Schafft es SIGNA, München unter Druck zu setzen?

Jesuitenkolleg – Akademie der Wissenschaften – Wiederaufbau – Statistisches Landesamt – Entkernung – ?

Vor kurzem kam SIGNA mit einer Pressemeldung zur Alten Akademie heraus. Folgend einem alten Trick wird es darin so hingestellt, als wäre Baugenehmigung und Bauspart schon fix – so als wäre es schon eine feststehende Tatsache, wird getitelt: „Baustart noch diesen Sommer“.

In Wahrheit befindet sich der Plan der kompletten Umnutzung der Alten Akademie in der Phase des Bebauungsplans – die Gremien der Stadt haben diesen noch zu beschliessen, danach könnte SIGNA den Bauantrag stellen. Soll sich die Stadt München diesen dreisten Vorgriff bieten lassen, diese Geringschätzung kommunaler Planung und Hoheit? Können in unserer Stadt die Investoren ungeniert drängeln und so tun als ob?

Schauen wir uns ein paar Sätze oder Bruchstücke aus diesem Schmuckstück mal an:

„Nachdem die Mehrheit von CSU und SPD den von SIGNA favorisierten Plänen für das Redevelopment im Münchner Stadtrat am 21. Februar 2018 zustimmte …“
CSU/SPD/Bayernpartei haben vor einem Jahr gemeint, es gut finden zu müssen, dass SIGNA die Arkaden bis auf einen kleinen Rest eleminieren will. Das wurde in den Beschluss zum Start des Bebauungsplans zusätzlich aufgenommen. Der aktuelle Stand: das Planungsreferat ist dabei, das Bauvorhaben allseitig zu prüfen, es sammelt die Einwendungen aus der Bevölkerung und legt erneut dem Stadtrat vor. Dann wird es eine effektive Zustimmung des Stadtrats geben, vielleicht nicht oder mit Abstrichen. Termine sind noch nicht bekannt gemacht. Wie man hört, soll es Ende Mai auf die Tagesordnung der Vollversammlung kommen.

„Im Sommer 2019 werden die Vorabbaumaßnahmen beginnen.“
Womit soll es denn losgehen? Mit Vorabbau des Daches? Vorababriss des Hettlage-Gebäudeteils? Vorababtragung des Bodens des Schmuckhofs? Vorabentkernung einiger Gebäudeteile?

„Die Umbaumaßnahmen werden voraussichtlich Ende 2022 abgeschlossen sein.“
Das wären dann dreieinhalb Jahre für „behutsame Sanierung“.

„Das Gesamtinvestitionsvolumen beträgt über 400 Mio. Euro.“
Abzüglich des Kaufpreises wären das mindestens 160 Mio. Euro für „behutsame Sanierung“.

„… nach den hohen Maßstäben des Goldenen Quartiers in Wien.“
D.h. Vollkommerzialisierung für jene Kundschaft, bei der Geld keine Rolle spielt: „In einmaliger Innenstadtlage inmitten der Fußgängerzone … erwartet Sie ein einmaliges Shopping-Erlebnis: Im GOLDENEN QUARTIER reihen sich 20 internationale Labels – das Gros davon erstmalig – nebeneinander wie an einer Perlenkette auf. So komprimiert wie kaum an einem anderen Platz der Welt.“ (SIGNA-Webseite) Dabei ist schon klar: SIGNA hat das immer so gesagt – niemand in München hat das so gewollt, wenn man glauben darf – CSU/SPD/Bayernpartei sind nun als Übertölpelte zu Freunden „schöner Geschäfte“ (Zitat) geworden.

„… eine Gelegenheit, im Herzen der innerstädtischen Fußgängerzone ein charakteristisches Retail-Ensemble zu entwickeln, um in einer der bundesweit nachgefragtesten Einzelhandelslagen attraktive Flächen anzubieten.“
Allein darum geht es: Verkaufsflächen in bester Lage mit nobler historischer Fassade. Gepfiffen auf Geschichte, auf öffentlichen Raum, auf die Würde des Ensembles mit der Michaelskirche, auf die architektonische Leistung des Wiederaufbaus. Obwohl die äußerst profitorientierte SIGNA nie einen Cent an der Alten Akademie verdienen können wird (wie Leute dieses Fachs sagen), soll sie immer noch luxus-kaputt gemacht werden.

