So wie der Bezirksausschuss fordert: Bebauungsplan-Verfahren und Beteiligung der Öffentlichkeit!

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„… Falls der Investor das nicht akzeptiere, solle ein Bebauungsplan-Verfahren eingeleitet werden. Unabhängig davon solle das Planungsreferat vor einer Stadtrats-Entscheidung über die Alte Akademie eine Einwohnerversammlung einberufen, fordert der BA.“

Wir haben schon mehrfach über das Wettbewerbsverfahren bei der Alten Akademie geschrieben. Wir wollen es noch einmal aufgreifen.

Die Stadt hatte sich mit SIGNA darauf verständigt, nach dem Wettbewerbsverfahren vorzugehen. Dabei war SIGNA der Auslober und der Wettbewerb fand in Abstimmung mit der Landeshauptstadt München statt. Die Durchführung folgte den Richtlinien für Planungswettbewerbe RPW 2013, herausgegeben vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Das beinhaltet, wie abgedruckt in der Auslobung:

„Ausloberin, Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie alle am Verfahren Beteiligten erkennen den Inhalt dieser Auslobung als verbindlich an.“

„Grundlage für den Wettbewerb sind der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan mit Grünordnung Nr.1975 der Landeshauptstadt München aus dem Jahre 2005 und die dort enthaltenen städtebaulichen Zielvorstellungen für die Entwicklung des Planungsbereiches, die darauf aufbauenden umfangreichen Voruntersuchungen sowie der Beschluss des Ausschusses für Stadtplanung und Bauordnung vom 11.11.2015 mit der Konkretisierung der städtebaulichen Rahmenbedingungen.“

Zu den Arkaden lauten die Vorgaben der Stadt von 2015 wie folgt, übernommen in die Auslobungsbroschüre:

„Die sogenannten „Arkaden“ bilden eines der konstituierenden Elemente des Entwurfs von Josef Wiedemann. Der sogenannte „Ausstellungsraum“ im Kopfbau der Alten Akademie bildet zusammen mit den Kolonnaden des Kaufhauses Hettlage an der Neuhauser- und Kapellenstraße einen zusammenhängenden überdachten öffentlichen Durchgangsraum. Wiedemann greift damit einen in den ersten beiden Nachkriegsjahrzehnten charakteristischen Typus auf, der für den Wiederaufbau der Münchner Innenstadt als ein stadtbildprägendes Element bezeichnet werden kann.“

„Es ist zu untersuchen, ob und wieweit die Retailflächen im Erdgeschoss straßenseitig vergrößert werden könnten, indem die Schaufensterfassade nach „vorne“ geschoben wird.“

„Die Arkaden müssen als typologisches Element und als öffentlich zugänglicher Außenraum erhalten bleiben.“

„Die Tiefe der Arkade ist im Kontext mit der o.g. Ausstellungshalle zu konzipieren und muss so bemessen sein, dass sie den heutigen Fußgängerströmen in der Fußgängerzone gerecht wird.“

„Folgende Eckpunkte sollten beachtet werden:
– Im Bereich des Kopfbaues der Akademie – zum Platz mit dem Richard-Strauss-Brunnen – sollen die vorhandenen Durchgänge Bestandteil der Passage bleiben.“

Zum Gewinner des Wettbewerbs wurde der Entwurf von Morger Partner Architekten gekürt. Jetzt kommt der Punkt: Dieser Entwurf schmälert die Arkade vor Hettlage, was noch als konform mit den Vorgaben gelten kann. Er enthält keine Arkade mehr im Kopfbau der Alten Akademie und verstößt damit eindeutig gegen die Auslobung. In der Formulierung des Preisgerichts: „Das Kopfgebäude der Alten Akademie – derzeit als Arkade ausgebildet – erhält eine Verkaufsnutzung und seine historische Fassade einschließlich des östlichen Mittelportals.“ Zusätzlich ist es ein vorausgedachter Verstoß gegen die Vorgaben, was übersinnliche Feen in das Protokoll der Preisgerichtssitzung schrieben:  „Der weitere Planungsprozess soll in Abstimmung mit dem Stadtrat und der Verwaltung Folgendes beinhalten: – Die Arkade an der Kapellenstraße ist zu prüfen. …“

Damit steht das Ergebnis des Wettbewerbs in punkto Arkaden im klaren Widerspruch zu den eigenen Bedingungen. Es ist anfechtbar, auch wenn es keine juristische Handhabe gäbe. Es darf einfach nicht sein. Wie heißt es so schön: Architektenwettbewerbe dienen der Qualitätssicherung …

kopfbau-alte-akademieÖffentlicher Raum – Architektenwettbewerb – Verkaufsnutzung

Ein Verfahrensfehler, der im Nachgang geheilt wird? Leider nicht: In den Verhandlungen, die darauf folgten und über die wir mangels Transparenz nur mutmaßen können, hat SIGNA die Ansprüche auf Reduzierung der Arkaden sogar noch ausgeweitet. Wie der BA 1 schreibt, soll auch die Arkade an der Kapellenstraße wegfallen. Übrig bliebe nur ein schmaler Streifen vor dem Hettlage-Eingang. Damit überschreitet SIGNA bei weitem das, was man einem Bauherrn vielleicht als Verhandlungssturheit zubilligen möchte. SIGNA hat den Vertrauensvorschuss und den entgegenkommenden Verfahrensweg verspielt. Es ist anzuerkennen, dass Stadtbaurätin Merk hier nicht weiter nachgeben will. So kann das nicht dem Stadtrat vorgelegt werden.

