Der bekennende SIGNA-Lobbyist des Monats: Ole v. Beust


Der ehemalige Hamburger Bürgermeister (2001-2010), hier mit seinem ersten Regierungspartner Ronald Schill (später gaben sich die Grünen dafür her)

Vor kurzem (Zeitungsbericht vom 29.8.) hat sich Ole v. Beust – auf Anfrage – als SIGNA-Lobbyist geoutet: „Ich habe bereits im April einen Beratervertrag für die Signa Prime Selection AG angenommen. Es geht dabei vor allem um den Elbtower. Ich stelle zum Beispiel Kontakte zur Politik und Verwaltung her.“ Privatmann Beust hat „Kontakte zur Verwaltung“ anzubieten, wie kommt er dazu! Ein Fall für den Staatsanwalt, oder ist das die gängige, tolerierte Praxis in der Immoblien-Premium-Profit-Welt, die den Staat für sich einspannt?

Nun steht er also mit seiner Beratungsgesellschaft in Benkos Diensten. Das dürfte gut passen. Wir erinnern uns an eine Szene: da war im November 2017 Ole v. Beust bei Markus Lanz in der Talkrunde zu Gast. Er wurde am Beispiel der Lobbyarbeit von Alfred Gusenbauer für den Diktator von Kasachstan gefragt, wie er es denn so halte. Ole: „Geld verdienen ist schon in Ordnung“. (Sendung auf youtube, ab 29. Min.) Wusste Lanz es nicht? Ole v. Beust war jahrelang Lobbyist für den Türkei-Diktator Erdogan und würde es wieder tun (WirtschaftsWoche). Jetzt verdient er mit Gusenbauer zusammen im Lobby-Team Benkos und kann Erfahrungen austauschen.

Seitenwechsel: seit 2016 dient Ole v. Beust (nachdem er vorher für die staatliche Lottogesellschaft tätig war) dem kanadischen Glücksspielkonzern The Stars Group, der in Deutschland illegale Glücksspiele anbietet und Lizenzen (Freiheit!) bekommen will. (NDR) Förderung von Online-Glücksspielen, Förderung von Spielsucht sind menschlich gesehen eine Riesen-Sauerei!

Seine Negativ-Leistungen für Hamburg bilden ein langes Kapitel. Krankenhaus-Privatisierung, Milliarden Schulden der HSH Bank, Verschleuderung städtischer Immobilien… Dazu kann man hier einiges lesen: Vieles deutet darauf hin, dass Ole von Beust einer der schlechtesten Bürgermeister war, den die Stadt je hatte. Der teuerste ist er auf jeden Fall.“ (Hamburger Morgenpost)

Der Elbtower – noch nicht in „trockenen Tüchern“. In einem Bauherren-Auswahlverfahren der Stadt Hamburg hatte SIGNA zu Beginn des Jahres mit dem Architekturbüro Chipperfield den Jury-Entscheid für das Gelände zwischen den Elbbrücken gewonnen. Der endgültige Beschluss der Hamburgischen Bürgerschaft steht noch aus. Dieses 233m Bürohochhaus (ein typischer „Chipperfield“ in der hochgezogenen Variante) ist nicht unumstritten, darum muss es schnell gehen. Ihre Tricks sind oft diesselben: Die Hamburger Bevölkerung wird von der wesentlichen Frage, ob es diese „Landmark“ wirklich braucht, an der Nase herum geführt mit dem Scheinthema Öffentliche Aussichtsplattform Ja oder Nein? Natürlich wird SIGNA den Bürgern Hamburgs diese Freude machen … eine Parallele zur Öffnung des Schmuckhofs der Alten Akademie.

Da kommt man ins Sinnieren… welcher abgehalfterte Politiker macht dann wohl den SIGNA-Lobbyisten in München? Obwohl, Rechtsberater bei der Alten Akademie ist ja schon der Landtagsabgeordnete Alfred Sauter, der sich nichts dabei denkt, hier auszuhelfen. Er macht das ja öfters. Und zur CSU gibt es diverse gute Connections und auch die Tür des Stadtrats Reissl ist immer offen.


Stadtplaner warnt vor Elbtower: die Leute werden verrückt


Folgendem Hinweis auf den bei der Vorvergabe an SIGNA amtierenden Hamburger Ersten Bürgermeister Olaf Scholz werden wir noch nachspüren: „Olaf Scholz rühmt sich enger und guter Beziehungen zu Alfred Gusenbauer, so unter anderem in seinem Buch „Olaf Scholz Hoffnungsland – Eine neue deutsche Wirklichkeit“.“ Darauf bezieht sich mit einem gewissen Verdacht der Hamburger CDU-Abgeordnete Jörg Hamann in einer Kleinen Schriftlichen Anfrage.

