Der Schmuckhof-Betrug

Geben = Nehmen. Die Öffnung des Schmuckhofes für die Allgemeinheit – das große Highlight, das den Verlust der Arkaden ausgleichen soll – entpuppt sich im Entwurf des Satzungsbeschlusses (S.66) als plumpe Täuschung. 3/4 des Schmuckhofes werden zum Wirtsgarten, ein mageres 1/4 ist freizuhalten für die nicht-konsumierende Öffentlichkeit! Da hat jeder Biergarten in München mehr freie Fläche. Durch den Satzungsbeschluss wird das auch noch verbrieft und zum unwiderruflichen Rechtsanspruch für Benko. So verhandelt SIGNA und so verhandelt die Beauftragten der Stadt München das öffentliche Interesse! Nur ein weiterer Grund zum Widerspruch gegen den Satzungsbeschluss, der noch bis 9. Juli eingelegt werden kann.

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Eine Unverschämtheit folgt der bösen Tat

Die Überschrift ist sprichwörtlich zu verstehen  –  Bei der Abfassung der Vorlage für den Billigungsbeschluss hat sich Stadtbaurätin Merk (nicht nur) in der Arkadenfrage dem Diktat der Stadtratsmehrheit unterworfen. So wurden die Einwendungen von Alt-OB Dr. Hans-Jochen Vogel, des Bundes Deutscher Architekten, des Münchner Forums und vieler anderer fast gleichlautend mit dem Argument „die Stadtratsmehrheit will es aber anders“ erschlagen.

Ein besonders trauriges Exempel dieser bürokratischen Gefügsamkeit ist die nicht andere Behandlung der amtlichen Stellungnahme des Heimatpflegers der Stadt München, von Herrn Dipl.-Ing. Architekt Bernhard Landbrecht. Sein Einspruch wird auf Seite 39 des Billigungsbeschlusses wiedergegeben. (Hier der Auszug oder das ganze Dokument.) Leider bekommt man von Herrn Landbrecht in  der Öffentlichkeit nur wenig mit. In seiner Einwendung zu den Arkaden der Alten Akademie besteht er auf deren vollständiger Erhaltung:

(a) Die Kapellenstraße dient als Haupterschließung für die anliegenden Gebäude, auch für den sogenannten „Hettlagebau“. Die Arkaden in der Kapellenstraße sind deshalb unverzichtbar und müssen uneingeschränkt erhalten werden.
(…)
(b) Die Arkaden im Neubauteil an der Neuhauser Straße und der „vestibülartige Durchgangsraum“ im wiederaufgebauten Ostflügel (Querbau) sind uneingeschränkt zu erhalten.
Begründung:
Die Gebäudekonzeption für den „Wiedemannbau“ (westlicher Teil der Anlage) geht insgesamt von einer Erdgeschossarkade aus, die den Fassadenrhythmus und den Charakter der über Eck räumlich wahrnehmbaren fünfgeschossigen Anlage (Arkade, Belle Etage und drei Normalgeschosse – nicht als Baulückenbebauung, sondern als Eckgebäude) bestimmen.
Östlich davon wird die Durchlässigkeit der Erdgeschosszone im wiederaufgebauten sog. „Querbau“ (Ostflügel zum Richard-Strauss-Brunnen hin) durch einen „vestibülartigen Durchgangsraum“ erreicht.
Das Erschließungskonzept der Gesamtlösung von Prof. Wiedemann verliert gerade durch die Auflösung dieses Durchgangsraumes seine innere Logik. Die beiden bewusst unterschiedlichen Entwurfsansätze für die öffentliche Arkaden-Zone im EG des Neubauflügels und den Durchgangsraum des Querbauflügels sind substanzielle Bestandteile des Baudenkmals.
Jeder Lösungsansatz der diese elementare Entwurfsidee verunklärt, beeinträchtigt deshalb in erheblichem Maß das Einzelbaudenkmal und stellt keine Weiterentwicklung dar, die das Baudenkmal im gebotenen Umfang respektiert. Insbesondere ist auch die „Notwendigkeit“ der Reduzierung der Arkadentiefe an der Neuhauser Straße nicht nachvollziehbar und auch nicht schlüssig begründet. Sie geht fälschlicherweise von einem notwendigen Anschluss an den Pfeiler nach dem ersten Säulenjoch in der Kapellenstraße aus und setzt das Entfallen der Arkade in der Kapellenstraße voraus.
Diese Annahme und die daraus abgeleitete Begründung sind sowohl aus stadtstruktureller wie aus gebäudestruktureller Sicht falsch und werden durch den ursprünglichen Entwurf von Prof. Wiedemann grundsätzlich widerlegt.

