Das nennt sich „konsequente Immobilienarbeit“

Konsequente Immobilienarbeit (Doping-Benko*) – konsequente Unterordnung (Groko CSU/SPD) – konsequentes Hinwegsetzen über Geschichte, über Kultur und die fundierte Kritik aus der Bevölkerung

Das ist die Nachricht vom 21. Februar: die Stadtratsfraktionen von CSU und SPD schließen sich noch enger zusammen im Einsatz für SIGNA und bleiben im Stadtratsplenum bei ihrer Haltung. Das Niveau ist am Tiefpunkt angelangt. Die Argumente sind noch immer die selben mickrigen: Die eine Arkade (Kapellenstraße) brauche es nicht und sie sei ein Schandfleck, ebenso wie die breite Arkade, die halb so groß noch schöner werde, es gäbe das große Geschenk des geöffneten Schmuckhofes und man müsse SIGNA danken, wenn die Alte Akademie wieder vorzeigbar würde. Es macht schon an sich wütend, diese kleingeistige Argumentation, die von SIGNA vorgebetet wird, hier zu wiederholen. Und mehr ist es ja nicht. Es interessiert diese Stadträte nicht, was die Bayerische Akademie der Schönen Künste klar dagegen gesagt hat, nicht die Auflistung der Preisgabe öffentlichen Eigentums und Raums durch das Münchner Forum, nicht die Brandmarkung ihres pflichtvergessenen Verhaltens durch Karl Klühspies … (hier nachzulesen)

Die Mehrheit des Stadtrats ist ganz eng mit SIGNA (unter Ausschluss der Öffentlichkeit) und ganz weit weg von der Öffentlichkeit, mit der sie nicht mal diskutiert. Das ist so offensichtlich und so empörend in der dekretorischen Selbstherrlichkeit eines gewählten Rates, dass das einfach nicht gut gehen kann. Es muss sehr viel dahinterstehen, man möchte fast glauben, die Zukunft Münchens als „Standort“ hänge davon ab, dass SIGNA diese „paar Meter“ (wie es herablassend dargestellt wird) bekommt.

Es ist die ungehemmte Vernutzung des städtischen Lebensraumes, die hier beispielhaft durchgesetzt werden soll und die München an immer mehr Stellen droht, es ist die totale Durchökonomisierung unserer Stadt, die Oberherrschaft der nicht versiegenden Investorenmilliarden. Es ist die Politik der Privatisierung öffentlichen Gutes, die der nächste Ministerpräsident hier mit eigener Hand durchgeführt hat, die nicht scheitern darf. Es ist ein Paradeobjekt der Kommerzialisierung, dem nichts von seiner Wucht und Maßlosigkeit genommen werden darf. Nur ja nicht nachgeben, dem Zugriff des Kapitals darf kein Meter mehr abgeknappst werden. Damit hat auch OB Reiter kein Problem und nimmt lässig Schulz- und Nahlesformat an. Man muss sich wirklich fragen, wieviel Macht hat ein Benko schon in München, dass sich die SPD dafür auf die Rutschbahn nach unten wirft.

Das Thema Alte Akademie bekommen sie nicht weg, weil diese Arroganz und dieser keine Grenzen duldende Machtanspruch des Kapitals vielen Menschen nicht mehr vermittelbar ist. Es ist zuviel passiert in München, der Druck auf unsere Lebenswelt wird immer spürbarer und es macht immer weniger Freude, den Satz zu sagen: „München ist ja so schön“. Die Stadträume, das Grün, die Luft, die Natur im Land ringsum leidet, die Menschen leiden mit und beginnen es zu begreifen.

Und wenn es ein altes historisches Gebäude sein soll, ein Objekt, bei dem es „nur“ um Architektur, Schönheit, Erinnerung und derlei „zweitrangiges“ geht, um ein Gebäude, das man meint, gering schätzen zu können – dann kann es doch vielleicht so ein Gebäude sein, das das Fass mit zum Überlaufen bringt.


  * Benko ist just am selben Tag zu Gast bei einer hochkarätigen Immobilien-Veranstaltung des „Heuer Dialogs“ im Berliner Kempinski. SIGNA twittert sofort und gibt einen Vorgeschmack: „René Benko vergleicht konsequente Immobilienarbeit mit Spitzensport.“ Beitrag dazu folgt.

Aufzeichnung der Stadtratssitzung
Bericht in der Süddeutschen Zeitung


Den Stadträten der Linken, der ÖDP und den Grünen ist sehr für Ihren Einsatz zu danken, auch wenn bei diesem Termin die Front der Kaputtmacher gehalten hat. Auch Herrn Dr. Heubisch, der als Jury-Teilnehmer des damaligen Wettbewerbs nun genug hat von den endlosen Ansprüchen von SIGNA.

Herr Pretzl von der CSU gipfelte in der wilden Behauptung, Wiedemanns Werk in den Arkaden existiere heute nicht mehr. Sein „Kronzeuge“ ist ausgerechnet der Leiter der Denkmalpflege, Herr Pfeil. Soweit ist es schon gekommen.
Auch Herr Reissl von der SPD (damals Jury-Mitglied) meinte, im Erfinden von Ausreden noch eins draufsetzen zu müssen. Eine Übeltat als Rechtfertigung für die nächste: „… aber die Position des Planungsreferates, der Antrag von Frau Merk sieht das schon nicht mehr vor. Sondern da gibt es keine echte Arkade mehr im Kopfbau der Alten Akademie, sondern da gibt es halt auf beiden Seiten Eingänge, aber man geht da nicht mehr durch eine Arkade, eine offene Halle, sondern man geht eigentlich durch ein Geschäft durch und damit wird die Bedeutung der Arkade ohnehin reduziert.“  Selbiges hat der Architekturexperte Pretzl vor seinem Auge: „Der Eindruck einer Arkade, wo ich durchgehen kann, wo ich eine Sichtbeziehung habe, ist durch den vorgezogenen Kopfbau weg. Wenn ich vom Stachus komme, sehe ich eine Wand, wenn ich vom Marienplatz komme, sehe ich die Arkade überhaupt nicht mehr, erst wenn ich um die Kurve gegangen bin und wenn ich dann dezent nach rechts schaue, dann werde ich kaum wahrnehmen, ob die Tiefe geringfügig höher oder tiefer ist.“

Von diesen beiden Stadträten wurde ebenfalls wieder die Ruhmesgeschichte der Öffnung des Schmuckhofes strapaziert. Es muss Stadlhuber gelungen sein, ihnen das als große Idee und Gegengeschenk von SIGNA für die Arkaden ins Hirn zu pflanzen. Würden sie für die Stadt denken, wüssten sie noch, dass der Schmuckhof schon im November 2005 (!) im allerersten Stadtratsbeschluss vorkam: „Der sog. Schmuckhof könnte als offene Platzfläche publikumswirksam gestaltet werden und einen wichtigen Ruhepol neben der Betriebsamkeit der Fußgängerzone bilden.“

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