Das Kaufhofgebäude am Neupfarrplatz ist als Eigentum auf Wanderschaft, von wo nach wohin hat ein Regensburger Bürger versucht herauszufinden, dokumentiert in einem Artikel der Mittelbayerischen. Es hat sich – allerdings nur für die Öffentlichkeit – im Weg durch das Konzerngespinst von René Benko verloren, die Spuren weisen nach Bermuda oder Delaware/USA. Eigentlich sollte es sich als Vermögen in der Insolvenzmasse von Galeria Kaufhof Karstadt befinden, zur Absicherung der Ansprüche von Gläubigern und Belegschaft. Ein Einzelfall? Die Vermutung geht in diese Richtung:

„Wahrscheinlich hat Signa durch die Immobilienverkäufe und die Grundschulden auf die verbliebenen Immobilien mehr als den ursprünglichen Kaufpreis erwirtschaftet und sich dann vom Staat retten lassen“. 

Alles was zu sagen ist steht in dem Artikel, außer dass diese Form der heimlichen Vermögensverschiebung nur möglich ist, weil sie von der Finanzgesetzgebung der Reichenrepublik Deutschland gefördert und gedeckt wird. Man muss nur wie SIGNA jede Antwort auf eine normale Frage verweigern. Irgendwann fliegt alles auf.

Hier der vollständige Artikel der Mittelbayerischen vom 30.11.

Die durch Benko geschädigten Menschen haben ein Gesicht. Benko hat keines.

Die Mittelbayrische Zeitung veröffentlichte am Wochenende einen Bericht über einen Abteilungsleiter, dem als Sparmaßnahme 2018 gekündigt worden war – nach 45 Arbeitsjahren für Kaufhof. Mit den Fristen entsprechend der Betriebszugehörigkeit endete das Arbeitsverhältnis 2020 erst nach Beginn des Insolvenzverfahrens. Dadurch wurde er zum „Gläubiger“ und muss nun vor Gerichten um die ihm zustehende Abfindung kämpfen, der Ausgang ist ungewiss. Hier der ganze Artikel.

Während Benko als „Schlawiner“, als begnadeter Unternehmer mit dem goldenen Händchen noch immer von Banken und Politikerinnen unterstützt wird*, wurden tausende Beschäftigte entlassen und viele noch zusätzlich um ihre Abfindungen geprellt. Manche Presse schreibt davon, dass Benko „Neider“ (z.B. die SZ vom 30.10.) habe – nein, es sind Menschen, die durch ihre Arbeit die tatsächliche Basis schaffen, damit ein Benko überhaupt jonglieren kann – Benko selbst erarbeitet nichts. Nach der ersten Schließungswelle und Insolvenz kommt nun die Insolvenz Nr.2 nach genau demselben Muster. Wieder sollen die Beschäftigten, auch die Lieferanten und Vermieter bluten. 

Und der talentierte Herr Benko – greifbar sein, Verantwortung übernehmen?

Letzte Woche vor Gericht im Wiener Korruptionsverfahren. Er ist ja wegen einer ähnlichen Sache bekanntlich schon 2013 aus dem „operativen Geschäft“ ausgestiegen.

Die Frage, ob er er in der Signa der Chef sei, wollte Benko so nicht bejahen. Er verwies auf die Vielzahl an Firmen des Konzerns und das jeweilige Management bzw. den Aufsichtsrat. Worauf einer der Vertreter der Staatsanwaltschaft konkret wissen wollte: „Was tun sie?“ „Also langweilig wird mir nicht“, beteuerte Benko. Er habe mit den unterschiedlichen Unternehmen Beraterverträge. Er begleite auch die Vorstände bei der Betreuung von Investoren oder von großen Mietern. Man diskutiere Projekte, man diskutiere Architektur. „So füllt sich schon der Tag.“
„Ich hab mich gefragt, warum ich hier sitze“, meint er. Er sei für die Medien das Gesicht von Signa. Aber die Geschäftsführer würden die Unternehmen leiten. (Tiroler Tageszeitung)