(Stadtbaurätin Merk sah das nicht so, als sie 2016 in der Wettbewerbs-Jury für die Schließung des Durchgangsraumes im Kopfbau stimmte. Damit löste sie die ganze Kalamität erst aus.)

Der Amt des Heimatpflegers wurde vom Stadtrat geschaffen und Herr Landbrecht vor zwei Jahren gewählt – um diese Missachtung zu erfahren? Im Unterschied zu Herrn Pfeil vom Landesamt für Denkmalpflege ist Herr Landbrecht unabhängig. Heimatpflegerischer Auftrag und fachliche Kompetenz rangieren hinter Profitinteressen – Herrn Landbrecht wird nur indirekt die Ehre erwiesen, indem man es nicht wagt, sich mit seiner Stellungnahme auseinander zu setzen. Ein Armutszeugnis für eine wichtige kommunale Behörde, für die fachliche Korrektheit und Dienst für die Allgemeinheit eine Verpflichtung sein sollte.  Es bleibt zu fragen, was es denn ist, was SIGNA in die Waagschale wirft, dass Politiker und Bürokraten der Stadt nichts mehr dabei finden, sich derart schäbig zu verhalten?

PS: Im Juli wird sich die Kommission für Stadtgestaltung (der Heimatpfleger ist Mitglied) mit der Alten Akademie befassen müssen. So ist es beschlossen und so steht es im Billigungsbeschluss, auch wenn die Stadtratsmehrheit nichts mehr davon hören und dazu sagen will. Auch der Satzungsbeschluss muss in einigen Monaten noch stattfinden.

Das Mittagessen ruft

Ein Tiefpunkt der Münchner Kommunalpolitik, wie es sich niemand hätte ausdenken wollen.

15. Mai – Sieben Minuten im Plenum des Münchner Stadtrats: Schon wieder… In ausgelassener und scherzhafter Weise eröffnet OB Reiter den Tagesordnungspunkt Alte Akademie. Brigitte Wolf von der Partei Die Linke hält eine knappe Gegenrede. Der längste von drei Redebeiträgen kommt zur Schande ausgerechnet vom Stadtratsnazi, CSU/SPD/Bayernpartei schenken sich jedes Wort. Die Verabschiedung des Billigungsbeschlusses im Bebauungsplanverfahren wörtlich: „Es ist noch nicht Mittagspause … Dann frage ich zum Referentinnenantrag nach Gegenstimmen … Damit mehrheitlich so beschlossen.“ Die schweigende Mehrheit hat nicht einmal die Hand zu heben.

http://www.muenchen.de/rathaus/Stadtpolitik/Der-Muenchner-Stadtrat/Der-Muenchner-Stadtrat-live.html
(auf der Webseite der Stadt derzeit (?) nicht mehr angeboten)

Die Ablösung des Nutzungsrechts für die demnächst dann nicht mehr öffentliche Arkadenfläche muss parallel zum Bebauungsplan ausgehandelt werden. Haben Vertreter der Stadt mit SIGNA schon Daumen mal pi eine Summe ausgemacht, nur schamhaft nichts veröffentlicht – ein paar Tausender, 100 Millionen oder – sechs Millionen?
(Nichtöffentliche TO: Teilaufgabe eines Arkadenrechts 1. Stadtbezirk Altstadt-Lehel, Referentin Berufsm. StRin Frank)