Und man muss wissen: Die Alte Akademie ist vom bayrischen Staat versilbert worden. Die Stadt war darüber nicht glücklich und Stadträte haben das mit teils scharfen Worten kritisiert. Letztlich wollte aber die Stadt diesen „Sündenfall“ (Landtags-SPD) nicht scheitern lassen und hat SIGNA große Zugeständnisse gemacht, die Zweckentfremdung und Vernutzung hingenommen, eingeschlossen den Abbruch des Hettlage-Kaufhauses. Sie hat die verniedlichende Star-Lyrik von David Chipperfield über sich ergehen lassen. Diese Zugeständnisse sollten sich jetzt, nach dem Verhalten von SIGNA, erübrigt haben!

PS: Auslobungsbroschüre und Protokoll des Preisgerichts sind zugänglich über http://www.alte-akademie.com
SZ-Artikel vom 18.2.2017. (Das Wettbewerbsergebnis bewerten wir allerdings, wie ausgeführt, anders als der BA.)

Erst kommen die Reichen und dann lange nichts. Und weiter?

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Nach dieser Logik wurden vor allem in den letzten 20 Jahren die armen und die meisten nicht-wohlhabenden Einwohner der Münchner Innenstadt vertrieben. Mieten werden horrend hochgetrieben, der Wohnungsbestand wird für die Upperclass umgemodelt, soziale Strukturen werden zerstört, Lebensplanungen vereitelt, ältere Menschen aus ihrem Umfeld gerissen …
die-letzten-vom-lehelEin Franziskaner-Pater beschreibt es drastisch für das Lehel:
„Pater Markus (79) kennt das Viertel seit fast 60 Jahren, er sagt: „Luxussanierung und Zweckentfremdung haben sich hier ausgebreitet wie ein Geschwür.“ In seinem Urteil ist der Franziskanermönch eindeutig: „Über all die Jahre habe ich das Bemühen beobachtet, die Armen aus dem Lehel zu kriegen.“ Hier seien zwar nie „zerlumpte Gestalten“ herumgelaufen, aber die Not der Menschen sei trotzdem echt und drängend gewesen. Das Lehel stirbt, das sagt auch Pater Markus. „Die kleinen Läden verschwinden, Bäckereien, Metzger, die Familien ziehen weg, die einfachen Menschen.“ Für ihn sind das Symptome eines langsamen Todes.“ (Münchner Merkur, 25.2.2017)

Den Akteuren war es das Naheliegende, das Natürliche, der Zug der Zeit. Wohlwollend „Re-Urbanisierung“ genannt. Geld dringt durch alle Türen, Geld hat das Recht auf seiner Seite, Geld bietet lukrative Chancen für manche Beteiligte. Dagegenhalten ist oft machtlos und zermürbend. Der Münchner Stadtrat hat es laufen lassen.

Die Alte Akademie ist auch dafür ein trauriges Beispiel. Auf den Punkt brachte es SPD-Stadtrat Amlong:
„Wobei uns allen natürlich klar ist, dass es sich in dieser Lage um Wohnungen im Höchstpreissegment handeln wird.“ Christian Amlong am 11. November 2015 in einer stolzen Presseerklärung der München-SPD.*

So wurde mit dem Erbpachtkäufer SIGNA eine Hochpreis-Wohnenklave in der Alten Akademie ausgehandelt. Fataler Nebeneffekt für das denkmalgeschützte Ensemble: statt den Bestand schonend zu nutzen (was bei einfacheren Appartements z.B. für Niedriglohn-Beschäftigte der Innenstadt immerhin möglich wäre) – Totalentkernung und Verschandelung des Schmuckhofes für Residieren auf „Luxus“niveau.

Das konnte SIGNA nicht allein bestimmen. Söders Privatisierungsideologie, seine Immobilienverwalter und der Münchner Stadtrat gaben die Hilfestellung. Aber noch gibt es keine Baugenehmigung. Der Fehler kann noch zugegeben und korrigiert werden! Die SPD setzt auf neue Töne mit Martin Schulz, aber ohne Taten und Umkrempelung der Partei von unten wird auch das nur ein weiteres Fake. München braucht statt einer lamentierenden Politik ein radikales Umdenken und korrigierendes Handeln gerade in den Brennpunkten der Fehlentwicklung.

Das wäre ein Zeichen:
Stopp für die Luxuswohnungen in der Alten Akademie!
Soziale Stadtreparatur statt Kapitalistenlogik!

hofstatt-luxusglueckHier geht’s zu einer urbanen Luxus-Oase in der Hofstatt

* Mittlerweile ist Herr Amlong gut dotierter Geschäftsführer der städtischen GWG geworden.

Eine Gefälligkeitsentscheidung oder ein „Machtwort“ – das kann es jetzt nicht sein

Je länger über die Baupläne verhandelt wird, desto mehr breitet sich Unfrieden aus. Und das kann auch nicht anders sein, weil das SIGNA-Projekt und die Alte Akademie nicht zusammenpassen – was klarer wird, wenn Chipperfield weg ist und die Sache konkret werden muss. SZ und AZ berichteten vor ein paar Tagen.
Artikel der Abendzeitung und der Süddeutschen Zeitung

Daraus ist zu entnehmen, dass Heimatpfleger und Stadtbaurätin Merk nicht ganz mit SIGNA mitziehen wollen. Streitpunkt sind die Arkaden, sie wären die von aussen am deutlichsten sichtbare Deformierung der Alten Akademie. SIGNA will noch mehr von den Arkaden verschwinden lassen. (Baufachleute hätten das schon zu Anfang erklären können als Notwendigkeit für einen Zugang zu der Riesenbaustelle auf beengtem Raum. Aber dieser Punkt ginge jetzt zu sehr ins Detail.)

