kein zwanghaft hineingepfropftes Kulturzentrum untendrunter, sondern frei gehalten für spannende Aneignung durch die Bevölkerung. Ihr wird was einfallen, wo dem Investor und seinem Architekten die passende Phantasie für die Verladehalle (weil nicht verwertbar) zwangsläufig fehlen muss. Dazu davor ein Park (als eine kleine Art Wiedergutmachung für den Arnulfpark, also prächtig) damit man die Halle auch noch sehen kann. Seitliche Wohnbebauung knüpft an die wunderbaren gegenüberliegenden Genossenschaftsbauten der 20er Jahre an in dem herausforderndem Versuch, sie in Ästhetik, Wohnkomfort und Nachhaltigkeit zu übertreffen. Und wohnen sollen darin nur die, für die die Hyperkapitalisten ihre verlogenen Tränen vergießen.

Wiedervorlage am 17. September!

Die Kommission für Stadtgestaltung wird sich dann ein drittes Mal mit den geplanten Eingriffen bei der Alten Akademie befassen. Hätte es anders ausgehen können? Herr Morger (der Architekt von SIGNA) führte lang und breit aus, welche „Neuinterpretationen“ er vorhat: behutsam natürlich, geschmackvoll, an den 50ern orientiert – lauter Verbesserungen. Da die Architekten der Jury normalerweise lieber ihren Berufskollegen gegenüber Lob aussprechen oder es bei der einen oder anderen Anmerkung belassen, konnte man den Ausgang nicht ahnen.
Doch Stadtrat Danner, der die Alte Akademie auf die Tagesordnung gesetzt hatte, sprach deutlich den Verlust öffentlichen Raumes bei den Arkaden an. Obwohl sich dem einige Architekten als einer „politischen Frage“ nicht so gern stellen wollten, sagten andere klar, dass das nicht sein kann. Ein Architekt aus Bern, wo es noch viel mehr Arkaden (Lauben) gibt, meinte, man würde dort keinen Quadratmeter hergeben! Heimatpfleger Bernhard Landbrecht sagte deutlich: die für die Minimalisierung der Arkaden benützten Argumente sind grundfalsch, die vorhandenen Arkaden von Prof. Wiedemann sind eine optimale Lösung und zu erhalten. Ganz wichtig war das Eintreten von Herrn Sattler für die Arkaden, zwei andere sagten, dass der Entwurf eben keine Verbesserung darstellt und der Durchgang durch den Kopfbau bleiben müsse, und – vielleicht ausschlaggebend – es wurde dagegen protestiert, dass überhaupt nicht daran gedacht wurde, dem Gremium vorzulegen, welche Alternativen es gibt. Herr Morger steigerte sich dann noch dahin, dass die bestehenden Arkaden falsch seien und brach seine Lanze leidenschaftlich für die Belange des Kommerz.
Damit war die Situation allgemein unbefriedigend und verfahren, so dass Stadtbaurätin Merk in der Bredouille als Ausweg die Wiederbefassung vorschlagen musste. Für die nächste Sitzung ist versprochen, dem Gremium den Hergang der ganzen Sache vorzulegen. D.h. wie war das, dass die Wettbewerbsjury vor drei Jahren sich über Festlegungen der Auslobung hinwegsetzte; wie war das, dass trotz verbrieftem öffentlichen Raum SIGNA  noch mehr beanspruchte – und von CSU und SPD vorerst bekam. Ganz richtig: die Stadtgestaltung ist auch eine politische Frage – welche Interessen beherrschen die Stadt bis in die Architektur hinein?
Das ist ein gutes Ergebnis und zwei schöne Beiträge von Fr. Merk seien erwähnt: Es handle sich hier um eine Kommission für Stadtgestaltung und nicht für Hausgestaltung und auf die Frage, was für die Aufgabe der Arkaden spreche außer wirtschaftlichen Interessen: Nichts.
Beim nächsten Termin darf sich der Oberbürgermeister nicht drücken und Heike Rieke (SPD) und Frau Merk die Regie überlassen, die direkt an den mehrmaligen Fehlentscheidungen beteiligt waren. Es bleibt spannend und der letzte notwendige Stadtratsbeschluss wird erst nach dem 17. September fällig!

PS: Diese Sitzung wäre auch für die Münchner Bevölkerung erhellend gewesen, hätte der anwesende Redakteur der SZ darüber geschrieben… Ach ja, OB Reiter war wieder einmal nicht da und die Vertreter von SPD und CSU schwiegen sich aus.

Könnte vielleicht interessant werden …

Am Dienstag, 23. Juli findet ab 17 Uhr im Großen Sitzungssaal im Rathaus am Marienplatz eine Sitzung der Kommission für Stadtgestaltung der Landeshauptstadt München statt.