Termine des „extrem tiefen Kotau“* im Mai

Donnerstag, den 2. Mai: Öffentliche Sitzung des Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung ab 9:30 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses. Als 2. Punkt steht der Bebauungsplan 1975a „Alte Akademie“ auf der Tagesordnung. Der ausgearbeitete Entwurf für einen Billigungsbeschluss findet sich hier.
Ein erster Blick auf die 77 Seiten: Es gab 100 individuelle Einwendungen, 450 nach der Mustervorlage des Münchner Forums! Auf vielen Seiten werden diese Einwendungen fein säuberlich und überzeugend ausgebreitet – und dann allesamt abgewiesen! Mit sich wiederholenden stählernen Textbausteinen:„Mit Beschluss der Vollversammlung vom 21.02.2018 hat der Stadtrat die Planungsziele für das Bebauungsplanverfahren, insbesondere hinsichtlich der Arkadenflächen, neu formuliert und das Referat für Stadtplanung und Bauordnung beauftragt, diese Planungsziele dem Bebauungsplan zu Grunde zu legen.“ Kompetenz: Stadtratsmehrheit (Fraktionsführer). Keine Kompetenz: Bürgerinnen und Bürger. Oder „Die neue Arkade bietet weiterhin eine Erweiterung des öffentlichen Raumes.“ Basta!

Geplant ist, diesen Billigungsbeschluss am Mittwoch, den 15. Mai der Stadtrats-Vollversammlung vorzulegen. (Das wäre noch nicht der Schlusspunkt. Es braucht danach Satzungsbeschluss und Baugenehmigung)

Aktuelles Faltblatt der Aktion gegen den faulen Zauber

* so formulierte es Herbert Danner von den Grünen beim ersten Termin am 2. Mai. Brigitte Wolf von der Partei Die Linke sprach es aus: „Wem gehört die Stadt?“ Christian Müller (SPD) brachte wenig zur Sache, die Alte Akademie sei doch nicht mehr richtig alt, die neue Nutzung sei vertretbar… Er warnte vor einem lästigen „Kulturkampf“. Kampf verträgt die SPD nicht mehr und Kommerz ist eh die neue Kultur, also was ist schon dabei. Dass Alt-OB Hans-Jochen Vogel bei den Kulturkämpfern steht, ist nicht schön. Alte Übung hilft: Abtrünnige werden totgeschwiegen. Die CSU weiß sowieso nicht, was es da überhaupt zu reden gäbe und spart es sich gleich. Frau Merk freudestrahlend, damit es alle wissen: dies ist der erste Tag ihrer dritten Amtszeit. Sie ist mittlerweile draufgekommen, dass wenn der Investor architektonisch argumentiert (wie im Wettbewerb) das nur taktisch ist um im nächsten Schritt das nächste noch dazu zu verlangen. Dann nicht mehr architektonisch vorgetäuscht, sondern über machtbesitzende Politiker vorgebracht, die SIGNA’s Meinung durchsetzen. Sie will aber das fachliche Urteil zurückstellen (das schreiben wir jetzt so) und dem Wunsch der Stadtratsmehrheit Rechnung tragen = „Rollenverständnis der Stadtbaurätin“. Darum weiß diese Mehrheit genau, warum es praktisch war, sie zum dritten Mal aufgestellt zu haben. Artikel in AZ SZ

Schafft es SIGNA, München unter Druck zu setzen?

Jesuitenkolleg – Akademie der Wissenschaften – Wiederaufbau – Statistisches Landesamt – Entkernung – ?

Vor kurzem kam SIGNA mit einer Pressemeldung zur Alten Akademie heraus. Folgend einem alten Trick wird es darin so hingestellt, als wäre Baugenehmigung und Bauspart schon fix – so als wäre es schon eine feststehende Tatsache, wird getitelt: „Baustart noch diesen Sommer“.