„Die Fronten scheinen verhärtet. Stadtbaurätin Elisabeth Merk will keine weiteren Zugeständnisse an den Investor, die Signa-Unternehmensgruppe, machen. Es gibt aber auch Stimmen aus dem Stadtrat, die diese Haltung kritisieren und eine flexiblere Haltung der Stadtbaurätin fordern. Öffentlich äußern will sich seitens der Politik und der Verwaltung dazu niemand.“ (SZ) Mauscheleien und Geheimniskrämerei?

Und an was arbeitet CSU-Stadtrat Zöller? „Vermutlich wird sich Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) einschalten müssen, glaubt CSU-Stadtrat Zöller. Anders werde sich die Angelegenheit nicht klären lassen. Zu verhärtet seien die Fronten zwischen Denkmalschutz und Investor mittlerweile.“ (AZ) „Machtworte“ und politische Tauschgeschäfte?

„Sollte es nun jedoch zu keiner Einigung kommen, müsste ein zeitlich aufwendiges Bebauungsplan-Verfahren eingeleitet werden, bei dem auch Bürger und Vertreter von Interessensgruppen ihre Ansichten äußern.“ (SZ) Genau das sollte jetzt geschehen! Dafür muss die Zeit sein.

„Das entscheidende Kriterium: Die Modernisierung verändert den Komplex nicht in seinem charakteristischen Erscheinungsbild. Die verschiedenen Stilelemente und Materialitäten aus der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Krieg bleiben erhalten.“ (SZ) Das wäre das SOLL, es ist aber eben nicht der IST-Stand nach dem Wettbewerbsergebnis! Hier würden wir uns von der Presse einen Journalismus wünschen, der nicht nur Äußerungen wiedergibt, sondern nachforscht.

Es wird jetzt viel an den Stadträten liegen, die eine große Verantwortung tragen.

An die Stadträte Münchens

Damit Sie bei dieser wichtigen Entscheidung nicht überrumpelt werden und sachkundig Ihre Position einbringen können, sollten Sie schon jetzt Fragen an SIGNA (Maximiliansplatz 12) und das Referat für Stadtplanung und Bauordnung richten. Gegenüber der Öffentlichkeit werden die Verhandlungen als Geheimnis gehütet, was für Sie aber nicht gelten dürfte.

Diese Fragen würden wir stellen:

Was genau ist mit dem Hettlage-Haus geplant?
Was soll von diesem Kaufhaus, das das erste neue Nachkriegskaufhaus Münchens war und das in seiner noblen, nicht protzigen und zeittypischen Art weitgehend erhalten geblieben ist, übrigbleiben? Es könnte durch Renovierung und sinnvolle Weiternutzung ein lehrreiches Schmuckstück für unsere Zeit werden.

Mit welcher Begründung sollen die Arkaden überhaupt angefasst werden?
Die Bevölkerung Münchens hat davon rein garnichts, sondern verliert. Wenn, was ja offensichtlich ist, einzig SIGNA ein Interesse an größerer Verkaufsfläche hat, dann fragen Sie:
Mit welchem Recht fordert SIGNA diesen Eingriff in ein geschütztes Denkmal und ein traditionelles und für die Münchner Innenstadt enorm wichtiges städtebauliches Detail?

Der Hauptteil der Alten Akademie wurde unter Erhalt der noch stehenden Fassade von Josef Wiedemann wiedererrichtet für das Statistische Landesamt als vielseitig nutzbarer Verwaltungsbau. Es war ein böser Fehler des bayerischen Finanzministeriums, gegen eine schonende Weiternutzung durch eine andere Verwaltung oder gemeinnützliche Verwendung zu entscheiden. Es galt nicht „was ist uns die Alte Akademie mit ihren über 400 Jahren wert“ sondern „was bekommen wir für eine Spitzenimmobilie“. Jetzt liegt es bei der Stadt:
Was wird aus den vielen schönen und besonderen Details der Alten Akademie durch die Umnutzung zu einem Handel/Büro/Wohnungs-Renditekomplex? Was wird mit den Treppenhäusern, der Kantine, dem Eingang, der Bibliothek, der Fassade, dem Schmuckhof und den Dächern im Einzelnen angestellt?

Verlangen Sie Zutritt in die Gebäude, um sich ein eigenes Bild zu machen, beharren Sie auf konkreten Antworten zu allem, was Sie da sehen. Damit für Sie und für Transparenz statt Machtkämpfen hinter verschlossenen Türen genügend Zeit bleibt, sollte ein geordnetes Bebauungsplan-Verfahren eingeleitet werden!