 In seinem Brief an OB Dieter Reiter schrieb Dieter Wieland 2017:
„An der historischen Erscheinung dieser Baudenkmäler, die so 1952 mit größtem Idealismus wieder aufgebaut wurden, darf nichts verändert werden. Es darf in keiner Weise ein Kaufhauscharakter entstehen, keinerlei Werbeschriften, Neonreklamen, Werbefahnen, Schaufensteraufschlitzungen etc. Der städtebaulich so einzigartige Straßenraum mit dem grandiosen Richard-Strauss-Brunnen von Hans Wimmer darf nicht durch Vitrinen oder Gastronomie zum Kaufhausvorplatz degradiert werden.
Die SIGNA-Immobilien GmbH ist schon eifrig und professionell damit beschäftigt, hier Tatsachen zu schaffen. Es ist bereits überdeutlich zu sehen, wie der Kommerz die Würde und Hoheit dieses Ortes beschädigt.“

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Große Zeiten – Rückwärts ist Vorwärts – Hopp oder Top

Sören Jensen hat im manager magazin wieder eine Reportage über René Benko maßgeschneidert, wie schon im Dezember 2016. Wie damals groteskes Lob über familienunfreundliches, ungesundes Workaholic-Verhalten, mit Ausdrücken wie „rastloser Schwerstarbeiter“, „wie ein Besessener“. Ja, der Wahnsinns-Fleiß, aber wie war das gleich wieder mit den „Sekundärtugenden“? Wie damals wieder eine Latte von antiquierten Titelzuweisungen: „Kaiser“, „König“, „Fürst“, „Tycoon“. Man fragt sich: wie sehen diese Journalisten und ihre Leser sich und ihre Protagonisten – sektenähnlicher Realitätsverlust?

Offensichtlich hat Benko dem Artikel selber Stories beigesteuert. Eine davon geht so:
„Deutschland schleppte sich durch die letzte Januarwoche, als René Benko (41) in seinen Büroturm Upper West am Berliner Ku’damm lud. Die Führung seiner Unternehmensholding Signa und der Vorstand der Gewerkschaft Verdi trafen sich zum abendlichen Spitzengespräch, es ging um die Zukunft von Karstadt und Kaufhof, beides inzwischen im Besitz Benkos. Das Treffen dauerte mehr als acht Stunden, bis nach zwei Uhr morgens. Wenig überraschend, dass es keine Einigung gab. Die Gewerkschaftsbosse Frank Bsirske (67) und Stefanie Nutzenberger (55) opponierten pflichtgemäß gegen den anstehenden Personalabbau und die geplanten Tarifkürzungen.
Im Anschluss an die Marathonsitzung legten sich Benkos Topmanager schlafen. Nicht so er selbst. Er setzte sich an seinen Schreibtisch, fasste schriftlich das Gespräch zusammen und überlegte, wie er Verdi doch von seinem Vorhaben überzeugen könnte. Um halb vier in der Früh hatten seine Mitarbeiter in ihren Postfächern die Mails des Chefs mit To-do-Listen. Und um sieben Uhr morgens saß Benko schon wieder im Büro.“
So die Ego-Perspektive des Order verteilenden Muftis – für die Belegschaft von Karstadt und Kaufhof ist die derzeitige Situation wie ein Schlag in den Unterleib.

Entlassungen – Lohnraub – Tarifflucht – rüde Methoden – Alleinherrschaft – Verdunkelung

Die Karstadt-Belegschaft wurde bereits in den letzten Jahren ausgedünnt. Nach der Tarifflucht 2011 wurde 2016 die Rückkehr in den Flächentarifvertrag bis 2021 vereinbart. Der Verlust durch Lohnstopp liegt schon bei 12% und Karstadt macht keine Anstalten, dies wie vereinbart, bis 2021 auszugleichen. Denn nun ist auch Kaufhof aus dem Tarifvertrag ausgestiegen und darüber hinaus wird noch ein „finanzieller Beitrag der Belegschaft“ gefordert. Ein Teil der Belegschaft soll durch Aufspaltung in Kundenberater und „Warenverräumer“ abgewertet werden. Viele Beschäftigte der Kaufhofzentrale in Köln werden gekündigt – dürfen sich aber für die neue Zentrale wieder bewerben. Die Beteiligung der Belegschaft an einem Warenhauskonzept wie sie von verdi gefordert wird, ist das Letzte, worauf sich die Chefetage freiwillig einlassen wird. Genauso wenig wie sie die Verschleierung von Immobilienbesitz und Mieten lüften wird. (Das sind nur Stichpunkte, bitte informieren Sie sich eingehender in den Medien, z.B. hier oder hier.)
Das Management von Signa bei Karstadt und Kaufhof steht absolut konträr zur Belegschaft. Das SIGNA-Modell von Offizieren und Mannschaften kann wohl am besten als modernisierte k. u. k. Militärmaschine verstanden werden (kaiserlich königlich …). Wir wünschen der Belegschaft der Warenhäuser, dass sie sich durch Widerstand gegen diese Pläne ihre Würde erhalten kann!

