Nehmt Chipperfield in München Axt und Spitzhacke weg!

chipperfield-baeume-wegchipperfield-in-der-zeitung
Benkos Architekt hat hier in München gerade schon einen Auftrag abgewickelt: Unter seiner Schirmherrschaft wurde mit der Stadt München ausgehandelt, die Alte Akademie im Inneren mit der Ausstattung des Wiederaufbaus in den 50ern weitgehend zu zerstören – um es für Kommerz und Profitmache verwendbar zu machen. Ein historisch wertvolles Bauensemble, das alle, die es kennen, für schutzwürdig halten.

Jetzt langt er an ein historisch weniger achtbares Gebäude, das es wohl verdient hätte, im Krieg Bombenschutt zu werden, wären dafür andere Gebäude erhalten geblieben. Das Haus der Kunst von 1933/37, für das die deutschen Industriellen (v. Finck, Flick, Siemens …) kurz nach der Machtübergabe an Adolf Hitler Geld gesammelt hatten, um es dem Führer zum Geschenk zu machen.

Die kunsthistorische Expertise im Architekturführer München / Oberbayern (Braun Publishing):

„Das Haus der Kunst zeigt bereits die wesentlichen Elemente nationalsozialistischer Präsentationsbauten. Es entstand ein mit Haustein verkleideter Stahlbetonbau, der die formalen Elemente des Klassizismus in Zahl und Form reduzierte, vergröberte und vergrößerte und schier endlos wiederholte. Die formale Härte, schmucklose Monomentalität und gleichförmige Reihung sollen dem Passanten das Gefühl von der eigenen Unbedeutsamkeit vermitteln und die vermeintlich riesigen Steine spiegeln eine handwerklich-materielle Solidität vor, sind jedoch nur Oberfläche auf dem Betonkern. Der hier gezeigte Formenkanon wurde typisch für die Selbstdarstellung des Hitlerregimes.“

Denkmalschutz verkehrt: Kein Aufwärmen teutscher Anti-Kunst von vorgestern!

Es war womöglich richtig, den Bau nicht abzureißen, was ja ernsthaft diskutiert wurde. Aber auf jeden Fall war es vollkommen richtig, eine Baumreihe davor zu pflanzen, als gewissen Sichtschutz und als Zurücknahme seiner Bedeutung. Genauso war es richtig, die anderen Museen mehr zu fördern als gerade dieses und Industrielle, Freundeskreis und Schörghubers dafür spenden zu lassen. Und es ist auch nicht schlimm, dass das Haus seit Jahren dahindümpelt.

Für die Sanierung wird jetzt viel Steuergeld bereitgelegt und ausgerechnet ein Architekt verpflichtet, dessen Kreativität auch ins schmucklos Monumentale und Reduzierte geht. Sollte ein Statement der Dummheit der Nazis und ihrer Kulturbarbarei eine neue unschuldige Ikone der Architektur werden können? Dazu muss man viel vergessen können und sehr von sich eingenommen sein. Dieser Bau ist in demokratischem Geist nur dann weiter als Museum zu nutzen, wenn man ihm den Respekt verweigert.  Der irre Vorschlag, die Bäume rundherum abzusägen, ist nicht nur ein Frevel gegen das Grün der Stadt. Es ist eine Unverschämtheit und Anmaßung gegenüber Überlegungen, die vor Jahrzehnten mehr Verstand und Geschichtsbewusstsein zeigten. Das Haus der Kunst in München ist keine Perle der Architektur. Ein Klotz, der die Überheblichkeit einer Anti-Kultur verbildlicht, wird immer Schwierigkeiten haben, ein Haus der Kunst zu sein. Vielleicht gelänge es Chipperfield, die bedrückende Ausstrahlung des Gebäudes noch reaktionär-modern zu verstärken. Seine nun vorgestellte erste Idee lässt nichts Gutes ahnen.

Lasst die Bäume wachsen und alt werden!

chipperfield-monumental

Gardone – Berlin – Zürich (nicht gebaut) – Paris – London – Marburg
Das Gebäude in der Mitte ist von Paul Ludwig Troost

Im Josef-Ackermann-Modus: in drei Jahren über 50% – das spricht doch dafür…

signa-aktionaerskreis-2016


Eduardo Leemann ist CEO der Falcon Bank in Zürich, die Falcon Bank ist zweitgrößter Investor von SIGNA hinter Benko, Leemann ist Mitglied im Beirat von SIGNA.

Mitte letzten Jahres gab er der Schweizer Finanzzeitschrift Bilanz ein Interview. Darin sagt er u.a.:

falcon-private-bank_signaRisiko checken. Einsteigen. Aussteigen. Profit mitnehmen.

Die vielen Nullen auf einem Bankkonto können zwar schon mal im Nirwana verschwinden, aber sie brauchen zu ihrer Entstehung einen realen Prozess: Das Profiteinsammeln verdirbt unsere Lebensmittel, es lässt die Benzinkutschen stinken, es zerstört Wälder und Landschaften, es monopolisiert das Saatgut, es versaut uns die Arbeit, es missbraucht menschliche Energie und sabotiert rationales, humanes Denken. Und, nicht zuletzt, es missbildet unsere Städte und zerstört historische Werte: Wieviel Profit muss die Alte Akademie bringen?

Profitstreben ist nicht zukunftsfähig!

