Gratulation nach Wien – das Postsparkassenamt von Otto Wagner ist gerettet! Benko hatte es 2013 gekauft, um damit Ahnliches anzustellen wie mit dem jetzigen Park Hyatt Vienna: Umwandlung in ein Hotel, Bankette in der großen weltberühmten Kassenhalle, Frühstücksbuffet in der kleinen Kassenhalle, Spa in den Tresorräumen usw. … Kulturfrevel dieser Art. Das war angekündigt – wir haben berichtet – jetzt will man nicht mehr davon reden. Auch wir sparen es uns an dieser Stelle, wenn Positives zum Vorschein kommt: denn die Immobilienprofitexperten von SIGNA sind echte Profis: wenn es sich nicht ausgeht, können sie auch anders. Die Umwandlung hätten sie gegen die Öffentlichkeit nicht durchsetzen können – die universitäre Nutzung wird dagegen weit geringere Eingriffe verursachen und die Glanzstücke des Hauses erhalten. Schon im nächsten Jahr können die ersten Institutionen einziehen; die österreichische Akademie der Wissenschaften ist begeistert.

Alte Akademie wird Bildungsanstalt!

Diese Meldung in den Medien wäre der sich logisch anschließende Schritt in München. Statt Entkernung und Teilabriss der für wissenschaftliche Nutzung perfekten Räumlichkeiten und danach Konsumtempel: keine Tiefgarage nötig, Erhalt des historisch wertvollen Hettlage-Kaufhauses, Erhalt der Arkaden, der Säle und Büroetagen, wie sie für das Landesamt für Statistik im Wiederaufbau nach dem Krieg geschaffen wurden. Genau das war auch die Idee des Stadtrats 2012: die Alte Akademie als Haus der Wissenschaft!

aus: PERSPEKTIVE MÜNCHEN, Leitlinie „München – Stadt des Wissens“, Seite 9

Im Jahr darauf verkaufte allerdings der damalige Finanzminister Söder die Alte Akademie an Benko. Sechs Jahre später und klüger: statt weitere hunderte Millionen für ein fragwürdiges Projekt zu riskieren: Vermietung an die Stadt oder den Staat als die gute Lösung: Dann könnte schon bald wieder ein Leben in die Alte Akademie einziehen, das zu diesem Gebäude passt. Und das Ganze wäre an der belebtesten Laufstraße Deutschlands noch zu toppen mit viel Science for Future!

Weniger Kommerz – mehr Wissen!

Um die Alte Akademie ist es ruhig – die Ruhe vor der nächsten Entscheidung. Das Bebauungsplanverfahren neigt sich dem Ende zu. Es wurde im Juli 2018 eröffnet, zuletzt wurde im Mai 2019 der Entwurf des Satzungstextes vom Stadtrat (CSU, SPD, BP) schon mal befürwortet und er dreht jetzt, den Regeln entsprechend, eine letzte Runde. Dann, dieses Jahr wohl nicht mehr, noch mal durch den Planungsausschuss und das Plenum des Stadtrats.

Das Referat für Stadtplanung und Bauordnung kann den Satzungstext so nicht mehr vorlegen!

Wir haben darüber berichtet: in diese Vorlage ging absolut nichts ein von den vielen Einwendungen von Bürgerinnen, Verbänden und dem Stadtheimatpfleger. Aus einem Beratungsverfahren, in dem Bürgerschaft und Fachleute ihre Meinung und ihr bestes Wissen einbringen sollen, wurde eine reine Machtgeschichte. Bisher hat das Planungsreferat unter Stadtbaurätin Merk keine Ruhmestaten vollbracht: erst wurde nach dem Benko-Kauf 2013 dessen Profit-Umbau-Konzept übernommen, dann im Wettbewerb 2016 die Tür geöffnet für eine Schließung der Arkaden und zuletzt hatte es sich „der Politik“ (ohne Argumente) untergeordnet und schmetterte ohne Argumente jeden Einwand ab. Von den Parteien auf SIGNAs Seite wird dieses Verhalten ausgenützt – niemand aus diesen Fraktionen würde mehr freiwillig öffentlich in der Sache sprechen – sie vertrauen auf eine fügsame Bürokratie, die liefert und Deckung bietet.

Die Arkaden müssen bleiben!

