Benkos Vermögen wächst und wächst – mit und durch die Not der anderen

Niki Lauda hat gerade der Zeitschrift Capital verraten, wie prächtig Benko seinen Schatz vermehrt:
Seine Gesamterträge, die auf Dividenden sowie der Wertsteigerung seiner Anteile an zwei Signa-Gesellschaften basieren, bezifferte der Airline-Unternehmer auf durchschnittlich 18 bis 20 Prozent pro Jahr.“
Wie geschieht das Wunder?
„Wie Lauda profitieren Benkos Investoren in erster Linie von den stetig steigenden Immobilienpreisen, die auch den Unternehmenswert der Signa-Gruppe nach oben ziehen. Benko lässt seine Immobilien jährlich neu bewerten. In der aktuellen Marktlage wächst dadurch kontinuierlich das Vermögen in der Bilanz.“

Leistungsloses Einkommen – das aktuelle Stichwort

Die explodierenden Bodenpreise machen reich im Schlaf. Denn der Boden ist unersetzliche Lebensgrundlage und er vermehrt sich nicht. Grund und Boden in die Hände der Allgemeinheit – das ist die Voraussetzung für gleiche Lebensbedingungen, für Zugang zu sinnvoller Nutzung ohne die Bereicherung Einzelner, für eine demokratische Gesellschaft ohne Vorherrschaft von Tycoons und Zaren. Es braucht einen neuen gemeinschaftlichen Geist und neue Formen, wie die Allgemeinheit ihr gemeinsames Eigentum verwaltet.

Die steigenden Mieten hängen direkt mit den steigenden Vermögen der großen Immobilienbesitzer zusammen. Es ist dies nichts anderes als eine Enteignung der breiten Bevölkerung, eine direkte Umleitung sauer verdienten Lohns in die Kassen derer, die sagen können: Du lebst auf meinen Grund! Was gibt einem Menschen das Recht, diesen Tribut zu fordern – oder aus der Wohnung zu weisen? Leistung ist es nicht.

Damit diese Geldhaufen stetig wachsen ist es von großer Hilfe, wenn sich immer mehr Menschen und Arbeitsplätze in den Großstädten konzentrieren: Enge und Platzbedarf steigern die Bodenpreise automatisch. (Benko könnte Däumchen drehen, wäre er nicht Fanatiker.) Die den Investoren nahestehende Politik macht die Gesetze, die das Vorrecht von Eigentumstiteln schützen und bietet dazu die exklusive Möglichkeit, kaum Steuern zu zahlen. Die Stadtverwaltungen sind ihnen zu Diensten. Sie haben Stadtplanung aufgegeben, sie schanzen den Investoren den Boden zu und diese übernehmen die Planung. Die Städte sind zu Selbstbedienungsläden geworden. Einige wenige wollen Alles für mich! und machen dafür die Nacht zum Tage.

Eine grundsätzliche Änderung ist nötig! Es kann nicht so bleiben wie es ist, wir laufen zu auf einen Overkill, auf Städte, die kein Zuhause mehr sind. Der Widerstand beginnt im Kleinen und braucht dabei eine Perspektive, die den Investoren Herr wird: Grund und Boden in die Hände der Allgemeinheit!

„Arkaden-Spaziergang: Vom Alten Rathaus zum Karlstor“

Dienstag, 19. Juni 16:00 – 18:00

Das Münchner Forum lädt zum „Arkaden-Spaziergang: Vom Alten Rathaus zum Karlstor“ ein, der als „Aufzug unter freiem Himmel“ beim Kreisverwaltungsreferat angemeldet ist.

TREFFPUNKT: Im Tal, Ecke Maderbräustraße beim Weißen Bräuhaus / Stadtsparkasse

Die Arkaden der Alten Akademie in der Neuhauser Straße 8-10 sind prägender Bestandteil der Fußgängerzone. Sie stehen aktuell im Brennpunkt der Begehrlichkeiten eines Investors. Gegen entschiedenen Bürgerwiderstand hat eine Mehrheit des Münchner Stadtrats beschlossen, das derzeit laufende Bebauungsplanverfahren Nr. 1975 a durchzuführen mit dem Ziel, den öffentlichen Raum der Arkaden der Alten Akademie um ca. 400 qm zu reduzieren. Damit übergeht der Stadtrat mit Beschluss vom 21. Februar 2018 eine Vielzahl von Appellen und Einwendungen, die den Erhalt der denkmalgeschützten Arkaden und damit des öffentlichen Raums zum Gegenstand haben.

