Kein Ingenieur – aber ein begabter Kopfrechner

„Die Luxus-Shoppingmeile Tuchlauben im Goldenen Quartier. Benko weist auf die Holzverkleidung eines Schaufensters hin. Sie ragt ein kleines Stück auf den öffentlichen Grund heraus. Es sind exakt 40 Zentimeter, die Benko der Stadt abgetrotzt hat. „40 Zentimeter mehr Schaufenstertiefe mal 100 Meter sind 40 Quadratmeter. Mal 300 Euro Miete im Monat, fast 150.000 im Jahr.“ Benko spult die Zahlen nur so ab. Noch ein paar Prozent Rendite, noch einige Millionen Mehrwert in den Büchern. Und das alles aus 40 Zentimetern. „Wir kämpfen immer um jeden Millimeter.“ Vorne glänzen, hinten feilschen.“

Diese stolze Probe seiner manischen Kunst gab Benko kürzlich dem Spiegel im Interview in Wien vor Ort. (Die Stadt bin ich, 5.2. 2022)

Was gab es da nicht zu rechnen im Jahr 2013, als Benko überschlug, was ihm die Übernahme der Alten Akademie einbringen könnte! On Top eine Menge Quadratmeter, auf die sonst niemand käme: Als erstes im Feldstecher war die aus seiner Sicht an Passanten vergeudete Arkadenfläche im Erdgeschoß. Da stand in den städtischen Vorgaben vor dem Architektenwettbewerb: die Arkaden des Denkmals (deren Durchwegung zudem rechtlich gesichert war) sollen erhalten bleiben. Das Münchner Forum hat 2017 detailliert in Metern und Euro nachgerechnet, um wieviel es hier geht: 178 m2 im Kopfbau gab die Stadt spontan freiwillig, 117 m2 im Hettlagebau schenkte OB Reiter nach jahrelangen, von SIGNA verbissen geführten Nachverhandlungen 2020 generös obendrauf. Gegen massiven Protest aus der Bevölkerung.

Doch damit nicht genug, des Rechenfuzzis Röntgenblick drang in den Boden und entdeckte hunderte zusätzliche Quadratmeter, die bis heute aus gutem Münchner Schotter bestehen. Zusätzlicher Verkaufsraum in einem noch auszugrabenden Kellergeschoß – ein Traum, sozusagen eine Goldgrube! 

Die Bilder zeigen, was gerade hinter dem Bauzaun passiert. Damit der Kopfbau nicht ins Wanken gerate, wird aussen zur Stabilisierung ein Betonblock ans Fundament gegossen. Am Ablauf der Bauarbeiten war zu erkennen, dass das ursprünglich so wohl nicht vorgesehen war. Sieht aus nach einem bautechnischen Extremversuch – verursacht durch zahlengetriebenes Den-Hals-nicht-vollkriegen.

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