 

 

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SIGNA proudly presents: auf Fahrt zu sprudelnden Geldquellen

Die Ölpreise steigen und die Oberschicht in den arabischen Ölländern ist wieder flüssig. Sie könnte damit das Los der geknechteten Arbeiter verbessern, vernünftigen wirtschaftlichen Aufbau in ihren Ländern finanzieren und auf der ganzen Welt Gutes tun. Sie haben das Öl nicht gemacht, sie fördern es nicht, es liegt einfach unter dem Boden, auf dem sie herrschen. So könnte man denken… René Benko und Stadlhuber denken eher daran, einige Milliarden in ihre Projekte umzuleiten, um in Österreich und Deutschland den Immobilienwahnsinn anzutreiben und weiter zu kaufen, zu kaufen zu kaufen … das eigene Imperium auszubauen (und wahrscheinlich neben der Alten Akademie noch weitere Denkmäler wirtschaftlich zu vernutzen). Die Politik ist firstclass behilflich – anstatt die bedrohten Städte, ihre „boden-losen“ Einwohner, ihre angegriffenen Gestaltungsmöglichkeiten vor Aufkäufern und Spekulanten wie SIGNA zu schützen.


Dieses Bild stammt von SIGNA twitter und – wir haben keine Anfrage auf Verwendung des Bildes gestellt. Sollte SIGNA mit der bildlichen Weiterverbreitung ihres Fischzugs nicht einverstanden sein, werden wir das Foto selbstverständlich sofort entfernen.

Ein Rechtsbeistand und noch etwas mehr

Alfred Sauter ist Landtagsabgeordneter für Günzburg, Mitglied des CSU-Parteivorstands und Anwalt. Als Letzterer macht sich Sauter seit 2013 als Rechtsbeistand im Projekt Alte Akademie für SIGNA nützlich. Das heißt: immer dabei. Zuletzt gesehen vergangene Woche im Außeneinsatz mit der SIGNA-Crew bei der Stadtgestaltungskommission (nach der Panne mit dem Urheberrecht ist Sauter also noch im Boot).
In einer speziellen Sache haben wir auf neue Zahlen gewartet und gerade sind diese aktualisiert worden:

Beim (Neben)einkommen absolut an der Spitze!

Abgeordneter Sauter steht nunmehr fünf Jahre in Folge auf Stufe zehn der Nebeneinkünfte – 2013, 2014, 2015, 2016, 2017! (2018 ist auch schon eingetragen.) Seit 2013 werden die Nebeneinkünfte der Abgeordneten summarisch öffentlich gemacht – auf teil-transparente Weise: keine Auskunft über die Kunden, Skala von 0 bis 10, Stufe 10 sagt: mehr als 250.000 Euro Einnahmen bis unendlich. Darüber gibt es keine Stufe mehr, die an der Spitze sind so vor des Volkes Neugier etwas geschützt.

Was macht Alfred Sauter so wertvoll?  Wie muss man sich das genau vorstellen?  Keine Ahnung, wir sind nie dabei. Sicher ist heute alles hochjuristisch, weil man sich in diesen Regionen nicht über den Weg traut … aber die verfuchste Materie beherrschen auch andere. Ein Zeitungsbericht von 2013 gibt etwas Aufschluss:
Ein bisschen Horst für 330 Euro. Daraus Auszüge:

Der Abgeordnete Alfred Sauter ist im Nebenjob ein erfolgreicher Anwalt. Oder umgekehrt. Er berät auch Mandanten, die von der Politik was wollen, und nutzt seine Kontakte im Staat. Legal, sagt das Gesetz. Unsauber, sagen die Grünen. (…)

Nun aber droht Ärger. Die Grünen nehmen die Kanzlei ins Visier. Was legal ist, der Nebenjob eines Abgeordneten, habe in dieser Ausprägung ein Geschmäckle. Aus Briefen Sauters, die den Grünen zugespielt wurden, gehe hervor, dass er sich die Kontaktaufnahme zur Politik bezahlen lasse: 330 Euro pro Stunde, plus Spesen. Die Zahl stammt aus einem Briefwechsel mit dem Uni-Klinikum München von 2009: Die Kanzlei half der Klinikspitze beim Konzept für den Innenstadt-Campus. Für 65 Millionen Euro soll eine Portalklinik entstehen. Sauter war eingeschaltet, redete mit der Stadt, mit Landespolitikern: „330 Euro pro Stunde, soweit der Unterzeichner tätig wird“, abgerechnet „in Einheiten von jeweils 15 Minuten“. Die Aufgabe der Kanzlei sehe er darin, „Gesprächskontakte herzustellen“. Nötig sei das mit Ministern, den Ausschussvorsitzenden und „ggf. auch Ministerpräsident Seehofer“. (…)

