Überhaupt keine Kaiser mehr – die Wirtschaft muss demokratisiert werden!

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In der Druckausgabe des manager magazin vom Dezember findet sich nach langer Zeit wieder ein Artikel über SIGNA und René Benko. Es könnte auch ein Promotion-Artikel ohne Kenntlichmachung sein, denn er bringt nur SIGNA-genehme Infos und zeichnet ein sehr freundliches Bild des Konzerns. Generell kommt die Presse bei SIGNA seit einiger Zeit ihrer Aufgabe immer weniger nach, hinter den Kulissen nachzuforschen und der Öffentlichkeit das zu verraten, was die Selbstdarstellung verschweigt.
Zur Alten Akademie heißt es da etwa: „In der Münchner City hat Benko direkt neben dem Premiumwarenhaus Oberpollinger die Alte Akademie erworben. Das historische Gebäude wird zu Läden und Büros umgebaut.“  Fertig, aus – die Bestimmung historischer Gebäude ist wohl nur, von Erfolgsimmobilienverwertern zu etwas umgebaut zu werden, was sie nie vorher waren! Man muss also schon sehr vorsichtig prüfen, was man in solchen Artikeln für bare Münze nehmen kann.
Doch zwei Punkte daraus wollen wir verallgemeinern. Sie finden sich gleich auf den ersten Seiten, auch wenn das dort überinterpretiert bzw. heillos übertrieben dargestellt sein sollte:

  • Es stimmt doch etwas nicht, wenn ein Mann am Fenster steht, hinausschaut und dieses Foto in einer Zeitschrift als imperiale Geste präsentiert wird. Ist doch ein bisschen lächerlich.
  • Es ist unverantwortlich aber anscheinend normal, wenn gerade Managerzeitschriften über extremen Workaholismus berichten, ohne vor den schädlichen Auswirkungen zu warnen!

Ganz klar vorausgeschickt: wir kennen Herrn Benko nicht näher und schreiben nicht über ihn, hier geht es nicht um Einzelpersonen.
Im Ernst: das bedeutet, in einer Gesellschaft zu leben, in der die Wirtschaft, das Arbeiten, Produzieren und Konsumieren nicht demokratisch organisiert sind, sondern vielfach autokratisch und diktatorisch. Es bedeutet, in einer Gesellschaft zu leben, die trotz aller Errungenschaften eine getriebene ist, ohne Rast und voller irrationaler Antriebe und Störfaktoren.
Wieviel Energie, Freude und Kreativität geht in den Betrieben verloren – durch das Bestimmen von oben, durch Unternehmensführung nach Zahlen, durch den Konkurrenzkampf, durch das zwangsläufige Verstellen und gegenseitige Vortäuschen, durch ständigen Kleinkrieg um mehr Leistung und Funktionieren einerseits und um die Autonomie der Einzelnen und der Kollegenkreise andererseits.
Teamarbeit!? Wie oft ist es nur Fassade, ein Fake um die Leute anzutreiben und für Ziele einzuspannen, die nicht die ihren sind? Nach innen zählt letztlich das reine Profit- und Machtinteresse, verkleidet als gemeinsame Anstrengung für das Firmenwohl; nach aussen wird die Macht über die Arbeitsplätze umgemünzt zum Anspruch auf Zugriff auf Ressourcen, die ausgebeutete Natur, auf Verfügung über die Städte und einen dienstbaren Staatsapparat.
Solidarität und menschliches Miteinander sind schwer aufrecht zu erhalten und kommen unter die Räder. Geld wird in den Händen von Wenigen zum Befehlsmittel über alle anderen; wer etwas abbekommen will, muss sich anpassen und versuchen, ein wertvolles Rad der Maschine zu sein. Die Menschen werden klassifiziert. Wer hat, dem wird gegeben: der Reichtum der einen ist die Armut der anderen; damit die Armut stillhält, wird sie diffamiert, schikaniert und bewacht.
Der Wachstums“zwang“ lässt überall am Wegesrand Opfer und Brachen zurück; beschleunigt da, wo die Folgen der letzten „Weiterentwicklung“ nicht aufgearbeitet sind; greift zu Innovationen, die nicht erprobt und zu Ende gedacht sind. Hektik und Stress verhindern darüber zu reden, was unsere wirklichen Bedürfnisse sind und wie sie ohne maßlose Anspruchsausdehnung befriedigt werden könnten.
Effektivität wird zum Totschlagargument. In Wirklichkeit ist sie in der Industriegesellschaft schon länger zum Minuseffekt geworden. Mit den Steigerungen an Einsatz und Ausstoß wird mehr an Lebensqualität zerstört als neu hinzugewonnen.
Das Wissen in der Gesellschaft, die Fähigkeit zu Kommunikation und verantwortlichem Problemlösen werden zersetzt – trotz allem Zuwachs an Information und schulmäßiger Bildung. Schmalspureliten sind die Sturmtruppen im Wettlauf der Ökonomisten, am Ende übernehmen die Milliardäre selbst die Regierung über eine desorientierte Gesellschaft.
So wird die Gesellschaft, die nach allem, was im 20. Jahrhundert passiert ist, zu Ruhe, Ausgleich und Zufriedenheit kommen müsste, im 21. Jahrhundert zum Kampfplatz vieler kleiner und großer Eroberer und Imperatoren. Ihre Operationsbasis ist die Wirtschaft und nur da können sie durch Demokratisierung gestoppt werden.


„Die neuen Herren der Weltwirtschaft“ – nachdenkseiten.de

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