PS: Herr Leemann wurde gerade als CEO der Bank abgelöst. Es scheint einiges aufzuarbeiten zu sein: Mit Transaktionen über Konten der Bank wurde ein malayischer Staatsfond ausgenommen. Khadem Al Qubaisi, früherer Chef-Manager der Bank, wurde in Abu Dhabi eingebuchtet. René Benko hat ihn nur einmal getroffen.

https://kurier.at/wirtschaft/milliarden-skandal-die-oesterreich-connection/220.663.532
https://kurier.at/wirtschaft/signa-grossaktionaer-im-strudel-des-skandals/220.665.026
http://www.finews.ch/news/banken/22262-falcon-eduardo-leemann-1mdb

Die „strengen Vorgaben“ der Stadt München – ein ganz großes Missverständnis

Der Bezirksausschuss Altstadt/Lehel ist – völlig zu Recht – misstrauisch gegenüber SIGNA, dass der umtriebige Immobilienkonzern noch mehr rausholen will, als ihm schon zugestanden wurde. (Letztlich heißt das natürlich, dass auch aufgepasst werden muss, dass das Planungsreferat nicht noch mehr hergibt – was ebenso gut möglich ist).
Kurzer Bericht in der Süddeutschen Zeitung vom 10. August 2016.

Die Sache ist aber noch mal ganz anders:
Die Vorgaben, die die Stadt machte, sind in Wirklichkeit eine Vereinbarung zur weitgehenden Zerstörung der Alten Akademie – denn selbst wenn Fassade und Dach (auch das nur teilweise) erhalten bleiben sollten, würde die Alte Akademie auf jeden Fall ihren Charakter verlieren

Als Aktion gegen den faulen Zauber müssen wir vorausschicken, dass wir uns erst seit Frühjahr mit der Alten Akademie beschäftigen; die Zusammenarbeit zwischen Stadt und SIGNA wurde aber schon letztes Jahr ausgehandelt. Genau nach diesem Übereinkommen lief der Architektenwettbewerb ab. Wir dachten im April, die Stadt hätte sich einen Rest Handlungsspielraum vorbehalten, doch wurde im SOFITEL-Hotel bloß das vorletzte Ja-Sagen abgeleistet (ein Stadtratsbeschluss und die Baugenehmigung stehen noch aus).
Es ist noch unglaublicher, als selbst wir es für möglich hielten.

Deshalb zurück in den November. Die CSU München hatte absolut keinen Erklärungsbedarf zur Alten Akademie (bis heute), weil die Privatisierung eines bedeutenden historischen Gebäudes als quasi geheime bayerische Staatsaktion des ellenbogenstarken möglichen neuen Vorsitzenden jedes Wort von vorne herein verbietet – also geräuschlos durchziehen.
Die GRÜNEN interessiert dieser Themenbereich leider generell nicht. Aber dafür gibt es Stadträte, die bei den Entscheidungen halt mit dabeisitzen und eine gute Figur machen.
Bei der SPD ist es bisschen anders, denn obwohl ihr Personal immer noch angepasster wird, gab es sehr wohl Landtagsabgeordnete, die sich für die Alte Akademie als Zentrum des Wissens oder als Verwaltungsstandort eingesetzt hatten (hier 2007 und 2012). Auch der Wirtschaftsausschuss des Stadtrats war eigentlich für eine solche Nutzung gewesen.

Das muss erst einmal vergessen werden! Dann die Situation als alternativlos hinstellen („der Vertrag wurde unterschrieben, leider“) und dann muss der Anschein erzeugt werden, man hätte in zähen Verhandlungen alles menschenmögliche versucht – während man als gute, beflissene Untertanenpartei nur eine Geschichte erfunden hat, mit deren Erzählung man erstmal nach aussen hin nicht zugeben muss, dass dem Investor freiwillig alles gegeben wurde, was er wollte. Obwohl Stadtrat und städtische Behörden eigene Zuständigkeit und Verantwortung haben für Gestaltung und Flächennutzung in ihrem Bereich – man nennt es Stadtplanung – und sie sich nicht zum Ausführungsorgan des (Amigo)Staates machen müssen!
Christian Amlong gab auf der Webseite der SPD-Stadtratsfraktion nachfolgende Presseerklärung heraus. (Er war dieses Jahr auch Mitglied der Jury des Architekturwettbewerbs von SIGNA für ihre Pläne mit der Alten Akademie.)

SPD Amlong Alte Akademie

Hier wäre der angesprochene Beschluss des Stadtrats zu finden.

Die garantierten vier wesentlichen Punkte:

  • Die Fassade zur Fußgängerzone hin bleibt unverändert
  • Eingriffe in die Dachlandschaft sind tabu
  • Nutzungsmix mit 30 Prozent Wohnungen sowie kleinteiligem Einzelhandel
  • Zugänglichmachung des Schmuckhofes

Wer wollte denn die Fassade verändern?  SIGNA braucht sie, weil SIGNAs pseudo-noblem Shopping-Projekt durch eine noble Fassade geholfen wird, ein hochwertiges Kauferlebnis zu suggerieren. – Wer dürfte denn die Fassade verändern?  Niemand, denn so viel Denkmalschutz gibt es in Bayern schon noch. – Wer käme überhaupt auf die Idee, die Fassade zu verändern?  Nur ein dämlicher, geschichtsvergessener Tropf. Im übrigen würde eine Neugestaltung der Fassade praktisch einem Neubau gleichkommen. Und bevor es soweit käme, würde sogar die Münchner Bevölkerung mobil werden.
Neben großen Veränderungen können auch viele kleine Veränderungen mit neuen Fenstern, neuem Putz oder Reklamebrimborium der Fassade schaden. Es wurde von denkmalgerechter Sanierung gesprochen – darauf wäre zu achten, wenn es soweit kommen sollte.