Sauter sagt, seine Münchner Kanzlei begleite für Firmen oft rechtlich die großen Bauvorhaben in der Stadt. Von Seiten des Freistaats habe er in den vergangenen Jahren aber nur zwei Aufträge erhalten, beide Honorare „im niedrigsten fünfstelligen Bereich“. Angewiesen sei er darauf nicht. Auch seien es stets Themen gewesen, die im Parlament nicht in seiner Entscheidungsgewalt lägen. 330 Euro Stundensatz seien eine angemessene Größenordnung für „sehr gute Arbeit“. Sein Mandat leide darunter im Übrigen nicht – „weil ich sehr gut organisiert bin und mein Leben lang mehr gearbeitet habe als andere“.

Und vor einem halben Jahr wurde Sauter in einem Artikel über Seehofers Machtsystem folgendermaßen vorgestellt:

Nach 28 Jahren soll dann auch nicht Schluss sein. Sauter kandidiert 2018 wieder für den Landtag.

1990 wäre Chipperfields Verschönerungsaktion sofort zerlegt worden

Am 12. Februar 1990 druckte die Süddeutsche Zeitung eine ganze Seite zur Zukunft des Hauses der Kunst. Mit Beiträgen von Gottfried Knapp, Christoph Hackelsberger, Alf Lechner und Josef Wiedemann. Wenn Sie auf das Bild klicken, wird die Seite lesbar. Christoph Hackelsberger konnte sich nur vorstellen, in der Ex-Ehrenhalle entsprechende Werke aus der Nazizeit zur Abschreckung auszustellen, Alf Lechner war dafür, den Bau als „Fossil“ stehen zu lassen, Gottfried Knapp berichtete, dass die Architekten vom Haus der Kunst die Nase voll haben: „… geschockt vom Lehrbeispiel Hofgarten, wo auch ein Architektur-Relikt umhäkelt werden musste, warnen sie vor jeder architektonischen Annäherung an den Bau.“ Wir nehmen den Beitrag Josef Wiedemanns heraus:

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Dazu im Kontrast ist folgender Artikel der SZ vom 3. Januar 2014 des Nachlesens wert: Laura Weißmüller interviewt David Chipperfield und Okwui Enwezor Ich schätze die Klarheit dieser Räume“.

Vorher noch zum Zusammenhang: Unter Minister Heubisch wurde im September 2013 nach einem Wettbewerbsverfahren an der Öffentlichkeit vorbei David Chipperfield mit der Planung der Sanierung beauftragt. Bald darauf dieses erstaunliche Interview. Vor zwei Monaten im September 2016 stellte Chipperfield seine Vorstellungen auf einer Veranstaltung identisch wieder vor. Die Zeit hat nichts gebracht, Unterschied ist allein, dass Chipperfield 2016 einige Computerdarstellungen mitbringt. Der Masterplan soll fertig sein, er wird aber noch zurückgehalten.
Direktor des Hauses der Kunst damals wie in den nächsten fünf Jahren ist Okwui Enwezor. Herr Heubisch wechselte vom Ministeramt in den Vorsitz der Freunde des Hauses der Kunst und zuständiger Minister ist jetzt Ludwig Spaenle. (Nebenbei: als FDP-Stadtrat in der Jury beim Architektenwettbewerb über die Alte Akademie traf Herr Heubisch wieder auf Herrn Chipperfield und stimmte in seinem Sinne.)

Das Interview ist (nicht sinnentstellend) gekürzt. Um es ganz zu lesen, kann man den Artikel kostenfrei über das SZ-Online-Archiv selber laden.

