Besser wird man es kaum beschreiben können!

Hände weg von der Alten Akademie, Hände weg vom Eggarten!

Während Benko uns und viele andere dazu zwingt, jahrelang für ein Denkmal, für den öffentlichen Raum in der Innenstadt zu kämpfen, passiert an mehreren Stellen in den Außenbezirken etwas ganz ähnliches: Bürgerinitiativen verteidigen wertvolle, unersetzliche Grünflächen gegen das Zubetonieren durch heimische und profit-angelockte Investoren. Innen die Konsumexpansion der gesättigten Oberschicht und am Rand die Expansion zu einer Metropole, die nie ein Ende findet – das ergänzt sich zu einer zukunftsgefährdenden Attacke auf eine lebenswerte Stadt für die breite Mehrheit.
Ein verbindender Aspekt dabei ist leider der Typus des völlig überforderten Kommunalpolitikers. Kein Wort von uns dazu, denn wer würde besser den Nagel auf den Kopf treffen:

Der typische Kommunalpolitiker (TKP) – die Kolumne von Michael Sailer im aktuellen in münchen Heft.

Wenn Sie noch nichts vom Eggarten gehört haben, dann lesen Sie den Artikel in den Standpunkten 10/2019 des Münchner Forums, Seite 24-26: Eggarten, platt gemacht für den Profit.

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www.alte-akademie.com existiert nicht mehr

SIGNA hat ihre Webseite zur Alten Akademie aus dem Netz genommen. Das ist nicht weiter schlimm. Einziger Verlust wären die Dokumente aus dem sagenhaften Wettbewerb von 2016, die sonst schwer zu finden sind. Hier zum Download: Auslobungsbroschüre und Protokoll der Preisgerichtssitzung.
Eventuell auch noch der extra für München arrangierte Promotion-Plausch von Herrn Stadlhuber mit Frau Neubauer vom österreichischen Denkmalschutz. In diesem Zusammenhang eine gute Nachricht: Das Jahrhundert-Baukunstwerk der Postsparkasse von Otto Wagner in Wien ist vor den Verwertungs- und Umnutzungsabsichten von SIGNA bewahrt worden. Es soll jetzt an die Wiener Universität vermietet werden – unter den Umständen eine gute Lösung. SIGNA will das Gebäude nicht aus der Hand geben; hoffentlich kommen sie der Verpflichtung der Erhaltung des perfekten Zustandes nach. Siehe auch unseren Artikel „Wir sind Wiederholungstäter“.

Klares Votum für die Arkaden!

Wenn noch nicht gelesen: der Artikel in der Abendzeitung über die Sitzung der Kommission für Stadtgestaltung am 17. September ist sehr zutreffend.
Hinzuzufügen wäre, dass
– die Kommission sich diesmal durch vorangehende Besichtigung ein eigenes Bild vor Ort verschafft hatte.
– OB Reiter wieder fehlte und Stadtbaurätin Merk sich einen Redebeitrag versagte.
– auch der Leiter der staatlichen Denkmalpflege nicht sprechen wollte und dann gegen die Empfehlung stimmte.
– Stadtrat Herbert Danner das Meinungsbild nach den ersten Redebeiträgen mit 8 : 0 in Zahlen fasste.
– dass Christoph Sattler zusätzlich den schönen Vorschlag machte, im Kopfbau eine „zauberhafte öffentliche Halle“ zu gestalten.

Während der vortragende Architekt des Büros Morger (Name leider nicht verstanden) sich überbot in Respektbezeugungen für Josef Wiedemann und wie sehr sie sein Werk vervollkommnen würden – war die geäußerte Meinung aus der Kommission absolut deutlich: es gibt nichts aufzubessern – je mehr man die Finger von den Arkaden lässt, desto besser die architektonische Gestaltung, desto besser für die Stadt, ihre Bewohner und Besucher. Das heißt, die Kommission hat aus ihrer Sicht den aktuellen Vorhabensstand bis zurück zum Wettbewerb unter Chipperfield vor dreieinhalb Jahren verworfen. Gerade auch das ganz unsägliche Vorhaben, die Passage im Kopfbau zu schließen. Ohne Verständnis für das Märchen, dass die offene, großzügige Ausstellungshalle der 50er Jahre noch besser würde, wenn man sie zu einer Hochpreiskonsumhalle macht, durch die man dank Glastüren durchschauen und bei Ladenöffnung auch durchgehen könne.

Nun hat die Stadtratsmehrheit – und es wird an der SPD-Fraktion liegen – die Möglichkeit, sich in den Monaten bis zum Satzungsbeschluss zu überlegen, ob sie unter Erwägung dieses klaren Votums noch allein SIGNA zuliebe eine folgenschwere Fehlentscheidung wagen will.