Die Arkadenbereiche der Münchner Innenstadt sind wichtige Bereicherungen des öffentlichen Raums. Sie bieten Schutz vor Regen und Sonne und abwechselnde Raumerlebnisse. Der kommerzielle Druck Arkadenflächen in Verkaufs- oder Gewerbeflächen umzuwandeln ist derzeit extrem hoch! Das Münchner Forum setzt sich deshalb für die Erhaltung dieses wichtigen Stücks öffentlichen Raums ein.


Die Standpunkte 7.2018 des Münchner Forums enthalten einen ausführlichen Bericht über den gelungenen Spaziergang. Dazu einen Beitrag über den Schildbürgerstreich „Schließung der Arkade“ = Schaffung eines Flaschenhalses für die Fußgängerströme in der Neuhauserstraße.

Diese investorenhörige Einfalt übertrifft weit das in Jahrhunderten Übliche

Reissl Pretzl Alte Akademie SIGNAHier kommt eigentlich nichts Neues. Der Beitrag berichtet davon, wie Alexander Reissl (Fraktionsvorsitzender SPD) und Manuel Pretzl (Fraktionsvorsitzender CSU) ihr Eingreifen, das zum Stadtratsbeschluss im Februar führte, nun verschriftlicht haben. In einem gemeinsamen Brief vom März an das Münchner Forum, abgedruckt in den Standpunkten 4.2018, Seite 6/7.

Wir zitierten daraus mit vollständigem Zitat die Rechtfertigung ihres Tuns (sie nennen es „Meinung“):

„Jahrhundertelang hat es an dieser Stelle keine Arkaden gegeben. Die Ostfassade des Kopfbaus hatte eine bogenförmige Toröffnung, mittig angeordnet. Die Arkade im Kopfbau und im Hettlage Gebäude sind insbesondere als Reaktion auf die Verkehrssituation an dieser engsten Stelle im Verlauf Kaufinger- und Neuhauser Straße entstanden. Die historisch nicht begründete Arkade im Kopfbau soll nun wieder aufgegeben werden.

Die Arkade im Hettlagegebäude kann nach Ansicht der Stadtratsmehrheit auf ca. 4,20 Meter reduziert werden. Die Arkaden entlang der Kaufinger- und Neuhauser Straße weisen heute Masse zwischen vier und fünf Metern auf. Damit bleibt die Arkade Hettlagehaus im Rahmen des in der Münchner Altstadt Üblichen, einen Dominoeffekt kann es also nicht geben.

Die Mehrheit des Stadtrates ist der Auffassung, die Arkade entlang der Kapellenstraße aufgeben zu können. Es gibt Arkaden quer zur Hauptrichtung der Münchner Fußgängerzone in der Weinstraße und zum Rindermarkt. Beide Straßen und ihre Arkaden weisen ein Vielfaches an Fußgängerfrequenz als die Kapellenstraße auf. Diese Arkade endet auch schon nach wenigen Metern halb an der Seite des Nebengebäudes.“

Der eine Teil der Arkade soll historisch nicht begründet sein, der nächste ist breiter als das Übliche und der dritte Teil gilt ihnen sowieso nichts.
Nach dem Motto supergescheiter Bescheidwisser: Da gehen wir hin, da schauen wir uns das mal an und dann sehen wir schon und dann ist alles klar. Diese beiden Herren ignorieren was z.B. Dieter Wieland einbrachte, sie ignorieren den Brief der Akademie der Schönen Künste, die Opposition im Stadtrat und die Meinung vieler Bürger und eigener Parteileute. Sie ignorieren nicht nur für sich selbst, sie wollen andere Standpunkte nicht mal erwähnen. In ihrer Position als Stadträte ist diese Verweigerung einer vernünftigen Diskussion und Beschlussvorbereitung eine Anmaßung, die nur noch übertroffen wird durch die Dürftigkeit ihrer Auslassungen. Für uns zumindest ist klar, gerade weil die beiden SIGNA und Benko nie auch mit nur einem Wort erwähnen: Reissl und Pretzl sind höheren Verpflichtungen (Staatsregierung) und der immensen Lobbyarbeit Stadlhubers von SIGNA erlegen.

Und so endet ihr Brief ganz verdreht: Wenn schon alles hin ist, dann gebt den Leuten wenigstens eine Unterhaltung nach dem Motto Leben = maximales Shopping (und wer empfiehlt sich da mehr als der Kommerzfuzzy Benko?*).