Die Dächer der Alten Akademie sind bereits durch den Ensembleschutz der Münchner Innenstadt gesichert (wenn man diesen ernst nimmt). Sie sind noch mehr tabu durch die Eintragung der Gebäude als Einzeldenkmale. Und sie sind absolut tabu, weil sie neben der Michaelskirche stehen, und weil solche Gebäude eben solche Dächer haben!  Sie sind nicht tabu wegen der Verhandlungskünste von Planungsreferat und Stadträten. Ganz im Gegenteil, siehe unten.

Wohnungen in der Innenstadt – gute Sache! Wenn es Wohnungen für z.B. Hotelangestellte oder für den Querschnitt der Bevölkerung wären! Kein Gedanke daran – das ist doch ein Filetstück und nichts für Gemeine. Der SPD ist klar: das ist dem Höchstpreissegment vorbehalten – ist das jemand etwa nicht klar? Für sündteure Wohnungen muss man natürlich alles rausreißen, Loggien in die Wand stanzen, Riesengauben drauf setzen und fast nichts bleibt. Nebenbei gehören Wohnungen sowieso zur angestrebten Immobilienverwertung, denn z.B. im 3. Stock des Rückgebäudes kann man schlecht was verkaufen.  „Kleinteiliger“ Einzelhandel sagt überhaupt nichts, außer dass es kein Kaufhaus wird. Alle Edel-Schnick-Schnack- und Klamotten-Läden sind kleinteiliger Einzelhandel. Was erhalten werden muss ist der ortstypische Handel mit nützlichen und schönen Dingen, der von Konzernen wie SIGNA verdrängt wird und deshalb ist er auch nicht gemeint.

„Erreichbarkeit“ des Schmuckhofes – dem könnte man sich anschliessen. Wer reingehen und die Ruhe einer Oase in der trubeligen Fußgängerzone geniessen will, sollte das machen können. Mit den notwendigen Renovierungsmaßnahmen und einem Durchgang wäre die Sache getan. Wenn dagegen die Erreichbarkeit des Schmuckhofes einer Firma übertragen wird, die aus allem ihren Honig saugen will, hat man klassisch den Bock zum Gärtner gemacht – der Hof wird so kommerzialisiert und in die Mangel genommen, dass er einmal der Schmuckhof gewesen ist.

Schmuckhof Alte AkademieEin buntes Potpourri von gravierenden Eingriffen. Mit dem heutigen Schmuckhof hat das nichts mehr zu tun. (Computerdarstellung des Wettbewerbssiegers Morger Partner Architekten)

Alles zusammen heißt: die vier Punkte, die Herr Amlong für den Verhandlungspartner Stadt München formuliert hat, sind entweder substanzlos oder zum Schaden der Alten Akademie.

Es geht noch viel weiter, denn die Konstruierung dieser „Vorgaben“ nimmt ja die Stelle ein, an der die Stadt um den Erhalt der Gebäude hinter der Fassade und unter dem Dach hätte kämpfen müssen und hätte kämpfen können. Denn der Denkmalschutz fordert eine Anpassung der Nutzung an die vorhandenen Gebäude und den Erhalt des Inneren, nicht nur der äußeren Erscheinung. Der Plan von SIGNA dagegen ist eine totale Nutzungsänderung mit Abriss des Hettlage-Gebäudes und einer 95%-Entkernung der Alten Akademie. Um das zu verhindern, müsste man sich nicht einmal auf den Denkmalschutz berufen: nachdem die Alte Akademie mit dem ausgezogenen Landesamt für Statistik als Verwaltungsfläche im Flächennutzungsplan eingetragen wurde, bräuchte man nur das so zu lassen wie es ist und würde damit nach Vernunft und mit einer Idee von Stadtgestaltung handeln.

Mit der Entkernung der Alten Akademie wird ihr Charakter unwiederbringlich verloren gehen.  So wie in einer Burg, Fabrik oder alten Scheune die Mauern, Pfeiler, Balken oder Bemalungen einen sinnlich erfahrbaren Eindruck geben, wie es früher war, wie unsere Vorfahren gelebt haben, was sie alles konnten und vielleicht besser machten als wir in unserer Zeit, so kann die Alte Akademie an uns weitergeben, wie man nach dem Krieg vornehme Kaufhäuser baute und einfache, gut nutzbare und in typischer 50er Jahre-Art geschmückte Verwaltungsbauten. Als solche wären sie kein Museum mit angehaltener Zeit, sondern könnten mit derselben oder ähnlichen Nutzung gut weiterleben. Nach Umsetzung der Pläne von SIGNA wird es keinen Charakter mehr geben, sobald Sie als Besucher das Gebäude betreten haben – es sei denn, sie wollen einer noch so hochpreisigen Bauart von 2018 Charakter zubilligen.

Abriss und EntkernungDer Charakter eines Gebäudes ist an Materie gebunden.