Flugblatt der Aktion gegen den faulen Zauber

Aus der Anzeige zur Eröffnung des Kaufhauses Hettlage:
„Am kommenden Samstag, 27. März, wird das neue Geschäftshaus der Firma Hettlage in der Neuhauser Straße eröffnet. Die Besucher, die es schon morgen ab 15 Uhr besichtigen können, werden ihre Erwartungen übertroffen finden und den Fachleuten gerne glauben, dass es eines der schönsten Geschäftshäuser Westeuropas geworden ist, vielleicht sogar das schönste.
… Die Firma Hettlage betraute Architekt BDA. Dipl.-Ing. Josef Wiedemann, der sich schon mit der Neugestaltung des Odeon einen besonderen Namen als Baukünstler gemacht hatte, mit der Lösung der heiklen Aufgabe. Unter seiner künstlerischen Leitung glückte es, gefördert durch die vorbildliche Zusammenarbeit aller beteiligten Stellen, den umfänglichen Bau in kurzgehaltener Zeit durchzuführen.
… Die Absicht der Firma Hettlage, eine Kaufstätte zu schaffen, die ohne Aufwendigkeit modern und zweckmäßig und wirklich schön sein sollte, ist so eindrucksvoll verwirklicht, dass es fast notwendig erscheint, zu betonen, dass alle Bauelemente nur die normal üblichen sind. Es ist eine angenehme, harmonische Verbindung historischer Monumentalität mit moderner Baukunst gefunden worden.“hettlage_eroeffnung-1954

Soll dieses herausragende Zeugnis des Wiederaufbaus Münchens klammheimlich abgerissen werden? Hier gibt es kein Verstecken und kein Vertun; das ist keine Nebenbei-Entscheidung, die im allgemeinen Vergessen untergehen wird. SIGNA wird nur eine kurze Episode im Lauf der Zeit sein – die Frage, wer diese Zerstörung im Namen der Stadt München zu verantworten hat, wird bleiben.

Der Kripperlmarkt muss da weg!*

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Pressemeldung aus einer noch verrückteren Zukunft:

„SIGNA-Holding fordert: Der Kripperlmarkt kann da nicht bleiben! Die Konsumentenzielgruppe würde am Premium-Retail-Komplex ALTE AKADEMIE MUNICH vorbei laufen und das ausgerechnet in der umsatzstärksten Jahreszeit. SIGNA sieht im Verkauf geschnitzter Figuren eine nicht zeitgemäße Advent-Interpretation. Tradition schon, aber bitte dort, wo sie nicht im Weg stehe. Zwar befinde sich der Markt auf öffentlichem Grund – doch in der Shopping-Zone einer internationalen Metropole müsse dem Verkauf von Handtaschen und Designerzeugs absoluter Vorrang eingeräumt werden. Er stelle eine Benachteiligung im harten Konkurrenzkampf dar und gefährde Arbeitsplätze. Deshalb habe SIGNA direkt beim bayerischen Finanz- und Heimatminister interveniert. Gleichzeitig habe man einen Antrag auf Benutzung des Vorgeländes für eine SUV-Show mit einem örtlichen Joint-Venture-Partner gestellt. Das Referat für Stadtplanung und Bauordnung signalisierte bereits Verständnis, will aber mit harter Verhandlungstaktik einen Kripperlstand retten. Der Oberbürgermeister sagte auf Anfrage, in München genieße Wirtschaft und Eigentum oberste Priorität – es sei Sache der Verbraucher, die kleinen Händler und Weihnachten überleben zu lassen.“

Das könnte traurige Zukunftsepisode werden, wenn die Umnutzung der Alten Akademie durch SIGNA tatsächlich stattfände. Abwegig ist das nicht, der öffentliche Raum ist Verschiebemasse. Das hat auch eine Aktion am 9. Dezember veranschaulicht, als es mit Meterstab und Messrad zur Sache ging: Mitglieder des Münchner Forums führten eine „Öffentliche Vermessung des Öffentlichen Raums“ an der Alten Akademie durch.

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In der Einladung hieß es: „Die Arkaden der Alten Akademie stehen im Brennpunkt der Begehrlichkeiten. Nach den zugänglichen Unterlagen umfassen die öffentlich-gewidmeten Arkaden an der Neuhauser Straße und an der Kapellenstraße ca. 560 qm. Nach den Vorstellungen der Signa soll diese Arkadenfläche um rund 400 qm auf 170 qm reduziert werden. Damit würde die nutzbare Ladenfläche in dieser attraktiven Lage um rund 400 qm zu Lasten des öffentlichen Raums erweitert werden. Die derzeitige monatliche Miete für einen Quadratmeter Ladenfläche beträgt an der Neuhauser/Kaufingerstraße ca. 350 Euro. Der Erhöhung des Ertragswerts durch diese zusätzliche Ladenfläche, hochgerechnet auf die Laufzeit des Erbbaurechtsvertrags von 65 Jahren, ist beträchtlich.“
Als der Investor SIGNA sein Höchstgebot abgab, konnte er nicht mit einer Veränderung der Arkade rechnen und kann das deshalb auch nicht nachträglich wegen höherer Wirtschaftlichkeit verlangen. Das Münchner Forum fordert die Aufstellung eines Bebauungsplans, der Bürgerbeteiligung ermöglicht. Münchner ForumBericht in der Abendzeitung (Foto: Die Leute stehen in der Rest-Arkade)

In früheren Beiträgen auf dieser Seite haben wir die Preisgabe der Arkaden durch Staat, Stadt und Denkmalamt aufgezeigt. Nicht nur der Arkaden. Wenn SIGNA umbauen darf, bedeutet das nach Stand des Architektenwettbewerbs (April) die weitgehende Zerstörung durch Abriss und Fehlnutzung. Derzeit arbeitet das Planungsreferat an der Vorlage zum Beschluß des Stadtrats über die Baugenehmigung – soll voraussichtlich im Frühjahr stattfinden. Wenn das Amt und die Stadträte wollen, kann dieses hochrangige Denkmal noch erhalten werden, bzw. für SIGNA uninteressant gemacht werden. Die Alte Akademie war hunderte Jahre Ort der Wissenschaft und könnte gut als Verwaltungsgebäude etc. weitergenutzt und damit auch der letzte nichtkommerzialisierte Fleck in der Neuhauser und der Kaufinger Straße geschützt werden.