„Ja, es wird Öffentlicher Raum aufgegeben. Andererseits entsteht die Aufgabe, nach dem Freistaat Bayern als Inhaber öffentliche Nutzungen in der Alten Akademie aufgegeben hat, einen attraktiven Ort in der Altstadtfußgängerzone neu zu schaffen, Arkade und Innenhöfe neu zu beleben. Ein Ziel, von dem auch die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger profitieren können.“

Am Montag, den 23. April wählt die SPD im Stadtrat turnusmäßig wieder den Fraktionsvorsitz. Ob es Reissl wieder wird?**


* kann der sogar eine Rest-Schrumpfarkade und einen (!) etwas eigensinnigen Innenhof beleben, der zum kommenden Highlight ganz Münchens hochstilisiert wird – und diese kommerzielle Ausbeutung leider nicht aushalten würde? Überhaupt: was Benko könnte, hat München schon im verdrießlichen Übermaß. Und welche Münchnerin geht noch in den Oberpollinger?
** Nachtrag: Zum dritten Mal nur mit Ach und Krach und langen Gesichtern. Was ist nur los mit dieser Partei?

Niemand mache sich falsche Vorstellungen

… das gilt für alle Seiten. Wir z.B. hoffen, dass dieses fatale Projekt noch kippen wird, können uns darin aber nicht sicher sein. SIGNA – die Developmentexperten – werden ihrerseits schon ahnen, dass sie für ein Millionengrab planen. Nach eigener Aussage ist es ein Gesamtinvestitionsvorhaben von über 400 Millionen Euro – die werden niemals wieder hereinkommen. Angeblich zwei Jahre Bauzeit, aber den Platz um den Richard-Strauss-Brunnen wollen sie bis Mitte 2022 (das wären 3 1/2 Jahre) für die Baustelleneinrichtung haben. Benko wäre nicht der erste „Tycoon“, der aus Vermessenheit (vorwärts immer, rückwärts nimmer) etwas an die Wand fährt. Das dürfte sinngemäß auch für Strahlemann Söder gelten, der auf staatlicher Seite für den Verkauf verantwortlich war.

Viele andere haben sich die Pläne noch nicht genau angeschaut oder sie zucken mit den Achseln angesichts des SIGNA-CSU-SPD-Schulterschlusses und machen gute Miene zum bösen Spiel oder vertrauen darauf, dass alles nicht so schlimm kommen wird.

Deshalb: Bitte lesen Sie nach, was geplant ist und vertrauen Sie niemandem. Es liegt alles auf dem Tisch, es steht in dem Beschluss des Stadtrats. Um es einfacher zu machen, wären hier die fünf Seiten aus diesem Dokument, die die Eingriffe beschreiben. Hier noch die Pläne aus dem Wettbewerb und die Überarbeitung der Architekten von 2018.

Anhand der Grafik ist zu sehen, wie die Alte Akademie, dieser Ort der Kultur und des geschichtlichen Erbes, bis zum Platzen mit Kommerz aufgefüllt werden würde. Wo wir jetzt Läden nur im Erdgeschoß finden, würde sich das auf vier Ebenen ausdehnen. Und von dieser Seite her werden die Arkaden extrem wichtig: weg damit für noch mehr Verkaufsraum in der Premiumetage und für die Präsentation nach aussen! Ein Maximalverwertungsplan für ein Gebäude, an dem handelstechnisch das Beste die Lage ist – schwierig. Wohlweislich hat SIGNA kein Konzept vorgelegt, außer dass das Goldene Quartier in Wien Vorbild ist (der Stadtrat hat vertrauensvoll kein Konzept verlangt). Da sollte eine Exkursion mal ausnahmsweise nicht am Finanziellen scheitern.

Soweit die Vorderfront, die Eingriffe im Schmuckhof und dessen Gebäudeteil gehen extra

Wir spinnen die Geschichte noch etwas weiter. Das Goldene Quartier beherbergt auf zwei Ebenen (EG und 1.OG) eine größere Anzahl absoluter Luxusläden. Und es darbt vor sich hin. Aber immerhin können die Mieter relativ leicht wechseln. Im Münchner Retailkomplex XY (Alte Akademie könnte man dann nicht mehr sagen) bestünde schon die Schwierigkeit, den hochgezüchteten Anspruchs-Konsumenten ins UG und ins 2. OG zu bekommen. Und wegen des eingeschränkten Zugangs und fehlender Werbewirkung nach aussen wird SIGNA letztlich 3,4,5 Großmieter brauchen. Wer würde das sein? Will das die Stadt? Wir überlegen das hier nur stellvertretend für Leute wie Stadtrat Reissl, die von attraktiven Geschäften träumen.

Fazit: Wenn Sie heute vor der Alten Akademie stehen und sich denken: Ja, wenn hier renoviert wird und ein paar Geschäfte reinkommen, das ist doch noch ok, dann hat das rein gar nichts mit dem zu tun, was im Ernstfalle passieren wird. Die Alte Akademie würde einem Kommerzexperiment geopfert. Die Alternative steht immer noch: Behutsame Renovierung unter Beibehaltung der Raumstruktur, des Daches, der Arkaden, des Wiederaufbaus aus den 50er Jahren und Wiedereröffnung mit kulturellen und öffentlichen Nutzern. Das wäre dann: Groß denken.

