Das Kaufhaus Hettlage in den 50er Jahren (Bild: Architekturmuseum der TU München)

Im Moment läuft das Bebauungsplanverfahren. Die Verwaltung hat viel zu prüfen und die Einwendungen aus der Bevölkerung zu sichten, um sie dem Stadtrat vorzulegen. Aus der Einwendung des BDA Bayern (Bund der Architekten) möchten wir zitieren (hier vollständig veröffentlicht):

„Das Problem dabei ist, dass dies nicht nur einen Verlust öffentlichen Raumes in der ohnehin stark frequentierten und dort auch relativ schmalsten Stelle der Fußgängerzone darstellt, sondern dass die Qualität des Kaufhaus-Neubaus seiner wesentlichen Charakteristik beraubt wird. Die wohlproportionierte Fassade mit ihrer eleganten Flächigkeit in den Obergeschoßen kontrastiert mit der durch tiefe Schatten plastisch wirkenden Arkaden im Erdgeschoß über Eck zu beiden Seiten des kubisch wirkenden Gebäudes.
Es ist überhaupt nicht nachzuvollziehen, warum die Stadt ohne Bedenken und ohne Not einer solchen Banalisierung und Entwertung des denkmalgeschützten Baus von Prof. Wiedemann zustimmen will, nachdem der Investor den Gesamtkomplex schließlich ausdrücklich mit der Maßgabe der Erhaltung der Arkaden als öffentlich gewidmeten Raum vom Freistaat Bayern erworben hat und seine wirtschaftlichen Interessen immer noch bestmöglich verfolgen kann, zumal das Gebäude durch Entkernung ohnehin im Innern neuen Anforderungen beliebig entsprechen kann. Dass dabei die für die Architektur von Josef Wiedemann typische Innenraumdisposition mit atriumartiger Aufweitung und geschwungenem Treppenlauf verloren geht, ist schon bedauerlicher Verlust genug.
Es war ein Kunstgriff des damaligen Architekten, eine Kaufhausnutzung funktional bestmöglich zu realisieren und gleichzeitig die notwendig großflächigen Schaufenster in der Fassade zurücktreten zu lassen, um der Würde der angrenzenden historischen Erscheinung der Renaissance-Fassade und seiner früheren Nutzungen der Alten Akademie zu entsprechen. Soll dies keine Bedeutung mehr haben?
Die vom Investor anscheinend als Kompensation gedachte Öffnung des Schmuckhofes ist zwar grundsätzlich begrüßenswert, stellt jedoch keinen Ersatz für den Verlust des öffentlichen Bewegungsraumes im Fußgängerbereich dar und erst recht nicht für die nachteilige Veränderung des Fassadenbildes. Man kann sich fragen, was an Denkmalwert bei dem Gebäude eigentlich noch übrig bleibt, zumal zu befürchten ist, dass bei der Realisierung der mehrgeschossigen Tiefgarage die Erhaltung der Fassade in situ auch noch nachträglich infrage gestellt werden könnte.“

NB: der BDA plädiert schließlich für die ursprüngliche Realisierung des Wettbewerbsentwurfes, was wir nicht für ganz schlüssig halten, da dieser Entwurf den kompletten Abriss des Hettlage-Gebäudes hinter der Fassade bedeuten würde.

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Was zählt ist was im Sack ist, müsste es an dieser Stelle heißen

Eine zutiefst unchristliche Botschaft leuchtet plötzlich aggressiv von der Fassade der Alten Akademie. Sie wird den Budenmarkt mit Kripperln und Heiligenfiguren überstrahlen und sie demonstriert die Dominanz des blanken Konsumterrors. Die Message: Weihnachten ist ein Fest der Freude mittels Geldausgeben – neben dem Geldverdienen die Bestimmung des dressierten Menschleins in der modernen Megamaschine.

Was zählt ist natürlich nicht „unterm Baum“. Überteuerte Trikots etc. zählen doch nicht wirklich. Nur armselige Würstchen zählen nach und addieren unter ihrem „Baum“, der mal ein Christbaum war. Liebe, menschliche Zuneigung und Besinnung haben keine Ziffern! Wer da zählt, hat das Wesentliche verloren – Hoeness und Benko zählen unter ihrem Baum, was ihnen dann bleibt.

Im Übrigen: Auf derartige Installationen muss man erst mal kommen und sie müssen genehmigt werden vom Referat für Stadtplanung und Bauordnung. Damit zeigt sich einerseits, wie total SIGNA den Charakter der Alten Akademie respektiert herabwürdigt und wie die Verantwortlichen der Stadt München der gute Geist verlassen hat. Es ist eine Ankündigung, die jede/r verstehen kann: Für den Profit wird jede Kultur niedergetreten, der neue Gott heißt Mammon. Die einzige Erleuchtung daraus für alle Münchnerinnen und Münchner: Die Alte Akademie darf kein Kaufhaus werden, Widerstand gegen Benko ist gerechtfertigt.


Nachtrag vom 4. Dezember: Das FC Bayern-Plakat wurde zwischenzeitlich durch Automobilwerbung ersetzt. Das dürften etwa zwei Zentner Plastikmüll gewesen sein für Nichts.


Von der mitbeteiligten Firma PoolOne Giant Media wird dieser missratene Coup stolz gefeiert: „Durch seine einzigartige Frontallage ist das Riesenposter für die darauf zulaufenden Passanten schon aus weiter Ferne und sehr lange einsehbar, was für ein echtes Markenerlebnis sorgt.“