In Wahrheit befindet sich der Plan der kompletten Umnutzung der Alten Akademie in der Phase des Bebauungsplans – die Gremien der Stadt haben diesen noch zu beschliessen, danach könnte SIGNA den Bauantrag stellen. Soll sich die Stadt München diesen dreisten Vorgriff bieten lassen, diese Geringschätzung kommunaler Planung und Hoheit? Können in unserer Stadt die Investoren ungeniert drängeln und so tun als ob?

Schauen wir uns ein paar Sätze oder Bruchstücke aus diesem Schmuckstück mal an:

„Nachdem die Mehrheit von CSU und SPD den von SIGNA favorisierten Plänen für das Redevelopment im Münchner Stadtrat am 21. Februar 2018 zustimmte …“
CSU/SPD/Bayernpartei haben vor einem Jahr gemeint, es gut finden zu müssen, dass SIGNA die Arkaden bis auf einen kleinen Rest eliminieren will. Das wurde in den Beschluss zum Start des Bebauungsplans zusätzlich aufgenommen. Der aktuelle Stand: das Planungsreferat ist dabei, das Bauvorhaben allseitig zu prüfen, es sammelt die Einwendungen aus der Bevölkerung und legt erneut dem Stadtrat vor. Dann wird es eine effektive Zustimmung des Stadtrats geben, vielleicht nicht oder mit Abstrichen. Termine sind noch nicht bekannt gemacht. Wie man hört, soll es Ende Mai auf die Tagesordnung der Vollversammlung kommen.

„Im Sommer 2019 werden die Vorabbaumaßnahmen beginnen.“
Womit soll es denn losgehen? Mit Vorabbau des Daches? Vorababriss des Hettlage-Gebäudeteils? Vorababtragung des Bodens des Schmuckhofs? Vorabentkernung einiger Gebäudeteile?

„Die Umbaumaßnahmen werden voraussichtlich Ende 2022 abgeschlossen sein.“
Das wären dann dreieinhalb Jahre für „behutsame Sanierung“.

„Das Gesamtinvestitionsvolumen beträgt über 400 Mio. Euro.“
Abzüglich des Kaufpreises wären das mindestens 160 Mio. Euro für „behutsame Sanierung“.

„… nach den hohen Maßstäben des Goldenen Quartiers in Wien.“
D.h. Vollkommerzialisierung für jene Kundschaft, bei der Geld keine Rolle spielt: „In einmaliger Innenstadtlage inmitten der Fußgängerzone … erwartet Sie ein einmaliges Shopping-Erlebnis: Im GOLDENEN QUARTIER reihen sich 20 internationale Labels – das Gros davon erstmalig – nebeneinander wie an einer Perlenkette auf. So komprimiert wie kaum an einem anderen Platz der Welt.“ (SIGNA-Webseite) Dabei ist schon klar: SIGNA hat das immer so gesagt – niemand in München hat das so gewollt, wenn man glauben darf – CSU/SPD/Bayernpartei sind nun als Übertölpelte zu Freunden „schöner Geschäfte“ (Zitat) geworden.

„… eine Gelegenheit, im Herzen der innerstädtischen Fußgängerzone ein charakteristisches Retail-Ensemble zu entwickeln, um in einer der bundesweit nachgefragtesten Einzelhandelslagen attraktive Flächen anzubieten.“
Allein darum geht es: Verkaufsflächen in bester Lage mit nobler historischer Fassade. Gepfiffen auf Geschichte, auf öffentlichen Raum, auf die Würde des Ensembles mit der Michaelskirche, auf die architektonische Leistung des Wiederaufbaus. Obwohl die äußerst profitorientierte SIGNA nie einen Cent an der Alten Akademie verdienen können wird (wie Leute dieses Fachs sagen), soll sie immer noch luxus-kaputt gemacht werden.