Die Blase wächst und die Münchner Stadtverwaltung tut dazu das ihre, wie sie nur kann

Flyer der LH München für den Auftritt auf der MIPIM in Cannes – im Internet
Zitat: „Zur Stadt der Zukunft werden an diesem Tag die Stadtbaurätin Elisabeth Merk, der Kommunalreferent Axel Markwardt sowie namhafte Player am Münchner Immobilienmarkt Stellung nehmen.“

In Cannes ist wieder Immobilienmesse, wir hatten letztes Jahr schon darüber geschrieben. Dort geht es nicht um Genossenschaften, Handwerksbetriebe, Schulgebäude usw. Dort geht es um die Sättigung des internationalen Immobilienkapitals und die Stadt München betreibt da einen großen Messestand und was wird dort wohl kommuniziert: München ist ein gutes Pflaster, wir kooperieren, wir schaffen die Voraussetzungen, wir machen den Weg frei, wir laden ein.
Das zahlt sich aus für die, die in München zu immer höheren Preisen verkaufen wollen und für die, die ihren Bestand nach Marktpreisen immer weiter hochrechnen, um neue Kredite einzuholen und damit neue lukrative Projekte hochzuziehen. Es ist zum Schaden der Münchner Stadtgesellschaft und insbesondere des großen Teils davon ohne Vermögen, der als blutende Spielmasse einer sich verkaufenden Stadt die daraus folgenden Übel ertragen muss.

Der Gipfel ist nun, dass (nach Herrn Büllesbach von der Bayerischen Hausbau) dieses Jahr ausgerechnet Herr Stadlhuber, der in München agierende Statthalter Benkos, mit aufs Podium geholt wird. Stadlhuber ist bei der Alten Akademie der so smart wie knallharte Botschafter der finalen Kommerzialisierung – zukunftssichere Stadtentwicklung ist das Gegenteil davon.
Was wird man dort wohl verkünden? Vielleicht:
Frau Stadtbaurätin Merk: „Wir sind stolz auf die gute Zusammenarbeit mit Investoren wie SIGNA, was unserer Stadt große Benefits einbringt und sie zukunftssicher macht.“
Herr Stadlhuber: „Wir sind stolz auf die gute Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung München, so dass wir durch unsere hervorragenden Developments mithelfen dürfen, die Stadt München zukunftssicher zu machen.“
Bullshit, aber was man sagen wird ist ja auch egal, denn das Wesentliche ist das Verbindungen knüpfen, das Einholen von Versprechungen, die ausgenützt werden können und das Anbahnen von Projekten, von denen die Bevölkerung Münchens erst hören wird, wenn unterschrieben ist.

Das muss aufhören, München muss sich von diesen Messen zurückziehen. Es wäre die Aufgabe von Stadträten, die sich wirklich um München kümmern, dieses Liebesangebot an das profitsuchende Kapital zum Thema zu machen. Der „einfache Bürger“ wird hier nur ausgelacht.


Sie haben es 2019 genauso wieder getan: Munich MIPIM

Das nennt sich „konsequente Immobilienarbeit“

Konsequente Immobilienarbeit (Doping-Benko*) – konsequente Unterordnung (Groko CSU/SPD) – konsequentes Hinwegsetzen über Geschichte, über Kultur und die fundierte Kritik aus der Bevölkerung

Das ist die Nachricht vom 21. Februar: die Stadtratsfraktionen von CSU und SPD schließen sich noch enger zusammen im Einsatz für SIGNA und bleiben im Stadtratsplenum bei ihrer Haltung. Das Niveau ist am Tiefpunkt angelangt. Die Argumente sind noch immer die selben mickrigen: Die eine Arkade (Kapellenstraße) brauche es nicht und sie sei ein Schandfleck, ebenso wie die breite Arkade, die halb so groß noch schöner werde, es gäbe das große Geschenk des geöffneten Schmuckhofes und man müsse SIGNA danken, wenn die Alte Akademie wieder vorzeigbar würde. Es macht schon an sich wütend, diese kleingeistige Argumentation, die von SIGNA vorgebetet wird, hier zu wiederholen. Und mehr ist es ja nicht. Es interessiert diese Stadträte nicht, was die Bayerische Akademie der Schönen Künste klar dagegen gesagt hat, nicht die Auflistung der Preisgabe öffentlichen Eigentums und Raums durch das Münchner Forum, nicht die Brandmarkung ihres pflichtvergessenen Verhaltens durch Karl Klühspies … (hier nachzulesen)

Die Mehrheit des Stadtrats ist ganz eng mit SIGNA (unter Ausschluss der Öffentlichkeit) und ganz weit weg von der Öffentlichkeit, mit der sie nicht mal diskutiert. Das ist so offensichtlich und so empörend in der dekretorischen Selbstherrlichkeit eines gewählten Rates, dass das einfach nicht gut gehen kann. Es muss sehr viel dahinterstehen, man möchte fast glauben, die Zukunft Münchens als „Standort“ hänge davon ab, dass SIGNA diese „paar Meter“ (wie es herablassend dargestellt wird) bekommt.