Stellen Sie sich bitte die Alte Akademie mit Rest-Arkade vor oder den Kripperlmarkt mit Shopping-Center dahinter, oder gar keinen Kripperlmarkt! Das wäre dann nur das Äußerliche, im Inneren würde fast kein Stein auf dem anderen bleiben.


* Nicht heute, sondern in einer denkbaren Zukunft …

Keine Kaiser mehr – die Wirtschaft muss demokratisiert werden!

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In der Druckausgabe des manager magazin vom Dezember findet sich nach langer Zeit wieder ein Artikel über SIGNA und René Benko. Es könnte auch ein Promotion-Artikel ohne Kenntlichmachung sein, denn er bringt nur SIGNA-genehme Infos und zeichnet ein sehr freundliches Bild des Konzerns. Generell kommt die Presse bei SIGNA seit einiger Zeit ihrer Aufgabe immer weniger nach, hinter den Kulissen nachzuforschen und der Öffentlichkeit das zu verraten, was die Selbstdarstellung verschweigt.
Zur Alten Akademie heißt es da etwa: „In der Münchner City hat Benko direkt neben dem Premiumwarenhaus Oberpollinger die Alte Akademie erworben. Das historische Gebäude wird zu Läden und Büros umgebaut.“  Fertig, aus – die Bestimmung historischer Gebäude ist wohl nur, von Erfolgsimmobilienverwertern zu etwas umgebaut zu werden, was sie nie vorher waren! Man muss also schon sehr vorsichtig prüfen, was man in solchen Artikeln für bare Münze nehmen kann.
Doch zwei Punkte daraus wollen wir verallgemeinern. Sie finden sich gleich auf den ersten Seiten, auch wenn das dort überinterpretiert bzw. heillos übertrieben dargestellt sein sollte:

  • Es stimmt doch etwas nicht, wenn ein Mann am Fenster steht, hinausschaut und dieses Bild in den Medien als imperiale Geste präsentiert wird.
  • Es ist unverantwortlich aber anscheinend normal, wenn gerade Managerzeitschriften über extremen Workaholismus berichten, ohne vor den schädlichen Auswirkungen zu warnen!

Ganz klar vorausgeschickt: wir kennen Herrn Benko nicht näher und schreiben nicht über ihn, hier geht es nicht um Einzelpersonen.
Im Ernst: das bedeutet, in einer Gesellschaft zu leben, in der die Wirtschaft, das Arbeiten, Produzieren und Konsumieren nicht demokratisch organisiert sind, sondern vielfach autokratisch und diktatorisch. Es bedeutet, in einer Gesellschaft zu leben, die trotz aller Errungenschaften eine getriebene ist, ohne Rast und voller irrationaler Antriebe und Störfaktoren.
Wieviel Energie, Freude und Kreativität geht in den Betrieben verloren – durch das Bestimmen von oben, durch Unternehmensführung nach Zahlen, durch den Konkurrenzkampf, durch das zwangsläufige Verstellen und gegenseitige Vortäuschen, durch ständigen Kleinkrieg um mehr Leistung und Funktionieren einerseits und um die Autonomie der Einzelnen und der Kollegenkreise andererseits.
Teamarbeit!? Wie oft ist es nur Fassade, ein Fake um die Leute anzutreiben und für Ziele einzuspannen, die nicht die ihren sind? Nach innen zählt letztlich das reine Profit- und Machtinteresse, verkleidet als gemeinsame Anstrengung für das Firmenwohl; nach aussen wird die Macht über die Arbeitsplätze umgemünzt zum Anspruch auf Zugriff auf Ressourcen, die ausgebeutete Natur, auf Verfügung über die Städte und einen dienstbaren Staatsapparat.
Solidarität und menschliches Miteinander sind schwer aufrecht zu erhalten und kommen unter die Räder. Geld wird in den Händen von Wenigen zum Befehlsmittel über alle anderen; wer etwas abbekommen will, muss sich anpassen und versuchen, ein wertvolles Rad der Maschine zu sein. Die Menschen werden klassifiziert. Wer hat, dem wird gegeben: der Reichtum der einen ist die Armut der anderen; damit die Armut stillhält, wird sie diffamiert, schikaniert und bewacht.
Der Wachstums“zwang“ lässt überall am Wegesrand Opfer und Brachen zurück; beschleunigt da, wo die Folgen der letzten „Weiterentwicklung“ nicht aufgearbeitet sind; greift zu Innovationen, die nicht erprobt und zu Ende gedacht sind. Hektik und Stress verhindern darüber zu reden, was unsere wirklichen Bedürfnisse sind und wie sie ohne maßlose Anspruchsausdehnung befriedigt werden könnten.
Effektivität wird zum Totschlagargument. In Wirklichkeit ist sie in der Industriegesellschaft schon länger zum Minuseffekt geworden. Mit den Steigerungen an Einsatz und Ausstoß wird mehr an Lebensqualität zerstört als neu hinzugewonnen.
Das Wissen in der Gesellschaft, die Fähigkeit zu Kommunikation und verantwortlichem Problemlösen werden zersetzt – trotz allem Zuwachs an Information und schulmäßiger Bildung. Schmalspureliten sind die Sturmtruppen im Wettlauf der Ökonomisten, am Ende übernehmen die Milliardäre selbst die Regierung über eine desorientierte Gesellschaft.
So wird die Gesellschaft, die nach allem, was im 20. Jahrhundert passiert ist, zu Ruhe, Ausgleich und Zufriedenheit kommen müsste, im 21. Jahrhundert zum Kampfplatz vieler kleiner und großer Eroberer und Imperatoren. Ihre Operationsbasis ist die Wirtschaft und nur da können sie durch Demokratisierung gestoppt werden.