Alle früheren Versprechungen sind in die Luft entschwebt.  Wie so häufig (man denke nur an die Massakrierung von Pasing in den letzten Jahren) wurden zuerst Blumen gestreut, was da alles an Positivem gemacht würde: Belebung der Altstadt durch Wohnungen,  reservierte Flächen für örtliche Geschäfte, Raum für Kultur und Wissensinstitutionen würde bleiben … Von diesen leise angedeuteten Versprechungen des Stadtratsbeschlusses von 2005 ist nichts, aber auch gar nichts geblieben:

Anteil für bezahlbaren sozialen Wohnungsbau          0%
Anteil für begünstigten örtlichen Einzelhandel          0%
Anteil für Kultur, Bildung und bezahlfreien Raum     0%

Anteil für Kommerz und Renditemaximierung      100%

Zu den Veränderungen an den Gebäuden: Anhand der nachfolgenden Auszüge aus dem Stadtratsbeschluss von 2015 können Sie ersehen, wie aus dem rechtlich vorgegebenen und möglichen Schutz der Alten Akademie beim Umblättern Beihilfe zur Zerstörung wird.

X = U,  Tabu = großzügige Ausnahmen,  Erhalten = Neuinterpretation,  Schwindel = Wahrheit.
Mehr an Wortverdrehung und Täuschung ist kaum möglich:

Stadtratsbeschluss Seite 4 und 8

Stadtratsbeschluss Seite 7 zu Dach

Stadtratsbeschluss Seite 8 Arkaden

Eine abgeschnittene und verschmälerte Arkade als Neuinterpretation und die Stadtvertreter schreiben sich das als Erfolg zu! Nebenbei, sie ist auch Teil der Fassade des Kopfteils der Alten Akademie: mit dem Verkürzen der Arkade wird der Durchgang geschlossen und ein Eingangsportal versetzt bzw. neu gebaut – aber die Fassade ist ja geschützt …

Lassen wir es an der Stelle. Wir wünschen den Stadtviertelvertretern des Bezirksausschusses, dass sie ihren eigenen gesunden Alltagsverstand verwenden mögen, auf was anderes ist eh nicht mehr Verlass. Dazu die Bereitschaft, Verantwortung anzunehmen und die Freiheit, sich empören zu dürfen wenn es sein muss!

Das schöne Haus für jedermann – „Vornehm, aber nicht luxuriös“

… so wird in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung das Bekleidungshaus Hettlage zur Eröffnung im März 1953 beschrieben. Und diese kulturellen Werte bestehen noch heute in ihrer baulichen Form, sind noch immer da und erfahrbar! Das Kaufhaus der 50er Jahre existiert noch! Doch seit SIGNA die Hand auf der Alten Akademie hat, wird von allen an dem Deal Beteiligten nicht mehr davon gesprochen, wohl damit es vergessen werde und still und heimlich entsorgt werden kann.

Eine von zwei ganzseitigen Anzeigen in der SZ zur Eröffnung:

Hettlage Eroeffnung 1954

Aus dem Text des redaktionellen Artikels vom 26. März 1953:

„Die Größe, Lichtfülle und vorteilhafte Aufteilung der Verkaufsräume, die vornehm, aber keineswegs luxuriös ausgestattet wurden, überrascht. Das Verkaufshaus Hettlage besteht aus Untergeschoß, Erdgeschoß, einem Galeriegeschoß und dem ersten Stockwerk, das allerdings noch ausgebaut werden  muss. Eine breite Wendeltreppe schwingt sich geradezu elegant von Stockwerk zu Stockwerk, ein Zwölf-Personen-Aufzug steht den Kunden zur Verfügung. Vier schlanke Säulen tragen die Decke einer mächtigen Halle, durch den Lichthof strömt eine ungewöhnliche Lichtfülle. Reizvoll die Säulen, die von vielfarbigen Mosaiksteinchen umkleidet sind – als Material wurden glasierte Tonscherben verwendet – der Salon für Abendkleider; reizvoll auch, wie die Beleuchtung auf indirekte Weise gebändigt und geleitet wird. … München hat mit diesem Neubau an historischer Stelle ein modernes Geschäftshaus gewonnen, das keinen Vergleich mit den neuzeitlichsten Ladengeschäften im In- und Ausland zu scheuen braucht.“

Hettlage Eroeffnung Artikel
Von Hettlage fast 60 Jahre geführt, blieb dieses Kaufhaus weitgehend im Originalzustand erhalten. Ein Glücksfall eigentlich! Ein Kaufhaus mit Architektur! könnte man sagen, wo sich doch moderne Kaufhäuser zu dekorierten Lagerhallen höherentwickeln. Auch bei der jetzigen  Zwischennutzung als Trachtenhaus ist das gut zu erkennen, obwohl das Erdgeschoss mit Kleiderständern überfüllt ist und die anderen Stockwerke zugestellt und verdeckt sind.

Hettlage_Kaufhaus
So wurde es gebaut und so sah es noch vor kurzem zu Hettlages Zeiten aus:

Als es noch Hettlage war

Und so sieht es derzeit aus im Erdgeschoß mit Galerie und im leeren Untergeschoß:

Hettlage Trachtenladen
Hettlage-Untergeschoß

Josef Wiedemann hat in München als Architekt das Odeon (heute Kultusministerium) wiedererrichtet, er hat prächtige Zentralen von Versicherungskonzernen und Kirchen gebaut – und etwas einfacher, aber für München von ebensolchem Wert, dieses Kaufhaus. Es ist vollkommen intakt (Hettlage schätzte den Investitionsbedarf 2011 auf lediglich eine Million Euro) und vielseitig nutzbar. Es ist so banal: es soll zugunsten einer Tiefgarage verschwinden. Bestimmt aber auch deswegen, weil seine vornehme Einfachheit das hohle Gepränge der heutigen „hochwertigen“ Luxustempel beschämt. Einem Konzern wie SIGNA mit seiner anvisierten „Premiumkundschaft“ muss das wie ein verachtenswertes, unmögliches Arme-Leute-Kaufhaus erscheinen – nur schnell weg damit!
Leider haben sich der Staat Bayern und die Stadt München dieser Haltung angeschlossen. Der Staat, indem er wohlwissend an SIGNA verkaufte und die Vertreter der Stadt, die sich dieser Verachtung angeschlossen haben, indem sie den drohenden Verlust verschweigen und ihre Kapitulation nicht eingestehen wollen. Stattdessen und zur Ablenkung brüstet man sich der Erhaltung von zusammengeschrumpften Arkaden und verzichtet auf die Anwendung des Denkmalschutzgesetzes.

