Von wegen fair – der Zweck heiligt die Mittel!

Kürzlich fand in München eine „Zukunftskonferenz“ statt. Aus Steuermitteln finanziert, nur nebenbei. Bei Zukunft denken wir daran, dass in der letzten Vergangenheit massive Fehler gemacht wurden und in der Gegenwart weiter gemacht werden, weshalb es ein komplettes und sofortiges Umdenken und bewusstes Handeln braucht, damit es eine lebenswerte Zukunft geben kann – es geht um alles. Die Konferenz wurde aufgezeichnet und man kann sich da durchhören. In dem endlosen Blabla aus immer denselben Sprechbausteinen wiederholte sich ständig „Wir brauchen etwas Neues, etwas Innovatives, etwas Kreatives, was Anderes…“

Wie es so ist, bleibt man manchmal doch an einem Satz hängen. Das war gegen Ende bei dem folgenden: 
„Ich hab auch nix gegen die billigeren Klamottenläden, muss ich auch sagen, finde ich ganz, ganz wichtig …“* Gesprochen hat ihn Elisabeth Merk, die Münchner Stadtbaurätin (die selber keine billigen Klamotten kaufen würde und sich so einen kleinen Aha!-Effekt verschaffte).

Es gibt aber bekanntlich viele Einwände gegen solche Läden: 

Die billigen Klamotten halten nicht besonders lange und sollen es wohl auch nicht. Sie werden auf der anderen Seite der Erdkugel in riesigen Mengen produziert und in großen Pötten, die viel Dreck machen, in die reichen Länder geholt. Sie werden im Schweiße des Angesichts von schlecht bezahlten, schlecht behandelten Arbeiterinnen in Fabrikhöllen gewebt, gefärbt, genäht… Diesen Menschen wird das Leben und die Gesundheit gestohlen. Wenn sie in den Herkunftsländern ihre gräßlichen Spuren an Natur und Menschen hinterlassen haben, dienen diese Klamotten hierzulande nicht dazu, den Leuten mit wenig Geld zu dauerhafter, angenehmer, gesunder Kleidung zu verhelfen. Dazu sind sie nicht gemacht worden, das würde so nicht funktionieren und so ist es nicht gewollt. 

Aber warum dann ganz, ganz wichtig? Weil diese „Zukunfts“konferenz nur um ein Thema ging, um den Marktplatz Innenstadt. Dann geht es nicht mehr um die Ware selbst, ihren Gebrauchswert und die wahren Kosten, wir sind dann bei den Erfordernissen einer Profitmaschine, wo allein zählen: die Mieten und Wertsteigerungen der Immobilien, der Umsatz und Profit der Händler und dann noch der geschäftsförderliche Spaß der Leute, die man in Massen in die Innenstadt holen muss, damit es kein Minus gibt und kein Kollabieren dieses Mikro-Systems. Das hängt eng zusammen und ist durch Sinnfragen akut gefährdet. Da muss man bereit sein, alles bessere Wissen zu vergessen, Augen zu und durch.

Die Abwägung zwischen purem Kapitalismus und Ökologie/Nachhaltigkeit verträgt keine Skrupel, alles geht, sorry.

Was man das Zynische dabei nennen kann: Es geht nicht nur darum, Autofahrer, Senioren, Touristen, reiche Ladies an die Kassen der Innenstadt zu bringen. Die Kapitalisten wollen die Jugend haben um sie zu Konsumenten zu formen, um sie mit Tand (kleiner Geldbeutel…) zu locken, damit sie ja nicht ihre eigene Kreativität entdecken, selber das Neue und das Andere für sich finden. Damit sie lernen, immer wieder ins Kaufhaus zu rennen für spannende Such- und Kaufmomente und damit sie sich ins System einpassen, um genug Geld zu verdienen, das ihnen so durch die Finger rinnt. Eine Art Suchttraining.

Die Konferenz vom 29. März kann auf der Webseite der Stadt München nachverfolgen, wer denn will.
Ein Suchttreffen? Gesättigte Funktionsträger, die nur daran denken, dass ihre Geldsachen laufen, hemdsärmelige Range Rover-Typen darunter, die Freiheit statt Bürokratie fordern und danach rufen, dass man ihnen „Neues“ liefere. Neues von der Art, das sie beherrschen, instrumentalisieren und ausbeuten können um die Kauflust zu steigern und einen Schein von Kultur auszunebeln, hinter dem sie die Innenstadt Münchens zur Kommerzzone optimieren. Ihr Wachstum heißt weiter zu okkupieren, heißt, alles was noch „normal“ ist, wird ökonomisiert. Das ist keine wünschenswerte Zukunft. Und wenn sie nicht wachsen können, dann haben sie Krise, die sie auf uns andere abwälzen wollen – auch keine wünschenswerte Zukunft. So oder so – Nein danke! Neue Ideen haben die Kommerzleute nicht, sie müssen danach klauen gehen! Bewusstsein für Gemeinwohl und Bewahren der Lebensgrundlagen haben sie schon garnicht. Ramsch ist notfalls halt auch eine gute Idee – danke für den Input.
Ihr Vergangenheitskonzept wird scheitern, weil sie Zukunft nicht können. Zukunft zeichnet sich aus durch Spaß haben ohne Verschwendung, ohne Gaffen und Grapschen, durch Wertschätzung der Natur, einfache Vergnügungen, Selbsttun und Gleichheit unter den Menschen.

Nur wenn es umgekehrt läuft, kommen wir aus der Krisenzange: Denen, die hier beispielhaft die Profitökonomie verkörpern, welche die Ökologie ignoriert, müssen sich die entgegenstellen, die für Ökologie und Nachhaltigkeit stehen und klarmachen, dass um der Zukunft willen die Profitökonomie ignoriert werden muss.

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* Der verschwurbelte Satz endet: „… des muss offen sein, des muss eine Mischung sein.“

Sauter hier, Sauter dort, Sauter überall…

… nur noch nicht da, wo er hingehört.

Heute genau vor fünf Jahren, am 4. April 2017 im Saal der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in der Münchner Residenz. Nach Ende der Veranstaltung ist Alfred Sauter (für einen ihm angemessenen Stundensatz) im Gespräch mit dem damaligen SPD-Stadtrat Christian Amlong, links ein damaliger SIGNA-Mitarbeiter. Im Hintergrund SIGNA-Top-Mann Stadlhuber und Stadtbaurätin Merk (eigenes Foto).