Dort wird das Thema Alte Akademie (nach erster Behandlung am 6. Februar 2018) wieder vorgelegt. Das Gremium fand die Behandlung damals (vertretbar) zu kurzfristig. Nun, kurz vor dem Satzungsbeschluss durch den Stadtrat sollten die Meinungen ordentlich aufeinanderprallen! Es soll noch Architekten geben, die den Bestand respektieren. Vor allem geht es um die Reduzierung der Arkaden auf fast Null und damit die Zerstörung einer denkmalgeschützten, stadtprägenden architektonischen Leistung der 50er Jahre. Architekt Meinrad Morger aus Zürich wird seinen Entwurf im Auftrag des Bauherrn SIGNA vorstellen. Soll das mal einfach so weg – weil die (noch unbekannten) Luxusmieter den bisherigen öffentlichen Raum für ihren großen Auftritt brauchen? Widerspruch ist zu erwarten, nicht zuletzt vom Münchner Heimatpfleger, Herrn Bernhard Landbrecht.

Außerdem soll es noch um die Paketposthalle mit Umfeld in Neuhausen gehen.

Luxuskaufhäuser als Gegenprojekt zur Zukunft

Es ist das nur ein Ausschnitt des Problems Benko, aber davon ist gerade die Rede: seine SIGNA will u.a. in Berlin ein eigenes Luxuskaufhaus + bauen lassen. Dort wo in Kreuzberg/Neukölln ein Karstadt steht (unter Denkmalschutz); der müsste erst abgerissen werden. SIGNA will in Wien ein eigenes Luxuskaufhaus bauen lassen. An der Mariahilfer Straße, wo jetzt das Leiner Möbelhaus steht. Ach ja, in München will SIGNA ein (zu vermietendes) Luxuskaufhaus installieren, dort wo jetzt die Alte Akademie steht (unter Denkmalschutz). Die muss erst teilabgerissen und entkernt werden.

Bespaßung der Oberschicht, also der Leute mit der miesesten Ökobilanz

„Aber es gibt kein Recht auf die Freiheit, alles kaufen zu können, was man sich leisten kann. Diese Ansicht war immer verantwortungslos, unsozial – und angesichts der Klimaerhitzung ist sie am Ende. Natürlich darf keinesfalls eine Ökodiktatur errichtet werden. Aber auch in einem Land mit Demokratie und Marktwirtschaft hört die Freiheit des Einzelnen da auf, wo die Lebensgrundlagen aller bedroht sind.“ Markus C. Schulte von Drach in der SZ vom Wochenende.

Wahrscheinlich denken die Tempelherren: Den Klimaschutz und Artenschutz und den Verzicht können die anderen ja machen, solange der Staat unsere Projekte genehmigt und fördert, die Infrastruktur darauf ausrichtet, auch mit entsprechenden Hotelneubauten und Flughafenerweiterungen etc. Solange die Stadtplanungsr eferate für SIGNA spuren, die Bevölkerung übergangen wird und die geschätzte Kundschaft nur ja wenig Steuern zahlen muss, damit sie ihren Geiz mal vergessen kann. Der Horizont des Geldes reicht nicht weit.

Denkmalzerstörung und Verdrängung

Hinzu kommt: Denkmäler (oder ihre exponierten Standorte) sind Premiumobjekte – die Kultur der Stadt kann draufgehen, wenn es um die Verwertung geht. Dem Kunden muss etwas geboten werden, damit die Brieftasche locker sitzt… In Berlin kommt hinzu, dass in Kreuzberg/Neukölln ganze Viertel, in denen das gemeine Volk sich eingerichtet und einen eigenen Lebensstil entwickelt hat, umgemodelt werden würden, um Platz für die Oberschicht zu schaffen.

Aber Benko hat doch mit Karstadt und Kaufhof schon viele Kaufhäuser? Ja schon, aber die bringen kaum Profit! Da wird die Belegschaft ausgedünnt und ausgepresst, damit es so hingeht. Und dass diese Kaufhäuser letztlich zur Immobilienverwertung angeschafft wurden – das stellt sich zunehmend heraus, obwohl, da lässt sich Benko nicht reinschauen. Aber in Luxuskaufhäusern brummt der Laden immer besser, siehe London und Madrid. Und andere Oligarchen finden sich genügend, die sich an Neubauten für jeweils hunderte Millionen beteiligen; sie sind Risiko gewöhnt, aber das da soll ja sicher und lukrativ sein.

Eine Kampfansage gegen die Trendwende zu vernünftigem Handeln

Es ist nicht sicher. Wenn SIGNA diese Pläne durchsetzen kann sind sie ein Beitrag zum Chaos in der Welt, zur Spaltung in Arm und Reich, zur Verschwendung von Ressourcen und der Aufheizung des Planeten. Viele Leute denken, wenn man mit den Politikern und Wirtschaftsleuten nur lange genug redet, werden sie einsehen und das Richtige tun. Umgekehrt: redet Benko mit dem Volk? Prinzip Verantwortungslosigkeit. Jean Ziegler ist da realistisch: „Entweder wir zerstören den Kapitalismus jetzt oder er zerstört uns.“

Endgültig zur Farce geworden – deshalb/trotzdem: Einwendung wiederholen

Eigentlich nicht gedacht zur Dekoration von Behördenversagen: zwei solcher Schaukästen im Erdgeschoß des Hochhauses des Referats für Stadtgestaltung und Bauordnung in der Blumenstraße sind mit Argumenten ausgehängt – als Anlage zum Bebauungsplan Alte Akademie; sie wurden fast alle aus den Standpunkten des Münchner Forums ausgedruckt. Nichts davon fand Eingang in eine Überarbeitung, alles wurde verworfen.