SZ: Wie würden Sie die Architektur des Hauses der Kunst beschreiben?
ChipperfieldEs ist ein starkes Gebäude seiner Zeit. Ich schätze die Klarheit seiner Räume.
SZ: Mögen Sie es?
ChipperfieldJa. Es hat einen unglaublichen Charakter. Der Charakter wurde immer mit der Geschichte des Hauses durcheinandergebracht. Die Organisation der Räume ist extrem klar und die Räume selbst überzeugen sehr. Für Kunstausstellungen sind sie großartig. Das ist auch der Grund, warum es sie heute überhaupt noch gibt. (…)
SZ: Nach all dem, was sich im Haus der Kunst unter den Nationalsozialisten abgespielt hat?
ChipperfieldEs gibt einen Spruch: Egal was vorher war, es sind immer noch Steine und Holz.
SZ: Also kann ein Gebäude niemals schuldig sein.
ChipperfieldEs trägt Erinnerungen und Geschichte in sich. Das ist ja das Interessante an Architektur. Wir projizieren etwas auf ein Gebäude. Aber wir müssen die Gebäude auch unabhängig davon sehen.
SZ: Als das Haus der Kunst gebaut wurde, spielte es eine große Rolle in der NS-Propaganda. Wie wichtig ist es, das den Besuchern von heute klarzumachen?
ChipperfieldIch glaube, man muss das den Besuchern nicht klarmachen. Man darf es nur nicht verstecken. Dieses Gebäude hat eine Geschichte. Das ist Teil seiner Faszination, und man sollte sie erzählen. Wir machen gerade den Schritt von Erinnerung hin zu Geschichte. Das ist ein Prozess. Wenn wir zum Kolosseum gehen, denken wir auch nicht daran, was dort passiert ist. (…)
SZ: Wo wird das die Sanierung sichtbar machen?   
ChipperfieldInteressanterweise sind die Ausstellungsräume ja die unschuldigsten. Problematisch sind die Außenfassade und die Eingangshalle. Das sind die Orte, wo die Architektur am lautesten spricht. Sobald man in die Ausstellungsräume geht, sind das ziemlich klassisch orientierte Museumsräume. (…)
SZ: Was werden Sie daran verändern?
ChipperfieldWir nehmen alle Säulen weg ( lacht ). Der wichtigste Punkt wird sein, dass das Gebäude in den letzten 60 Jahren eine gestörte Verbindung zur Stadt hatte. In gewisser Weise gab es den Versuch, das Haus der Kunst zu verstecken. Man veranstaltete eine Camouflage fast wie im Krieg, in dem man das Haus ja auch versteckte, damit es nicht zerstört werden konnte. Die wichtigen Fragen zielen nun alle darauf, ob die Camouflage heute noch notwendig ist und ob das Gebäude nicht wieder eine Rolle in der Stadt spielen darf. (…)
Die Räume selbst sind tatsächlich so gut, wie man sie nur bekommen kann, aber die Fassade, die Erinnerung des Gebäudes und der Haupteingang tragen eine andere Sprache.
SZ: München wird also nach der Sanierung ein sehr schönes Museum zurückbekommen?
ChipperfieldAbsolut.

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Der Fehler im Herangehen von Herrn Chipperfield ist sicher für alle Leser auffallend: Seine Bewunderung für die Ausstellungsräume überwältigt ihn (hierbei möge ihm folgen, wer das will) – doch in der Tat: „problematisch sind die Außenfassade und die Eingangshalle“ (Eingangshalle = ehemalige „Ehrenhalle“). Für das „Problem“ hat er zweieinhalb Jahre später dieselbe Nicht-Lösung mitgebracht: die Wieder-in-Pracht-Setzung eines Mahnmals des Größenwahns. Das Ergebnis soll dann ein „sehr schönes Museum“ werden, aber selbst mit Goldfarbe ginge das Problem nicht weg. Wenn man es zu ignorieren versucht, wird alles nur noch schlimmer. Mit seinem Simpl-Spruch „egal was vorher war, es sind immer noch Steine und Holz“ hat Herr Chipperfield die Herausforderung, die gerade dieser Bau darstellt, einfach nicht erfasst: Ein Stein ist wohl nur ein Stein, aber viele Steine zusammen sprechen!