Eine andere Geschichte schreibt Jensen nach seinen heißen Informationen so nieder:
„Über einen Zusammenbruch des noch jungen Imperiums, etwa in einer neuen Finanzkrise, muss man sich wohl keine Gedanken machen. Den Immobilienbesitz von mittlerweile 14 Milliarden Euro finanziert der Aufsteiger konservativ – mit nur knapp 50 Prozent Fremdkapital. Der Zinssatz ist im Schnitt 17 Jahre lang gebunden, branchenüblich sind sechs Jahre. Den Elbtower hat Benko bereits auf 25 Jahre durchfinanziert. Er zahlt kaum mehr als 2,5 Prozent Zinsen per annum.“

Und das Jahre vor dem womöglichen Baubeginn – wer kennt die Wahrheit? In der Hamburger Morgenpost liest sich das nämlich anders:
„In der Tat scheint Signa äußerst potent, kauft mal eben für angeblich 110 Millionen Euro die Gänsemarkt-Passage, will sie abreißen und einen Neubau errichten. Für das Elbtower-Grundstück soll Benkos Firma 120 Millionen Euro hingeblättert und andere Investoren aggressiv überboten haben.
Das lässt aufhorchen. In der Bau-Szene wird sein Vorgehen kopfschüttelnd zur Kenntnis genommen. Warum? Weil Benko volles Risiko geht, auf niedrige Zinsen setzt. Sollte die Immobilien-Blase jedoch platzen, wäre seine Firma wohl am Ende, sagt die Konkurrenz.“

Nach „vielen Treffen“ mit Benko ist Jensen seinem Held so nah, dass er dessen Einstieg in österreichische Zeitungen als „Hilfe“ idealisieren möchte:
„2018 – Kronenzeitung: Mit seinem ersten Medienengagement will Benko helfen, die lähmende Blockade unter den Verlegerfamilien des Wiener Traditionsblatts aufzulösen.“
Völliger Unsinn, der Streit ist nur heftiger und öffentlich geworden. Hans-Peter Siebenhaar vom Handelsblatt sieht die Aktion im Zusammenhang mit dem System von „message control“ des österreichischen Kanzlers Kurz:
„Denn der ehemalige Jura-Student hat mit Dutzenden seiner Getreuen an den Schaltstellen der politischen Macht das System der „message control“ eingeführt. Für die österreichischen Medien wird seitdem ein minuziöses Drehbuch mit ausgewählten Inhalten geschrieben. Kein Wort wird dem Zufall überlassen. (…) Für die österreichischen Medien im Land ist das System der „message control“ hingegen ein Desaster. Sie drohen zum Dienstleister der politischen Macht zu werden. (…)  Ohnehin ist der Kurz-Freund und Immobilienmilliardär René Benko beim „Kurier“ und der „Kronen Zeitung“ als Gesellschafter eingestiegen. Das verbindet. (…) In dieser Woche fragte mich ein international erfahrener Diplomat in Wien, ob Österreich immer stärker an Osteuropa heranrücke. Im Hinblick auf die Medien ist das bereits der Fall – zum Nachteil einer lebendigen und pluralistischen Demokratie.“

Und die letzte Story, die wir kopfschüttelnd zitieren:
„2019 – Alte Akademie. Beginn des Umbaus beim früheren Jesuitenkolleg in München. Das Gebäude in bester Citylage soll Geschäften und Wohnungen, aber auch Kunst und Kultur Platz bieten.“
Ja, lieber Herr Jensen, Signa-Infos sollte man schon auch mal überprüfen. Null Kunst und Kultur und vor dem vorweggenommenen Baubeginn kommen noch die Einsprüche aus der Münchner Bevölkerung im Bebauungsplanverfahren und die Baugenehmigung.