* Siehe Hamburg. Der Harakiri-Bau des Elbtower soll nächste Woche endgültig durch Rot/Grün fixiert werden. Der arrogante SIGNA-Vorstand Timo Herzberg kann sich da auf seine Gesellen verlassen: „Bei aller Vorfreude hat Herzberg aber auch die Kritiker im Blick – und teilte gegen „zwei Bürgerschaftsabgeordnete“ aus, deren Namen er nicht nannte: Die würden mit ihren Äußerungen gegen das Projekt nur Aufmerksamkeit erzielen wollen. Den Bau könnten sie damit aber auch nicht mehr verhindern.“ (Hamburger Morgenpost)

Das Schmierentheater geht weiter …

Alles in einem Bild gesagt.

Wobei… eigentlich ist Benko ja unsichtbar. Er tritt nicht auf, zeigt sich nur seinen Jüngern. Er ist eine Imagination, es gibt ein vermitteltes Bild durch Medien, die nicht enthüllen, komplizenhafte Politiker, von Staunenden, Gläubigen und Ungläubigen. Er ist Schein und Vorstellung von etwas Transzendenten, etwas Mächtigerem über uns – und im Realen doch nur eine Puppe des Geldes, des Gottes unserer Zeit; mehr ist es nicht.
Also stimmt das Bild dann wieder…

+++ René Benko unter neuem Bestechungsverdacht +++

René Benko und Landtagspräsidentin Ilse Aigner im Mai diesen Jahres beim Fashion Floor Opening im Oberpollinger.Der Spiegel fragt in seiner neuesten Ausgabe: „Mit wem haben sich Deutschlands Politiker da eingelassen?“

Es sieht ganz danach aus, dass nun – gerichtsverwertbare – Geheimnisse des Aufstiegs dieses Kaisers/Zaren/Tycoons, was auch immer, ans Licht kommen. Seit Dienstag ist die Presse voll mit Berichten von Hausdurchsuchungen in der SIGNA-Zentrale und der umfangreichen Aussage des österreichischen hohen Ex-Finanzbeamten Thomas Schmid vor der Staatsanwaltschaft. Die zu erwartende Anklage: Benko hat diesem Beamten einen lukrativen Job angeboten, wenn dieser laufende Steuervorgänge zu seinen Gunsten beeinflusst. Der Strafrahmen liegt bei mehreren Jahren Gefängnis. Benko selbst hat es bis dato nicht für nötig befunden, Stellung zu beziehen und sich von dem Verdacht zu befreien.

Wir können es gut verstehen
– wenn plötzlich Politiker keine Lust mehr verspüren, sich mit Benko fotografieren zu lassen,
– wenn Bankdirektoren vorsichtshalber ihre Chats löschen und für Benko nicht mehr ans Telefon gehen
– wenn Beamte sich nicht mehr auf die Yacht einladen lassen und Prominente auf Schampus aus Benkos Hand lieber verzichten …

Benko und SIGNA sind Sumpfblüten einer ausbeuterischen Ökonomie

Das kann es nicht gewesen sein! Der Aufstieg Benkos ist nicht nur eine Bussi-Bussi-Geschichte der oberen Klassen, die sich eine dekadente Heldenfigur erschaffen haben. Es geht um Monopolbildung, Aneignung unserer Städte, Lohnraub, Steuerbetrug, wirtschaftliche Erpressung mit allen Mitteln, inklusive krimineller Energie. Benko und SIGNA stehen für die Grundfehler des kapitalistischen Wirtschaftssystems: Autokratie, Verschwendung, Intransparenz, für Geld- und Machtanhäufung als Selbstzweck.