1990 wäre Chipperfields Verschönerungsaktion sofort zerlegt worden

Am 12. Februar 1990 druckte die Süddeutsche Zeitung eine ganze Seite zur Zukunft des Hauses der Kunst. Mit Beiträgen von Gottfried Knapp, Christoph Hackelsberger, Alf Lechner und Josef Wiedemann. Wenn Sie auf das Bild klicken, wird die Seite lesbar. Christoph Hackelsberger konnte sich nur vorstellen, in der Ex-Ehrenhalle entsprechende Werke aus der Nazizeit zur Abschreckung auszustellen, Alf Lechner war dafür, den Bau als „Fossil“ stehen zu lassen, Gottfried Knapp berichtete, dass die Architekten vom Haus der Kunst die Nase voll haben: „… geschockt vom Lehrbeispiel Hofgarten, wo auch ein Architektur-Relikt umhäkelt werden musste, warnen sie vor jeder architektonischen Annäherung an den Bau.“ Wir nehmen den Beitrag Josef Wiedemanns heraus:

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Dazu im Kontrast ist folgender Artikel der SZ vom 3. Januar 2014 des Nachlesens wert: Laura Weißmüller interviewt David Chipperfield und Okwui Enwezor Ich schätze die Klarheit dieser Räume“.

Vorher noch zum Zusammenhang: Unter Minister Heubisch wurde im September 2013 nach einem Wettbewerbsverfahren an der Öffentlichkeit vorbei David Chipperfield mit der Planung der Sanierung beauftragt. Bald darauf dieses erstaunliche Interview. Vor zwei Monaten im September 2016 stellte Chipperfield seine Vorstellungen auf einer Veranstaltung identisch wieder vor. Die Zeit hat nichts gebracht, Unterschied ist allein, dass Chipperfield 2016 einige Computerdarstellungen mitbringt. Der Masterplan soll fertig sein, er wird aber noch zurückgehalten.
Direktor des Hauses der Kunst damals wie in den nächsten fünf Jahren ist Okwui Enwezor. Herr Heubisch wechselte vom Ministeramt in den Vorsitz der Freunde des Hauses der Kunst und zuständiger Minister ist jetzt Ludwig Spaenle. (Nebenbei: als FDP-Stadtrat in der Jury beim Architektenwettbewerb über die Alte Akademie traf Herr Heubisch wieder auf Herrn Chipperfield und stimmte in seinem Sinne.)

Das Interview ist (nicht sinnentstellend) gekürzt. Um es ganz zu lesen, kann man den Artikel kostenfrei über das SZ-Online-Archiv selber laden.

SZ: Wie würden Sie die Architektur des Hauses der Kunst beschreiben?
ChipperfieldEs ist ein starkes Gebäude seiner Zeit. Ich schätze die Klarheit seiner Räume.
SZ: Mögen Sie es?
ChipperfieldJa. Es hat einen unglaublichen Charakter. Der Charakter wurde immer mit der Geschichte des Hauses durcheinandergebracht. Die Organisation der Räume ist extrem klar und die Räume selbst überzeugen sehr. Für Kunstausstellungen sind sie großartig. Das ist auch der Grund, warum es sie heute überhaupt noch gibt. (…)
SZ: Nach all dem, was sich im Haus der Kunst unter den Nationalsozialisten abgespielt hat?
ChipperfieldEs gibt einen Spruch: Egal was vorher war, es sind immer noch Steine und Holz.
SZ: Also kann ein Gebäude niemals schuldig sein.
ChipperfieldEs trägt Erinnerungen und Geschichte in sich. Das ist ja das Interessante an Architektur. Wir projizieren etwas auf ein Gebäude. Aber wir müssen die Gebäude auch unabhängig davon sehen.
SZ: Als das Haus der Kunst gebaut wurde, spielte es eine große Rolle in der NS-Propaganda. Wie wichtig ist es, das den Besuchern von heute klarzumachen?
ChipperfieldIch glaube, man muss das den Besuchern nicht klarmachen. Man darf es nur nicht verstecken. Dieses Gebäude hat eine Geschichte. Das ist Teil seiner Faszination, und man sollte sie erzählen. Wir machen gerade den Schritt von Erinnerung hin zu Geschichte. Das ist ein Prozess. Wenn wir zum Kolosseum gehen, denken wir auch nicht daran, was dort passiert ist. (…)
SZ: Wo wird das die Sanierung sichtbar machen?   
ChipperfieldInteressanterweise sind die Ausstellungsräume ja die unschuldigsten. Problematisch sind die Außenfassade und die Eingangshalle. Das sind die Orte, wo die Architektur am lautesten spricht. Sobald man in die Ausstellungsräume geht, sind das ziemlich klassisch orientierte Museumsräume. (…)
SZ: Was werden Sie daran verändern?
ChipperfieldWir nehmen alle Säulen weg ( lacht ). Der wichtigste Punkt wird sein, dass das Gebäude in den letzten 60 Jahren eine gestörte Verbindung zur Stadt hatte. In gewisser Weise gab es den Versuch, das Haus der Kunst zu verstecken. Man veranstaltete eine Camouflage fast wie im Krieg, in dem man das Haus ja auch versteckte, damit es nicht zerstört werden konnte. Die wichtigen Fragen zielen nun alle darauf, ob die Camouflage heute noch notwendig ist und ob das Gebäude nicht wieder eine Rolle in der Stadt spielen darf. (…)
Die Räume selbst sind tatsächlich so gut, wie man sie nur bekommen kann, aber die Fassade, die Erinnerung des Gebäudes und der Haupteingang tragen eine andere Sprache.
SZ: München wird also nach der Sanierung ein sehr schönes Museum zurückbekommen?
ChipperfieldAbsolut.