Dem Landtagsabgeordneten Alfred Sauter standen schon immer viele Türen in Behörden offen, das war seine Geschäftsgrundlage („Ich bin auch Unternehmer“, so seine Aussage 2021). SIGNA beauftragte ihn gerade deshalb 2013 zum Rechtsberater und Vertragsschreiber beim Kauf der Alten Akademie. Er blieb weitere Jahre auf seine Weise am vollständigen Sieg von SIGNA dran. Man sah ihn auf dem Rathausbalkon bei Stadtratssitzungen, bei Showevents von SIGNA im Schmuckhof… Mittlerweile arbeitet der Untersuchungsausschuss des Landtags, manchmal „Masken-Untersuchungsausschuss“ genannt. Weil es ruhig geworden ist um den umtriebigen Herrn Sauter und den Umfang des Skandals möchten wir daran erinnern, dass der Titel des Ausschusses lautet: 

Untersuchungsausschuss zur Untersuchung eines möglichen Fehlverhaltens der zuständigen Staatsbehörden des Freistaates Bayern, der zuständigen Ministerien, von Abgeordneten, Staatsbediensteten und politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern bei der Vergabe, Vermittlung und Annahme von Aufträgen und Vertragsabschlüssen und bei der Veranlassung wirtschaftlicher Entscheidungen. (Drs_18_19471)

SZ, 15. Oktober 2021

Es muss alles aufgeklärt werden, in wie vielen Fällen, bei wie vielen Gesprächen hinter verschlossenen Türen Sauter an Strippen gezogen haben kann! Auch im Fall Alte Akademie, wo Sauter noch in den letzten Jahren während des Untersuchungszeitraums (die letzten sechs Jahre) aktiv war.

Zurück zu der Veranstaltung in der Akademie der Schönen Künste. Für den vollen Erhalt der Arkaden setzte sich Herr Nerdinger ein, damals Präsident der BAdSK. Ebenso Andreas Meck, Dekan der Fakultät für Architektur der Hochschule München und Meike Gerchow vom Landesdenkmalrat. An der Seite des SIGNA Vertreters Stadlhuber nur Generalkonservator Mathias Pfeil, „ambivalent“: Stadtbaurätin Elisabeth Merk. Unser Bericht von damals und ein Artikel des Münchner Merkur. Die BAdSK richtete später noch einen Offenen Brief an OB Reiter. Es war ein starkes Votum wie später die Proteste des Münchner Forums, vieler Bürgerinnen, darunter Ex OB Hans-Jochen Vogel oder auch der Stadtgestaltungskommission. SPD und CSU und schließlich OB Reiter setzten sich 2020 über all das hinweg.

München hat die Alte Akademie und darin eine einmalig großzügige Arkadenpassage verloren – gestaltet in der Wiederaufbauzeit von einem Architekten, der seine Stadt geliebt hat. Was hätte daraus gemacht können in Verbindung mit öffentlichen und kulturellen Nutzungen …

(Das sind genau die vier Computerillusionen, die SIGNA in den letzten Jahren präsentiert hat.)

Was wir stattdessen irgendwie in der obigen Art aufs Auge gedrückt bekommen werden (sollte es fertig werden), das haben Staat und Stadtrat (CSU/SPD) einem Oligarchen komplett überlassen. Einem Kleingeist der Geldvermehrung, der Ikonen der Architektur und Geschichte (nach ihrer Lage) sammelt, um sie von Kleingeistern der Investorenarchitektur mit lächerlichen Edelkonsuminstallationen vermurksen zu lassen.

Aber dafür wird doch der Schmuckhof geöffnet und den Münchnern geschenkt? – diese Woche im Bezirksausschuss …

Es ging um eine Stellungnahme des BA zum Kinderspielplatz, der bei 53 Wohneinheiten vorgeschrieben ist, aber durch Geldzahlung für einen Spielplatz in der Umgebung abgelöst werden soll. Das würde nicht anders gehen, kein Einspruch. (Die BA-Vorsitzende Frau Stadler-Bachmaier sinngemäß: Nicht schlimm, weil bei dem Klientel, das da einziehen wird, kaum mit Kindern in dem Gebäude zu rechnen sei.) Stefan Blum vom Unterausschuss Bauen war in dem Zusammenhang aufgefallen, dass in den Schmuckhof drei Restaurants einziehen sollen und der denkmalgeschützte Schmuckhof „zu einer einzigen Freischankfläche“ mutieren wird. Da auch das gepflasterte Bodenmosaik mit neuem Material nachempfunden werde, bliebe vom alten Schmuckhof nur die Raumwirkung – und die eben auch nicht. Der BA wird nun in seiner Stellungnahme anregen, dass die Freischankfläche auf die (neuen) Kolonnaden beschränkt wird. Ein gut gemeinter Versuch, aber es ist längst gelaufen. SIGNA lässt sich derlei auf höherer Ebene vertraglich zusichern, lang bevor Bürger*innen dahinter kommen… Wir haben darüber im April 2019 berichtet. Stadtbaurätin Merk hat es in die Vorlage des Bebauungsplans geschrieben, da mal nachfragen.

Da sollte man nicht naiv sein und der Bezirksausschuss hat ja Erfahrungen, die gern gleich wieder vergessen werden: Jedes Objekt wird im System Benko bis aufs Letzte gnadenlos ausgequetscht. Vom Untergrund über Arkaden bis ins unters Dach wird jeder Quadratmeter zu Geld verwertet. Auch die Gastronomie trägt ihren „Kleinmist“ bei, von wegen konsumfreie Zone. Das ist die Vorgabe. In einem zweiten Schritt wird eine Erzählung ausgesponnen, die entzückend klingt. Die verwenden dann die Sprachrohre im Stadtrat, das Referat für Stadtplanung und die staatliche Denkmalpflege, um in der Entscheidungsphase ihr Gesicht zu wahren. Am Ende hat Benko was er will, auch der Schmuckhof ist kaputt verwertet und alle Beteiligten waschen ihre Hände in Unschuld.
Eine frühe faszinierende Version dichtete Morger Partner Architekten schon 2016 im Beitext zu Planzeichnungen. Staunen Sie:
„Eine Gegenwelt zu den Strassen- und Platzräumen entfalten die unterschiedlichen Innenhöfe. Diese dienen primär der Erholung, Kontemplation und Erschließung. Der bestehende geschützte Pflasterbelag des Schmuckhofs wird wieder neu verlegt. Niveaudifferenzen werden mit feinen Stufen und Rampen überwunden. Eine solitäre Stieleiche (Quercus robur) wurzelt im sandigen Grund der darunterliegenden baulichen Überreste der Vergangenheit und beglaubigt die Hoffnung auf Beständigkeit. Im Bewusstsein, dass Geschichte keine verfügbare Grösse ist, dürfen hier Antworten auf die Frage der Identität gesucht werden.“

Von prosaischen Höhen zurück auf den Boden Münchner Investorenarchitektur: der Spielplatz in der „Hofstatt“, unweit der Alten Akademie. Ohne Worte.