Als beschämend ist noch zu erwähnen, dass Stadtrat Zöller (CSU) sich unbeschwert zu seiner Ignoranz bekannte und statt einem sachbezogenen Beitrag direkt erklärte, dass er die Meinung der Architekten schon „interessant“ fände, dass sie ihn aber letztlich doch nicht interessiert, weil er als Politiker im Stadtrat wieder genauso entscheiden werde.

PS: Auf Nachfrage wurde noch darüber „informiert“, dass die Architekten draufgekommen sind, dass die vier charakteristischen Rundsäulen vor dem Hettlage-Kaufhaus nach Abriss und Neubau (hinter der zu erhaltenden Fassade) nicht mehr eingebaut werden könnten, weil sie dann nicht mehr richtig passten und auch nicht so wichtig wären. So läuft das.
Und zur Kapellenstraße, die ja angeblich unheimlich aufgewertet werden soll: auf einer gezeigten Entwurfsveranschaulichung war das eckige Ladeportal zu erkennen, wofür der Rundbogen der jetzigen Einfahrt verschwinden würde. Lastwagen brauchen halt den Querschnitt, schon klar. Und eine Skizze (noch aus dem Auslobungsheft) zeigt gut, was die Kapellenstraße dann wäre: Zufahrtszone für den sich stauenden Liefer- und SUVverkehr durch dieses Nadelöhr. (Neben den in der Straße seit Jahren rumstehenden Baucontainern vom Oberpollinger, ebenfalls SIGNA)

Geduld, Gründlichkeit und Verantwortlichkeit sind gute Tugenden

Die Kommission für Stadtgestaltung wird sich mit den Arkaden der Alten Akademie beschäftigen – zum dritten Mal. Am 23. Juli hatte Frau Merk die Wiederbefassung als Ausweg genommen. Die geäußerte Meinung aus der Kommission war merkbar überwiegend kritisch. Hauptgrund für die Vertagung war dann auch, dass der Vortrag von Herrn Architekten Morgner (alles toll, richtig, notwendig) den schalen Geschmack von „Alternativlosigkeit“ hinterließ. Die Hintergrundinformation fehlte wie beim ersten Termin (das Referat für Stadtplanung will nun liefern). Es wäre schwierig gewesen, einen positiven Kommissionsspruch zu formulieren – oder überhaupt einen.

Also wieder am 17. September um 16 Uhr im großen Rathausssaal.

Zitat Webseite www.muenchen.de: Neben dem Oberbürgermeister und der Stadtbaurätin setzt es sich aus weiteren Vertreterinnen und Vertretern der Stadtverwaltung, Fachleuten anderer Behörden, dem Heimatpfleger, Stadträtinnen und Stadträten sowie zehn freiberuflichen Architektinnen und Architekten zusammen.“

Es wäre demnach schön, wenn OB Reiter diesmal dabei wäre, um seine Verantwortung in einer Angelegenheit wahrzunehmen, die viele in der Stadt aufregt. Es sollte nicht noch einmal passieren, dass eine Stadträtin und eine Referentin, die beide in die Arkadenfrage verstrickt sind, die Sitzungsleitung einnehmen.

Trommeln im öffentlichen Raum für den öffentlichen Raum

Sonntag, 8. September, 14 – 16 Uhr

Eine Veranstaltung des Münchner Forums. Aus der Ankündigung:

Umbruch – Abbruch – Aufbruch
Die Alte Akademie und ihre Arkaden: Ende eines offenen Baudenkmals?
Der Kaufhof am Marienplatz: (k)ein Baudenkmal?

 Im Rahmen eines „sich fortbewegenden Aufzugs unter freiem Himmel“ gemäß Versammlungsgesetz wird uns die Musikgruppe „Ruhestörung“ auf dem Weg vom Marienplatz zur Alten Akademie begleiten und im öffentlichen Raum für den öffentlichen Raum trommeln.

Ausgangs- und Endpunkt dieser Veranstaltung sind zwei prominente Bauten des Architekten Josef Wiedemann.
Treffpunkt und erste Station: Kaufhof am Marienplatz / Ecke Rosenstraße
Zweite Station: Alte Akademie, Neuhauser Straße 8/10
Es führt Klaus Bäumler, 2. Vorsitzender des Münchner Forums


Eine gelungene Veranstaltung mit großer Beteiligung! Gute Stimmung trotz Dauerregen dank der guten Vorbereitung und kundigen Führung durch Klaus Bäumler. Von ihm und Brigitta Michail (Tochter von Josef Wiedemann) gab es geschichtliche Einblicke und einen unbeirrten Ausblick, dass die Arkaden noch lange nicht aufgegeben sind. Selbst nach dem womöglichen Satzungsbeschluss um die Jahreswende (im Kommunalwahlkampf) hat das Vorhaben von SIGNA noch genügend Haken und Schwierigkeiten auf dem steinigen Weg zur Zerstörung eines Münchner Baudenkmals.