Öffentliche Auslegung gemäß § 3 Absatz 2 des Baugesetzbuches

Der Entwurf des Bebauungsplanes mit Begründung liegt im Referat für Stadtplanung und Bauordnung, Blumenstraße 28b (Hochhaus) Erdgeschoss, Raum 071 (Auslegungsraum) vom 7. Juni bis 9. Juli 2019 – Montag bis Freitag von 6.30 bis 18 Uhr öffentlich aus. Stellungnahmen können während dieser Frist abgegeben werden.
(Ohne dorthin zu gehen können Sie die Unterlagen auch digital runterladen, brieflich und per email Ihre Stellungnahme abgeben.)

Was ein sinnvolles Verfahren sein könnte zur Beteiligung der Bevölkerung an der Planung des Baus ihrer Stadt ist zur Scheinveranstaltung geworden. Das Profitinteresse eines Investors (SIGNA) an der Dekonstruktion eines stadtprägenden Denkmals hat die volle Unterstützung von CSU und SPD im Stadtrat und wird mit Hilfe der Bürokratie ohne Rücksicht auf Verluste durchgezogen. Was man hier noch tun könnte, ist folgende Stellungnahme abzugeben:
Da das Referat für Stadtgestaltung und Bauordnung unter Leitung der Stadtbaurätin im bislang gelaufenen Bebauungsplanverfahren die Einwendungen aus der Bevölkerung nicht sachgemäß und verantwortungsvoll geprüft hat, soll sie das endlich tun: Neubefassung aller vorliegenden Einwendungen. Diese sind in dem aktuellen Schriftstück zusammengefasst; was jeweils unter „Hierzu wird festgestellt“ geschrieben ist, wird gestrichen und noch mal geprüft und beantwortet.

Wir wollen uns auch nicht ewig wiederholen. Es ist verdammt viel zu lesen und man kann es den Bürgern nicht zumuten, sich immer wieder damit zu beschäftigen, während Stadträte und Referat ihre Pflichten auf solche Weise ausüben und Bürgerengagement ins Leere laufen lassen.

„Veränderungen“ – „Gegebenheiten“ – „Modifizierungen“

Es kann nicht sein, dass zum Abriss des Hettlage-Gebäudes festgestellt wird: „Das Baudenkmal Neuhauser Straße 10 – ehemaliges Kaufhaus Hettlage – wird in seiner stadträumlichen Gestalt erhalten bleiben … Die beiden Fassaden werden nach Aussage des Investors während der Baumaßnahme durch Gerüste gestützt … und erhalten bleiben. Im Inneren sind Veränderungen möglich, werden aber ebenfalls mit der Denkmalbehörde abgestimmt …“ (Seite 16)

Es kann nicht sein, dass völlig reflektionslos geschrieben wird: „Der Bebauungsplanentwurf orientiert sich im Grundsatz an den Zielen des Aufstellungsbeschlusses, berücksichtigt aber die in den letzten Jahren geänderten strukturellen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und stellt gleichzeitig die Fortschreibung der aktuellen stadtentwicklungsplanerischen Gegebenheiten dar.“  Als Antwort darauf, dass der Aufstellungsbeschluss von 2005 (also vor der Totalkommerzialisierung von München) eine ganz andere Zielsetzung hatte! (Seite 27)

Es kann nicht sein, dass der einzige Punkt, bei dem sich die Stadtbaurätin anstrengt, der ist, wo über drei Seiten lang die Wirkung des Urheberrechts kleingeredet wird. (Die Tochter des Architekten Prof. Wiedemann hat eine auf das Urheberrecht gestützte Einwendung geschrieben.)
Da liest man Sätze wie diese: „Die Arkaden werden … nicht vollständig beseitigt, sondern im städtebaulichen Kontext neu gesetzt.“
„Die Arkaden werden insgesamt nicht beseitigt, sondern nur modifiziert.“
„Mit Blick auf die umliegenden Kaufhäuser und Geschäfte erscheint nicht vertretbar, dass die Erbbauberechtigte weniger Präsentationsfläche und repräsentative Schaufensterbereiche zugestanden bekommt, als alle anderen in dieser Lage.“
„Durch die Reduktion wurde ein maßvoller Kompromiss gefunden, der die widerstreitenden Interessen bestmöglich ausgleicht.“ (alle Seite 35)