Gebäude reden – und dies über Themen, die wir ohne weiteres verstehen können. Sie reden von Demokratie und Aristokratie, Offenheit und Arroganz, von Bedrohung und freundlichem Willkommen, von Sympathie für die Zukunft oder Sehnsucht nach dem Vergangenen.
Alain de Botton, Glück und Architektur

Vor allem: Wie kann es sein, dass ein kleiner Kreis in der Millionenstadt München daran basteln kann, sich den Traum von einem für sie schönen Liebhabermuseum zu erfüllen, noch dazu mit Steuergeldern? Es wurde ein reiner Architekturwettbewerb ohne Beteiligung oder Information der Bevölkerung veranstaltet, als wäre hier ein x-beliebiges Gebäude zu verwalten. Ohne dass man sich in Erinnerung ruft, was Leute mit Ahnung, persönlichen Erfahrungen und Engagement zu diesem leidigen Bau über die Jahrzehnte eingebracht haben! Man wartet einfach so lange, könnte man sagen, bis das Thema und der Widerspruch verschwunden sind. Soll es etwa aus dem Augenblick heraus von Menschen gelöst werden, die der Meinung sind, dass die alten Geschichten schon lange zurückliegen? Es ist eine Auseinandersetzung, die in der Stadt München geführt werden muss und die keinem Einzelnen, und wäre es wirklich der beste Architekt, übertragen werden kann! Hier geht es zuerst nicht um Architektur und Sanieren, sondern darum, wie die Stadtgesellschaft Münchens ihre Stadt und ihre Bauten sehen und bewerten will, welchen Sinn oder Unsinn wir vor Augen haben wollen – oder gibt es in München nur noch atomisierte Lebewesen, die sich um alles mögliche kümmern, nur nicht um das Gemeinsame?
Und das ist hier ganz dasselbe wie bei der Alten Akademie.


Nachtrag: Von 1990 bis Mai 1994 war das Haus der Kunst viereinhalb Jahre geschlossen. Nach Jahrzehnten als „Gebrauchshaus“ und entsprechend seiner geringen Wertschätzung in der Öffentlichkeit wurde dem Haus nur eine bestandserhaltende Renovierung zugebilligt. Zeitquelle


Nachtrag: Am 11. Dezember knüpft die SZ wieder an 1990 an:
„Als das Haus der Kunst in den späten Achtzigerjahren saniert werden musste, flammte die Diskussion wieder auf. Die Süddeutsche Zeitung führte eine leidenschaftliche Debatte: Die Meinungen reichten vom Abriss über einen Anbau bis zum Erhalt. Schließlich waren es die Direktoren des Hauses, die einen kritischen Rückbau im Inneren betrieben, die NS-Geschichte erforschen ließen und Künstler baten, die Fassade zu verwandeln. Jetzt muss wieder saniert werden.
Nun wünschen sich der aktuelle Direktor Okwui Enwezor, Kultusminister Ludwig Spaenle und der Architekt David Chipperfield einen radikalen Rückbau in den Urzustand mit wenigen Abweichungen (…).  Aber was wollen die Münchner? Die Debatte ist eröffnet.“

Das SIGNA-Netzwerk in München, Teil I

signabeiratbayern
Roland Berger (81), SIGNA-Beirat und Teilhaber seit November 2013:

–  Vorsitzender im Beirat der Deutsche Oppenheim Family Office AG, Grasbrunn, Frankfurt, Köln (im Eigentum der Deutschen Bank. Entstanden als Zusammenschluss der Oppenheim Vermögenstreuhand und der Wilhelm von Finck Deutsche Family Office, vormals Wilhelm von Finck AG. Insgesamt 10 Mrd. betreutes Vermögen)
–  war oder ist noch im Beirat der Deutschen Bank und im International Advisory Board der Blackstone Group als Chairman Germany (Hochfinanz, Anlagefonds)
–  war mindestens bis vor kurzem auch im Beirat und Teilhaber der Investmentfirma Sapinda des anderen Wunderkinds und  wiederaufgestiegenen Hasardeurs Lars Windhorst (39)
–  war Mitglied im Verwaltungsrat des Wittelsbacher Ausgleichsfonds (Immobilienbesitz)
–  Mitglied im Präsidium des Wirtschaftsbeirates Bayern (CSU-Unternehmerverband)
–  Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (Neoliberale Propaganda) und vieles andere mehr

Günter Koller, Jurist, SIGNA-Beirat seit Juni 2015:

–  Geschäftsführer der Wilhelm von Finck Hauptverwaltung GmbH, Grasbrunn (Großgrundbesitz, Industrie, Immobilien, u.a. Franziskaner Block an der Residenzstraße, Löwenbräukeller)
–  Stellvertretender Vorsitzender im Aufsichtsrat der Quantum Immobilien AG (u.a. Verwaltung der Hofstatt, Sendlinger Straße)
–  Mitglied im Aufsichtsrat der Hammer AG (u.a. Erbbaurecht an der städtischen Schrannenhalle seit 2009, ab 2015 an SIGNA/Eataly vermietet) ––> Herr Hans Hammer, Vorstand der Hammer AG, ist Vizepräsident des Wirtschaftsbeirates Bayern (CSU-Unternehmerverband) und Schatzmeister der CSU München
–  Mitglied im Aufsichtsrat der GIEAG Immobilien AG