Es ist die ungehemmte Vernutzung des städtischen Lebensraumes, die hier beispielhaft durchgesetzt werden soll und die München an immer mehr Stellen droht, es ist die totale Durchökonomisierung unserer Stadt, die Oberherrschaft der nicht versiegenden Investorenmilliarden. Es ist die Politik der Privatisierung öffentlichen Gutes, die der nächste Ministerpräsident hier mit eigener Hand durchgeführt hat, die nicht scheitern darf. Es ist ein Paradeobjekt der Kommerzialisierung, dem nichts von seiner Wucht und Maßlosigkeit genommen werden darf. Nur ja nicht nachgeben, dem Zugriff des Kapitals darf kein Meter mehr abgeknappst werden. Damit hat auch OB Reiter kein Problem und nimmt lässig Schulz- und Nahlesformat an. Man muss sich wirklich fragen, wieviel Macht hat ein Benko schon in München, dass sich die SPD dafür auf die Rutschbahn nach unten wirft.

Das Thema Alte Akademie bekommen sie nicht weg, weil diese Arroganz und dieser keine Grenzen duldende Machtanspruch des Kapitals vielen Menschen nicht mehr vermittelbar ist. Es ist zuviel passiert in München, der Druck auf unsere Lebenswelt wird immer spürbarer und es macht immer weniger Freude, den Satz zu sagen: „München ist ja so schön“. Die Stadträume, das Grün, die Luft, die Natur im Land ringsum leidet, die Menschen leiden mit und beginnen es zu begreifen.

Und wenn es ein altes historisches Gebäude sein soll, ein Objekt, bei dem es „nur“ um Architektur, Schönheit, Erinnerung und derlei „zweitrangiges“ geht, um ein Gebäude, das man meint, gering schätzen zu können – dann kann es doch vielleicht so ein Gebäude sein, das das Fass mit zum Überlaufen bringt.


  * Benko ist just am selben Tag zu Gast bei einer hochkarätigen Immobilien-Veranstaltung des „Heuer Dialogs“ im Berliner Kempinski. SIGNA twittert sofort und gibt einen Vorgeschmack: „René Benko vergleicht konsequente Immobilienarbeit mit Spitzensport.“ Beitrag dazu folgt.

Aufzeichnung der Stadtratssitzung
Bericht in der Süddeutschen Zeitung


Den Stadträten der Linken, der ÖDP und den Grünen ist sehr für Ihren Einsatz zu danken, auch wenn bei diesem Termin die Front der Kaputtmacher gehalten hat. Auch Herrn Dr. Heubisch, der als Jury-Teilnehmer des damaligen Wettbewerbs nun genug hat von den endlosen Ansprüchen von SIGNA.

Herr Pretzl von der CSU gipfelte in der wilden Behauptung, Wiedemanns Werk in den Arkaden existiere heute nicht mehr. Sein „Kronzeuge“ ist ausgerechnet der Leiter der Denkmalpflege, Herr Pfeil. Soweit ist es schon gekommen.
Auch Herr Reissl von der SPD (damals Jury-Mitglied) meinte, im Erfinden von Ausreden noch eins draufsetzen zu müssen. Eine Übeltat als Rechtfertigung für die nächste: „… aber die Position des Planungsreferates, der Antrag von Frau Merk sieht das schon nicht mehr vor. Sondern da gibt es keine echte Arkade mehr im Kopfbau der Alten Akademie, sondern da gibt es halt auf beiden Seiten Eingänge, aber man geht da nicht mehr durch eine Arkade, eine offene Halle, sondern man geht eigentlich durch ein Geschäft durch und damit wird die Bedeutung der Arkade ohnehin reduziert.“  Selbiges hat der Architekturexperte Pretzl vor seinem Auge: „Der Eindruck einer Arkade, wo ich durchgehen kann, wo ich eine Sichtbeziehung habe, ist durch den vorgezogenen Kopfbau weg. Wenn ich vom Stachus komme, sehe ich eine Wand, wenn ich vom Marienplatz komme, sehe ich die Arkade überhaupt nicht mehr, erst wenn ich um die Kurve gegangen bin und wenn ich dann dezent nach rechts schaue, dann werde ich kaum wahrnehmen, ob die Tiefe geringfügig höher oder tiefer ist.“

