Oligarchen kommen nicht von selber hoch, sie werden gemacht


„Das Pokerspiel um Kaufhof hat begonnen“. Wenn Sie dieser Tage in Artikeln – aus denen Sie wahrscheinlich nicht viel schlauer werden – lesen, dass der „Immobilienmogul“ Benko „nach dem Kaufhofkonzern greift“, dann macht das Albert Einstein klarer:

Privates Kapital tendiert dazu, in wenigen Händen konzentriert zu werden – teils aufgrund der Konkurrenz zwischen den Kapitalisten und teils, weil die technologische Entwicklung und die wachsende Arbeitsteilung die Entstehung von größeren Einheiten auf Kosten der kleineren vorantreiben. Das Ergebnis dieser Entwicklungen ist eine Oligarchie von privatem Kapital, dessen enorme Kraft nicht einmal von einer demokratisch organisierten politischen Gesellschaft überprüft werden kann.
Dies ist so, da die Mitglieder der gesetzgebenden Organe von politischen Parteien ausgewählt sind, die im Wesentlichen von Privatkapitalisten finanziert oder anderweitig beeinflusst werden und in der Praxis die Wähler von der Legislative trennen. Die Folge ist, dass die ,,Volksvertreter“ die Interessen der unterprivilegierten Schicht der Bevölkerung nicht ausreichend schützen.
Außerdem kontrollieren unter den vorhandenen Bedingungen die Privatkapitalisten zwangsläufig direkt oder indirekt die Hauptinformationsquellen (Presse, Radio, Bildung). Es ist deshalb äußerst schwierig und, für den einzelnen Bürger in den meisten Fällen fast unmöglich, objektive Schlüsse zu ziehen und in intelligenter Weise Gebrauch von seinen politischen Rechten zu machen.

Albert Einstein, Warum Sozialismus, 1949

Verantwortlich sind Banken (bei Benko vor allem staatliche Länderbanken), die neben einigen dubiosen Superreichen dafür Geld ins Spiel werfen. Es sind die Parteien in der Regierung, deren Gesetze Benkos undurchsichtige Firmengeflechte und Steuervermeidung ermöglichen. Es sind die Ideologen des freien Marktes (der keiner ist). Es sind die Freunde im Big Business und in öffentlichen Ämtern, die Benko lukrative Objekte zuschieben. Gerichte geben Bewährung statt Gefängnis. Es sind die Medien, die sich angewöhnt haben, diese Aktionen aus der Sicht der Täter zu betrachten und die mit kleinen „Kaisern“ sympathisieren.

Albert Einstein fährt fort:

An diesem Punkt angelangt kann ich kurz aufzeigen, was für mich das Wesen der Krise unserer Zeit ausmacht. Es betrifft die Beziehung des Einzelnen zur Gesellschaft. Der Einzelne ist sich seiner Abhängigkeit von der Gesellschaft bewusster als je zuvor. Aber er erfährt diese Abhängigkeit nicht als etwas Positives, Organisches, als Schutzgewalt, sondern eher als eine Bedrohung seiner naturgegebenen Rechte, oder sogar seiner ökonomischen Existenz. Außerdem ist seine Stellung in der Gesellschaft so, dass die egoistischen Triebe ständig hervorgehoben, während die sozialen Triebe, die er von Natur aus hat, schwächer werden und immer mehr verkümmern. Alle Menschen leiden unter diesem Prozess der Verschlechterung – ganz gleich welche Stellung sie in der Gesellschaft innehaben. Als unwissentlich Gefangene ihrer eigenen Ichbezogenheit fühlen sie sich unsicher, einsam und des ursprünglichen, einfachen und schlichten Genusses des Lebens beraubt. Der Mensch kann den Sinn seines kurzen und bedrohten Lebens nur innerhalb der Gesellschaft finden.

Und immer steht die Frage: Was hat Benko vor? Der Glücksspieler hat die Freiheit, mit dem zu zocken, was gemeinsamer Besitz aller sein sollte. Manche mögen Spaß an solchen Rätseln finden. Aber hier ist auch der Punkt, der allen klar sein muss: Rechtsbürgerliche, rassistische und demagogische Bewegungen wie die AfD werden genau durch diese Schaffung von undurchsichtigen und aggressiven ökonomischen Machtgruppen und Oligarchen gefördert: Unsicherheit, Ungewissheit, Ungleichheit. So wird der Untergrund geschaffen, auf dem antisoziale Rattenfänger gedeihen können. Ihre Spitzenleute sind an die Oberschicht angekoppelt und werden auch von ihr finanziert.

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