Zugunsten SIGNA vom Staat Bayern verhindert: ein „Haus des Wissens“

Als Nachnutzung der Alten Akademie war von der Stadt München und Münchner Wissenschaftseinrichtungen die Idee verfolgt worden, ein Haus des Wissens in den dafür perfekt geeigneten Räumlichkeiten einzurichten – optimal. Das war genau in der Zeit, als das Finanzministerium den Verkauf an Investoren betrieben hat.

Verschlossene Türen für die Stadt – offene Türen für SIGNA.

dokumentiert im Dezember 2012:

PERSPEKTIVE MÜNCHEN – Leitlinie „München – Stadt des Wissens“, in diesem Beschluss des Stadtrats nach Vorlage durch das Referat für Arbeit und Wirtschaft (damaliger Referent Dieter Reiter) wurde über diese Möglichkeit berichtet:

4. Leitprojekte
….
4.1 Haus des Wissens
Auf Anregung der Stadt, zuletzt durch das Münchner Forum immer wieder in die Diskussion eingebracht, entstand die Idee für ein Münchner Haus der Wissenschaft in der Alten Akademie als Veranstaltungsort, Anlaufstelle und Treffpunkt für Wissenschaftsevents und Schaufenster der Münchner Wissenschaftseinrichtungen. Aktuell wird berichtet, dass nach dem Auszug des Statistischen Landesamtes der Freistaat Bayern den Verkauf der Immobilie vorbereitet. Das Konzept, an dieser Stelle ein Haus des Wissens zu realisieren, ist derzeit leider nicht in den Planungen enthalten.

dann Juli 2014:

PERSPEKTIVE MÜNCHEN – Leitprojekte „München – Stadt des Wissens“, Beschluss des Stadtrats nach Vorlage durch das Referat für Arbeit und Wirtschaft (Referent Josef Schmid)

1. Haus des Wissens
Die Idee in München ein Haus des Wissens zu eröffnen, wurde von der Stadt München 2006 im Rahmen des Wettbewerbsbeitrages „München – Stadt des Wissens“ das erste Mal formuliert, als die Pläne des Statistischen Landesamtes konkreter wurden, aus der Alten Akademie auszuziehen. Geplant war der Auszug des Statistischen Landesamtes ursprünglich für 2009, wurde dann aber immer wieder verschoben. Seit Ende 2012 steht das Gebäude nun leer. In 2007 gab es mehrere Treffen eines „Konzeptkreises Alte Akademie“, der sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Stadt, des Freistaates Bayern und der Münchner Wissenschaftseinrichtungen zusammensetzte. Hier wurden unterschiedliche Nutzungskonzepte für ein Haus des Wissens erarbeitet und über deren Realisierungsmöglichkeiten gesprochen.
Zahlreiche Beispiele aus anderen deutschen und europäischen Städten belegen mit ihrem Erfolg und ihrer Resonanz bei der Bevölkerung, wie groß der Wunsch nach einer Öffnung der Wissenschaft bei der Bevölkerung einerseits, und wie groß die Bereitschaft der Wissenschaft andererseits ist, sich mit der eigenen Arbeit der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Wesentliches Element all dieser Beispiele aus den anderen Städten ist ein zentraler, gut erreichbarer öffentlicher Ort, der nicht einer Hochschule oder Forschungseinrichtung zuzuordnen ist, sondern als neutrale Präsentationsplattform der Wissenschaft angesehen wird.
Der Wunsch, ein Haus des Wissens zentral, institutionsunabhängig und gut sichtbar im Stadtzentrum anzusiedeln wurde 2007 auch von den Münchner Wissenschaftseinrichtungen formuliert. Diese Anforderungen werden durch die Alte Akademie, die wie kaum ein anderes Gebäude der Stadt die Wissenschaft in München repräsentiert, geradezu ideal erfüllt. Sie war der erste Standort der Ludwig-Maximilians-Universität in München, sie war 150 Jahre lang Sitz der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und ist eng mit der Geschichte der Staatsbibliothek und der des Deutschen Museums verbunden. Mit dem Aufstellungsbeschluss vom 14.12.2005 hat das Referat für Stadtplanung und Bauordnung bereits die Grundlagen geschaffen, die Alte Akademie ihrer historischen Bedeutung entsprechend zu nutzen. Dies war auch der Grund, warum seitens der Münchner Wissenschaftseinrichtungen jegliche Suche nach alternativen Standorten abgelehnt wurde, solange noch eine theoretische Möglichkeit auf eine wissenschaftliche Nutzung besteht.
Mit Verweis auf die Kabinettsumbildung der Bayerischen Staatsregierung wurde eine für Oktober 2007 angesetzte Sitzung des Konzeptkreises abgesagt. Seitdem ist dieser auch nicht mehr zusammengekommen. Mehrere Versuche des Wirtschaftsreferenten, aber auch der Wissenschaftseinrichtungen, eine Neuaufnahme der Gespräche zu erreichen, blieben erfolglos. Seitdem ist seitens der Staatsregierung, auch als frühere Eigentümerin, kein Signal mehr gekommen, dass die künftige Nutzung der Alten Akademie für die Wissenschaft in aktuelle Überlegungen einfließen würde. Dennoch wurde die Alte Akademie als Standort für ein „Haus des Wissens“ immer wieder gefordert. Im Januar 2014 wurde dann veröffentlicht, dass der Freistaat Bayern die Gebäude im Erbbaurecht auf 65 Jahre an die Signa Unternehmensgruppe vergeben hat.
Die Stadt München hat die ihr zur Verfügung stehenden Einflussmöglichkeiten, dieses denkmalgeschützte Ensemble so zu erhalten, dass es seiner Geschichte und Bedeutung für die Wissenschaft gerecht werden kann, ausgeschöpft. Durch die Aufnahme als Leitprojekt in die Leitlinie Stadt des Wissens sollte diese Idee einen zusätzlichen Antrieb erhalten.
Durch die Vergabe an die Signa Unternehmensgruppe wurden Fakten geschaffen, die eine Realisierung eines Hauses der Wissenschaft an dieser Stelle verhindern. Die Zielsetzung, an einem zentralen und gut erreichbaren Ort der Münchner Wissenschaft ein Schaufenster zu bieten, bleibt dennoch grundsätzlich bestehen. Das Referat für Arbeit und Wirtschaft wird mit den Münchner Akteuren der Wissenschaft nun erneut zu diskutieren versuchen, wie der Wissenschaft an einem anderen Standort eine Möglichkeit gegeben werden kann, sich und ihre wissenschaftliche Arbeit den Münchnerinnen und Münchnern zu präsentieren.  (Hervorhebung durch uns)

Wie kann so etwas sein? Da fehlen die Worte … Die Stadt München wurde vor diesem so bedeutungsvollen Verkauf nicht einmal mehr konsultiert, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt.
Leider versucht der Stadtrat München diesen Affront zu vergessen, statt seinerseits mit den vorhandenen möglichen Mitteln den Schaden zu verhindern.
Während das Referat für Arbeit und Wirtschaft sich bemühte, „dieses denkmalgeschützte Ensemble so zu erhalten, dass es seiner Geschichte und Bedeutung für die Wissenschaft gerecht werden kann“, macht das Referat für Stadtplanung und Bauordnung zwei Jahre später gute Miene zum genauen Gegenteil (und wird später sagen, dass der Stadtrat so verlangt habe; während die Stadträte sagen werden, sie hätten dem  Planungsreferat vertraut).

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