– 100 Jahre nach dem Abgang des Adels –
(Foto aus dem Film „Der Untertan“ nach dem Roman von Heinrich Mann)

Das Kaufhaus Hettlage in den 50er Jahren (Bild: Architekturmuseum der TU München)

Im Moment läuft das Bebauungsplanverfahren. Die Verwaltung hat viel zu prüfen und die Einwendungen aus der Bevölkerung zu sichten, um sie dem Stadtrat vorzulegen. Aus der Einwendung des BDA Bayern (Bund Deutscher Architekten) möchten wir zitieren (hier vollständig veröffentlicht):

„Das Problem dabei ist, dass dies nicht nur einen Verlust öffentlichen Raumes in der ohnehin stark frequentierten und dort auch relativ schmalsten Stelle der Fußgängerzone darstellt, sondern dass die Qualität des Kaufhaus-Neubaus seiner wesentlichen Charakteristik beraubt wird. Die wohlproportionierte Fassade mit ihrer eleganten Flächigkeit in den Obergeschoßen kontrastiert mit der durch tiefe Schatten plastisch wirkenden Arkaden im Erdgeschoß über Eck zu beiden Seiten des kubisch wirkenden Gebäudes.
Es ist überhaupt nicht nachzuvollziehen, warum die Stadt ohne Bedenken und ohne Not einer solchen Banalisierung und Entwertung des denkmalgeschützten Baus von Prof. Wiedemann zustimmen will, nachdem der Investor den Gesamtkomplex schließlich ausdrücklich mit der Maßgabe der Erhaltung der Arkaden als öffentlich gewidmeten Raum vom Freistaat Bayern erworben hat und seine wirtschaftlichen Interessen immer noch bestmöglich verfolgen kann, zumal das Gebäude durch Entkernung ohnehin im Innern neuen Anforderungen beliebig entsprechen kann. Dass dabei die für die Architektur von Josef Wiedemann typische Innenraumdisposition mit atriumartiger Aufweitung und geschwungenem Treppenlauf verloren geht, ist schon bedauerlicher Verlust genug.
Es war ein Kunstgriff des damaligen Architekten, eine Kaufhausnutzung funktional bestmöglich zu realisieren und gleichzeitig die notwendig großflächigen Schaufenster in der Fassade zurücktreten zu lassen, um der Würde der angrenzenden historischen Erscheinung der Renaissance-Fassade und seiner früheren Nutzungen der Alten Akademie zu entsprechen. Soll dies keine Bedeutung mehr haben?
Die vom Investor anscheinend als Kompensation gedachte Öffnung des Schmuckhofes ist zwar grundsätzlich begrüßenswert, stellt jedoch keinen Ersatz für den Verlust des öffentlichen Bewegungsraumes im Fußgängerbereich dar und erst recht nicht für die nachteilige Veränderung des Fassadenbildes. Man kann sich fragen, was an Denkmalwert bei dem Gebäude eigentlich noch übrig bleibt, zumal zu befürchten ist, dass bei der Realisierung der mehrgeschossigen Tiefgarage die Erhaltung der Fassade in situ auch noch nachträglich infrage gestellt werden könnte.“

Greta Thunberg: Yes we can! Dagobert Benko: It is all about money…

Das auf Bereicherung und Überkonsum ausgerichtete Wirtschaftssystem zerstört die Balance der Erde und die Lebensgrundlagen der Zukünftigen. Wir müssen andere Prioritäten setzen: jetzt reagieren – oder versagen.

Die Klimaaktivistin aus Schweden in ihrer Rede auf der Klimakonferenz in Katowice:

„Ihr sprecht nur von grünem, ewigem Wirtschaftswachstum, weil ihr zu viel Angst habt, euch unbeliebt zu machen. Ihr sprecht nur darüber, mit den immer gleichen schlechten Ideen weiterzumachen, die uns in diese Krise geführt haben. Und das, obwohl die einzige vernünftige Entscheidung wäre, die Notbremse zu ziehen.
Ihr seid nicht einmal erwachsen genug, die Wahrheit zu sagen. Sogar diese Bürde überlasst ihr uns Kindern. Aber mir ist es egal, ob ich beliebt bin. Ich will Gerechtigkeit in der Klimafrage und einen Planeten, auf dem wir leben können.“ (Osnabrücker Zeitung, 16.12.) 


Fast gleichzeitig äußert sich der Geldaktivist aus Tirol über seine Ziele (bzw. immer gleichen schlechten Ideen):

Wir sind einer der größten und jedenfalls der profitabelste Immobilienentwickler Europas   noch viel Potenzial herauszuholendigitale Transformationeinen führenden Multichannel-Riesen20 Mio. Konsumenten  Größe ist Marktmachtüber eine Milliarde Euro Jahresgewinnelf Milliarden Euro wert25 Prozent aufs Eigenkapital …“ (Stichworte aus dem Interview mit „trend“, wiedergegeben in der Tiroler Tageszeitung vom 14.12.)