Ausführlicher Bericht in den Standpunkten des Münchner Forums, 10/2019, Seite 20-23.

Was in New York gehasst wird, ist in München der letzte Schrei


Das mittlere Bild (Hudson Yards, New York) ist real. Links und rechts Computerzeichnungen. Da streben die Klingen aus einem Grün heraus, das es nicht geben wird. Das Büschl-Projekt zeigt sich schamhaft von hinten, weil die Halle wegen massiver Bebauung von vorne nicht mehr zu sehen sein würde.

München ist verschlafen, hinkt der Zeit hinterher, braucht endlich einen richtigen Push, um Metropole zu werden … Hochhäuser müssen her, egal für was (Büros, Hotels, Wohnungen) egal wie sie ausschauen (verblasene Skizzen genügen, um Begeisterung zu entfachen), egal wie umweltfeindlich (das maximale Anti-Grün) und menschenfeindlich (Depressionen). Denken Sie vielleicht auch so wie die meisten Stadträte und der BA 9 sogar fast vollständig? Man sieht es ja in München schon – von New York können Sie lernen, dass es dabei um den Selbstmord der Stadt geht.

„Manhattan aber ist zur Blaupause für jene Stadtentwicklung geworden, die mit dem Begriff „Gentrifizierung“ längst nicht mehr ausreichend beschrieben wird. Die radikale Kapitalisierung des Wohn- und öffentlichen Raums hat Städte wie London, Moskau, Paris und München zu Refugien der sehr Wohlhabenden und Bestverdiener gemacht. Ganz New York scheint die Hudson Yards zu hassen – ja, der Ausdruck ist durchaus angebracht.“

Eine tolle Reportage (keiner dieser diffusen Überflieger-Artikel von Gerhard Matzig) in der Süddeutschen, eine letzte Warnung, aus dieser Entwicklung auszusteigen. Mehr sei nicht zitiert, lesen sie alles, hier oder hier. Das hilft gegen die Gehirnwäsche des Hyperkapitalismus. Die Mehrheit der Münchner Bevölkerung ist nach allem was weiß keineswegs dafür, statt demokratischer Meinungsbildung und Entscheidung wird die Propagandamaschine angeworfen: „München braucht Wohnungen“, „München muss jetzt in die Höhe bauen“ – nein, Wohnungslose brauchen Wohnungen und für sie entstehen sie zuletzt!

Undemokratisch – antiökologisch – unsozial

Jetzt kommt der Rundschlag: Die München-Lobby-Firma Heller & Partner scheint ihre Finger mit drin zu haben. Der Kommentar auf ihrer Webseite kann nur eitel Selbstlob sein: Kommunikation die funktioniert und starke Clippings, die den Erfolg des Projekts bekräftigen.“ Diese Agentur fädelt auch mit am Innenstadt-Projekt Georg-Kronawitter-Platz der Firmen Inselkammer und Hirmer. Gemeinsames Merkmal der Kampagnen: Angestellte eines Stararchitekten ersetzen mit vage gehaltenen, dafür mords-gehypten Studien breite Vorüberlegungen mit Architektenwettbewerb und Bürgerbeteiligung. Hier Herzog & de Meuron, dort Norman Forster. Da denkt man sofort an Chipperfield und in der Tat, sein Hamburger Elbtower-Entwurf für Benko gleicht den beiden Türmen wie eine Glas-Stockwerk-übereinander-Multiplikation der anderen. Wahrscheinlich gibt es gute Kontakte zwischen Benko und Büschl. Unsere Vermutung: Benko will in München auch noch ein großes Ding drehen, aber da durch sein aggressives Verhalten bei der Alten Akademie die Sympathie von helfender Bürokratie und Politikern gesunken ist, wäre ein ortsansässiger Immobilienspekulant an der Seite von großem Vorteil. (Das würden wir ohne Hinweis nicht schreiben.) In Hamburg stehen die Grünen als Teil der Stadtregierung hinter dem Elbtower – in München sind die Grünen ungebunden und doch freiwillig die schärfsten Befürworter der Pläne von Büschl, wofür besonders Anna Hanusch (im Stadtrat und BA 9) steht. Wissen manche Grüne überhaupt noch, worum es geht? Beim gleichzeitigen Projekt im Münchner Norden, dem Eggarten, will Büschl eine für das Münchner Stadtklima wesentliche Naturoase ausradieren. Das lehnten die Grünen im Stadtrat zwar ab, aber mit geringem Einsatz und üblicher Kompromissbereitschaft. Der Widerstand aus dem Viertel und von vielen anderen ist das, was gerade in München Mut macht! Wenn da ein Bündnis entsteht mit Fridays for Future … erstmal Globaler Klimastreik am 20. September!