Kein Ingenieur – aber ein begabter Kopfrechner

„Die Luxus-Shoppingmeile Tuchlauben im Goldenen Quartier. Benko weist auf die Holzverkleidung eines Schaufensters hin. Sie ragt ein kleines Stück auf den öffentlichen Grund heraus. Es sind exakt 40 Zentimeter, die Benko der Stadt abgetrotzt hat. „40 Zentimeter mehr Schaufenstertiefe mal 100 Meter sind 40 Quadratmeter. Mal 300 Euro Miete im Monat, fast 150.000 im Jahr.“ Benko spult die Zahlen nur so ab. Noch ein paar Prozent Rendite, noch einige Millionen Mehrwert in den Büchern. Und das alles aus 40 Zentimetern. „Wir kämpfen immer um jeden Millimeter.“ Vorne glänzen, hinten feilschen.“

Diese stolze Probe seiner manischen Kunst gab Benko kürzlich dem Spiegel im Interview in Wien vor Ort. (Die Stadt bin ich, 5.2. 2022)

Was gab es da nicht zu rechnen im Jahr 2013, als Benko überschlug, was ihm die Übernahme der Alten Akademie einbringen könnte! On Top eine Menge Quadratmeter, auf die sonst niemand käme: Als erstes im Feldstecher war die aus seiner Sicht an Passanten vergeudete Arkadenfläche im Erdgeschoß. Da stand in den städtischen Vorgaben vor dem Architektenwettbewerb: die Arkaden des Denkmals (deren Durchwegung zudem rechtlich gesichert war) sollen erhalten bleiben. Das Münchner Forum hat 2017 detailliert in Metern und Euro nachgerechnet, um wieviel es hier geht: 178 m2 im Kopfbau gab die Stadt spontan freiwillig, 117 m2 im Hettlagebau schenkte OB Reiter nach jahrelangen, von SIGNA verbissen geführten Nachverhandlungen 2020 generös obendrauf. Gegen massiven Protest aus der Bevölkerung.

Doch damit nicht genug, des Rechenfuzzis Röntgenblick drang in den Boden und entdeckte hunderte zusätzliche Quadratmeter, die bis heute aus gutem Münchner Schotter bestehen. Zusätzlicher Verkaufsraum in einem noch auszugrabenden Kellergeschoß – ein Traum, sozusagen eine Goldgrube! 

Die Bilder zeigen, was gerade hinter dem Bauzaun passiert. Damit der Kopfbau nicht ins Wanken gerate, wird aussen zur Stabilisierung ein Betonblock ans Fundament gegossen. Am Ablauf der Bauarbeiten war zu erkennen, dass das ursprünglich so wohl nicht vorgesehen war. Sieht aus nach einem bautechnischen Extremversuch – verursacht durch zahlengetriebenes Den-Hals-nicht-vollkriegen.

Stand der Degradierung und Entwertung nach 20 Monaten Bauzeit

„Die Zukunft eines Denkmals hängt immer davon ab, in welche Hände es letztlich gelangt und welche Nutzung der Besitzer dem Denkmal zumutet und abverlangt. Im Fall Alte Akademie liegen historische Denkmaleigenschaft und neue Nutzungsvorstellung meilenweit auseinander, Welten entfernt, krasser könnte es gar nicht sein. Verrückterweise haben wir diesen tragischen Konflikt ausgerechnet der bayrischen Staatsverwaltung zu verdanken (…). 
Aus der Alten Akademie wurde die Alte Akademie Immobilien GmbH & Co. KG. Es müsste der Immobilien Freistaat bewusst gewesen sein, dass bei der hier geforderten Umnutzung in Einzelhandel, Gastronomie und Wohnen in den beiden Denkmälern kein Stein auf dem anderen bleiben würde.“

Aus dem Offenen Brief von Dieter Wieland (1. Dezember 2016) an Münchens OB Dieter Reiter, verbunden mit der vergeblichen Aufforderung, „die Degradierung und Entwertung dieses Herzstücks des alten Münchens, dieses Juwels der bayerischen Geschichte“ nicht zuzulassen.

Nach 20 Monaten ist die Hälfte der angekündigten Bauzeit (Eröffnung war geplant für 9/2023) vergangen mit Entkernung, Zerstörung der Arkaden, Wühlen im Untergrund und Errichtung eines Abfanggerüsts am Hettlagebau… Die Öffentlichkeit nimmt die Baustelle hin wie all die anderen in München aber die Alte Akademie selbst leistet noch den ihr möglichen Widerstand. Sie lässt sich nicht so leicht unterbuddeln und abreißen und so stecken die Bauarbeiten noch mitten in Abriss und Tiefbau: der Hettlagebau steht noch weitgehend und die Verstärkung und Vertiefung der Fundamente, was nur den SIGNA-Verwertungsinteressen dient, zieht und zieht sich hin. Auch der Wirtschaftshof, zugleich Hauptzugang für die Baustelle, muss noch für den Tiefgaragenzugang unterbaut werden. Oben thront weiter der Dachstuhl, der für SIGNA nicht gut genug ist…

Alexander Cronauer (Head of Project Development München) spricht vom selben Gebäude wie Dieter Wieland! Wie SIGNA die Alte Akademie ausschlachtet, packt er in einen so verräterischen wie verlogenen Satz. Er beansprucht sogar noch einen Preis für Denkmalschutz und Ökologie:

Wer sehen will kann nun sehen, wieviel das beiläufig miterzählte Märchen von „behutsamer Sanierung“ der Alten Akademie wert ist. Es ist ja nicht nur hier so. Von „Erhalten“ zu sprechen ist müheloses Investoren-Sprech, wenn das Naturkleinod Eggarten platt gemacht werden soll. Wenn der Oligarch Büschl die Paketposthalle mit massiver Bebauung umstellen will, tut er das um sie zu „erwecken“. Abriss von guter aber renovierungsbedürftiger Substanz wird „Stadtreparatur“. Kommt der nächste SUV von BMW, ist irgendwas an ihm „ökologisch“. Wenn der Hauptbahnhof abgerissen werden soll für ein Büro/Einkaufsmonster hat man die Gleishalle „gerettet“: Das heilige Wirtschaftswachstum, der nächste Pseudoluxus und die profitgetriebene aber sinnlose Ummodelung von etwas Wertvollem, was wir dann für immer verloren haben, verstößt gegen ein überdecktes Wissen oder zumindest das Gefühl, dass die kapitalistische und technikblinde Zivilisation mehr nimmt als gibt und Jahr für Jahr muss es schneller gehen. Deshalb wird gelogen. Es drohen keine Konsequenzen, das ist der Stand der Dinge.