Was in Österreich nun bekannt wurde – man kann sich gut vorstellen, dass Ähnliches geschehen sein könnte in Hamburg, Berlin, Bozen oder München. Zu fordern ist als Erstes Nachforschung und Schadensbegrenzung, d.h. in München
– dass jetzt alle Behörden prüfen, ob in ihrem Bereich etwas ähnliches vorgefallen sein könnte. Und konkret: ob beim Verkauf der Alten Akademie mit dem Obertrickser Sauter an Benkos Seite alles sauber gelaufen ist
– dass z.B. die Stadtsparkasse München ab sofort keine Kundengelder mehr an SIGNA ausleiht
– dass das Münchner Referat für Stadtplanung und Bauordnung die Planungen für das SIGNA-Projekt Schützenstraße ruhen lässt

Keine Unterstützung von SIGNA mehr durch staatliche Stellen! Keine Staatszuschüsse mehr für das Herunterwirtschaften der Galerie-Kaufhäuser mit Insolvenzperspektive. Konsequente Durchleuchtung dieses Oligarchen!

Wo …

„Der Eigentümer, die von Benko gegründete Signa-Gruppe, hat in den letzten Jahren gezeigt, wohin die Reise für die meisten Warenhäuser von Karstadt und Kaufhof führen wird: zur Abrissbirne.“

GALERIA Kaufhof: seit Tagen überschlagen sich die Meldungen:

Kündigung des Tarifvertrages
– Neuer Staatszuschuss wurde beantragt
– Notprogramm in den Filialen

Bevor René Benko wieder 

– die Beschäftigten zum Dank für harte Arbeit um Lohn prellt
– den Gläubigern durch Insolvenz die Rechnungen nicht bezahlt
– weitere Staatshilfe nachgeschmissen bekommt

wäre eines zu klären:

Wo sind die Milliarden aus den Verkäufen von Karstadt- und Kaufhofimmobilien gelandet?

https://www.capital.de/wirtschaft-politik/benko-will-weitere-karstadt-kaufhof-immobilien-verkaufen

Denkmalzerstörung nach Retail-Quadratmetern

Das österreichische Fernsehen sendete am 7. Juli eine Benko-Doku (nur noch kurze Zeit in der Mediathek). Nach einem früheren Einblick in die Benko-Trickkiste wollte wohl jetzt auch Christoph Stadlhuber (derzeit Managing Director SIGNA Holding GmbH) mit Eigenlob glänzen. Am Beispiel des „Goldenen Quartiers“ in Wien exemplifizierte er die Büro->Retail-Geldvermehrungsmasche. Damals (Umbau ab 2011) war er noch nicht vom Staatsdienst zu SIGNA gewechselt, doch die Wiederholung bei der Alten Akademie (Kauf 2013) darf er mit auf sein eigenes Schlaumeier-Konto buchen.

Ö2: Wer mit den Augen von Christoph Stadlhuber durchspaziert, sieht bald nur noch teuer vermietbare Quadratmeter hinter jeder Fassade.

Stadlhuber: Wenn Sie hernehmen, die höchsten Büromieten in der Innenstadt liegen irgendwo rund um die 25 Euro. Stellen wir jetzt, dass da vorne ab dem 1. Stock Büromieten 25 haben. Die höchsten Retailmieten sind hier auch am Platz, die sind jenseits von 300 Euro. Was muss ich tun? Ich muss schauen, dass ich den Retailer in den 1. Stock oder in den 2. Stock ziehen kann, so wie es bei Louis Vuitton passiert ist und dann habe ich deutlich höhere Mieten im 1. und 2. Stock im Vergleich zu einer Bürovermietung und in Summe haben wir bei jedem Haus die Miete von vorher gegenüber der Fertigstellung vervierfacht.

Ö2: So funktioniert das Modell Benko/SIGNA?

Stadlhuber: Klingt ganz einfach, oder?

