Nach der Devise: ordentlich Beton rein, wir haben es ja …

Für den Elbtower, den René Benko und Olaf Scholz der Hansestadt Hamburg aufs Auge gedrückt haben, wurde am 4. Advent (der Christen an die Ankunft des Erlösers erinnert) geklotzt: 11.000 Kubikmeter Beton wurden stolz zur Bodenplatte vergossen*. Mit den noch mehr Kubikmetern für die Stützpfähle darunter und der Bodenplatte für den restlichen Sockel, multipliziert mit dem Gewichtsfaktor 2,5 kommen leicht 100.000 t Beton zusammen – noch bevor eine Wand hochgezogen ist. Da hat sich nicht viel getan, Wolkenkratzer sind Technologie des 20. Jahrhunderts. (Insgesamt verbraucht der Elbtower 118.000 Kubikmeter Beton und 27.000t Baustahl) Für den Wohnturm ONE in Frankfurt wurden 2019 8.000 Kubikmeter und für die Bodenplatte des „Uptown“ in Moosach 2001 7.200 Kubikmeter versenkt. Diese Menge ist für die zwei geplanten Türme, die Herr Büschl der Stadt München „schenken“ will, doppelt zu veranschlagen. 

Große Leistung, die die Bauarbeiter da vollbringen; auch nicht teuer, Beton ist billig, denn die wahren Kosten werden nicht eingepreist: die riesigen Mengen an Kohlendioxid, die dabei in die Atmosphäre gehen, heizen die Klimakatastrophe an. Hier ist nicht der Raum, um diesen Zusammenhang darzustellen, denn die Möglichkeit das nachzulesen gibt es vielfach, es ist allgemein bekannt. Man kann mit Jahreszahlen jonglieren, bis wann das und das passieren muss… Eindringlicher zeigt es das verbleibende Budget an CO2: Nicht später, jetzt kommt es darauf an, jede vermeidbare CO2-Emission zu unterlassen – das misst sich in Tonne für Tonne. Die Verwendung von Beton muss gesamtgesellschaftlich geplant und rationiert werden, z.B. für die unabdingbaren Verwendungen in der Infrastruktur.  

Die Herren und Firmen, die da ihr Ding machen wissen es und die regierende Politik weiss es. Die breite Bevölkerung, die gewisse Möglichkeiten hat, durch bewusstes Verhalten CO2 zu sparen, weiss es auch, hat aber auf dieser Ebene keinerlei Macht. Wir gehen sehenden Auges in die Klimakatastrophe, aber nicht alle gleich. Weil eben im Baubereich nicht reagiert wird, weil die Fahrzeugindustrie nur den Antrieb ändert und die Massenproduktion verbrauchsintensiver Vehikel fortsetzt, weil das Verheizen von Kohle und Gas kaum begrenzt weitergeht, weil der Flugverkehr boomt und die Dreckschleuder der Höllenmaschine Militär aufgerüstet wird. Wir leben in einem Zustand tollwütiger Aggression gegenüber der Natur und unseren Lebensgrundlagen. Das muss sich ändern denn noch sieht die Wissenschaft bei einem radikalen Aufbruch die Chance, dass die Menschheit in Einklang mit der Erde leben könnte.

Wir haben das Wissen und der Wille fehlt. Die industrielle Zivilisation (Unterordnung der Natur, Profitorientierung, Technikglaube, grenzenloses Wachstum) steht vor dem Scheitern und Milliarden Menschen auf der ganzen Welt, die dafür nichts können und alle nachkommenden Generationen werden die Folgen zu tragen haben. 

Es ist sicher so (soweit man für andere sprechen kann), dass wohl jede/r Momente hat, in denen das deutlich und erschreckend vor die Augen tritt und dann wird man wieder vom Alltag eingeholt, will doch wieder den Beschwichtigern glauben und den Posaunen von Recht und Unterordnung und Erhalt eines so nicht zu erhaltenden Wohlstands auf der Grundlage von Raubbau. Aber stellen sie sich vor: Sie können nicht mehr verdrängen! Das was Sie zuerst nur wissen wird zu einer tiefen sinnlichen Empfindung der Bedrohung und der verantwortungslosen Unvernunft, die sich in Strukturen festgefressen hat. Es beißt sich unerträglich mit Gehorsamsvorstellungen und dem Vertrauen auf kosmetische Maßnahmen, die vor der Aufgabe komplett versagen. Dann kann man die Letzte Generation verstehen. Man muss da nicht mit kleben, vielleicht entstehen aber noch viele andere Ideen und Handlungsbeiträge, um die großen Betonierer, Boden- und Luftvergifter zu bremsen, das versteinerte technokratische Zukunftsbild durch ein freundlicheres zu ersetzen und das Leben auf diesem Planeten zu schützen.

Zurück zum Beton. So wie die GRÜNEN in Hamburg hinter dem Elbtower steht Katrin Habenschaden als Zweite Bürgermeisterin von München mit ihrer Partei begeistert hinter den geplanten Doppeltürmen von Büschl an der Paketposthalle. Sie meint zu wissen, dass es nachhaltige Wolkenkratzer gäbe und gibt ihr Wort: „Der sparsame Verbrauch von Ressourcen wird bei Bauprojekten immer wichtiger, denn die CO2-Emissionen im Bausektor sind riesig. Darauf werden wir im weiteren Prozess achten.“ Aber wie, wenn man nicht sehen kann?

* SIGNA behauptet, dass für diesen „Ökotower“ in der Bodenplatte Recycling-Beton verwendet würde. D.h. Sand und Kies werden teilweise durch zerkleinerten Alt-Beton ersetzt. Wenn es stimmt, was die das Schüttgut liefernde Firma Ernst Krebs auf ihrer Webseite schreibt, dann dürfte auch das eine Lüge sein: „12.000 Tonnen Sand 0/2 und 2.500 Tonnen Kies 16/32 sind innerhalb von 14 Tagen in Hamburg zwischengelagert, am Wochenende (17./ 18: Dezember 2022) mit 5 Sattelzügen in die Werke verteilt worden. Somit sind insgesamt 11.500 m³ Beton zur Schüttung der Bodenplatte des Elbtowers mit unserer Hilfe produziert worden.“

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