Man wird niemand beim Finanzministerium finden oder bei der Stadt München oder dem Landesamt für Denkmalpflege, der in der nächsten Zeit etwas zur Zerstörung der Alten Akademie sagen möchte. Man wird hoffen, dass SIGNA die Sache zu Ende bringt (2024, 2025 ?) und dann noch die gewohnte Konsumrausch- und Geldblasenzeit intakt ist, in der allein SIGNA existieren kann. Wenn es Benko nicht vorher so ergeht wie seinem Freund Sebastian Kurz.

Der Zertifikate-Schwindel

In der Einleitung gehen wir die Kurve über einen nicht unwichtigen Mann – weil es auch Spaß macht…

Die Lobby-Agentur Heller und Partner, die das Büschl-Projekt an der Paketposthalle betreut, hat für diesen Job mit Michael Höhenberger einen Spitzenmann als Verstärkung ins Team geholt. Er hat einen eigenen Wikipedia-Eintrag als bayrischer Ministerialbeamter und ist jetzt im unruhigen Ruhestand. Als seinerzeitige „rechte Hand“ von Edmund Stoiber bringt er Struktur und Zielverbissenheit mit und macht nun bei allen Terminen den Mann mit dem Klemmbrett. Er versendet auch die Newsletter zum Projekt. Zuletzt mit good news von der Besuchertribüne im Bezirksausschuss:

Bezirksausschuss Neuhausen Nymphenburg setzt sich für PaketPost-Areal ein.
Die Stimmung in der Oktober Sitzung des Bezirksausschusses Neuhausen Nymphenburg war klar: Die Hochhauspläne an der Paketposthalle sind ein wichtiger Schritt für die Zukunft Münchens.
„Aus unserer Sicht erscheinen die Hochpunkte schlüssig und überzeugend“, so die Vorsitzende des Bezirksausschusses, Anna Hanusch. Sie erklärte, die Paketposthalle sei ein schlummerndes Juwel, eine große Aufgabe. „Jetzt haben wir ein spannendes und wertbringendes Angebot, mit dem die Halle endlich für alle zugänglich wird“.

(Höhenberger verknüpft gern Paketposthalle und Hochhäuser zu einem Gesamtpaket im Sinne der Büschl-Strategie. „Ohne die Hochhäuser wird es die öffentliche Nutzung und den Kultur-Hotspot der denkmalgeschützten Paketposthalle nicht geben. Auch das sind Fakten. Es sei denn, die öffentliche Hand finanziert die Sanierung selbst.“)

Der BA 9 ist tatsächlich (mit drei Gegenstimmen) vehement, dankbarst und schon fast peinlich für das Büschlprojekt. Entscheidend dafür ist die Zustimmung durch die Partei „Die Grünen“, deren Ortsverein Anfang des Jahres ein Positionspapier erarbeitet hat. In diesem Fromme-Wünsche-Katalog heißt es etwa:

„Zeichenhafte Gebäude mit Fernwirkung und die punktuelle Verdichtung von Nutzungen können an sorgfältig ausgewählten Stellen städtebaulich durchaus sinnvoll sein.“ oder „Es muss der Anspruch der Bebauungs- und Bauplanung sein, modernen Kriterien nachhaltigen Bauens zu entsprechen. Der Klima- und Artenschutz soll hier die Leitlinie sein. Wir haben keinen Planeten B. Klimaneutrale Gebäude sind energieautark und werden reziklierbar errichtet (Cradle2Cradle-Prinzip). Bei Beachtung dieser Aspekte wird der Eingriff minimiert und ein Zeichen gesetzt – ein Münchner Zeichen für Hochhausbau!“

Wer glaubts? – geht das wirklich zusammen? Vielleicht dadurch:

„Für das gesamte Projekt „Paketposthalle“ wäre eine Zertifizierung der Nachhaltigkeit wünschenswert, z.B. durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Zumindest die Zertifizierungskriterien der DGNB für innerstädtische Quartiere sollten Leitlinien für Planung und Bau bilden. Das gilt auch für die zu verwendenden Materialien.“

So ein Nachhaltigkeitszertifikat wäre doch der Hammer, da könnte dann niemand mehr was dagegen sagen oder den Grünen Prinzipienlosigkeit (Betonpartei, Bausündenschmeichler …) vorhalten. Geschenkt! Das DGNB-Wapperl ist schon vorgesehen, Büschl und seine Architekten haben damit kein Problem: die DGNB ist eine 2007 gegründete Gesellschaft der Bau- und Immobilienwirtschaft, ihre Mitglieder sind Baustoffhersteller, Bauträger, Immobilienkonzerne, Baufirmen, Architekten , Planer…

Zertifizierte Nachhaltigkeit! = ökologisch? = gut für den Planeten? = gutes Gewissen?

Leider nicht. Wer hat denn schon so ein Zertifikat von der DGNB? Das neue Büro- und Hotelhochhaus ONE der CA Immo in Frankfurt hat es. Höchste Bewertung: Platin! Das sog. Joseph-Pschorr-Haus in der Neuhauser Straße: Platin! Siemens Konzernzentrale München: Platin! Pasing Arcaden … Auch Benko setzt voll auf Zertifizierungen: Der Elbtower in Hamburg wird sie natürlich bekommen und selbst nachträglich das, was von der Alten Akademie nach ihrer Vergewaltigung noch übrig bleibt. „Green is the new Gold“. Tatsächlich hat die DGNB, gegründet 2007, schon tausende Zertifikate vergeben und alle Immobilienkonzerne nehmen sie gerne mit – der neue Standard im Greenwashing!

Jeder SIGNA-Manager muss heutzutage wissen, wie man an ein Zertifikat kommt.

Jahresbericht der DGNB Zertifizierungen 2020

Derzeitiger Präsident der DGNB ist der Münchner Architekt Prof. Amandus Samsøe Sattler. Ihm ist hoch anzurechnen, dass er den Widerspruch benennt und aushält. Sein Statement in diesem Report auf Seite 4:

Wie würden Sie das Jahr 2020 aus Sicht des Architekten beschreiben?

Das Jahr 2020 könnte man als einen Wendepunkt für Architektinnen und Architekten und deren Einstellung zu nachhaltigen Bauweisen bezeichnen. Nach den massiven Demonstrationen von Fridays for Future in 2019 ist ein Bewusstsein in der Bevölkerung für den Klimawandel entstanden, das auch die Immobilienwirtschaft erreicht hat. Jedoch haben das neue Bewusstsein und das Interesse an diesem Thema noch nicht dazu geführt, dass die Bauherren andere Gebäude bauen ließen und Architekten anders geplant haben. (…)

An welchem Punkt der nachhaltigen Bauwende stehen wir gerade?

