Was in New York gehasst wird, ist in München der letzte Schrei


Das mittlere Bild (Hudson Yards, New York) ist real. Links und rechts Computerzeichnungen. Da streben die Klingen aus einem Grün heraus, das es nicht geben wird. Das Büschl-Projekt zeigt sich schamhaft von hinten, weil die Halle wegen massiver Bebauung von vorne nicht mehr zu sehen sein würde.

München ist verschlafen, hinkt der Zeit hinterher, braucht endlich einen richtigen Push, um Metropole zu werden … Hochhäuser müssen her, egal für was (Büros, Hotels, Wohnungen) egal wie sie ausschauen (verblasene Skizzen genügen, um Begeisterung zu entfachen), egal wie umweltfeindlich (das maximale Anti-Grün) und menschenfeindlich (Depressionen). Denken Sie vielleicht auch so wie die meisten Stadträte und der BA 9 sogar fast vollständig? Man sieht es ja in München schon – von New York können Sie lernen, dass es dabei um den Selbstmord der Stadt geht.

„Manhattan aber ist zur Blaupause für jene Stadtentwicklung geworden, die mit dem Begriff „Gentrifizierung“ längst nicht mehr ausreichend beschrieben wird. Die radikale Kapitalisierung des Wohn- und öffentlichen Raums hat Städte wie London, Moskau, Paris und München zu Refugien der sehr Wohlhabenden und Bestverdiener gemacht. Ganz New York scheint die Hudson Yards zu hassen – ja, der Ausdruck ist durchaus angebracht.“

Eine tolle Reportage (keiner dieser diffusen Überflieger-Artikel von Gerhard Matzig) in der Süddeutschen, eine letzte Warnung, aus dieser Entwicklung auszusteigen. Mehr sei nicht zitiert, lesen sie alles, hier oder hier. Das hilft gegen die Gehirnwäsche des Hyperkapitalismus. Die Mehrheit der Münchner Bevölkerung ist nach allem was weiß keineswegs dafür, statt demokratischer Meinungsbildung und Entscheidung wird die Propagandamaschine angeworfen: „München braucht Wohnungen“, „München muss jetzt in die Höhe bauen“ – nein, Wohnungslose brauchen Wohnungen und für sie entstehen sie zuletzt!

Undemokratisch – antiökologisch – unsozial

Jetzt kommt der Rundschlag: Die München-Lobby-Firma Heller & Partner scheint ihre Finger mit drin zu haben. Der Kommentar auf ihrer Webseite kann nur eitel Selbstlob sein: Kommunikation die funktioniert und starke Clippings, die den Erfolg des Projekts bekräftigen.“ Diese Agentur fädelt auch mit am Innenstadt-Projekt Georg-Kronawitter-Platz der Firmen Inselkammer und Hirmer. Gemeinsames Merkmal der Kampagnen: Angestellte eines Stararchitekten ersetzen mit vage gehaltenen, dafür mords-gehypten Studien breite Vorüberlegungen mit Architektenwettbewerb und Bürgerbeteiligung. Hier Herzog & de Meuron, dort Norman Forster. Da denkt man sofort an Chipperfield und in der Tat, sein Hamburger Elbtower-Entwurf für Benko gleicht den beiden Türmen wie eine Glas-Stockwerk-übereinander-Multiplikation der anderen. Wahrscheinlich gibt es gute Kontakte zwischen Benko und Büschl. Unsere Vermutung: Benko will in München auch noch ein großes Ding drehen, aber da durch sein aggressives Verhalten bei der Alten Akademie die Sympathie von helfender Bürokratie und Politikern gesunken ist, wäre ein ortsansässiger Immobilienspekulant an der Seite von großem Vorteil. (Das würden wir ohne Hinweis nicht schreiben.) In Hamburg stehen die Grünen als Teil der Stadtregierung hinter dem Elbtower – in München sind die Grünen ungebunden und doch freiwillig die schärfsten Befürworter der Pläne von Büschl, wofür besonders Anna Hanusch (im Stadtrat und BA 9) steht. Wissen manche Grüne überhaupt noch, worum es geht? Beim gleichzeitigen Projekt im Münchner Norden, dem Eggarten, will Büschl eine für das Münchner Stadtklima wesentliche Naturoase ausradieren. Das lehnten die Grünen im Stadtrat zwar ab, aber mit geringem Einsatz und üblicher Kompromissbereitschaft. Der Widerstand aus dem Viertel und von vielen anderen ist das, was gerade in München Mut macht! Wenn da ein Bündnis entsteht mit Fridays for Future … erstmal Globaler Klimastreik am 20. September!

Und, wollen Sie einen positiven Vorschlag lesen? Gut, dann bleibt die Paketposthalle leer, kein zwanghaft hineingepfropftes Kulturzentrum untendrunter, sondern frei gehalten für spannende Aneignung durch die Bevölkerung. Ihr wird was einfallen, wo dem Investor und seinem Architekten die passende Phantasie für die Verladehalle (weil nicht verwertbar) zwangsläufig fehlen muss. Dazu davor ein Park (als eine kleine Art Wiedergutmachung für den Arnulfpark, also prächtig) damit man die Halle auch noch sehen kann. Seitliche Wohnbebauung knüpft an die wunderbaren gegenüberliegenden Genossenschaftsbauten der 20er Jahre an in dem herausforderndem Versuch, sie in Ästhetik, Wohnkomfort und Nachhaltigkeit zu übertreffen. Und wohnen sollen darin nur die, für die die Hyperkapitalisten ihre verlogenen Tränen vergießen.

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