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Der Fehler im Herangehen von Herrn Chipperfield ist sicher für alle Leser auffallend: Seine Bewunderung für die Ausstellungsräume überwältigt ihn (hierbei möge ihm folgen, wer das will) – doch in der Tat: „problematisch sind die Außenfassade und die Eingangshalle“ (Eingangshalle = ehemalige „Ehrenhalle“). Für das „Problem“ hat er zweieinhalb Jahre später dieselbe Nicht-Lösung mitgebracht: die Wieder-in-Pracht-Setzung eines Mahnmals des Größenwahns. Das Ergebnis soll dann ein „sehr schönes Museum“ werden, aber selbst mit Goldfarbe ginge das Problem nicht weg. Wenn man es zu ignorieren versucht, wird alles nur noch schlimmer. Mit seinem Simpl-Spruch „egal was vorher war, es sind immer noch Steine und Holz“ hat Herr Chipperfield die Herausforderung, die gerade dieser Bau darstellt, einfach nicht erfasst: Ein Stein ist wohl nur ein Stein, aber viele Steine zusammen sprechen!

Gebäude reden – und dies über Themen, die wir ohne weiteres verstehen können. Sie reden von Demokratie und Aristokratie, Offenheit und Arroganz, von Bedrohung und freundlichem Willkommen, von Sympathie für die Zukunft oder Sehnsucht nach dem Vergangenen.
Alain de Botton, Glück und Architektur

Vor allem: Wie kann es sein, dass ein kleiner Kreis in der Millionenstadt München daran basteln kann, sich den Traum von einem für sie schönen Liebhabermuseum zu erfüllen, noch dazu mit Steuergeldern? Es wurde ein reiner Architekturwettbewerb ohne Beteiligung oder Information der Bevölkerung veranstaltet, als wäre hier ein x-beliebiges Gebäude zu verwalten. Ohne dass man sich in Erinnerung ruft, was Leute mit Ahnung, persönlichen Erfahrungen und Engagement zu diesem leidigen Bau über die Jahrzehnte eingebracht haben! Man wartet einfach so lange, könnte man sagen, bis das Thema und der Widerspruch verschwunden sind. Soll es etwa aus dem Augenblick heraus von Menschen gelöst werden, die der Meinung sind, dass die alten Geschichten schon lange zurückliegen? Es ist eine Auseinandersetzung, die in der Stadt München geführt werden muss und die keinem Einzelnen, und wäre es wirklich der beste Architekt, übertragen werden kann! Hier geht es zuerst nicht um Architektur und Sanieren, sondern darum, wie die Stadtgesellschaft Münchens ihre Stadt und ihre Bauten sehen und bewerten will, welchen Sinn oder Unsinn wir vor Augen haben wollen – oder gibt es in München nur noch atomisierte Lebewesen, die sich um alles mögliche kümmern, nur nicht um das Gemeinsame?
Und das ist hier ganz dasselbe wie bei der Alten Akademie.


Nachtrag: Von 1990 bis Mai 1994 war das Haus der Kunst viereinhalb Jahre geschlossen. Nach Jahrzehnten als „Gebrauchshaus“ und entsprechend seiner geringen Wertschätzung in der Öffentlichkeit wurde dem Haus nur eine bestandserhaltende Renovierung zugebilligt. Zeitquelle


Nachtrag: Am 11. Dezember knüpft die SZ wieder an 1990 an:
„Als das Haus der Kunst in den späten Achtzigerjahren saniert werden musste, flammte die Diskussion wieder auf. Die Süddeutsche Zeitung führte eine leidenschaftliche Debatte: Die Meinungen reichten vom Abriss über einen Anbau bis zum Erhalt. Schließlich waren es die Direktoren des Hauses, die einen kritischen Rückbau im Inneren betrieben, die NS-Geschichte erforschen ließen und Künstler baten, die Fassade zu verwandeln. Jetzt muss wieder saniert werden.
Nun wünschen sich der aktuelle Direktor Okwui Enwezor, Kultusminister Ludwig Spaenle und der Architekt David Chipperfield einen radikalen Rückbau in den Urzustand mit wenigen Abweichungen (…).  Aber was wollen die Münchner? Die Debatte ist eröffnet.“

Das SIGNA-Netzwerk in München, Teil I

signabeiratbayern
Roland Berger (81), SIGNA-Beirat und Teilhaber seit November 2013:

–  Vorsitzender im Beirat der Deutsche Oppenheim Family Office AG, Grasbrunn, Frankfurt, Köln (im Eigentum der Deutschen Bank. Entstanden als Zusammenschluss der Oppenheim Vermögenstreuhand und der Wilhelm von Finck Deutsche Family Office, vormals Wilhelm von Finck AG. Insgesamt 10 Mrd. betreutes Vermögen)
–  war oder ist noch im Beirat der Deutschen Bank und im International Advisory Board der Blackstone Group als Chairman Germany (Hochfinanz, Anlagefonds)
–  war mindestens bis vor kurzem auch im Beirat und Teilhaber der Investmentfirma Sapinda des anderen Wunderkinds und  wiederaufgestiegenen Hasardeurs Lars Windhorst (39)
–  war Mitglied im Verwaltungsrat des Wittelsbacher Ausgleichsfonds (Immobilienbesitz)
–  Mitglied im Präsidium des Wirtschaftsbeirates Bayern (CSU-Unternehmerverband)
–  Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (Neoliberale Propaganda) und vieles andere mehr