(…) Jedoch stehen vielen Forderungen des nachhaltigen Bauens wirtschaftliche Interessen und ein ganzes Wirtschaftssystem entgegen. Das verbreitete Denken über das Wirtschaften ist weiterhin vor allem profitorientiert und weder zirkulär noch nachhaltig. Der im System angelegte Fehler, dass Bauen zur Zerstörung der Umwelt führt, wird gerade langsam erkannt, aber noch nicht behoben. Auch der Glaube, diesen Fehler mit neuen technischen Erfindungen heilen zu können, ist naiv. Wir benötigen eine andere Logik für einen zirkulären Diskurs und Regularien, um weniger zu verbrauchen und regenerativ, mit positivem Umwelteinfluss zu handeln. Daran arbeiten wir mit Volldampf.

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Es gibt wohl Zertifikate – aber noch keine anderen Gebäude oder andere Planungen!

Vielleicht kann man pointiert so sagen: Mit ihren Zertifizierungen für Bauten in der alten Logik bewirkt die DGNB, dass unökologische Monsterbauten in kleinsten Schritten etwas weniger zerstörerisch werden. Anerkennen muss man, dass die DGNB versucht, neuen Bauweisen (abseits der Großbauten) Starthilfe zu geben. Die wirklich nachhaltige Bauwende zu positivem Umwelteinfluss kommt aber erst durch den Bruch mit den im System angelegten Fehlern des Profits und des Glaubens an die Technik. Durchsetzen muss diesen Systembruch der Druck aus der Bevölkerung. Die Zeit ist knapp.

Der Bund Deutscher Architekten und Architektinnen (BDA) hat 2019 mit dem Positionspapier Das Haus der Erde ein riesiges Zeichen gesetzt. Der Prolog beginnt so:

Der Traum vom ewigen Wachstum ist geplatzt. Reduktion ist keine modische Attitüde, sondern Überlebensnotwendigkeit. Ökologisches Umsteuern braucht Ideen und Kreativität.

Damit zurück zum Bauplan des Oligarchen Büschl. Er ist nicht kreativ, er ist ein Relikt aus dem Traum vom ewigen Wachstum, ein gesteigerter Rückkehrertraum ins 20. Jahrhundert der Technikmaschine. Überlebensnotwendig ist die Reduktion. Konkret: Wirklich nachhaltig (wenn wir dieses mißbrauchte Wort weiter verwenden wollen) ist der konsequente Verzicht auf Entnahmen aus der Natur in Energie und Material, allein das Notwendige hat Berechtigung. Climate Justice! Weder braucht der Himmel Zeichen, noch braucht München weitere Büros oder Hotels und riesige Tiefgaragen. Wohnungen für Wohnungsbedürftige in grünem Umfeld nach neuer Logik, dann wird auch die Paketposthalle angemessen weiterleben können.

Günther Moewes (1995):
„Bei diesem Verprassen spielt das Bauen in den G7-Ländern eine zentrale Rolle. Es verbraucht von allen Branchen am meisten und am leichtfertigsten Energien, Materialien, Ressourcen und Landschaft; es erzeugt den bei weitem meisten Müll und Schutt; es nutzt am wenigsten die Möglichkeiten der Wiederverwendung … Ein großer Teil der Architekten und Ingenieure sind die Erfüllungsgehilfen bei diesem Verprassen, nicht zuletzt, weil ihre Honorare nicht mit der Einsparung steigen sondern mit dem Verbrauch. Und weil eine nach wie vor höfische Baugeschichte den chromglitzernden Bankpalast mehr feiert als den intelligenten Sparbau. Es gibt keine Form des Verprassens, keine noch so absurde Negativentwicklung, die von Architekten nicht sofort ästhetisiert würde.“

… und es gibt wahrscheinlich keine Form des Verprassens, für die nicht ein Zertifikat zu bekommen wäre.

Unsere Vorschläge für den Gabentisch:

Günther Moewes: Weder Hütten noch Paläste. Architektur und Ökologie in der Arbeitsgesellschaft

Harald Welzer: Nachruf auf mich selbst. Die Kultur des Aufhörens

Fabian Scheidler: Der Stoff aus dem wir sind


Um auf die Kriterien der DGNB-Zertifikate einzugehen, ist hier nicht Raum genug. Aber versuchen Sie einmal, sich da durchzukämpfen.

Neuigkeiten aus dem Sumpf

Über diesen Herrn gibt es eigentlich nichts mehr zu sagen. Im Spiel derer, die von der Gesellschaft im großen Maßstab Tribute abschöpfen ist er auch bloß ein kleiner Handlanger …

„Sauter schweigt und schaut in den Nebel. „Ich will auf keinen Fall Mitleid heischen“, sagt er dann ernst. Nach außen hin ist aber auch nicht die Spur von Reue zu erkennen. Nicht einmal dann, wenn man direkt danach fragt. Bereuen kann man nur etwas, das man als falsch erkannt hat.“ (Augsburger Allgemeine, 18.Nov.: „Warum Alfred Sauter und Monika Hohlmeier keine Reue zeigen“)

Das Oberlandesgericht Bayern hat entschieden, dass Sauters Maskengeschäft (Anteil 1,2 Millionen) »den Tatbestand der Bestechlichkeit und Bestechung von Mandatsträgern nicht erfüllt«. Leider, es gibt zwar einen Paragraphen, der ist aber unscharf und interpretierbar:

„Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich bei dem Maskendeal um Abgeordnetenbestechung im Sinne des Paragrafen 108e des Strafgesetzbuches handelt. Dort heißt es, verkürzt ausgedrückt: Ein Abgeordneter, der Schmiergeld kassiert, fordert oder sich versprechen lässt, dafür dass er in Wahrnehmung seines Mandats etwas Bestimmtes tut oder unterlässt, wird mit einer Freiheitsstrafe bestraft. … Knackpunkt des Paragrafen 108e ist der Einschub „in Wahrnehmung seines Mandats“. (AA) Da Sauter Abgeordneter und zugleich „Unternehmer“ sei, treffe ihn das doch nicht! Er bringt diese Dienstleistungen schließlich nicht durch den Plenarsaal … (Noch ist er nicht freigesprochen, die ermittelnde Staatsanwaltschaft geht in Revision.)