Hettlage AnzeigeEin vielsagendes Detail: das „Krönchen“. Hettlage bot es damals als Anstecknadel den Kundinnen und Kunden an, die nicht das nötige Geld hatten, um zu kaufen. Sie konnten sich damit ungezwungen und ohne in ein „Beratungsgespräch“ verwickelt zu werden, die Kleider und Räume ansehen. Auch der Mensch ohne Geld wurde als Kunde betrachtet und sollte „König“ sein. Die 50er Jahre waren auch durch Klassengegensätze geprägt und nicht demokratischer als heute – aber heute kann man sich ohne Geld z.B. im Erdgeschoß des Oberpollinger nur als Fremdkörper fühlen und wird auch die ausgestellten Waren nur als belanglos und kurios empfinden. War es damals der Wunsch nach einem besseren Leben, das Verlangen nach Schönheit, nach Gütern, die man auch wirklich brauchte, so dient ein Kaufhaus, wie es SIGNA hier wohl vorschwebt (nach dem Muster des Goldenen Quartiers in Wien) nur dazu, einer gelangweilten und statusorientierten Mittel- und Oberschicht Geld für nutzlose Dinge aus der Tasche zu ziehen. Mit SIGNA zieht der Kult von Reichtum und Verschwendung in die Alte Akademie: er spaltet die Gesellschaft spaltet und bedeutet das Ende für eine die Gesellschaft verbindende Architektur.

Sind Ihnen im Internet schon die Anzeigen für das (nebenbei: schlecht laufende) Goldene Quartier der SIGNA in Wien aufgefallen? Die Münchner Variante könnte dann einmal vielleicht so aussehen:

Shopp dich glücklich Munich

Luxuriös, aber nicht vornehm!

Ein überzeugendes Architekturensemble der 50er Jahre – Erhaltung erwünscht, heraus kommt das Gegenteil

Nach Grundgedanken und Gesetz ist der Denkmalschutz ausgerichtet auf möglichst unveränderte Erhaltung eines historisch wertvollen Gebäudes (Hier unter der Rubrik Denkmalschutz). Insbesondere wenn das Gebäude in gutem Zustand ist und aus sich selbst heraus keinen Grund zu wesentlichen Veränderungen gibt. Denn das Statistische Landesamt zog aus, weil „das Gebäude in der Neuhauser Straße den hohen Sicherheitsanforderungen eines modernen Rechenzentrums nicht mehr genügte.“ (200 Jahre amtliche Statistik in Bayern, herausgegeben vom Bayerischen Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung, 2008)

So nominierte noch dieses Jahr der Bund Deutscher Architekten / Bayern die Alte Akademie von Josef Wiedemann für den BDA-Bundespreis in der Kategorie Klassik-Nike (daran dürfte sicher die Sorge um die Gebäude nach dem Verkauf an einen aggressiven Immobilienhai Anteil gehabt haben).  „Der Klassik-Nike ehrt ein Bauwerk, dessen besonderer Wert in Gestalt und Funktion sich über Jahrzehnte in der Nutzung bewährt hat und immer noch als vorbildhaft gilt.“ (2013 ging dieser Preis an den Olympiapark München von 1972, dieses Jahr gerade eben nach Berlin für den Flughafen Tegel.)
Ulrich Karl Pfannenschmidt am 27. Februar bei der Feier im Künstlerhaus: „Der BDA Bayern schlägt nun vor für die Preisverleihung des NIKE Klassik das Projekt der Alten Akademie in der Neuhauser Straße. Und wir glauben, dass das ein Projekt ist, das nicht nur in der damaligen Zeit sondern bis heute Maßstäbe gesetzt hat, die für uns durchaus beachtenswert sind.“ BDA Bayern

Auch Stadtbaurätin Elisabeth Merk spricht 2013 von der hohen Qualität der Wiederaufbauleistung:
Denkmalschutz in München (Broschüre der LH München)

Landeskonservator Mathias Pfeil im Gespräch mit der Abendzeitung vom 12.11.2015:

Pfeil AZ 1Pfeil AZ 2Pfeil AZ 3

Was bleibt am Ende?

Nach den Plänen des Siegerentwurfs, an die man sich im Moment halten muss, bleiben allein drei Elemente des Inneren (über das Hettlage-Gebäude bringen wir noch einen eigenen Beitrag):
das zentrale Treppenhaus, die Eingangshalle und der Kantinensaal (Casino).

Treppenhaus_MEingang_MKantine_M
Dem Treppenhaus allerdings wird seine zentrale Funktion genommen, es soll in eigenen Nebenfluren weiter leben und das Casino wird zum Atelier/Büro. Somit schrumpft der „Erlebnisraum 50er Jahre“ im Kerngebäude für die meisten Besucher auf die Eingangshalle zusammen.