Dann auf zum nächsten Opfer nach München (das Geld kam von Beny Steinmetz): bei der Alten Akademie ging es unter diesem Aspekt um einen perfekten Bürokomplex (Landesamt für Statistik) mit etwas Kaufhaus (Hettlage) aus der Wiederaufbauzeit nach dem Krieg. Stadlhuber erkannte den 1. Stock, den 2. Stock und die noch fehlenden bzw. nicht ausgebauten Untergeschosse. Und daneben die Lage, die Lage, die Lage. SIGNA schlug meistbietend zu, andere Interessenten verdrängend, die die SIGNA-Brechstange nicht im Kopf hatten. Im Einklang mit der „Stadtplanung“ Münchens und dem Amt für Denkmalpflege wurde dann ein Entwurf gekürt, der als einfühlsam und mit geringen Eingriffen in die geschützte Substanz verkauft wurde. Danach setzte Benko (für ihn vor Ort Stadlhuber) noch die weitgehende Retailisierung der zusätzlich geschützten Arkaden durch, gegen großen Widerstand und mit Zeitverzögerung. 

Die Abbildung prangt am Zaun rund um die Baustelle

Im Mai 2020 war Baubeginn – und nun im Juli 2022 steckt das Projekt noch immer im Rohbau. Untergeschosse, der bis auf ein Fassadenskelett abgerissene Hettlage-Teil und ein komplett neues Dach sind noch nicht angefangen, der Zeitplan völlig gerissen. Soweit – die Alte Akademie als das, was sie war und hätte werden können – verloren. Herr Stadlhuber kann das auf sein Macher-Konto buchen. Wie geht es weiter? Hat sich da jemand verhoben?

Und so dreht SIGNA an einem großen Rad weiter ….

Noch ein Spruch von Stadlhuber aus der Ö2 Doku:
„Wir sind ein privat geführtes Unternehmen und dementsprechend kommunizieren wir das, was wir müssen und nur das, was wir wollen.“

… wann wird (wieder) ein anderer Spruch kommen: Wir sind ein systemrelevantes Unternehmen und benötigen dringend Entschuldung und Staatshilfe …

Verbrannte Erde – Benkos mieser Abgang am Stachus

Interview in der Abendzeitung vom 6. Juni

Zwei Jahre wurde die Galeria-Filiale „gerettet“: ein weiteres Mal, dass Benko Geschäftspartner und entlassene Angestellte um ihre Ansprüche prellt – wie lange will die Stadt München dieses unreelle Geschäftsgebaren weiter beschenken (wie bei der Alten Akademie) und fördern (wie beim Monsterprojekt Schützenstraße/Stachus)?

Von wegen fair – der Zweck heiligt die Mittel!

Kürzlich fand in München eine „Zukunftskonferenz“ statt. Aus Steuermitteln finanziert, nur nebenbei. Bei Zukunft denken wir daran, dass in der letzten Vergangenheit massive Fehler gemacht wurden und in der Gegenwart weiter gemacht werden, weshalb es ein komplettes und sofortiges Umdenken und bewusstes Handeln braucht, damit es eine lebenswerte Zukunft geben kann – es geht um alles. Die Konferenz wurde aufgezeichnet und man kann sich da durchhören. In dem endlosen Blabla aus immer denselben Sprechbausteinen wiederholte sich ständig „Wir brauchen etwas Neues, etwas Innovatives, etwas Kreatives, was Anderes…“

Wie es so ist, bleibt man manchmal doch an einem Satz hängen. Das war gegen Ende bei dem folgenden: 
„Ich hab auch nix gegen die billigeren Klamottenläden, muss ich auch sagen, finde ich ganz, ganz wichtig …“* Gesprochen hat ihn Elisabeth Merk, die Münchner Stadtbaurätin (die selber keine billigen Klamotten kaufen würde und sich so einen kleinen Aha!-Effekt verschaffte).

Es gibt aber bekanntlich viele Einwände gegen solche Läden: 

Die billigen Klamotten halten nicht besonders lange und sollen es wohl auch nicht. Sie werden auf der anderen Seite der Erdkugel in riesigen Mengen produziert und in großen Pötten, die viel Dreck machen, in die reichen Länder geholt. Sie werden im Schweiße des Angesichts von schlecht bezahlten, schlecht behandelten Arbeiterinnen in Fabrikhöllen gewebt, gefärbt, genäht… Diesen Menschen wird das Leben und die Gesundheit gestohlen. Wenn sie in den Herkunftsländern ihre gräßlichen Spuren an Natur und Menschen hinterlassen haben, dienen diese Klamotten hierzulande nicht dazu, den Leuten mit wenig Geld zu dauerhafter, angenehmer, gesunder Kleidung zu verhelfen. Dazu sind sie nicht gemacht worden, das würde so nicht funktionieren und so ist es nicht gewollt. 