MdL Sauter macht das anders*

Die Süddeutsche Zeitung vom 15. Okt. über die lange Liste von Sauters geschmeidigen Terminen bei Ministerien und Behörden:

„Sauter hier, Sauter dort, Sauter überall. Vor allem bei Immobiliendeals, bei denen sich gut verdienen läßt. (…) Für den Signa-Konzern des österreichischen Immobilienmilliardärs René Benko bekam Alfred Sauter Termine mit dem Bauministerium sowie dem Wissenschafts- und Kunstministerium. … Beim Landesamt für Denkmalschutz war Sauter quasi Dauergast. (…)
Die zahlreichen Sauter-Termine sind aus Sicht der Opposition eine Art Offenbarungseid. „Bei der CSU werden seit Jahren Amt und Geschäft in schamloser Art und Weise verquickt“, sagt Florian von Brunn, Landes- und Fraktionschef der SPD. Der FDP-Abgeordnete Sebastian Körber spricht von einem „Dunkelfeld“, das nun aufgehellt werde. Ex-Justizminister Sauter habe möglicherweise eine „wahre Gelddruckmaschine“ geschaffen, indem er seinen Mandanten einen direkten Zugang zu CSU-geführten Ministerien verschafft habe, vermutet Körber. Sauter selbst schweigt.“

Damit sind wir bei der Alten Akademie, wo Sauter für Benko auf Achse war und noch mehr eingeschoben hat als mit den Masken. Der Untersuchungsausschuss des Landtags wird viel zu tun haben (vorausgesetzt dass er von den Behörden was erfährt und die Zeugen ran nimmt…)

Und wieder einmal bei seinem Auftraggeber:

Bestechungsvorwurf

Österreichs Korruptionsjäger erheben Anklage gegen René Benko

Warenhausunternehmer René Benko muss wohl vor Gericht. Wegen einer Spende seiner Signa-Gruppe an einen Verein wirft die Korruptionsstaatsanwaltschaft Wien ihm sowie mehreren anderen Unternehmern Bestechung vor.
Immobilieninvestor René Benko kommt mit mehreren anderen mächtigen Geschäftsleuten Österreichs wohl auf die Anklagebank. Ihnen wird vorgeworfen, einen Politiker bestochen zu haben, um sich lukrative Baugenehmigungen in Wien zu sichern. 
Signa weist die erhobenen Vorwürfe zurück, sie seien unrichtig und nicht haltbar. Das Unternehmen unterstütze im Rahmen sozialen Engagements regelmäßig Projekte.
In der Anklage verwiesen die Ermittler darauf, dass Benko bereits 2012 einmal strafrechtlich verurteilt wurde wegen des Versuchs der »verbotenen Intervention«. Diese Vorstrafe sei allerdings getilgt.(Diverse Medienberichte, hier aus dem Spiegel vom 11.Nov.)

Es gibt Widerstand und schon dreht ein Oligarch durch

Ein Aufkleber, gesehen in Neuhausen

In der  Süddeutschen Zeitung berichtet heute Sebastian Krass über Einlassungen, die Ralf Büschl, wohlbekannter Bauspekulant aus Grünwald, ihm gegenüber auf Anfrage kund tat.

Es beginnt mit versuchter Verunglimpfung

„Bevor diese Querdenker noch mehr Aufregung und Unwahrheiten in unsere Stadt tragen und ein Bürgerbegehren initiieren, könnte ich mir vorstellen, dass der Stadtrat selbst die Zügel fest in die Hand nimmt und über unsere Planungen und diese Chance für München abstimmen lässt.“

Damit bewirft er Robert Brannekämper und Wolfgang Czisch, die vor kurzem ein Bürgerbehren gegen den Bau von Hochhäusern angekündigt hatten. Die Titulierung als „Querdenker“ von dieser Seite kann an und für sich niemand beleidigen, ist aber angesichts der „Querdenker“ in der Corona-Frage ein infamer Versuch der Ausgrenzung. 

Im gleichen Satz ist es eine versuchte Instrumentalisierung des Stadtrats, der für Büschls Planungen „die Zügel fest in die Hand nehmen soll“. Ob Bürgerbegehren oder Ratsentscheid – Büschl weiß sehr gut, es kommt auf die Formulierung der Frage an, die den Bürgerinnen vorgelegt wird. Damit die Leute richtig abstimmen würde sein Lobbyist und Manipulationsexperte Stephan Heller sicher geschmeidig helfen wollen …

Dann scheut er – als selbsternannter Sprecher – sich nicht vor einem eklatanten Eingriff in ein laufendes Bürgergutachten:

„Die Menschen, auch die Teilnehmer des Bürgergutachtens, wollen mehr Freiraum und haben kein Problem mit Hochhäusern – wenn Hochhäuser gut geplant sind, ökologisch und nachhaltig gebaut werden sowie die vertikale urbane Stadt abbilden“.

Das, kaum dass die gutachtenden Bürgerinnen wieder zu Hause sind, bevor eine Zusammenfassung formuliert, den beteiligten Bürgerinnen wieder vorgelegt und das Gutachten Anfang 2022 veröffentlicht wird! Der Ablauf des Bürgergutachtens.

Es folgt die blanke Erpressung:

Büschl erhöht den Druck auf die Stadt mit einem Alternativszenario, bei dem er sich auf bestehendes Baurecht auf einem Teil des Planungsgrundstück entlang der Wilhelm-Hale-Straße beruft: Nach Angaben des Planungsreferats wären insgesamt 54 000 Quadratmeter zulässig, was bei einer reinen Büronutzung grob gerechnet knapp 3000 Arbeitsplätzen entsprechen würde. Hinzu käme ein Baurecht von 10 000 Quadratmetern an der Arnulfstraße, wo derzeit ein Postgebäude steht, allerdings wäre für einen Neubau dort weiter eine „postalische Nutzung“ vorgeschrieben. Wenn Büschl entsprechende Bauanträge stellt, könnte die Stadt ihm das nicht verwehren. „Alle anderen angedachten Nutzungen sind dann nicht mehr möglich“, schreibt Büschl und ergänzt, diese „ausschließliche Nutzung des vorhandenen Baurechts wäre falsch für unsere Stadt, falsch für Neuhausen – auch wenn die Umsetzung für unser Haus durchaus wirtschaftlich wäre“. Das Szenario wäre Büschl zufolge also: Wohnungen würden nicht entstehen, die Halle und große Flächen um diese herum blieben Brachfläche – aber mit Gewerbekomplexen würde er dennoch ein Geschäft machen. (ganzer Absatz: SZ)

Zuletzt nach Gutsherrenart noch der Ausschluss jeder Alternative, die ihm nicht passt:

 „Natürlich“ habe man „alternative Architekturkonzepte untersucht“, erklärt Büschl dazu. Das Konzept mit den zwei Türmen habe „jedoch alle mit großer Mehrheit überzeugt – die Stadtpolitik, die Verwaltung, die Stadtgestaltungskommission und auch jetzt die Bürgerinnen und Bürger, die am Bürgergutachten teilgenommen haben. Deshalb verfolgen wir nur unsere Planung“. „Ohne Türme kann niemand die Halle für die Öffentlichkeit entwickeln. Das eine bedingt das andere.“  „Alternative Pläne, die niemand umsetzen will, verwirren nur.“

So nicht, Herr Büschl! In Erinnerung an eine gute Tradition des Widerstands gegen antidemokratische, auf den Besitz an Produktionsmitteln und Boden gegründete Herrschaftsansprüche sei hiermit aus diesem Anlass der Ruf erhoben:

Enteignet Büschl!