 In seinem Brief an OB Dieter Reiter schrieb Dieter Wieland 2017:
„An der historischen Erscheinung dieser Baudenkmäler, die so 1952 mit größtem Idealismus wieder aufgebaut wurden, darf nichts verändert werden. Es darf in keiner Weise ein Kaufhauscharakter entstehen, keinerlei Werbeschriften, Neonreklamen, Werbefahnen, Schaufensteraufschlitzungen etc. Der städtebaulich so einzigartige Straßenraum mit dem grandiosen Richard-Strauss-Brunnen von Hans Wimmer darf nicht durch Vitrinen oder Gastronomie zum Kaufhausvorplatz degradiert werden.
Die SIGNA-Immobilien GmbH ist schon eifrig und professionell damit beschäftigt, hier Tatsachen zu schaffen. Es ist bereits überdeutlich zu sehen, wie der Kommerz die Würde und Hoheit dieses Ortes beschädigt.“

Große Zeiten – Rückwärts ist Vorwärts – Hopp oder Top

Sören Jensen hat im manager magazin wieder eine Reportage über René Benko maßgeschneidert, wie schon im Dezember 2016. Wie damals groteskes Lob über familienunfreundliches, ungesundes Workaholic-Verhalten, mit Ausdrücken wie „rastloser Schwerstarbeiter“, „wie ein Besessener“. Ja, der Wahnsinns-Fleiß, aber wie war das gleich wieder mit den „Sekundärtugenden“? Wie damals wieder eine Latte von antiquierten Titelzuweisungen: „Kaiser“, „König“, „Fürst“, „Tycoon“. Man fragt sich: wie sehen diese Journalisten und ihre Leser sich und ihre Protagonisten – sektenähnlicher Realitätsverlust?

Offensichtlich hat Benko dem Artikel selber Stories beigesteuert. Eine davon geht so:
„Deutschland schleppte sich durch die letzte Januarwoche, als René Benko (41) in seinen Büroturm Upper West am Berliner Ku’damm lud. Die Führung seiner Unternehmensholding Signa und der Vorstand der Gewerkschaft Verdi trafen sich zum abendlichen Spitzengespräch, es ging um die Zukunft von Karstadt und Kaufhof, beides inzwischen im Besitz Benkos. Das Treffen dauerte mehr als acht Stunden, bis nach zwei Uhr morgens. Wenig überraschend, dass es keine Einigung gab. Die Gewerkschaftsbosse Frank Bsirske (67) und Stefanie Nutzenberger (55) opponierten pflichtgemäß gegen den anstehenden Personalabbau und die geplanten Tarifkürzungen.
Im Anschluss an die Marathonsitzung legten sich Benkos Topmanager schlafen. Nicht so er selbst. Er setzte sich an seinen Schreibtisch, fasste schriftlich das Gespräch zusammen und überlegte, wie er Verdi doch von seinem Vorhaben überzeugen könnte. Um halb vier in der Früh hatten seine Mitarbeiter in ihren Postfächern die Mails des Chefs mit To-do-Listen. Und um sieben Uhr morgens saß Benko schon wieder im Büro.“
So die Ego-Perspektive des Order verteilenden Muftis – für die Belegschaft von Karstadt und Kaufhof ist die derzeitige Situation wie ein Schlag in den Unterleib.

Entlassungen – Lohnraub – Tarifflucht – rüde Methoden – Alleinherrschaft – Verdunkelung