Im Fokus stehen die Arkaden: ein architektonisches, denkmalgeschütztes Plus in der Münchner Innenstadt und ein vertraglich geschützter öffentlicher Raum. Benko und SIGNA beanspruchen die Arkaden als Verkaufsfläche, um künftigen Mietern (niemand weiß, wer das sein wird) den notwendigen protzigen Auftritt zu bieten und weil wohl nur so die Profitabilität ihres hunderte Millionen schweren Investments erreicht wird.

In der Zwischenzeit hat im September auch die Kommission für Stadtgestaltung diesem Ansinnen klar widersprochen – mit allen Wortmeldungen sprachen sich die darin vertretenen Architekten wertschätzend für die vollständige Erhaltung der Arkaden aus. Dieses eindeutige Votum muss vom Planungsreferat und der Stadtbaurätin respektiert und in die Überarbeitung des Satzungsbeschlusses verändernd aufgenommen werden! Eine Stadtbaurätin kann es nicht so halten, wie es sich ein CSU-Stadtrat Walter Zöller erlaubt hat, dieser Kommission sogleich ins Gesicht zu sagen, dass ihr Ratschlag ihn letztlich nicht interessiert. Jegliche fachliche Reputation, das Berufsethos der Stadtplanung wäre verloren, so wie alle Beschwörungen, wie wichtig doch der öffentliche Raum sei, zu missbrauchten Leerformeln würden.

Stadträte kommen und gehen, Mehrheiten ändern sich, am Referat bleibt es hängen

Mit Alexander Reissl ist die SPD-Fraktion, man darf es so sagen, glücklich einen CSU-Sympathisanten los geworden. Er hatte das Geschenk an SIGNA in seiner Fraktion gegen großen Widerstand durchgepeitscht und diese mithilfe Fraktionszwang untergebuttert. Nun geht es in den Kommunalwahlkampf: wenn die SPD verlorene Sympathien zurückgewinnen will, wird sie sich auch von der Beeinflussung durch die SIGNA-Lobby frei machen müssen. Dabei kann ihr die Stadtbaurätin fachlich korrekt helfen (und damit auch sich selbst).
Die Mehrheitsverhältnisse im nächsten Stadtrat werden andere sein (und es wird hoffentlich mehr Stadträte geben, die unabhängig ihren Mund aufmachen). Will die Stadtbaurätin noch kurz vor Schluss das Diktat einer abgewählten Mehrheit durchbringen helfen?

Mit einem falschen Beschluss ist nichts vorbei: das dicke Ende kommt erst

Die Beamten des Referats haben sich im Bebauungsplan in einem Punkt sehr anstrengen müssen: die Chancen des Urheberrechtseinspruchs von Frau Michail, der Tochter von Josef Wiedemann, herunter zu spielen. Auch das sieht jetzt durch das Votum der Stadtgestaltungskommission deutlich anders aus. Das Urheberrecht könnte sehr wohl ungeahnte Wirkung zeigen, nicht gleich, sondern später, wenn es richtig weh tut.

Die Bearbeitungszeit des Satzungsbeschlusses dauert nun schon eine Weile. Das dürfte daran liegen, dass – jenseits der Frage der Arkaden – die Eingriffe in das Gebäudeensemble so massiv sind. Vielleicht kommen immer neue Ansprüche von SIGNA hinzu. Noch ist in den sechs Jahren, seit SIGNA die Alte Akademie besitzt, baulich nichts geschehen (außer dass das Gebäude leer steht und nicht besser wird). Der wahre Horror, vor den Augen der Öffentlichkeit, würde mit dem Satzungsbeschluss rechtlich fixiert und mit der Baugenehmigung erst losgehen. Auch daran sollte das Referat für Stadtplanung und Bauordnung denken.

Ein altes Foto von 2016 nach dem Wettbewerb: Herr Stadlhuber von SIGNA zeigt in der Präsentation vor der Presse seine Lieblingsfolie. Es war allerdings damals die falsche. In dieser fleißigen Vorarbeit des Architektenbüros sind die Arkaden auf einen winzigen Spott-Rest reduziert – und fast genauso soll SIGNA es bekommen, wenn es nach der GroKo im noch amtierenden Stadtrat geht.

Weglassen heißt lügen …

sagte schon Platon im alten Griechenland: „Das Weglassen der anderen Hälfte der Wahrheit ist die schlimmste Form der Lüge“.