Aber warum dann ganz, ganz wichtig? Weil diese „Zukunfts“konferenz nur um ein Thema ging, um den Marktplatz Innenstadt. Dann geht es nicht mehr um die Ware selbst, ihren Gebrauchswert und die wahren Kosten, wir sind dann bei den Erfordernissen einer Profitmaschine, wo allein zählen: die Mieten und Wertsteigerungen der Immobilien, der Umsatz und Profit der Händler und dann noch der geschäftsförderliche Spaß der Leute, die man in Massen in die Innenstadt holen muss, damit es kein Minus gibt und kein Kollabieren dieses Mikro-Systems. Das hängt eng zusammen und ist durch Sinnfragen akut gefährdet. Da muss man bereit sein, alles bessere Wissen zu vergessen, Augen zu und durch.

Die Abwägung zwischen purem Kapitalismus und Ökologie/Nachhaltigkeit verträgt keine Skrupel, alles geht, sorry.

Was man das Zynische dabei nennen kann: Es geht nicht nur darum, Autofahrer, Senioren, Touristen, reiche Ladies an die Kassen der Innenstadt zu bringen. Die Kapitalisten wollen die Jugend haben um sie zu Konsumenten zu formen, um sie mit Tand (kleiner Geldbeutel…) zu locken, damit sie ja nicht ihre eigene Kreativität entdecken, selber das Neue und das Andere für sich finden. Damit sie lernen, immer wieder ins Kaufhaus zu rennen für spannende Such- und Kaufmomente und damit sie sich ins System einpassen, um genug Geld zu verdienen, das ihnen so durch die Finger rinnt. Eine Art Suchttraining.

Die Konferenz vom 29. März kann auf der Webseite der Stadt München nachverfolgen, wer denn will.
Ein Suchttreffen? Gesättigte Funktionsträger, die nur daran denken, dass ihre Geldsachen laufen, hemdsärmelige Range Rover-Typen darunter, die Freiheit statt Bürokratie fordern und danach rufen, dass man ihnen „Neues“ liefere. Neues von der Art, das sie beherrschen, instrumentalisieren und ausbeuten können um die Kauflust zu steigern und einen Schein von Kultur auszunebeln, hinter dem sie die Innenstadt Münchens zur Kommerzzone optimieren. Ihr Wachstum heißt weiter zu okkupieren, heißt, alles was noch „normal“ ist, wird ökonomisiert. Das ist keine wünschenswerte Zukunft. Und wenn sie nicht wachsen können, dann haben sie Krise, die sie auf uns andere abwälzen wollen – auch keine wünschenswerte Zukunft. So oder so – Nein danke! Neue Ideen haben die Kommerzleute nicht, sie müssen danach klauen gehen! Bewusstsein für Gemeinwohl und Bewahren der Lebensgrundlagen haben sie schon garnicht. Ramsch ist notfalls halt auch eine gute Idee – danke für den Input.
Ihr Vergangenheitskonzept wird scheitern, weil sie Zukunft nicht können. Zukunft zeichnet sich aus durch Spaß haben ohne Verschwendung, ohne Gaffen und Grapschen, durch Wertschätzung der Natur, einfache Vergnügungen, Selbsttun und Gleichheit unter den Menschen.

Nur wenn es umgekehrt läuft, kommen wir aus der Krisenzange: Denen, die hier beispielhaft die Profitökonomie verkörpern, welche die Ökologie ignoriert, müssen sich die entgegenstellen, die für Ökologie und Nachhaltigkeit stehen und klarmachen, dass um der Zukunft willen die Profitökonomie ignoriert werden muss.