Die Karstadt-Belegschaft wurde bereits in den letzten Jahren ausgedünnt. Nach der Tarifflucht 2011 wurde 2016 die Rückkehr in den Flächentarifvertrag bis 2021 vereinbart. Der Verlust durch Lohnstopp liegt schon bei 12% und Karstadt macht keine Anstalten, dies wie vereinbart, bis 2021 auszugleichen. Denn nun ist auch Kaufhof aus dem Tarifvertrag ausgestiegen und darüber hinaus wird noch ein „finanzieller Beitrag der Belegschaft“ gefordert. Ein Teil der Belegschaft soll durch Aufspaltung in Kundenberater und „Warenverräumer“ abgewertet werden. Viele Beschäftigte der Kaufhofzentrale in Köln werden gekündigt – dürfen sich aber für die neue Zentrale wieder bewerben. Die Beteiligung der Belegschaft an einem Warenhauskonzept wie sie von verdi gefordert wird, ist das Letzte, worauf sich die Chefetage freiwillig einlassen wird. Genauso wenig wie sie die Verschleierung von Immobilienbesitz und Mieten lüften wird. (Das sind nur Stichpunkte, bitte informieren Sie sich eingehender in den Medien, z.B. hier oder hier.)
Das Management von Signa bei Karstadt und Kaufhof steht absolut konträr zur Belegschaft. Das SIGNA-Modell von Offizieren und Mannschaften kann wohl am besten als modernisierte k. u. k. Militärmaschine verstanden werden (kaiserlich königlich …). Wir wünschen der Belegschaft der Warenhäuser, dass sie sich durch Widerstand gegen diese Pläne ihre Würde erhalten kann!

Eine andere Geschichte schreibt Jensen nach seinen heißen Informationen so nieder:
„Über einen Zusammenbruch des noch jungen Imperiums, etwa in einer neuen Finanzkrise, muss man sich wohl keine Gedanken machen. Den Immobilienbesitz von mittlerweile 14 Milliarden Euro finanziert der Aufsteiger konservativ – mit nur knapp 50 Prozent Fremdkapital. Der Zinssatz ist im Schnitt 17 Jahre lang gebunden, branchenüblich sind sechs Jahre. Den Elbtower hat Benko bereits auf 25 Jahre durchfinanziert. Er zahlt kaum mehr als 2,5 Prozent Zinsen per annum.“

Und das Jahre vor dem womöglichen Baubeginn – wer kennt die Wahrheit? In der Hamburger Morgenpost liest sich das nämlich anders:
„In der Tat scheint Signa äußerst potent, kauft mal eben für angeblich 110 Millionen Euro die Gänsemarkt-Passage, will sie abreißen und einen Neubau errichten. Für das Elbtower-Grundstück soll Benkos Firma 120 Millionen Euro hingeblättert und andere Investoren aggressiv überboten haben.
Das lässt aufhorchen. In der Bau-Szene wird sein Vorgehen kopfschüttelnd zur Kenntnis genommen. Warum? Weil Benko volles Risiko geht, auf niedrige Zinsen setzt. Sollte die Immobilien-Blase jedoch platzen, wäre seine Firma wohl am Ende, sagt die Konkurrenz.“

Nach „vielen Treffen“ mit Benko ist Jensen seinem Held so nah, dass er dessen Einstieg in österreichische Zeitungen als „Hilfe“ idealisieren möchte:
„2018 – Kronenzeitung: Mit seinem ersten Medienengagement will Benko helfen, die lähmende Blockade unter den Verlegerfamilien des Wiener Traditionsblatts aufzulösen.“
Völliger Unsinn, der Streit ist nur heftiger und öffentlich geworden. Hans-Peter Siebenhaar vom Handelsblatt sieht die Aktion im Zusammenhang mit dem System von „message control“ des österreichischen Kanzlers Kurz:
„Denn der ehemalige Jura-Student hat mit Dutzenden seiner Getreuen an den Schaltstellen der politischen Macht das System der „message control“ eingeführt. Für die österreichischen Medien wird seitdem ein minuziöses Drehbuch mit ausgewählten Inhalten geschrieben. Kein Wort wird dem Zufall überlassen. (…) Für die österreichischen Medien im Land ist das System der „message control“ hingegen ein Desaster. Sie drohen zum Dienstleister der politischen Macht zu werden. (…)  Ohnehin ist der Kurz-Freund und Immobilienmilliardär René Benko beim „Kurier“ und der „Kronen Zeitung“ als Gesellschafter eingestiegen. Das verbindet. (…) In dieser Woche fragte mich ein international erfahrener Diplomat in Wien, ob Österreich immer stärker an Osteuropa heranrücke. Im Hinblick auf die Medien ist das bereits der Fall – zum Nachteil einer lebendigen und pluralistischen Demokratie.“