Von diesen beiden Stadträten wurde ebenfalls wieder die Ruhmesgeschichte der Öffnung des Schmuckhofes strapaziert. Es muss Stadlhuber gelungen sein, ihnen das als große Idee und Gegengeschenk von SIGNA für die Arkaden ins Hirn zu pflanzen. Würden sie für die Stadt denken, wüssten sie noch, dass der Schmuckhof schon im November 2005 (!) im allerersten Stadtratsbeschluss vorkam: „Der sog. Schmuckhof könnte als offene Platzfläche publikumswirksam gestaltet werden und einen wichtigen Ruhepol neben der Betriebsamkeit der Fußgängerzone bilden.“

Eitel Freude bei SIGNA (kurz) – starkes Kontra (erst der Anfang)

Diese twitter-Meldung setzte die SIGNA-Zentrale in Wien ab …

… und die CSU mit Walter Zöller hätte gern ein Lob für ihre nachsprechende Behilflichkeit: „…besonders gelungen“
Presseerklärung der SPD? Fehlanzeige.


Diese Pressemitteilung kommt vom Münchner Forum:

hier weiterlesen

Leserbriefe in der SZ: Kotau vor dem Investor ist wichtiger als Denkmalschutz

Stadträte beantragen Nachprüfung des Beschlusses

Pressemitteilung des Münchner Forums: OB Reiter muss handeln 

Offener Brief der Bayerischen Akademie der Schönen Künste

Nun hat SIGNA zwar CSU und SPD zum Offenbarungseid gebracht, aber ein Sieg ist es nicht

Um die Eigeninteressen ihres Tycoons – Zaren – Uncle Scrooge auf Biegen und Brechen durchzudrücken, hat SIGNA den Hebel dort angesetzt, wo auf Beziehungen Verlass ist. Bei der Partei der Immobilienwirtschaft; bei der Partei eben, deren künftiger Ministerpräsident den Verkauf unterschrieben hat. Von der SPD ist bekannt, dass Feldwebel Reissl das Heft in der Hand hat, mit Wohlwollen des OBs, von dem man noch nie gehört hat, dass er Investoren etwas abschlagen wollte. Von oben geht’s runter an die Ausschussmitglieder – der Fraktionszwang ist gut eingeübt und so trifft Stadträtin Rieke, danach Stadtrat Sauerer die saure Pflicht der Antragsvorstellung, die sie in jeweils fünf Minuten hinter sich bringen. OB Reiter und Stadtbaurätin Merk enthalten sich vielsagend des Wortes.

29. Januar Fraktionssitzungen, 31. Januar Planungsausschuss: der Beschluss wird passend gemacht

Das SIGNA-Projekt spaltet. Machtlinien untergraben einen sinnvollen Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozess. Es ist keine Atmosphäre der freien Diskussion über die beste Lösung – alle wissen, hier wird ein Diktat durch die Instanz geschleust. Überfahren wird dabei das Referat für Stadtplanung und Bauordnung, ebenso wie der Bezirksausschuss Altstadt/Lehel, die Parteigruppe der CSU in der Altstadt, GroKo-Stadträte mit einer anderen eigenen Meinung und all die Fachleute, die an den Stadtrat appelliert hatten, nicht nachzugeben und die Arkaden zu erhalten. Die Öffentlichkeit sowieso, denn kein pro-stimmender Stadtrat, weder von CSU noch SPD hat jemals in Veranstaltungen, die es gab, das Wort ergriffen, wenn überhaupt teilgenommen. Die Federführenden im Hintergrund schon gar nicht. Eine „politische Entscheidung“ – dann muss es ja schief gehen.

Viel schriftliche Arbeit machen sie sich nicht: die Punkte, die SIGNA noch abgehen, werden in der Beschlussvorlage vom letzten Jahr lapidar ausgetauscht. Zum Gesamtpaket steht alles in unserem alten Blogbeitrag. Zum Stand der Dinge beim Urheberrecht gibt es ein Hinweisblatt aus dem Planungsreferat.

Die Grünen, die Linke und die ÖDP hielten gut dagegen und forderten die Beibehaltung der Bestandssituation bei den Arkaden mit voller Durchgangsmöglichkeit. Die Entkernung des gesamten Gebäudes, die Zerstörung des Charakters der Alten Akademie haben sie leider nicht anzusprechen gewagt.