Benko – NO FUTURE. Gibt es vielleicht noch einen Ort im Weltraum für die, denen unser Planet egal ist?

Greta Thunberg:
„Euch gehen die Ausreden aus und uns die Zeit. Wir sind hierher gekommen, um euch wissen zu lassen, dass Veränderung kommen wird. Ob es euch gefällt oder nicht. Die echte Macht liegt bei den Menschen.“

Was zählt ist was im Sack ist, müsste es an dieser Stelle heißen

Eine zutiefst unchristliche Botschaft leuchtet plötzlich aggressiv von der Fassade der Alten Akademie. Sie wird den Budenmarkt mit Kripperln und Heiligenfiguren überstrahlen und sie demonstriert die Dominanz des blanken Konsumterrors. Die Message: Weihnachten ist ein Fest der Freude mittels Geldausgeben – neben dem Geldverdienen die Bestimmung des dressierten Menschleins in der modernen Megamaschine.

Was zählt ist natürlich nicht „unterm Baum“. Überteuerte Trikots etc. zählen doch nicht wirklich. Nur armselige Würstchen zählen nach und addieren unter ihrem „Baum“, der mal ein Christbaum war. Liebe, menschliche Zuneigung und Besinnung haben keine Ziffern! Wer da zählt, hat das Wesentliche verloren – Hoeness und Benko zählen unter ihrem Baum, was ihnen dann bleibt.

Im Übrigen: Auf derartige Installationen muss man erst mal kommen und sie müssen genehmigt werden vom Referat für Stadtplanung und Bauordnung. Damit zeigt sich einerseits, wie total SIGNA den Charakter der Alten Akademie respektiert herabwürdigt und wie die Verantwortlichen der Stadt München der gute Geist verlassen hat. Es ist eine Ankündigung, die jede/r verstehen kann: Für den Profit wird jede Kultur niedergetreten, der neue Gott heißt Mammon. Die einzige Erleuchtung daraus für alle Münchnerinnen und Münchner: Die Alte Akademie darf kein Kaufhaus werden, Widerstand gegen Benko ist gerechtfertigt.


Nachtrag vom 4. Dezember: Das FC Bayern-Plakat wurde zwischenzeitlich durch Automobilwerbung ersetzt. Das dürften etwa zwei Zentner Plastikmüll gewesen sein für Nichts.


Von der mitbeteiligten Firma PoolOne Giant Media wird dieser missratene Coup stolz gefeiert: „Durch seine einzigartige Frontallage ist das Riesenposter für die darauf zulaufenden Passanten schon aus weiter Ferne und sehr lange einsehbar, was für ein echtes Markenerlebnis sorgt.“

Benko will kritischen Artikel aus dem Internet entfernen lassen

Diese Kunde kommt ganz aktuell aus Österreich. Eine im Auftrag Benkos agierende Anwaltskanzlei hat am 2. Oktober an den Webbetreiber WordPress nach San Francisco geschrieben. Auf den einen nun folgenden Satz wird das Ansinnen gegründet, dass WordPress einen kompletten Webbeitrag von der Webseite eines Kunden entferne:

„Mehrfach haben wir bereits über diesen umtriebigen Ex-Bundeskanzler und Ex SPÖ-Vorsitzenden aus Österreich berichtet, der auch mit der Firma Signa-Holding des vorbestraften austrischen Geschäftsmannes Rene Benko geschäftlich verbandelt ist.“

„take the content … offline immediately“.

WordPress lehnte ab und informierte den Betreiber der Webseite http://www.politicacomment.wordpress.com. Das ist hier nachzulesen. Und der vorausgehende ungenehme Beitrag hier. Wir verstehen Benko nicht! Denn von der in der wahren und richtigen Welt im August 2014 in Wien in zweiter Instanz ergangenen Verurteilung weiß doch heute fast jedes Kind!

Der Webbeitrag, der gelöscht werden sollte, hat allerdings weniger Benko, sondern seinen väterlichen Freund und Helfer Alfred Gusenbauer zum Thema. Über ihn wird dort einiges (Bekanntes) zusammengetragen, was gar nicht gut ausschaut. Hinweise auf seine vielfältigen internationalen Geschäfte, sein Lobbying für Diktatoren, die ganzen trüben Geschichten aus der oberen Etage des Kapitals, zu denen sich Gusenbauer aber nicht äußern will. Lobbyarbeit ist in Deutschland und Österreich nicht strafbar und für weitergehendes muss man erst mal verurteilt werden. Aktuell rücken Gusenbauer aber Untersuchungen des FBI über seine Lobbyarbeit in Kooperation mit dem ehemaligen Trump-Wahlkampfleiter Paul Manafort gefährlich nahe. Da ist in den österreichischen und Schweizer Medien einiges zu lesen.