7 Fakten: Der hohe Preis der Billigkleidung
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* Der verschwurbelte Satz endet: „… des muss offen sein, des muss eine Mischung sein.“

Sauter hier, Sauter dort, Sauter überall…

… nur noch nicht da, wo er hingehört.

Heute genau vor fünf Jahren, am 4. April 2017 im Saal der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in der Münchner Residenz. Nach Ende der Veranstaltung ist Alfred Sauter (für einen ihm angemessenen Stundensatz) im Gespräch mit dem damaligen SPD-Stadtrat Christian Amlong, links ein damaliger SIGNA-Mitarbeiter. Im Hintergrund SIGNA-Top-Mann Stadlhuber und Stadtbaurätin Merk (eigenes Foto).

Dem Landtagsabgeordneten Alfred Sauter standen schon immer viele Türen in Behörden offen, das war seine Geschäftsgrundlage („Ich bin auch Unternehmer“, so seine Aussage 2021). SIGNA beauftragte ihn gerade deshalb 2013 zum Rechtsberater und Vertragsschreiber beim Kauf der Alten Akademie. Er blieb weitere Jahre auf seine Weise am vollständigen Sieg von SIGNA dran. Man sah ihn auf dem Rathausbalkon bei Stadtratssitzungen, bei Showevents von SIGNA im Schmuckhof… Mittlerweile arbeitet der Untersuchungsausschuss des Landtags, manchmal „Masken-Untersuchungsausschuss“ genannt. Weil es ruhig geworden ist um den umtriebigen Herrn Sauter und den Umfang des Skandals möchten wir daran erinnern, dass der Titel des Ausschusses lautet: 

Untersuchungsausschuss zur Untersuchung eines möglichen Fehlverhaltens der zuständigen Staatsbehörden des Freistaates Bayern, der zuständigen Ministerien, von Abgeordneten, Staatsbediensteten und politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern bei der Vergabe, Vermittlung und Annahme von Aufträgen und Vertragsabschlüssen und bei der Veranlassung wirtschaftlicher Entscheidungen. (Drs_18_19471)

SZ, 15. Oktober 2021

Es muss alles aufgeklärt werden, in wie vielen Fällen, bei wie vielen Gesprächen hinter verschlossenen Türen Sauter an Strippen gezogen haben kann! Auch im Fall Alte Akademie, wo Sauter noch in den letzten Jahren während des Untersuchungszeitraums (die letzten sechs Jahre) aktiv war.

Zurück zu der Veranstaltung in der Akademie der Schönen Künste. Für den vollen Erhalt der Arkaden setzte sich Herr Nerdinger ein, damals Präsident der BAdSK. Ebenso Andreas Meck, Dekan der Fakultät für Architektur der Hochschule München und Meike Gerchow vom Landesdenkmalrat. An der Seite des SIGNA Vertreters Stadlhuber nur Generalkonservator Mathias Pfeil, „ambivalent“: Stadtbaurätin Elisabeth Merk. Unser Bericht von damals und ein Artikel des Münchner Merkur. Die BAdSK richtete später noch einen Offenen Brief an OB Reiter. Es war ein starkes Votum wie später die Proteste des Münchner Forums, vieler Bürgerinnen, darunter Ex OB Hans-Jochen Vogel oder auch der Stadtgestaltungskommission. SPD und CSU und schließlich OB Reiter setzten sich 2020 über all das hinweg.

München hat die Alte Akademie und darin eine einmalig großzügige Arkadenpassage verloren – gestaltet in der Wiederaufbauzeit von einem Architekten, der seine Stadt geliebt hat. Was hätte daraus gemacht können in Verbindung mit öffentlichen und kulturellen Nutzungen …

(Das sind genau die vier Computerillusionen, die SIGNA in den letzten Jahren präsentiert hat.)