Der peinliche Akt gilt SIGNA nun als Startschuss für die nächste Etappe. „Die Signa will umgehend mit der Stadt Verhandlungen über das weitere Bebauungsplanverfahren aufnehmen. Stadlhuber rechnet damit, dass der Umbau der Alten Akademie in einem Jahr beginnt. Drei Jahre lang sollen die Arbeiten dauern.“ (SZ) Drei Jahre Bauzeit = es bliebe kein Stein auf dem anderen.

Das Bild dazu: Aber ist es nicht das Normalste der Welt, wenn der größte Immobilienhai auch am meisten gibt, wenn die Immobilienpartei um Spende für ihren Ball bittet?  (Abbildung wurde verändert)

Anfrage der Partei Die Linke an den Oberbürgermeister
Artikel in der Süddeutschen Zeitung


Aus den Ausführungen der heutigen Sozialdemokratin Rieke:
„Zur – sag ich mal – heutigen Nutzung eines Gebäudes gehört natürlich, dass man da eben entsprechend seine Waren anbietet. Und die Kaufhauskonstruktion scheint nicht mehr das Neueste auf dem Markt zu sein sondern man bietet es an in einzelnen Spezialgeschäften, die dann eben insbesondere in diesen Lagen der Münchner Fußgängerzone dann auch eine recht hochpreisige Ausgestaltung haben. Auch das Gutachten, das jetzt verfasst worden ist zum Thema Urheberrecht erkennt solche Interessen ausdrücklich an. Selbstverständlich gehören sie in die Abwägung mit dazu. Darum nützt es auch nichts, wenn der eine oder andere sagt ‚das ist aber Igitt, das wollen wir gar nicht.‘ “
Es gilt nur das Heute, der Markt, die Waren. Ein Gebäude ist da so wie das andere … Was reden wir eigentlich lange herum?

Was auch kommen mag, München ist ja so schön. Warten Sie ab, Sie werden es schon sehen

Seit kurzem läuft die Ausstellung „München weiterdenken – 125 Jahre Stadtentwicklung“ in der Rathausgalerie, präsentiert vom Referat für Bauordnung und Stadtplanung. Die ausgestellten Modelle sind sehr nützlich zur Anschauung – bei den Erläuterungen zieht sich eine rosarote Färbung durch. Die vielen negativen Auswirkungen des Verdichtens und Zubauens werden gnadenlos geschönt; es soll unbedingt der Eindruck erzeugt werden, das profitgetriebene, schluderhafte Ummodeln Münchens in eine „Luxus“stadt für wenige und einen Ort zunehmender Qual für viele hätte einen städteplanerischen Hintergrund …

Wir haben mal geschaut, wie über die Alte Akademie berichtet wird. Ganze drei Sätze: Der erste ist sicherlich richtig. Der zweite wäre richtig, wäre nicht das Wort „Erscheinungsbild“, das im Denkmalschutzgesetz nicht vorkommt. Dann wäre die Aufgabe beschrieben – die das Amt für Denkmalpflege allerdings nicht erfüllt, weil es sich auf die Seite des Verkäufers (des Staats) und des Investors gestellt hat. Der dritte Satz kann nur als schwacher Versuch behördlicher Satire aufgefasst werden, vielleicht ist er nur ratlos und gleichgültig. Die Bürger(innen) der Stadt werden zu „Passanten“ gemacht. Warum nicht gleich zu „Konsumenten“? Das war es dann schon.

Es wird nicht berichtet, dass die Stadt in der laufenden Auseinandersetzung etwa eine Position hätte und für diese kämpfen würde. Es wird nicht berichtet, warum das Projekt so umstritten ist und warum es seit über einem halben Jahr stockt. Es steht da nichts vom Verscherbeln durch Söder, nichts von einem verkorksten Architektenwettbewerb, vom fast vollzogenen Nachgeben des Stadtrats gegenüber SIGNA, nichts von der drohenden Zweckentfremdung eines kulturellen Erbes als Kommerzobjekt. Eine solch schwache Leistung hat die Sache selbst und München nicht verdient.


Die Ausstellung stellt eine mehr als gewagte Beziehung zum großen Münchner Architekten und Städteplaner Theodor Fischer her. Deshalb hier ein Ausschnitt aus einem Vortrag Theodor Fischers, den er 1928 gehalten hat.
Theodor Fischer war ein Neuerer, der das Überkommene achtete und dem Geist der Zeit nicht blind folgen wollte. Ein Mann der Bildung und der Ehrlichkeit, der auf den Verstand der Menschen und Fachleute baute und bereit war, Vertrauen zu schenken. Er hat für die Stadt viele prächtige Gebäude entworfen und die Stadterweiterung nach bestem Fachkönnen geplant. Er dachte und arbeitete für die Stadtgemeinschaft, nicht für die, die das Geld haben. Er setzte auf Takt und  künstlerischen Anstand – was er wohl zu den heutigen Zuständen sagen würde?