Alfred Sauter, Anwalt und Politiker:

– Ex-Minister, MdL, Vorsitzender der Finanzkommission der CSU und Mitglied im CSU-Präsidium

Beim SIGNA-Architektenwettbewerb zur Alten Akademie saß Sauter als Rechtsberater am Tisch von René Benko. Wir nehmen an (solange das nicht verneint wird), dass Sauter bereits beim Kauf vom Finanzministerium die Verträge für SIGNA ausgearbeitet hat – als Mitglied des Landtags, gewählt von den braven Bürgern Günzburgs.
Hauptsächlich ist Sauter dagegen als Anwalt und Berater unterwegs: „Sauters Kanzlei berät in heiklen, auch politischen Fragen – auf Rechnung. Oft geht es um Immobilien, immer um Regeln des Staates. Es könnte ein träges Geschäft sein, eines mit marktfernen Bürokraten und beamteten Bedenkenträgern. Wo aber der 62-jährige Schwabe seine Finger drinhabe, heißt es in Fachkreisen, klappten auch schwierige Ideen gut und geräuschlos.“  Münchner Merkur, 27.6.2013
„Seine Münchner Kanzlei befasst sich viel mit staatlichen Immobilien, da hilft der Ruf, die Mächtigsten zu beraten.“  Münchner Merkur, 17.12.2012.

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Von Alfred Sauter kommen wir zu Anwalt Stavros Kostantinidis (Kanzlei Gollop Rechtsanwälte). Am 3. August 2016 feierte Kostantinidis im Cavos seinen Fünfzigsten mit vielen Gästen, darunter dem halben bayerischen Kabinett und was sonst noch Rang und Namen hat. Die SZ schreibt über die kurze Dankesrede an seine „Weggefährten“:
seehofer-benko“ … und bei Alfred Sauter. Das ist jener schwäbische Anwalt, der einst Justizminister war, aber immer noch Landtagsabgeordneter und Seehofer-Einflüsterer ist, und der, wenn ihn jemand nach seiner realen Arbeitsverteilung fragt, gerne mit der Bemerkung kontert, dass er als Anwalt so viele Steuern zahle, dass er seine Diäten als Abgeordneter locker selber finanziere. Sauter also sei einer jener Freunde, bei denen er das Handwerk eines Netzwerkers gelernt habe, so Kostantinidis. Ohne ihn wäre sein Leben anders verlaufen, wäre er Tavernen-Wirt geworden, nicht Netzwerker. Nicht auszudenken an diesem Abend.“
Und so kommen die Menschen zusammen, nach der Arbeit …

Man kann es etwa so zusammenfassen:

Roland Berger als Kapitalguru mit enger Fühlung zur Geldsociety;  Günter Koller als Immobilieninsider, der mitbekommt, wo was geht;  Alfred Sauter als Türöffner bei Politikern und staatlichen Immobilien.

Gibt es dagegen was zu sagen? Ja, es ist nicht transparent und nicht demokratisch! Die arbeitende Bevölkerung, die die Leistung bringt, wird von den Entscheidungen ausgeschlossen und bekommt stattdessen dämliches Theater vorgespielt. Eine kleine Gruppe von Reichen und Superreichen ist die Machtelite, erweitert um Funktionseliten und Politik – immer offensichtlicher (daher auch der Unmut, oft in die falsche Richtung) und wissenschaftlich ist es vielfach gut beschrieben.
Im Fall SIGNA kommt hinzu: Damit die Erde bewohnbar und Frieden möglich bleibt, müssen insbesondere wir in Europa, Deutschland, München … raus aus der Expansion und zu einer einfacheren, schonenderen Lebensweise finden, nicht am „Haben“ orientiert. Das Geschäftskonzept von SIGNA dagegen ist simpel wie brutal: Konsum, Luxus, Verschwendung. Ihr verrückter, überholter Lebensstil soll uns eingetrichtert und aufgezwungen werden (und die Armen sollen für die oberen Zehntausend billig arbeiten und bluten). Eine Konterrevolution gegen die Vernunft – eben dazu bedient sich SIGNA geschickt und dreist des Geflechts der Macht.

Nehmt Chipperfield in München Axt und Spitzhacke weg!