„Auf den Spuren der Gier“

Die Süddeutsche Zeitung berichtete gestern im Rahmen der Serie der Pandora Papers über das Münchner Palais an der Oper. Derzeitiger Eigentümer: unbekannt – über eine Kaskade von Briefkastenfirmen verliert sich die Spur bei russischen Oligarchen. 

Ein vielköpfiges Profi-Rechercheteam kann nicht herausfinden, wem dieses historische Erbe der Stadt gehört! Geschweige denn könnte es eine Privatperson, die nur als Betroffene z.B. Einsicht in Grundbücher nehmen kann, aber selbst das hilft wie hier oft nicht weiter. Banken geben sowieso keine Auskunft. Der ganze Immobilienbereich ist ein einziges Geschäftsgeheimnis – nach aussen, denn der Klüngel der Immobilienbesitzer und -entwickler kennt sich – und der Oberbürgermeister will lieber erst gar nicht fragen und macht den Zuschauer: „Dieter Reiter findet das durchaus bedauerlich. ‚Aber wenn die Stadt nicht selbst Eigentümer dieser Immobilien ist, können wir nur indigniert zuschauen bei solchen Verkäufen.‘ “ (SZ

Erbaut als Adelspalast im 18. Jahrhundert, dann teilweise umgestaltet durch Leo von Klenze … Beim Umbau zur Spekulationsverwertung wurde viel historische Substanz vernichtet. „Historisches Ambiente mit Neubauqualitäten“ (so die Webseite) und Residenzen für scheue Bewohner

Aber es sind nicht nur Scheichs, Mafiosi, russische Milliardäre, die Lücken in unserem Rechtssystem ausnützen würden um Geld zu waschen oder in Sicherheit zu bringen. Es ist ein Dickicht, das von den Superreichen unseres Landes im Schutz aller bisherigen Regierungen aufgebaut wurde und mindestens genauso ausgenützt wird – schauen wir auf die Alte Akademie.

Wem gehört die Stadt – und wem gehört nun eigentlich die Alte Akademie?

René Benko, der 2013 vom Staat Bayern den Pachtvertrag bekam, nützt diese Geheimwelt wie kein Zweiter. Er arbeitet mit hunderten Briefkastenfirmen, mit Steueroasen, Stiftungen und Schachtelkonstruktionen. So wird auch der Blick darauf verhindert, wer da mit im Boot sitzt. Die Geldgeber stehen ja Schlange, wenn auch nicht immer die appetitlichsten:
Die Alte Akademie wurde wie sein Einstieg in Kaufhausimmobilien zuerst mit dem Geld des „Diamantenkönigs“ Beny Steinmetz finanziert. Steinmetz ist wieder raus, was aber nicht ganz sicher ist; konnte ausbezahlt werden… Bezeichnend: Er wurde im Januar in Genf wegen Bestechung zu einer Haftstrafe von fünf Jahren verurteilt. 

Dann brachte die Schweizer Falcon Bank arabisches Geld, deren CEO Eduardo Leemann wurde SIGNA-Beirat. Falcon ist auch wieder raus, Leemann steht gerade wegen Geldwäsche vor Gericht.

Es ist bekannt, dass Benko üblicherweise nur die Hälfte an den Trophäen seines Imperiums selber hält. So gehört z.B. der Oberpollinger zu 51% dem Handelskonzern Thai Central Group, das ist bekannt. Wer am ehemaligen Hertie am Hauptbahnhof beteiligt ist, ist dubios, da hatte addendum recherchiert, als es dieses kritische Portal noch gab. Oder der Wolkenkratzer in Manhattan gehört zur Hälfte der RFR Holding… 

Wer ist Teilhaber Benkos an der Alten Akademie? Es wäre das gute Recht aller Münchnerinnen, wenn sie an der Alten Akademie vorbeigehen, zu wissen, wer da aller mit drin steckt. Aber vielleicht hat Benko auch keinen Geldzuschießer mehr gefunden, der in das absehbare Millionengrab investieren wollte. Alles nur Gedankenexperimente …

Die Alte Akademie nach eineinhalb Jahren „behutsamer“ Bauzeit: Erst im Inneren ausgeschlachtet, werden jetzt die Fundamente tiefer gelegt für Verkaufsräume im Keller. Die Fassade des Hettlageteils wird abgefangen zum Innenabriss und Bau einer Tiefgarage. – Briefkästen wie diesen in München hat Benko in vielen Städten.  

Anmerkung: Nach der Telecom war der letzte hiesige Besitzer des Palais an der Oper die Münchner ACCUMULATA Real Estate Group GmbH, die nach Umbau 2012 das Gebäude meistbietend für 300 Millionen verkaufte. Im Beirat der Accumulata sitzt auch der wichtige, nur nicht so bekannte Günther Koller, u.a. Vermögensverwalter des Finck-Clans und Beirat von Benkos SIGNA. Das ist Netzwerk …

„Was hat das mit mir zu tun?“

Wir alle sind gesellschaftliche Wesen, wir brauchen das, was kluge Leute Kohärenz nennen: 

„Zur Kohärenz gehören drei Aspekte: die Fähigkeit, die Situation in der man ist, zu verstehen – also das Gefühl der Verstehbarkeit; weiterhin die Überzeugung, dass man das eigene Leben gestalten kann – das Gefühl der Handhabbarkeit; sowie schließlich der Glaube, dass das Leben einen Sinn hat – das Gefühl der Sinnhaftigkeit.“ Zitiert nach Götz Eisenberg, Zwischen Anarchismus und Populismus

Du weißt nicht mehr, wer die Stadt besitzt, Du weißt nicht mehr, wem das Haus gehört, in dem du zur Miete wohnst, Du weißt nicht mehr, wer die Firma besitzt in der du arbeitest und Du weißt nicht mehr wer deine Daten hat – in dieser Schreckenszukunft sind wir schon mitten drin.

Austauschbare Charaktermasken des Geldes unterminieren unsere Freiheit, die Gesellschaft bewusst und demokratisch zu gestalten

Die immer undurchsichtigeren Eigentumsverhältnisse gebären nicht nur der Geld- und Machsucht verfallene Zombies. Sie erzeugen tiefe Unsicherheit beim großen Rest der Menschheit: was man nicht verstehen kann, nicht beeinflussen kann, was den Glauben an den Sinn von Gesellschaft nimmt, schafft Angst und treibt die Menschen zu Ressentiments und Verzweiflung: Nährboden für AfD, die Söders und Lindners… zur Hoffnung auf Autorität und einen starken Staat, während genau dieser das Treiben der Oligarchie fördert! 