Altstadt und Neue Zeit

… zurück zum Gegenstand: Altstadt und Neue Zeit. Takt haben wir nötig und zum Takt muss die Denkmalpflege mahnen und, wenn es nicht anders geht, zwingen. Ich nannte es eingangs selbstverständlich, dass die Altstadt als Denkmal geschützt werde: ich deutete aber an, dass dies nicht durch Einbalsamierung geschehen dürfe und bekannte damit, dass ich die Aufgabe im Grund eigentlich für unlösbar halte. Unsicher und schwankend also wäre das Ergebnis. Das wird niemand überraschen, denn „von den verantwortlichen Führern der Denkmalpflege ist es längst anerkannt (ich berufe mich damit auf die Aussage eines solchen Führers), dass die beste und würdigste Erhaltung eines Kunstdenkmals die ist, die dem Denkmal am längsten den  l e b e n d i g e n  Gebrauch sichert.“ Das ist in der Altstadt nur möglich, indem diese sich ständig verändert. Wie sie sich verändert, hängt tatsächlich vom Takt, vom Geschmack derer ab, die die Veränderung hervorbringen. Das sind nun nicht nur die Architekten. Es ist ungerecht, diese allein für den Stand der Baukunst verantwortlich zu machen. Der Bauherr ist eine größere Macht und eine dritte ist die Behörde.

Der Bauherr als Erster, als Treibender, in Altstädten in der Regel der Geschäftsmann, verlangt die Erfüllung seiner Bedürfnisse: es ist die Zeit, die diese Bedürfnisse in unerquicklichem Zeitmaß sich ändern lässt und es ist die Zeit, die diese Bedürfnisse nicht nur sachlich bestimmt, sondern modisch und marktschreierisch sich überkugeln lässt. Gegen diesen Geist der Zeit anzugehen, verlange man nicht von dem Architekten allein, der leben will und der dienen soll. Die Behörde hat Gesetze gegeben für die Sicherheit derer, die in den Werken der Baumeister leben sollen, gute und notwendige und manche weniger gute und auch unnötige. Dass sie auf diesem Weg auch die Form bedenklich mitbestimmt, ist eine Angelegenheit, die anzurühren nicht überall willkommen sein wird. Es wird immer verkannt, wie sehr der Architekt da dienen muss. Soll nun auch eine künstlerische Polizeibehörde tätig sein, etwa ein Kunstrat für die Altstadt? Ich bin sehr im Zweifel, ob da allzuviel Gutes herauskommt. Der Architekt, durch Bauherrn, Baupolizei und Kunstrat eingeschränkt, wird eine ziemlich jämmerliche Figur darstellen. Sollte man ihm trotz vieler Sünden der Eitelkeit und des Nichtvermögens nicht zunächst einmal Vertrauen schenken?

Nichts verpflichtet so sehr wie Vertrauen. Anstand und Takt, nicht Formrezepte und Zierrat sind die Gegenstände unserer akademischen Lehre gewesen. Vielleicht geht der Same doch noch auf: Wäre man enttäuscht über diese gefühlsmäßige Vertröstung: erwartete man handwerksmäßige, aus der Erfahrung gewachsene Vorschläge? Gerade diese muss ich vermeiden, wenn ich nicht nur Maßnahmen vorschlagen will, die morgen überlebt sind. Nicht eben Formendinge können helfen, sondern tiefere Besinnung auf das Sittliche, das in der Frage liegt. Der künstlerische Anstand allein kann fördern. Sollen wir aber nach der Polizei rufen gegen Rüpel und Ichlinge, gegen die Sucht der Geschäftsleute, aufzufallen, sich zu spreizen im Stadtbild des Geschäftes wegen, gegen die Schwäche oder Eitelkeit des Architekten und gegen die krampfigen Neumodischen unter ihnen? Was hilft erzwungener Anstand? Ist das nicht ein Gegensatz in sich? Ist es nicht besser, wohl mit offenem Auge Wache haltend über das überkommene Kunstgut, aber doch zunächst Vertrauen zu schenken dem redlichen Streben der ernsten Neuerer? Denn mit dem Bekenntnis will ich schließen: Diese neue Baukunst in ihrem gesunden Kern scheint mir ihrem Wesen nach der guten alten näher zu stehen als die ganze Geschichtskunst.

(Damit nicht doch verwechselt wird: die am Ende benannte „neue Baukunst“ ist die der Zwanziger Jahre oder allgemeiner des Anfangs des 20. Jahrhunderts.) aus: Theodor Fischer, Gegenwartsfragen künstlerischer Kultur, München, 1947