Berlin, Kreuzberg und Neukölln, Hermannplatz. SIGNA will dort das Karstadt-Gebäude abreissen lassen und durch einen Riesen-Retro-Neubau ersetzen, der das Gefüge in diesem Kiez sprengen würde (ist in der Presse und im Internet – Initiative Hermannplatz – nachzulesen). Es gibt massiven Widerstand aus der Bevölkerung und so startete SIGNA heute eine Showveranstaltung mit „HRMNNBOX“ (gab es da nicht letztes Jahr schon ein Fiasko mit einer Fussballmannschaft?) Heile Welt mit Kräutergarten und Fahrrädern … SIGNA als Wohltäter der Stadt und seiner Menschen … Aber es geht gegen die Leute vor Ort und so hat ihre Verdrängung schon durch einen simplen Bildausschnitt begonnen. So einfach wird es in Berlin bestimmt nicht abgehen:

Kein Abriss, keine Aufwertung, keine Verdrängung! 

PS: Wir lügen nicht und ergänzen gerne, dass SIGNA auf twitter fünf Tage später nachgeliefert hat – hat ja dann was geholfen …

Besser wird man es kaum beschreiben können!

Hände weg von der Alten Akademie, Hände weg vom Eggarten!

Während Benko uns und viele andere dazu zwingt, jahrelang für ein Denkmal, für den öffentlichen Raum in der Innenstadt zu kämpfen, passiert an mehreren Stellen in den Außenbezirken etwas ganz ähnliches: Bürgerinitiativen verteidigen wertvolle, unersetzliche Grünflächen gegen das Zubetonieren durch heimische und profit-angelockte Investoren. Innen die Konsumexpansion der gesättigten Oberschicht und am Rand die Expansion zu einer Metropole, die nie ein Ende findet – das ergänzt sich zu einer zukunftsgefährdenden Attacke auf eine lebenswerte Stadt für die breite Mehrheit.
Ein verbindender Aspekt dabei ist leider der Typus des völlig überforderten Kommunalpolitikers. Kein Wort von uns dazu, denn wer würde besser den Nagel auf den Kopf treffen:

Der typische Kommunalpolitiker (TKP) – die Kolumne von Michael Sailer im aktuellen in münchen Heft.

Wenn Sie noch nichts vom Eggarten gehört haben, dann lesen Sie den Artikel in den Standpunkten 10/2019 des Münchner Forums, Seite 24-26: Eggarten, platt gemacht für den Profit.

www.alte-akademie.com existiert nicht mehr

SIGNA hat ihre Webseite zur Alten Akademie aus dem Netz genommen. Das ist nicht weiter schlimm. Einziger Verlust wären die Dokumente aus dem sagenhaften Wettbewerb von 2016, die sonst schwer zu finden sind. Hier zum Download: Auslobungsbroschüre und Protokoll der Preisgerichtssitzung.
Eventuell auch noch der extra für München arrangierte Promotion-Plausch von Herrn Stadlhuber mit Frau Neubauer vom österreichischen Denkmalschutz. In diesem Zusammenhang eine gute Nachricht: Das Jahrhundert-Baukunstwerk der Postsparkasse von Otto Wagner in Wien ist vor den Verwertungs- und Umnutzungsabsichten von SIGNA bewahrt worden. Es soll jetzt an die Wiener Universität vermietet werden – unter den Umständen eine gute Lösung. SIGNA will das Gebäude nicht aus der Hand geben; hoffentlich kommen sie der Verpflichtung der Erhaltung des perfekten Zustandes nach. Siehe auch unseren Artikel „Wir sind Wiederholungstäter“.

Klares Votum für die Arkaden!

Wenn noch nicht gelesen: der Artikel in der Abendzeitung über die Sitzung der Kommission für Stadtgestaltung am 17. September ist sehr zutreffend.
Hinzuzufügen wäre, dass
– die Kommission sich diesmal durch vorangehende Besichtigung ein eigenes Bild vor Ort verschafft hatte.
– OB Reiter wieder fehlte und Stadtbaurätin Merk sich einen Redebeitrag versagte.
– auch der Leiter der staatlichen Denkmalpflege nicht sprechen wollte und dann gegen die Empfehlung stimmte.
– Stadtrat Herbert Danner das Meinungsbild nach den ersten Redebeiträgen mit 8 : 0 in Zahlen fasste.
– dass Christoph Sattler zusätzlich den schönen Vorschlag machte, im Kopfbau eine „zauberhafte öffentliche Halle“ zu gestalten.