Und, wollen Sie einen positiven Vorschlag lesen? Gut, dann bleibt die Paketposthalle leer, kein zwanghaft hineingepfropftes Kulturzentrum untendrunter, sondern frei gehalten für spannende Aneignung durch die Bevölkerung. Ihr wird was einfallen, wo dem Investor und seinem Architekten die passende Phantasie für die Verladehalle (weil nicht verwertbar) zwangsläufig fehlen muss. Dazu davor ein Park (als eine kleine Art Wiedergutmachung für den Arnulfpark, also prächtig) damit man die Halle auch noch sehen kann. Seitliche Wohnbebauung knüpft an die wunderbaren gegenüberliegenden Genossenschaftsbauten der 20er Jahre an in dem herausforderndem Versuch, sie in Ästhetik, Wohnkomfort und Nachhaltigkeit zu übertreffen. Und wohnen sollen darin nur die, für die die Hyperkapitalisten ihre verlogenen Tränen vergießen.

Wiedervorlage am 17. September!

Die Kommission für Stadtgestaltung wird sich dann ein drittes Mal mit den geplanten Eingriffen bei der Alten Akademie befassen. Hätte es anders ausgehen können? Herr Morger (der Architekt von SIGNA) führte lang und breit aus, welche „Neuinterpretationen“ er vorhat: behutsam natürlich, geschmackvoll, an den 50ern orientiert – lauter Verbesserungen. Da die Architekten der Jury normalerweise lieber ihren Berufskollegen gegenüber Lob aussprechen oder es bei der einen oder anderen Anmerkung belassen, konnte man den Ausgang nicht ahnen.
Doch Stadtrat Danner, der die Alte Akademie auf die Tagesordnung gesetzt hatte, sprach deutlich den Verlust öffentlichen Raumes bei den Arkaden an. Obwohl sich dem einige Architekten als einer „politischen Frage“ nicht so gern stellen wollten, sagten andere klar, dass das nicht sein kann. Ein Architekt aus Bern, wo es noch viel mehr Arkaden (Lauben) gibt, meinte, man würde dort keinen Quadratmeter hergeben! Heimatpfleger Bernhard Landbrecht sagte deutlich: die für die Minimalisierung der Arkaden benützten Argumente sind grundfalsch, die vorhandenen Arkaden von Prof. Wiedemann sind eine optimale Lösung und zu erhalten. Ganz wichtig war das Eintreten von Herrn Sattler für die Arkaden, zwei andere sagten, dass der Entwurf eben keine Verbesserung darstellt und der Durchgang durch den Kopfbau bleiben müsse, und – vielleicht ausschlaggebend – es wurde dagegen protestiert, dass überhaupt nicht daran gedacht wurde, dem Gremium vorzulegen, welche Alternativen es gibt. Herr Morger steigerte sich dann noch dahin, dass die bestehenden Arkaden falsch seien und brach seine Lanze leidenschaftlich für die Belange des Kommerz.
Damit war die Situation allgemein unbefriedigend und verfahren, so dass Stadtbaurätin Merk in der Bredouille als Ausweg die Wiederbefassung vorschlagen musste. Für die nächste Sitzung ist versprochen, dem Gremium den Hergang der ganzen Sache vorzulegen. D.h. wie war das, dass die Wettbewerbsjury vor drei Jahren sich über Festlegungen der Auslobung hinwegsetzte; wie war das, dass trotz verbrieftem öffentlichen Raum SIGNA  noch mehr beanspruchte – und von CSU und SPD vorerst bekam. Ganz richtig: die Stadtgestaltung ist auch eine politische Frage – welche Interessen beherrschen die Stadt bis in die Architektur hinein?
Das ist ein gutes Ergebnis und zwei schöne Beiträge von Fr. Merk seien erwähnt: Es handle sich hier um eine Kommission für Stadtgestaltung und nicht für Hausgestaltung und auf die Frage, was für die Aufgabe der Arkaden spreche außer wirtschaftlichen Interessen: Nichts.
Beim nächsten Termin darf sich der Oberbürgermeister nicht drücken und Heike Rieke (SPD) und Frau Merk die Regie überlassen, die direkt an den mehrmaligen Fehlentscheidungen beteiligt waren. Es bleibt spannend und der letzte notwendige Stadtratsbeschluss wird erst nach dem 17. September fällig!

PS: Diese Sitzung wäre auch für die Münchner Bevölkerung erhellend gewesen, hätte der anwesende Redakteur der SZ darüber geschrieben… Ach ja, OB Reiter war wieder einmal nicht da und die Vertreter von SPD und CSU schwiegen sich aus.