Deshalb fragen wir uns angesichts dieser nervösen Aktion, mit der Benko auf Spatzen schießen hat lassen: Was steht da möglicherweise im Hintergrund, geht es um mehr?

Wird sich René Benko von Alfred Gusenbauer, seinem Stellvertreter im Beirat von SIGNA, trennen müssen?

Wie schon von der Falcon Bank, von Beny Steinmetz, von Georgios Iconomou … Wo doch gerade die Pressearbeit so erfolgreich läuft und die Wirtschaftszeitungen voll sind von Lobesliedern? Geld wird mittlerweile von vielen Seiten zugetragen – doch Alfred Gusenbauer ist eine zentrale Stelle im Beziehungsgeflecht. Noch ist es nicht so weit, dass man sagen könnte „Ist der Ruf erst ruiniert, …“


Wie einen Monat später auf Spiegel Online zu lesen ist, hat es Benkos Anwalt auch beim Spiegel probiert – vergebens. Und nicht nur da: „Mehrere österreichische Journalisten sagen auf Nachfrage, auch sie hätten schon Unterlassungsaufforderungen von Benkos Anwälten erhalten, nachdem sie über dessen Verwicklung in Korruption berichtet hatten. … Zumindest in Österreich sei er damit erfolgreich, sagt ein anderer Redakteur.“ Ein Alarmzeichen für die Pressefreiheit! Und gleichzeitig kauft sich Benko in die Presse ein. Ohne freie Berichterstattung in der Presse keine Demokratie, das muss allen klar sein.


Über den rechtlichen Hintergrund schreibt der Standard.
Zur „medialen Machtdurchdringung“ in Österreich schreibt das Handelsblatt.

Erhalten und pflegen oder dem Investorenzeitgeschmack opfern – um diese Entscheidung geht es bei vielen Gebäuden der Nachkriegszeit in München

In einem großen Bildband (letzte Jahr erschienen) wird ein umfassender Überblick gegeben über die Bauten der Nachkriegsjahrzehnte in München, darunter auch die Alte Akademie. Der Seite mit dem Schmuckhof der Alten Akademie sei hier gegenübergestellt das geplante Vorhaben von SIGNA.


zum Buch:
50 60 70 Architektur aus drei Jahrzehnten im Münchner Stadtbild 
Herausgeber Alexander Fthenakis, Fotograf Oliver Heissner
672 Seiten, 850 Farbabbildungen, Format 16,5 x 27,5 cm
»DAM Architectural Book Award 2017«
ISBN 3-86218-098-0, Juni 2017, 48.00 €

Aus dem Vorwort:
„Eine bedauernswerte Gemeinsamkeit der Architektur dieser drei so unterschiedlichen Jahrzehnte liegt aus heutiger Sicht allerdings in der gleichgültigen bis negativen Bewertung durch die Öffentlichkeit. Im besten Falle als praktische Gebrauchsarchitektur geschätzt, wird ihr der Rang einer baukünstlerischen oder gar kulturellen Leistung, die es zu bewahren gilt, nur in den seltensten Fällen zugesprochen. In der Konsequenz wird dieses Erbe meist voreilig, zumindest aber unbedacht dem technischen und ökonomischen Entwicklungsdruck preisgegeben, der auf einer begehrten Innenstadt wie der Münchens lastet. Dieses Schicksal ist – mit der Ausnahme akademisch geadelter Einzelfälle – den meisten Bauwerken der 50er-, 60er- und 70er-Jahre gemein. Erstaunlicherweise kann selbst der Eintrag in die Denkmalliste manches Gebäude nicht vor dem Abriss bewahren, wenn der wirtschaftliche Druck durch den Münchner Immobilienboom zu groß wird.“

Das Erbe Münchens erhalten und angemessen nutzen oder sich dessen zu bemächtigen und es nach jeweiligen Gutdünken umzumodeln – das steht jetzt bei der Alten Akademie zur Entscheidung. Sie wird Vorbild sein im Guten oder Schlechten für viele andere Bauten aus dieser Zeit in München.