Was wir stattdessen irgendwie in der obigen Art aufs Auge gedrückt bekommen werden (sollte es fertig werden), das haben Staat und Stadtrat (CSU/SPD) einem Oligarchen komplett überlassen. Einem Kleingeist der Geldvermehrung, der Ikonen der Architektur und Geschichte (nach ihrer Lage) sammelt, um sie von Kleingeistern der Investorenarchitektur mit lächerlichen Edelkonsuminstallationen vermurksen zu lassen.

Aber dafür wird doch der Schmuckhof geöffnet und den Münchnern geschenkt? – diese Woche im Bezirksausschuss …

Es ging um eine Stellungnahme des BA zum Kinderspielplatz, der bei 53 Wohneinheiten vorgeschrieben ist, aber durch Geldzahlung für einen Spielplatz in der Umgebung abgelöst werden soll. Das würde nicht anders gehen, kein Einspruch. (Die BA-Vorsitzende Frau Stadler-Bachmaier sinngemäß: Nicht schlimm, weil bei dem Klientel, das da einziehen wird, kaum mit Kindern in dem Gebäude zu rechnen sei.) Stefan Blum vom Unterausschuss Bauen war in dem Zusammenhang aufgefallen, dass in den Schmuckhof drei Restaurants einziehen sollen und der denkmalgeschützte Schmuckhof „zu einer einzigen Freischankfläche“ mutieren wird. Da auch das gepflasterte Bodenmosaik mit neuem Material nachempfunden werde, bliebe vom alten Schmuckhof nur die Raumwirkung – und die eben auch nicht. Der BA wird nun in seiner Stellungnahme anregen, dass die Freischankfläche auf die (neuen) Kolonnaden beschränkt wird. Ein gut gemeinter Versuch, aber es ist längst gelaufen. SIGNA lässt sich derlei auf höherer Ebene vertraglich zusichern, lang bevor Bürger*innen dahinter kommen… Wir haben darüber im April 2019 berichtet. Stadtbaurätin Merk hat es in die Vorlage des Bebauungsplans geschrieben, da mal nachfragen.

Da sollte man nicht naiv sein und der Bezirksausschuss hat ja Erfahrungen, die gern gleich wieder vergessen werden: Jedes Objekt wird im System Benko bis aufs Letzte gnadenlos ausgequetscht. Vom Untergrund über Arkaden bis ins unters Dach wird jeder Quadratmeter zu Geld verwertet. Auch die Gastronomie trägt ihren „Kleinmist“ bei, von wegen konsumfreie Zone. Das ist die Vorgabe. In einem zweiten Schritt wird eine Erzählung ausgesponnen, die entzückend klingt. Die verwenden dann die Sprachrohre im Stadtrat, das Referat für Stadtplanung und die staatliche Denkmalpflege, um in der Entscheidungsphase ihr Gesicht zu wahren. Am Ende hat Benko was er will, auch der Schmuckhof ist kaputt verwertet und alle Beteiligten waschen ihre Hände in Unschuld.
Eine frühe faszinierende Version dichtete Morger Partner Architekten schon 2016 im Beitext zu Planzeichnungen. Staunen Sie:
„Eine Gegenwelt zu den Strassen- und Platzräumen entfalten die unterschiedlichen Innenhöfe. Diese dienen primär der Erholung, Kontemplation und Erschließung. Der bestehende geschützte Pflasterbelag des Schmuckhofs wird wieder neu verlegt. Niveaudifferenzen werden mit feinen Stufen und Rampen überwunden. Eine solitäre Stieleiche (Quercus robur) wurzelt im sandigen Grund der darunterliegenden baulichen Überreste der Vergangenheit und beglaubigt die Hoffnung auf Beständigkeit. Im Bewusstsein, dass Geschichte keine verfügbare Grösse ist, dürfen hier Antworten auf die Frage der Identität gesucht werden.“

Von prosaischen Höhen zurück auf den Boden Münchner Investorenarchitektur: der Spielplatz in der „Hofstatt“, unweit der Alten Akademie. Ohne Worte.