Achtung Innenstädte, der Bock kommt als Gärtner!

Der Mann hinter Olaf Scholz (damals Erster Bürgermeister Hamburgs) und Ramona Pop (Wirtschaftssenatorin in Berlin): Timo Herzberg, Fachkraft für kapitalorientierte Stadtverwertung und manipulierende Begriffsverwendung

Überall im Land veröden die Innenstädte, Corona beschleunigt ihren Niedergang …

„Monostrukturelle und austauschbare Orte sind nicht zukunftsfähig“, sagt Timo Herzberg. Er leitet die Signa Real Estate Germany, eine milliardenschwere Immobilienfirma aus dem Reich des österreichischen Investors René Benko. Ihr gehören Häuser wie das KaDeWe in Berlin oder das Alsterhaus in Hamburg. Aber auch mehrere Flächen in bester Lage, wo nun „mischgenutzte Quartiere“ entstehen sollen, in denen nicht mehr nur geshoppt wird, sondern auch gewohnt, gearbeitet, gespeist, Sport getrieben und Kultur genossen. Am Ku’damm 231 in Berlin soll so ein neues Quartier entstehen, genau wie in der Alten Akademie in der Münchner Fußgängerzone, sagt Herzberg. Ganz wichtig seien auch „Rückzugsmöglichkeiten ohne Konsumdruck“. Große Dachterrassen zum Beispiel. (Artikel in Die Zeit, 12/2020, ähnlich im Handelsblatt)

Timo Herzberg sagt die Unwahrheit – und er tut das unbesorgt, weil das in seiner Position ein Leistungskriterium ist und wahrscheinlich ist er darin ja nicht mal schlecht. In Berlin und Hamburg hat er für SIGNA aus den Händen von SPD und Grünen in weiten Bereichen die Stadtplanung übernommen. Dazu gäbe es viel zu sagen, wir wollen hier seine Behauptung für München gerade rücken (als Wiederholung dessen, was in diesem Blog seit über vier Jahren dokumentiert ist).

Die Alte Akademie ist nun seit letztem Jahr bis 2023 Baustelle. Bis auf die Fassade wird fast alles entkernt und abgerissen werden. Für ca. 400 Millionen Euro (Geld ist kein Problem) wird ein historisches Ensemble zerstört. Mit ihm bestens geeignete Räume für vielfältige Nutzungen, die (für eine viel geringere Summe) das städtische Leben hätten bereichern können. Durch kulturelle und wissenschaftliche Einrichtungen (wie früher), durch Wohnungen zu sozialen Preisen, durch kleine Büros und die Art von Läden, die aus der Innenstadt reihenweise vertrieben werden …

Das wäre dann tatsächlich ein „mischgenutztes Quartier“ – offen und attraktiv für die ganze Bevölkerung und ein Beitrag zur Umorientierung der Geschäftszone Innenstadt auf den Maßstab Mensch statt Maßstab Konsument. Aber die schonungslose Kommerzialisierung schlägt auch auf ihre Verursacher zurück: damit das Geschäft weitergehen kann, sieht sich die Managementebene zum Gegensteuern veranlasst, manchmal mit Fehlererkenntnis und vielleicht auch guten Absichten.
Zitate aus dem obigen Artikel der Zeit:

Die Menschen sollen sich wohlfühlen in den Innenstädten. „Vorbilder sind nicht mehr die uniformen Shoppingtempel und Fußgängerzonen, die die Konsumenten zunehmend langweilen“, sondern wie die Städte mit ihrer Vielfalt und Nutzungsmischung früher einmal waren.“ – „Die Menschen wollen sich durch pittoreske Städte treiben lassen, sie laufen lieber durch Freiburg oder Lübeck als durch eine gesichtslose Einkaufsstraße“. –  „Wo Warenhäuser verschwinden, gibt es wieder Lücken für Fachhändler“. Die müsse man unterstützen. Man könnte auch Nutzungen in die City holen, für die bislang oft kein Platz war: Uni-Institute, Schulen, Museen, Theater.“

Nicht so SIGNA und Timo Herzberg. SIGNA  betreibt eben in Berlin und Hamburg mit Neuplanungen massiv die Zerstörung noch bestehender Viertelstrukturen durch Hochhäuser und Ummodelung von erhaltenswertem Bestand zu Profitzentren. Die laufenden Projekte in Wien, Bozen oder München sind genau nach dem Schema der Stadtzerstörung, das jetzt langsam und nicht nur wegen Corona an die Wand fährt. So wie sie es in der Alten Akademie machen: „Mischgenutztes Quartier“ auf extrem-kapitalistisch: Zweitwohnungen für Millionäre, Edelbüros für Vermögensverwaltungen, Kaufhallen für internationale Edelmarken (künftige Mieter werden nicht genannt).
Keine Kultur, keine öffentlichen Einrichtungen, keine Rückzugsräume ohne Konsumdruck, kein Platz und keine einzige Wohnung für Menschen mit wenig Geld …

Pittoreske Fassade – dahinter uniformer Shoppingtempel. Die Nutzung –  Vernutzung – der Alten Akademie durch SIGNA hat nicht den geringsten sozialen Anteil: weder in der Absicht, noch dass dieser von der Stadt München oder dem Staat Bayern eingefordert worden wäre. Die Wahrheit ist, dass die Innenstädte wie die Städte insgesamt zum Quartier für die Immobilienbesitzer und -verwerter gemacht wurden. Durch das unsoziale Bodenrecht, durch Intransparenz, durch Steuerschlupflöcher, durch das dienende Verhalten der Parteien und amtlichen Bürokratie… In diesem Sinne gibt es nicht einmal eine Mischnutzung, sondern eine einzige Nutzung zum Geldmachen für Wenige. Die große Masse der Bevölkerung wird von der Mitbestimmung über ihre Stadt ausgeschlossen und zu Konsumenten degradiert. In die Nachnutzung der ehemaligen Alten Akademie werden die meisten nur zum Schauen gehen können, was der Oberklasse so gegen ihre Langeweile geboten wird … Die Schandtat an der Alten Akademie ist diametral dem entgegengesetzt, was aus unserer Stadt werden könnte und sollte und kein Beispiel, das man anderswo erzählen kann!

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