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Benkos Architekt hat hier in München gerade schon einen Auftrag abgewickelt: Unter seiner Schirmherrschaft wurde mit der Stadt München ausgehandelt, die Alte Akademie im Inneren mit der Ausstattung des Wiederaufbaus in den 50ern durch Josef Wiedemann weitgehend zu zerstören – um es für Kommerz und Profitmache verwendbar zu machen. Ein historisch wertvolles Bauensemble, das alle, die es kennen, für schutzwürdig halten.

Jetzt langt er an ein historisch weniger achtbares Gebäude, das es wohl verdient hätte, im Krieg Bombenschutt zu werden, wären dafür andere Gebäude erhalten geblieben. Das Haus der Deutschen Kunst von 1933/37, für das die deutschen Industriellen (v. Finck*, Flick, Siemens …) kurz nach der Machtübergabe an Adolf Hitler Geld gesammelt hatten, um es dem Führer zum Geschenk zu machen.

Die kunsthistorische Expertise im Architekturführer München / Oberbayern (Braun Publishing):

„Das Haus der Kunst zeigt bereits die wesentlichen Elemente nationalsozialistischer Präsentationsbauten. Es entstand ein mit Haustein verkleideter Stahlbetonbau, der die formalen Elemente des Klassizismus in Zahl und Form reduzierte, vergröberte und vergrößerte und schier endlos wiederholte. Die formale Härte, schmucklose Monumentalität und gleichförmige Reihung sollen dem Passanten das Gefühl von der eigenen Unbedeutsamkeit vermitteln und die vermeintlich riesigen Steine spiegeln eine handwerklich-materielle Solidität vor, sind jedoch nur Oberfläche auf dem Betonkern. Der hier gezeigte Formenkanon wurde typisch für die Selbstdarstellung des Hitlerregimes.“

Denkmalschutz verkehrt: Kein Aufwärmen teutscher Anti-Kunst von vorgestern!

Es war womöglich richtig, den Bau nicht abzureißen, was ja ernsthaft diskutiert wurde. Aber auf jeden Fall war es vollkommen richtig, eine Baumreihe davor zu pflanzen, als gewissen Sichtschutz und als Zurücknahme seiner Bedeutung. Genauso war es richtig, die anderen Museen mehr zu fördern als gerade dieses und Industrielle, Freundeskreis und Schörghubers dafür spenden zu lassen. Und es ist auch nicht schlimm, dass das Haus seit Jahren dahindümpelt.

Für die Sanierung wird jetzt viel Steuergeld bereitgelegt und ausgerechnet ein Architekt verpflichtet, dessen Kreativität auch ins schmucklos Monumentale und Reduzierte geht. Sollte ein Statement der Dummheit der Nazis und ihrer Kulturbarbarei durch Chipperfields Hand eine unschuldige Ikone der Architektur werden können? Dazu müsste man viel vergessen können und sehr von sich eingenommen sein. Dieser Bau ist in demokratischem Geist nur dann weiter als Museum zu nutzen, wenn man ihm den Respekt verweigert. Dieses Haus ist keine Perle der Architektur und ein Klotz, der den Wahn einer Anti-Kultur verbildlicht, wird immer Schwierigkeiten haben, ein Haus der Kunst zu sein. Der irre Vorschlag, die Bäume rundherum abzusägen, ist nicht nur ein Frevel gegen das Grün der Stadt. Es ist eine Unverschämtheit und Anmaßung gegenüber Überlegungen, die vor Jahrzehnten mehr Verstand und Geschichtsbewusstsein zeigten. Vielleicht gelänge es Chipperfield, die bedrückende Ausstrahlung des Gebäudes noch reaktionär-modern zu akzentuieren. Seine nun vorgestellte erste Idee lässt nichts Gutes ahnen.

Lasst die Bäume wachsen und alt werden!

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Gardone (können Sie kaufen) – Berlin – Zürich (nicht gebaut) – Paris – London – Marburg
Das Gebäude in der Mitte ist von Paul Ludwig Troost


*) Bei der Einweihung des Hauses der Deutschen Kunst, 18. Juni 1937:
Adolf Hitler (li.) und Bankier August von Finck (1898-1980) (re.)

18-juni1937

Grauenvoll …
August v. Fincks Weste wurde bald nach 1945 wieder weiß gewaschen.
Mit dem Haus der Deutschen Kunst sollte es nicht noch einmal gelingen.


Unliebsames Erbe oder „den Blick auf die Ursprünge freilegen“?