Während der vortragende Architekt des Büros Morger (Name leider nicht verstanden) sich überbot in Respektbezeugungen für Josef Wiedemann und wie sehr sie sein Werk vervollkommnen würden – war die geäußerte Meinung aus der Kommission absolut deutlich: es gibt nichts aufzubessern – je mehr man die Finger von den Arkaden lässt, desto besser die architektonische Gestaltung, desto besser für die Stadt, ihre Bewohner und Besucher. Das heißt, die Kommission hat aus ihrer Sicht den aktuellen Vorhabensstand bis zurück zum Wettbewerb unter Chipperfield vor dreieinhalb Jahren verworfen. Gerade auch das ganz unsägliche Vorhaben, die Passage im Kopfbau zu schließen. Ohne Verständnis blieb das Märchen, dass die offene, großzügige Ausstellungshalle der 50er Jahre noch besser würde, wenn man sie zu einer Hochpreiskonsumhalle macht, durch die man dank Glastüren durchschauen und bei Ladenöffnung auch durchgehen könne.

Nun hat die Stadtratsmehrheit – und es wird an der SPD-Fraktion liegen – die Möglichkeit, sich in den Monaten bis zum Satzungsbeschluss zu überlegen, ob sie unter Erwägung dieses klaren Votums noch allein SIGNA zuliebe eine folgenschwere Fehlentscheidung wagen will.

Als beschämend ist noch zu erwähnen, dass Stadtrat Zöller (CSU) sich unbeschwert zu seiner Ignoranz bekannte und statt einem sachbezogenen Beitrag direkt erklärte, dass er die Meinung der Architekten schon „interessant“ fände, dass sie ihn aber letztlich doch nicht interessiert, weil er als Politiker im Stadtrat wieder genauso entscheiden werde.

PS: Auf Nachfrage wurde noch darüber „informiert“, dass die Architekten draufgekommen sind, dass die vier charakteristischen Rundsäulen vor dem Hettlage-Kaufhaus nach Abriss und Neubau (hinter der zu erhaltenden Fassade) nicht mehr eingebaut werden könnten, weil sie dann nicht mehr richtig passten und auch nicht so wichtig wären. So läuft das.
Und zur Kapellenstraße, die ja angeblich unheimlich aufgewertet werden soll: auf einer gezeigten Entwurfsveranschaulichung war das eckige Ladeportal zu erkennen, wofür der Rundbogen der jetzigen Einfahrt verschwinden würde. Lastwagen brauchen halt den Querschnitt, schon klar. Und eine Skizze (noch aus dem Auslobungsheft) zeigt gut, was die Kapellenstraße dann wäre: Zufahrtszone für den sich stauenden Liefer- und SUVverkehr durch dieses Nadelöhr. (Neben den in der Straße seit Jahren rumstehenden Baucontainern vom Oberpollinger, ebenfalls SIGNA)

Geduld, Gründlichkeit und Verantwortlichkeit sind gute Tugenden

Die Kommission für Stadtgestaltung wird sich mit den Arkaden der Alten Akademie beschäftigen – zum dritten Mal. Am 23. Juli hatte Frau Merk die Wiederbefassung als Ausweg genommen. Die geäußerte Meinung aus der Kommission war merkbar überwiegend kritisch. Hauptgrund für die Vertagung war dann auch, dass der Vortrag von Herrn Architekten Morgner (alles toll, richtig, notwendig) den schalen Geschmack von „Alternativlosigkeit“ hinterließ. Die Hintergrundinformation fehlte wie beim ersten Termin (das Referat für Stadtplanung will nun liefern). Es wäre schwierig gewesen, einen positiven Kommissionsspruch zu formulieren – oder überhaupt einen.

Also wieder am 17. September um 16 Uhr im großen Rathausssaal.

Zitat Webseite www.muenchen.de: Neben dem Oberbürgermeister und der Stadtbaurätin setzt es sich aus weiteren Vertreterinnen und Vertretern der Stadtverwaltung, Fachleuten anderer Behörden, dem Heimatpfleger, Stadträtinnen und Stadträten sowie zehn freiberuflichen Architektinnen und Architekten zusammen.“

Es wäre demnach schön, wenn OB Reiter diesmal dabei wäre, um seine Verantwortung in einer Angelegenheit wahrzunehmen, die viele in der Stadt aufregt. Es sollte nicht noch einmal passieren, dass eine Stadträtin und eine Referentin, die beide in die Arkadenfrage verstrickt sind, die Sitzungsleitung einnehmen.