Was wird verschwinden?
Alle anderen Räume, darunter die beiden Bibliotheken, alle Flure und Treppenanlagen.

Alte Akademie perdu

Das kann man nennen wie man will: Veränderung im Inneren, Umstrukturierung, Weiterentwicklung … Entkernung trifft es noch am besten – dieser Begriff nicht etwa verstanden als respektvolle Pflegemaßnahme, sondern als finaler Akt.

„Anfangs habe Signa ein Konzept vorgelegt, in dem die Denkmalpflege noch gar nicht diskutiert wurde. ‚Zuerst‘, sagt Pfeil, ‚mussten wir Signa nahebringen, welchen Wert die Alte Akademie für München hat‘.“

Frau Merk: „Hier nun einzufordern, sensibel mit dem Bestand umzugehen, ist mit viel Überzeugungsarbeit verbunden“.

SIGNA ließ sich offensichtlich nicht überzeugen. Operation misslungen, Patient tot. Man könnte andersrum auch sagen, SIGNA hat in den Verhandlungen die Vertreter der Stadt (Frau Merk, Herr Goergens, SPD, CSU, Grüne, FDP) irgendwie auf seine Seite gebracht. Die Entscheidung im Architektenwettbewerb lief glatt, problemlos und ohne Widerworte (wie es in München üblich ist).

Den Münchner Hausbesitzern wird auf der Webseite der Stadt erklärt:

„Bei Baudenkmälern umfasst der Denkmalschutz nicht nur die Fassaden und das Dach, sondern auch das Gebäudeinnere und gegebenenfalls Nebengebäude und Nebenanlagen wie Einfriedungen oder Gärten. Ob Ihr Gebäude unter Denkmalschutz steht oder im Bereich eines Ensembles liegt, erfahren Sie beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (Telefon 089 2114-0 oder -311) oder bei der Unteren Denkmalschutzbehörde.“

Beim Großinvestor setzt man sich dazu und trägt alles mit – einen Schritt weiter wäre es schon die ganze Abrisserlaubnis gewesen. Klar, der Grundfehler liegt beim bayerischen Staat, der in selbstherrlicher Entscheidung die Alte Akademie an SIGNA verkauft hat – die Frage bleibt bis zur Baugenehmigung und alle Zukunft, warum die Stadt München ihre vorhandenen gesetzlichen Mittel nicht eingesetzt und sich auf „Überzeugungsarbeit“ beschränkt hat. Und warum sie am Ende damit zufrieden sein will, einige „Zitate“ – oder Reststücke – erhalten zu haben.
Generalkonservator Mathias Pfeil (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege): „Hervorzuheben ist weiters, dass die Arkaden an der Neuhauserstrasse zwar redimensioniert aber im Grundsatz erhalten bleiben und die Eingangshalle im Schmuckhof als bedeutendstes Zitat der 50er Jahre für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird!“

Und das war’s dann.

Ist das die Leitkultur? Wie geldgesteuert und gleichzeitig arm ist München doch geworden!

In den letzten 100 Jahren kam es dreimal zu großen Entscheidungen um die Alte Akademie. Das war um 1929, dann um 1950 und nun 2013/2016 wieder. Zweimal in „schlechten Zeiten“, zuletzt in einer materiell „guten“ Zeit, doch da ging es anders aus.

Das Münchner Stadtarchiv bewahrt einige Zeitungsausschnitte, die davon erzählen.

Offener Brief_Alte Akademie_1929

1929: Die Alte Akademie (Wilhelminum) ist in keinem guten Zustand, unter dem die dort untergebrachten naturwissenschaftlichen Sammlungen und Institute leiden. Es gibt den Plan, Läden einzubauen (auch zur Neuhauser Straße hin), um mit den Mieteinnahmen Erweiterungsbauten zu finanzieren. Dagegen gibt es viele Proteste, u.a. diesen Offenen Brief des Bunds deutscher Architekten und von Kulturorganisationen. Darin heißt es: „Der Wert des Wilhelminums, eines Denkmals von europäischer Geltung, beruht wesentlich auf seiner Unberührtheit als Gesamtkunstwerk. Auch der geschickteste Eingriff würde seiner Zerstörung gleichkommen.“ Weiter: „Der Staat muss der berufene Hüter ideeller Werte sein. Dem Staatsgedanken wird entgegengearbeitet, wenn er mit einer Gesinnung durchsetzt wird, der ein kleiner wirtschaftlicher Vorteil mehr gilt, als ein hoher ideeller Wert, ‚das Warenhaus mehr als das Monument‘.“ Die Läden wurden schließlich verworfen.

MM Alte Akademie 28.9.1951
1951:
Der Münchner Merkur berichtet am 28.9. das abschließende Ergebnis der Beratungen über den Wiederaufbau. Darin heißt es: „Verschiedene Entwürfe sahen u.a. vor, die Schaufenster in eine Passage und in einen im Inneren des Gebäudes liegenden Kaufhof zu verlegen. Nach diesen Plänen hätte man das Haus durch das alte Portal auf der Seite des Parkplatzes* betreten. … Nach mehreren Sitzungen des Baukunstausschusses der Stadt, der in beratender Funktion gehört wurde, lehnte man diese Vorschläge ab. Man bezeichnete es als eine ‚Unehrlichkeit‘, hinter einem historischen Akademiebau ein Geschäftshaus zu verbergen. Auch das Landesamt für Denkmalpflege verhielt sich ablehnend.“

2013/2016: Die Alte Akademie, die nun nicht mehr das Wilhelminum von vor dem Krieg ist, sondern eine gelungene Gesamtanlage aus Renaissancefassade und Wiederaufbau der 50er Jahre, wird zum Teilabriss und zur Entkernung wegen eines kleinen wirtschaftlichen Vorteils freigegeben. Es wird genau das beschlossen, was man 1951 als „Unehrlichkeit“ sah: hinter einer historischen Fassade wird ein Geschäftshaus verborgen.

