Von wegen fair – der Zweck heiligt die Mittel!

Kürzlich fand in München eine „Zukunftskonferenz“ statt. Aus Steuermitteln finanziert, nur nebenbei. Bei Zukunft denken wir daran, dass in der letzten Vergangenheit massive Fehler gemacht wurden und in der Gegenwart weiter gemacht werden, weshalb es ein komplettes und sofortiges Umdenken und bewusstes Handeln braucht, damit es eine lebenswerte Zukunft geben kann – es geht um alles. Die Konferenz wurde aufgezeichnet und man kann sich da durchhören. In dem endlosen Blabla aus immer denselben Sprechbausteinen wiederholte sich ständig „Wir brauchen etwas Neues, etwas Innovatives, etwas Kreatives, was Anderes…“

Wie es so ist, bleibt man manchmal doch an einem Satz hängen. Das war gegen Ende bei dem folgenden: 
„Ich hab auch nix gegen die billigeren Klamottenläden, muss ich auch sagen, finde ich ganz, ganz wichtig …“* Gesprochen hat ihn Elisabeth Merk, die Münchner Stadtbaurätin (die selber keine billigen Klamotten kaufen würde und sich so einen kleinen Aha!-Effekt verschaffte).

Es gibt aber bekanntlich viele Einwände gegen solche Läden: 

Die billigen Klamotten halten nicht besonders lange und sollen es wohl auch nicht. Sie werden auf der anderen Seite der Erdkugel in riesigen Mengen produziert und in großen Pötten, die viel Dreck machen, in die reichen Länder geholt. Sie werden im Schweiße des Angesichts von schlecht bezahlten, schlecht behandelten Arbeiterinnen in Fabrikhöllen gewebt, gefärbt, genäht… Diesen Menschen wird das Leben und die Gesundheit gestohlen. Wenn sie in den Herkunftsländern ihre gräßlichen Spuren an Natur und Menschen hinterlassen haben, dienen diese Klamotten hierzulande nicht dazu, den Leuten mit wenig Geld zu dauerhafter, angenehmer, gesunder Kleidung zu verhelfen. Dazu sind sie nicht gemacht worden, das würde so nicht funktionieren und so ist es nicht gewollt. 

Aber warum dann ganz, ganz wichtig? Weil diese „Zukunfts“konferenz nur um ein Thema ging, um den Marktplatz Innenstadt. Dann geht es nicht mehr um die Ware selbst, ihren Gebrauchswert und die wahren Kosten, wir sind dann bei den Erfordernissen einer Profitmaschine, wo allein zählen: die Mieten und Wertsteigerungen der Immobilien, der Umsatz und Profit der Händler und dann noch der geschäftsförderliche Spaß der Leute, die man in Massen in die Innenstadt holen muss, damit es kein Minus gibt und kein Kollabieren dieses Mikro-Systems. Das hängt eng zusammen und ist durch Sinnfragen akut gefährdet. Da muss man bereit sein, alles bessere Wissen zu vergessen, Augen zu und durch.

Die Abwägung zwischen purem Kapitalismus und Ökologie/Nachhaltigkeit verträgt keine Skrupel, alles geht, sorry.

Was man das Zynische dabei nennen kann: Es geht nicht nur darum, Autofahrer, Senioren, Touristen, reiche Ladies an die Kassen der Innenstadt zu bringen. Die Kapitalisten wollen die Jugend haben um sie zu Konsumenten zu formen, um sie mit Tand (kleiner Geldbeutel…) zu locken, damit sie ja nicht ihre eigene Kreativität entdecken, selber das Neue und das Andere für sich finden. Damit sie lernen, immer wieder ins Kaufhaus zu rennen für spannende Such- und Kaufmomente und damit sie sich ins System einpassen, um genug Geld zu verdienen, das ihnen so durch die Finger rinnt. Eine Art Suchttraining.

Die Konferenz vom 29. März kann auf der Webseite der Stadt München nachverfolgen, wer denn will.
Ein Suchttreffen? Gesättigte Funktionsträger, die nur daran denken, dass ihre Geldsachen laufen, hemdsärmelige Range Rover-Typen darunter, die Freiheit statt Bürokratie fordern und danach rufen, dass man ihnen „Neues“ liefere. Neues von der Art, das sie beherrschen, instrumentalisieren und ausbeuten können um die Kauflust zu steigern und einen Schein von Kultur auszunebeln, hinter dem sie die Innenstadt Münchens zur Kommerzzone optimieren. Ihr Wachstum heißt weiter zu okkupieren, heißt, alles was noch „normal“ ist, wird ökonomisiert. Das ist keine wünschenswerte Zukunft. Und wenn sie nicht wachsen können, dann haben sie Krise, die sie auf uns andere abwälzen wollen – auch keine wünschenswerte Zukunft. So oder so – Nein danke! Neue Ideen haben die Kommerzleute nicht, sie müssen danach klauen gehen! Bewusstsein für Gemeinwohl und Bewahren der Lebensgrundlagen haben sie schon garnicht. Ramsch ist notfalls halt auch eine gute Idee – danke für den Input.
Ihr Vergangenheitskonzept wird scheitern, weil sie Zukunft nicht können. Zukunft zeichnet sich aus durch Spaß haben ohne Verschwendung, ohne Gaffen und Grapschen, durch Wertschätzung der Natur, einfache Vergnügungen, Selbsttun und Gleichheit unter den Menschen.

Nur wenn es umgekehrt läuft, kommen wir aus der Krisenzange: Denen, die hier beispielhaft die Profitökonomie verkörpern, welche die Ökologie ignoriert, müssen sich die entgegenstellen, die für Ökologie und Nachhaltigkeit stehen und klarmachen, dass um der Zukunft willen die Profitökonomie ignoriert werden muss.

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* Der verschwurbelte Satz endet: „… des muss offen sein, des muss eine Mischung sein.“

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