Und die letzte Story, die wir kopfschüttelnd zitieren:
„2019 – Alte Akademie. Beginn des Umbaus beim früheren Jesuitenkolleg in München. Das Gebäude in bester Citylage soll Geschäften und Wohnungen, aber auch Kunst und Kultur Platz bieten.“
Ja, lieber Herr Jensen, Signa-Infos sollte man schon auch mal überprüfen. Null Kunst und Kultur und vor dem vorweggenommenen Baubeginn kommen noch die Einsprüche aus der Münchner Bevölkerung im Bebauungsplanverfahren und die Baugenehmigung.

– 100 Jahre nach dem Abgang des Adels –
(Foto aus dem Film „Der Untertan“ nach dem Roman von Heinrich Mann)

Das Kaufhaus Hettlage in den 50er Jahren (Bild: Architekturmuseum der TU München)

Im Moment läuft das Bebauungsplanverfahren. Die Verwaltung hat viel zu prüfen und die Einwendungen aus der Bevölkerung zu sichten, um sie dem Stadtrat vorzulegen. Aus der Einwendung des BDA Bayern (Bund Deutscher Architekten) möchten wir zitieren (hier vollständig veröffentlicht):

„Das Problem dabei ist, dass dies nicht nur einen Verlust öffentlichen Raumes in der ohnehin stark frequentierten und dort auch relativ schmalsten Stelle der Fußgängerzone darstellt, sondern dass die Qualität des Kaufhaus-Neubaus seiner wesentlichen Charakteristik beraubt wird. Die wohlproportionierte Fassade mit ihrer eleganten Flächigkeit in den Obergeschoßen kontrastiert mit der durch tiefe Schatten plastisch wirkenden Arkaden im Erdgeschoß über Eck zu beiden Seiten des kubisch wirkenden Gebäudes.
Es ist überhaupt nicht nachzuvollziehen, warum die Stadt ohne Bedenken und ohne Not einer solchen Banalisierung und Entwertung des denkmalgeschützten Baus von Prof. Wiedemann zustimmen will, nachdem der Investor den Gesamtkomplex schließlich ausdrücklich mit der Maßgabe der Erhaltung der Arkaden als öffentlich gewidmeten Raum vom Freistaat Bayern erworben hat und seine wirtschaftlichen Interessen immer noch bestmöglich verfolgen kann, zumal das Gebäude durch Entkernung ohnehin im Innern neuen Anforderungen beliebig entsprechen kann. Dass dabei die für die Architektur von Josef Wiedemann typische Innenraumdisposition mit atriumartiger Aufweitung und geschwungenem Treppenlauf verloren geht, ist schon bedauerlicher Verlust genug.
Es war ein Kunstgriff des damaligen Architekten, eine Kaufhausnutzung funktional bestmöglich zu realisieren und gleichzeitig die notwendig großflächigen Schaufenster in der Fassade zurücktreten zu lassen, um der Würde der angrenzenden historischen Erscheinung der Renaissance-Fassade und seiner früheren Nutzungen der Alten Akademie zu entsprechen. Soll dies keine Bedeutung mehr haben?
Die vom Investor anscheinend als Kompensation gedachte Öffnung des Schmuckhofes ist zwar grundsätzlich begrüßenswert, stellt jedoch keinen Ersatz für den Verlust des öffentlichen Bewegungsraumes im Fußgängerbereich dar und erst recht nicht für die nachteilige Veränderung des Fassadenbildes. Man kann sich fragen, was an Denkmalwert bei dem Gebäude eigentlich noch übrig bleibt, zumal zu befürchten ist, dass bei der Realisierung der mehrgeschossigen Tiefgarage die Erhaltung der Fassade in situ auch noch nachträglich infrage gestellt werden könnte.“