Die ideellen Werte, die man in der harten Zeit der Weltwirtschaftskrise 1929 hochhielt (soweit es die Alte Akademie betraf), sind 2016 in der Zeit der Großinvestoren und einer Geldschwemme so weit außer Beachtung, dass Staat und Stadt sich nicht mal mehr erinnern, welche zu haben.
Die Unehrlichkeit, die man 1951 umgeben von Ruinen nicht über sich brachte, bejubelt sich heute selbst mit einem übertünchendem Sermon von zeitgemäßer Weiterentwicklung und der Geschicklichkeit ihrer Eingriffe.
„Das Warenhaus vor dem Monument“. Die Großzügigkeit, die Liebe zur Stadt, die sich 1951 in breiten Arkaden und historisch bewußtem Wiederaufbau ausdrückte, ist einem ängstlichen, peinlichen, grenzenlosen „Verständnis“ für Investorenbelange gewichen. Der Geldanleger mit dem Spielgeld internationaler Milliardäre kann sich das Bewahren und einige Quadratmeter öffentlichen Raum nicht leisten! Seine Euro-Werte sind zum Mantra der Machtelite einer durchgeknallten kommerzialisierten Stadt geworden, auf jeden Fall der Vertreter der Stadt München in der Jury, die von Benko und Chipperfield mit dem kleinen Finger über den Tisch gezogen wurden.


* Genau an dieser Stelle (im Kopfbau gegenüber dem Brunnen) soll wieder ein Portal eingebaut werden, als Eingang zu einer neuen Ladenhalle, die als besonderer Clou gefeiert wird.

Die „behutsamen und stimmigen Umbaupläne“, soll heißen: die Entkernung der Alten Akademie

Das Preisgericht hat einen Entwurf zum Sieger gekürt. Ein Stararchitekt, die Vertreter der Stadt und des Denkmalschutzes sind begeistert und die Presse hat das getreulich so weitergegeben, wie es präsentiert wurde.

David Chipperfield: „Heute ist ein sehr guter Tag für München und die Menschen dieser Stadt! Der Siegerentwurf von Morger Partner Architekten wird die Alte Akademie in neuem Glanz erstrahlen lassen und die pulsierende Innenstadt von München zusätzlich aufwerten.“
Stadtbaurätin Prof.(I) Elisabeth Merk betont, dass “sich alle Teilnehmer der Jury des historischen Erbes der Stadt München und seiner Gebäude sehr bewusst waren und sie mit dem Zuschlag für Morger Partner Architekten eine hohe Verantwortung im Umgang mit der historischen Bausubstanz bewiesen haben.“
SIGNA-Geschäftsführer Christoph Stadlhuber ist deshalb über das Ergebnis des Wettbewerbes besonders erfreut und betonte: „Wieder einmal zeigt sich anhand des Realisierungswettbewerbes für die Alte Akademie, wie sehr eine enge Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Öffentlichkeit, Politik, Denkmalpflege und einem privaten Investor zu einem hervorragenden Ergebnis für alle Beteiligten führen kann.“

Wirtschaftliche Interessen und Schutz des historischen Gebäudes in Einklang gebracht – Alles gut?  Wir meinen, „Mogelpackung“ wäre eine viel zu harmlose Umschreibung.

Als ersten Zeugen und Hellseher rufen wir Sebastian Scheele auf. Er war der Immobilienberater, der im Auftrag des Staates Bayern den Verkauf der Alten Akademie vermittelt hat. Sein Beruf ist wie kein anderer mit Realismus ausgestattet, mit scharfem Blick darauf, was ein Gebäude hergibt und was die Kunden im Innersten wünschen. Im robusten und unsentimentalen Urteilsvermögen liegt die wahre Kompetenz seiner Profession.

Im Interview mit dem Immobilienberater vom 5. April 2014 sagte Herr Scheele:

Ein kompletter Neuaufbau (…) ist  wirtschaftlich wahrscheinlich einfacher, als die bestehenden Gebäude im Ist-Zustand zu entkernen, die Struktur anzupassen und dann zu sanieren. Ich könnte mir aber vorstellen, dass die Behörden insbesondere mit der Zufahrts- und Stellplatzproblematik einem Teilabriss – des Wiedemann-Anbaus – zustimmen werden (…).

In diesen zwei Sätzen fasste er bereits im Vorfeld exakt das tatsächliche Ergebnis zusammen:

Die Gebäude der Alten Akademie (Neuhauser Straße 8) werden entkernt, ihre Struktur angepasst und saniert. Das Hettlage-Gebäude („Wiedemann-Anbau“) wird abgerissen, die Fassade bleibt und die verkleinerte Arkade wird integriert.