Günter Koller, Jurist, SIGNA-Beirat seit Juni 2015:

–  Geschäftsführer der Wilhelm von Finck Hauptverwaltung GmbH, Grasbrunn (Großgrundbesitz, Industrie, Immobilien, u.a. Franziskaner Block an der Residenzstraße, Löwenbräukeller)
–  Stellvertretender Vorsitzender im Aufsichtsrat der Quantum Immobilien AG (u.a. Verwaltung der Hofstatt, Sendlinger Straße)
–  Mitglied im Aufsichtsrat der Hammer AG (u.a. Erbbaurecht an der städtischen Schrannenhalle seit 2009, ab 2015 an SIGNA/Eataly vermietet) ––> Herr Hans Hammer, Vorstand der Hammer AG, ist Vizepräsident des Wirtschaftsbeirates Bayern (CSU-Unternehmerverband) und Schatzmeister der CSU München
–  Mitglied im Aufsichtsrat der GIEAG Immobilien AG

Alfred Sauter, Anwalt und Politiker:

– Ex-Minister, MdL, Vorsitzender der Finanzkommission der CSU und Mitglied im CSU-Präsidium

Beim SIGNA-Architektenwettbewerb zur Alten Akademie saß Sauter als Rechtsberater am Tisch von René Benko. Wir nehmen an (solange das nicht verneint wird), dass Sauter bereits beim Kauf vom Finanzministerium die Verträge für SIGNA ausgearbeitet hat – als Mitglied des Landtags, gewählt von den braven Bürgern Günzburgs.
Hauptsächlich ist Sauter dagegen als Anwalt und Berater unterwegs: „Sauters Kanzlei berät in heiklen, auch politischen Fragen – auf Rechnung. Oft geht es um Immobilien, immer um Regeln des Staates. Es könnte ein träges Geschäft sein, eines mit marktfernen Bürokraten und beamteten Bedenkenträgern. Wo aber der 62-jährige Schwabe seine Finger drinhabe, heißt es in Fachkreisen, klappten auch schwierige Ideen gut und geräuschlos.“  Münchner Merkur, 27.6.2013
„Seine Münchner Kanzlei befasst sich viel mit staatlichen Immobilien, da hilft der Ruf, die Mächtigsten zu beraten.“  Münchner Merkur, 17.12.2012.

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Von Alfred Sauter kommen wir zu Anwalt Stavros Kostantinidis (Kanzlei Gollop Rechtsanwälte). Am 3. August 2016 feierte Kostantinidis im Cavos seinen Fünfzigsten mit vielen Gästen, darunter dem halben bayerischen Kabinett und was sonst noch Rang und Namen hat. Die SZ schreibt über die kurze Dankesrede an seine „Weggefährten“:
seehofer-benko“ … und bei Alfred Sauter. Das ist jener schwäbische Anwalt, der einst Justizminister war, aber immer noch Landtagsabgeordneter und Seehofer-Einflüsterer ist, und der, wenn ihn jemand nach seiner realen Arbeitsverteilung fragt, gerne mit der Bemerkung kontert, dass er als Anwalt so viele Steuern zahle, dass er seine Diäten als Abgeordneter locker selber finanziere. Sauter also sei einer jener Freunde, bei denen er das Handwerk eines Netzwerkers gelernt habe, so Kostantinidis. Ohne ihn wäre sein Leben anders verlaufen, wäre er Tavernen-Wirt geworden, nicht Netzwerker. Nicht auszudenken an diesem Abend.“
Und so kommen die Menschen zusammen, nach der Arbeit …

Man kann es etwa so zusammenfassen:

Roland Berger als Kapitalguru mit enger Fühlung zur Geldsociety;  Günter Koller als Immobilieninsider, der mitbekommt, wo was geht;  Alfred Sauter als Türöffner bei Politikern und staatlichen Immobilien.

Gibt es dagegen was zu sagen? Ja, es ist nicht transparent und nicht demokratisch! Die arbeitende Bevölkerung, die die Leistung bringt, wird von den Entscheidungen ausgeschlossen und bekommt stattdessen dämliches Theater vorgespielt. Eine kleine Gruppe von Reichen und Superreichen ist die Machtelite, erweitert um Funktionseliten und Politik – immer offensichtlicher (daher auch der Unmut, oft in die falsche Richtung) und wissenschaftlich ist es vielfach gut beschrieben.
Im Fall SIGNA kommt hinzu: Damit die Erde bewohnbar und Frieden möglich bleibt, müssen insbesondere wir in Europa, Deutschland, München … raus aus der Expansion und zu einer einfacheren, schonenderen Lebensweise finden, nicht am „Haben“ orientiert. Das Geschäftskonzept von SIGNA dagegen ist simpel wie brutal: Konsum, Luxus, Verschwendung. Ihr verrückter, überholter Lebensstil soll uns eingetrichtert und aufgezwungen werden (und die Armen sollen für die oberen Zehntausend billig arbeiten und bluten). Eine Konterrevolution gegen die Vernunft – eben dazu bedient sich SIGNA geschickt und dreist des Geflechts der Macht.