Falsche Feindbilder werden geschaffen und Gruppen von Menschen gegen andere instrumentalisiert um davon abzulenken, dass die Grundstruktur einer demokratischen Gesellschaft durch maßlose Anhäufung von Besitz zersetzt wird. Die Eigentumsverhältnisse sind der Knackpunkt. Die Oligarchie wird die Welt in den nächsten Crash treiben, wenn sie nicht gestoppt wird, davon kann man ausgehen. Die Pandora Papers lesen heißt, alle Illusionen zu verlieren und dafür wird es höchste Zeit.


Jetzt scheinen aber viele Namen in den Pandora Papers zu fehlen, kritisiert Werner Rügemer in den Nachdenkseiten. Z.B. BlackRock (da kommt Friedrich Merz her) und die wichtigsten Steueroasen wie Delaware (in denen sich auch Benko tummelt) fehlen ….

Baurecht auf Kosten der Kinder?

Am Westkreuz entsteht gerade so eine Art Spielplatz auf dem Dach. Die Vorgaben des Baurechts wie die Wünsche der Stadtbaurätin nach Verdichtung sind beachtet worden, davon ist auszugehen. Ein technokratisches Käfigexperiment an Kindern – ….. !

Wenn das heute bei einem kleinen Bauobjekt möglich ist – was dann erst beim Megaprojekt eines Oligarchen?

Die Diskussion des Projekts rund um die Paketposthalle wird ja oft auf die Frage reduziert „Gefallen Ihnen die Hochhausentwürfe – oder etwa nicht?“

Die entscheidenden, noch davor kommenden Fragen sind ganz gewiss andere:

Soll es eine demokratische Stadtplanung geben oder soll Maßstab sein, was sich ein Münchner Oligarch vorstellt?

Entschlossene Maßnahmen jetzt für Klima- und Ressourcenschutz oder weiter mit nicht zukunftsfähigen Monsterbauten im alten Muster?

Soll das Notwendige gemacht werden – also sozialer Wohnungsbau – oder was maximalen Profit bringt (teure Wohnungen, Büros, Hotels)?

Für wen wird geplant – sehen wir es einmal aus der Perspektive von Kindern

An der Paketposthalle würden nach dem Masterplan 1100 Wohnungen entstehen. Dementsprechend sind dann auch 19 Krippengruppen, 19 Kindergartengruppen und 5 Hortgruppen unterzubringen, es geht um sechshundert Kinder! „Die Lage der Häuser für Kinder einschließlich Freiflächen soll im weiteren Verfahren geprüft werden.“„Die Freiflächen für Kitas müssen diesen direkt zugeordnet werden. Eine gute Situierung auf sinnvoll nutzbaren Flächen und innovative Gestaltungskonzepte sind aufzuzeigen“. Das steht im Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan von 2019 nach dem ersten Masterplan. Im überarbeiteten zweiten Plan (2021) sieht es so aus:

Den eingezeichneten Kitas sind sind keine Außenflächen zugeordnet, wie denn auch! Zu vermuten bleibt, dass ein mickriger Ersatz in die Innenhöfe gequetscht werden soll. Kein Platz zum Spielen in der Natur und zum Toben für die Kinder der Einrichtungen und ringsum nur Beton, versiegelte Flächen mit Bäumchen auf einer das ganze Gelände umfassenden Tiefgarage! Sollen sie doch auf Nachbargrundstücke gehen!

In der Wohnsiedlung direkt daneben: eine großzügige Aussenfläche direkt vor dem Kindergarten, so wie es sich gehört. Diese Planzeichnung wurde angefertigt zur Präsentation auf einer Bürgerversammlung vor einigen Jahren. Auf ihr sieht man zusätzlich südlich der Paketposthalle eine Grünfläche, wie sie dem derzeit gültigen Flächennutzungsplan entspricht. Nach dem Masterplan würde auf dieser Grünfläche nun plötzlich einer der beiden Türme und ein weiteres Gebäude errichtet werden!

Zeichnung der Stadt München mit eingeklinktem Foto des Kindergartens und dem aktuellen Flächennutzungsplan (AG = allgemeines Grün)

Warum soll es keine Freiflächen für Kinder geben und überhaupt keine Freiflächen, keine Wiesen, keinen Grünzug, keinen Park vor der Paketposthalle – nichts? Weil auf dem Gelände zusätzlich 3000 Büroarbeitsplätze und Hotels entstehen sollen, die den hohen Spekulationsprofit bringen – das ist der einfache Zusammenhang. Platz für etwas, was es im Überfluss gibt statt Platz für die, die da leben sollen und vor allem auch einen Platz für die Kinder.

Wer beherrscht die Stadt?

Daran zeigt sich alles. Das will man den Kindern zumuten um privaten Profit und die Fiktion eines metropolgemäßen neuen Münchens zu ermöglichen. Das möchte der Oligarch Büschl gern als Krönung seiner Laufbahn. Und an seiner Seite alle großen Parteien im Stadtrat und das Referat für Stadtplanung, die bislang begeistert bereit sind, die Standards der Daseinsfürsorge und der Stadtplanung auszuhebeln. Und die schon die Aussenflächen der Kitas, die die Stadt selbst betreiben wird, vergessen!

Die Planung für das Paketpost-Areal muss neu begonnen werden und – nachdem eh schon diese ganze Gegend unsäglich voll geklotzt wurde – muss die Münchner Bevölkerung das erste Wort haben!

PS: In Bayern gibt es keine gesetzliche Verpflichtung von Außengeländen für Kitas mehr: „Die vorgeschriebene Mindestfläche des Freispielgeländes wurde wegen zu hoher Grundstückskosten gestrichen – was sich vor allem für Stadtkinder sehr negativ auswirkt.“ Lieber „schenkt“ der Oligarch München einen Biergarten (?) mit Sonderaufzug statt einen Teil des Grundstücks für die Kinder…

Zum Weiterlesen:
Paketpostareal: Strategie Grünflächen vermeiden Planungsreferat der Stadt München
Richtlinie für Außenflächen von Kitas (10m2 pro Kind), Stadtschulrätin Beatrix Zurek, Oktober 2020
Kinderspielplätze! Vorgabe der Stadt München: Die Mindestgröße eines Kinderspielplatzes richtet sich nach der Gesamtwohnfläche. Je 25 m²  Wohnfläche sind mindestens 1,5 m² Spielplatzfläche herzustellen.
Stadt München: Bebauungsplan PaketPost-Areal
heute Makulatur: Strukturkonzept der Stadt München Birketweg/Paketpost von 2001 (Seite 12/13 „Freiraumplanung“)
Die ebenso großkotzige wie verlogene und dämliche Webseite der Büschl-Unternehmensgruppe (Agentur Heller und Partner)