Die Dichtungen des Preisgerichts wollen wir vollkommen außen vor lassen und befragen als zweiten und letzten Zeugen die gezeichneten Pläne des Wettbewerbssiegers Morger Partner Architekten, wie sie auf der Webseite von SIGNA veröffentlicht sind. Die Pläne des Ist-Zustands wurden leider nicht veröffentlicht, was aber zum Vergleichen natürlich notwendig wäre. Wir haben sie noch nicht einsehen können, hatten aber die Gelegenheit eines Rundgangs durch Teile der Gebäude (wie auch Mitglieder der Münchner Forums). Und wir beschreiben und bewerten hier nicht, was neu hinzugefügt wird, sondern allein, was mit dem Bestehenden geschehen soll.


Positiv gesagt:
– Die Fassade der Alten Akademie zur Neuhauser Straße bleibt erhalten und wird denkmalgerecht saniert. Die Fassaden des Schmuckhofes werden denkmalgerecht saniert vom 2. bis 5. OG. (Die eindrucksvolle geschlossene Fensterfront wird allerdings durch Loggien ersetzt, d.h. die Fensteröffnungen werden „ausgestanzt“ und durch dahinterliegende Glaswände ergänzt.)
– Die Dachlandschaft bleibt weitgehend erhalten (Einschränkung: große Dachgauben für die Wohnnutzung der Dachgeschoße im Schmuckhof).
– Die Fassade des Hettlage-Gebäudes bleibt zweiseitig erhalten und wird denkmalgerecht saniert. Die Arkade wird verschmälert und materiell in Gestalt der Säulen und des Bodenbelags erhalten.
– Der Bodenbelag des Schmuckhofes bleibt erhalten.
– Vom Inneren bleiben erhalten und werden denkmalgerecht saniert: Die Eingangshalle, ein Treppenhaus und der Kantinensaal.

Negativ gesagt:
– Die Gebäude der Alten Akademie mit Schmuckhof werden entkernt. Die Innenwände, die einer durchdachten und variablen Verwaltungsnutzung entsprechen, werden abgebrochen und für Einzelhandel, Gastronomie, Büros und Wohnungen neu gesetzt. Die Treppenhäuser und Erschließungen werden komplett neu gemacht. Mehrere Geschossdecken werden neu eingezogen und die Untergeschosse tiefer gesetzt. Die grossen Räume der Bibliotheken und des Rechenzentrums kommen weg. EG und 1. OG des Schmuckhofes werden zusammengelegt und völlig neu.
Die gesamte Struktur wird somit verändert. Aus einem Gebäude der 50er Jahre wird im Inneren etwas ganz anderes, ein Gebäude nach heutigem kommerziellen Standard*.
– Das Hettlage-Gebäude mit einem Kaufhaus der 50er Jahre wird abgerissen und ein neues über einer dreigeschossigen Tiefgarage errichtet. Der offene Durchgang von der Kapellenstraße her wird zu einer eingehausten Tiefgaragenzufahrt.


Diese Aufstellung ist sehr nüchtern (nüchterner als uns lieb ist), um die Veränderungen rein nach der plangezeichneten Entwurfslage darzustellen. Die Jury musste nach den Spielregeln einen der Entwürfe nehmen und auch erstmal so, wie er eingereicht wurde. Daran werden noch sicher größere Veränderungen vorgenommen. Das Protokoll der Preisgerichtssitzung spricht von einem „wertvollen Lösungsansatz“, von einer „Reihe funktionaler Defizite“ und stellt die Arkade zur Seite der Kapellenstraße auch noch zur Disposition. (Diese institutionalisierten Architektenwettbewerbe als Weg zur Wahl der Gestaltung eines Bauwerks sind kritisch zu sehen. Eine gelingende Kooperation von Bauherren, Baumeistern und Bevölkerung müsste andere Wege gehen.) Letztendlich wird, wenn es so kommen sollte, alles erst mit der Baugenehmigung festgelegt, die von SIGNA für Anfang 2018 erwartet wird.

* Was ist heute der Maßstab aller Dinge? Der SUV-Fahrer. Keine Satire! Herr Scheele verrät auch das in dem oben angeführten Interview und wahrscheinlich hat er ja Recht:
„Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass wenn jemand eine Wohnung im Erbbaurecht erwirbt oder anmietet – in dieser Lage und in diesem Preissegment – seinem SUV einen Duplex-Parker oder Parkroboter akzeptieren wird können. Gleiches gilt für die Übernachtungsgäste bei der Realisierung eines Hotels oder die Büromieter, die trotz erstklassiger Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sicher auch unkompliziert vor Ort parken wollen. Auch die Anordnung der Fenster  – bezüglich Höhe, Lichteinfall und Anzahl – entspricht nicht den heutigen Standards, sie sind aber gemäß den behördlichen Auflagen nicht veränderbar. Auf der einen Seite wird eine hohe Wohnraumquote gewünscht, aber Balkone oder Dachterrassen sollen nicht entstehen. Auch hieran werden sich Münchner SUV-Fahrer oder Hotelbetreiber stören.“

Noch so ein vielsagendes Detail am Rande:

Die verschiedenen Entwürfe der Architekten sind von SIGNA mit deren eigenen Worten auf der Webseite präsentiert. Durch die gemachten Vorgaben sind sie alle recht ähnlich. Bei Ortner & Ortner Baukunst wird ein Wort mal so gelöscht – die Architekten waren wohl zu ehrlich und haben sich im Wortcode vergriffen. Welches verräterische Wort könnte das sein?

Zensiert auf der SIGNA-Webseite:Ortner SIGNA

Ortner & Ortner Baukunst auf der eigenen Webseite:Ortner Ortner