Rückblende zu Josef Wiedemann, dem Architekten der Alten Akademie, denn kurz nach deren Fertigstellung wurde nach seinen Plänen die „Ehrenhalle“ im Haus der Kunst verändert:

Zitat von der Webseite des Haus der Kunst:
„Als in den 1950er-Jahren mit dem Einzug der Moderne das Gebäude als „entnazifiziert“ galt, nahm man im Inneren bauliche Veränderungen vor, die die Erinnerung an das unliebsame Erbe verschwinden lassen sollten. Zu diesem Zweck wurde 1956 ein Wettbewerb zwischen den Münchner Architekten Josef Wiedemann, Ernst Hürlimann und Max Ott ausgeschrieben. Wiedemann, der den Zuschlag erhielt, setzte auf eine ebenso sparsame wie symbolträchtige Lösung: eine „Neutralisierung“ durch die Farbe Weiß. So wurden die rote Marmorverkleidung der Säulen und Türrahmen weiß übertüncht, eingezogene Wände und Decken – und zeitweise Vorhänge aus weißem Nessel – verwandelten die monumentale Halle in einen multifunktionalen Raum.
Diese nachträglichen Veränderungen wurden in den 1990er-Jahren, vor allem aber seit 2003 im Rahmen des „Kritischen Rückbaus“ sukzessive rückgängig gemacht, um den Blick auf die Ursprünge freizulegen und eine offene Auseinandersetzung mit dem Raum und seiner Geschichte zu ermöglichen.“

Genau hier, in der Tendenz dieser Zeilen, liegt der Kern der Frage, die ausdiskutiert werden muss: Ist es ein „Verdrängen“, wenn eine zentrale ehemalige Kulthalle, die man kulturell nützen will, von der NS-Brumpftigkeit befreit wird? Oder soll es ein „sich der Geschichte und den Ursprüngen stellen“ sein, wenn man es wieder so haben will, wie es die Nazis für sich gebaut haben? Kann Kunst überhaupt mit dieser Architektur koexistieren oder sogar ihre Kontaminierung aufheben, wie gesagt wird? Provisorisch vielleicht schlecht und recht, aber nicht mehr, wenn dieser Bau – sozusagen wertfrei (was es nicht gibt) – bei einer Sanierung mit Ansage in die Nazizeit zurückgestylt würde.

Im Josef-Ackermann-Modus: in drei Jahren über 50% – das spricht doch dafür…

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Nachtrag: Im Herbst 2017 (nach signa-times) ist nicht mehr klar, ob E. L. noch im Beirat sitzt. In der Beiratsriege wird er nicht mehr abgebildet, aber an anderer Stelle mit aufgezählt. Wer weiß schon, was da läuft …


Eduardo Leemann ist CEO der Falcon Bank in Zürich, die Falcon Bank ist zweitgrößter Investor von SIGNA hinter Benko, Leemann ist Mitglied im Beirat von SIGNA.

Mitte letzten Jahres gab er der Schweizer Finanzzeitschrift Bilanz ein Interview. Darin sagt er u.a.:

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Risiko checken. Einsteigen. Aussteigen. Profit mitnehmen.

Die vielen Nullen auf einem Bankkonto können zwar schon mal im Nirwana verschwinden, aber sie brauchen zu ihrer Entstehung einen realen Prozess: Das Profiteinsammeln verdirbt unsere Lebensmittel, es lässt die Benzinkutschen stinken, es zerstört Wälder und Landschaften, es monopolisiert das Saatgut, es versaut uns die Arbeit, es missbraucht menschliche Energie und sabotiert rationales, humanes Denken. Und, nicht zuletzt, es missbildet unsere Städte und zerstört historische Werte: Wieviel Profit muss die Alte Akademie bringen?

Profitstreben ist nicht zukunftsfähig!

PS: Herr Leemann wurde gerade als CEO der Bank abgelöst. Es scheint einiges aufzuarbeiten zu sein: Mit Transaktionen über Konten der Bank wurde ein malayischer Staatsfond ausgenommen. Khadem Al Qubaisi, früherer Chef-Manager der Bank, wurde in Abu Dhabi eingebuchtet. René Benko hat ihn nur einmal getroffen.

https://kurier.at/wirtschaft/milliarden-skandal-die-oesterreich-connection/220.663.532
https://kurier.at/wirtschaft/signa-grossaktionaer-im-strudel-des-skandals/220.665.026
http://www.finews.ch/news/banken/22262-falcon-eduardo-leemann-1mdb