Eine mehr als aufdringliche Einmischung und sie kommt wie bestellt

Zwei Artikel vom 10. Mai. Einer aus der Süddeutschen Zeitung, der andere aus einer Zeitung, die es nicht gibt …

Chipperfields Verbindung zur Alten Akademie ist eine geschäftliche. Er war bestellter Jury-Vorsitzender des SIGNA-Architektenwettbewerbs und hat prominent u.a. mitzuverworten, dass die klare Vorgabe des Stadtrates vom Tisch gewischt wurde: Der Arkadenteil im Kopfbau sollte bleiben, die Jury setzte sich darüber hinweg.
Damit war es nicht genug: nun plädiert er für weitere Toröffnungen im Kopfbau. Hier spart er sich Kritik an Josef Wiedemann und bringt die Balance von Bewahren und Verändern ins Spiel. Worum gehts? Dass unübersehbar wird, was es beim Hauptmieter zu kaufen gibt; denn es wird dann ja ein Kaufhaus sein.
Dieter Wieland, den wir hier nicht vorzustellen brauchen, hat in seinem Brief vom 1. Dezember an Bürgermeister und Stadträte geschrieben: „Zum ersten Mal in seiner Geschichte ist dieses einzigartige Gebäude für eine rein kommerzielle Nutzung freigegeben, die es hier nie gegeben hat und die den Charakter und die Stimmung dieses Bauwerks auf eine nie da gewesene Weise dramatisch verändert. Aus einem Gebäude der Wissenschaft wird ein Luxus-Kaufhaus plus Luxus-Gastronomie und Luxus-Wohnungen. Die festliche, noble Architektur passt nicht mehr, in den Öffnungen nicht, in den Stockwerkshöhen nicht, in den großartigen ruhigen Dachflächen nicht. Gitter im Sockelgeschoß sollen entfernt werden, die Fenster aufgeschlitzt bis zum Boden für Schaufenster.“

Man kann von jedermann erwarten, beim Bewerten alter Gebäude nach den Überlegungen zu forschen, die die Erbauer beim Entwurf geleitet haben – um zu verstehen. Chipperfield hat das nicht nötig und schreibt dennoch Briefe. Über das Kaufhaus Hettlage und eine weitere wesentliche Funktion der Arkaden erklärte Dieter Wieland im selben Brief: „… Stattdessen wurde aus politischen Gründen der Westteil der Alten Akademie an das Kaufhaus Hettlage vergeben. Wiedemann hat in seinem Entwurf alles vermieden, was nach Kaufhaus aussah. Die Schaufenster wurden soweit zurückversetzt, dass sie nicht mehr für die Fassade wirksam waren.“

Dem Kaufhaus-Architekten Chipperfield wird man nicht begreiflich machen können, dass es wichtigeres gibt als Schaufenster und so sollte München ihm einfach besser nicht mehr zuhören.

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