Achtung Innenstädte, der Bock kommt als Gärtner!

Der Mann hinter Olaf Scholz (damals Erster Bürgermeister Hamburgs) und Ramona Pop (Wirtschaftssenatorin in Berlin): Timo Herzberg, Fachkraft für kapitalorientierte Stadtverwertung und manipulierende Begriffsverwendung

Überall im Land veröden die Innenstädte, Corona beschleunigt ihren Niedergang …

„Monostrukturelle und austauschbare Orte sind nicht zukunftsfähig“, sagt Timo Herzberg. Er leitet die Signa Real Estate Germany, eine milliardenschwere Immobilienfirma aus dem Reich des österreichischen Investors René Benko. Ihr gehören Häuser wie das KaDeWe in Berlin oder das Alsterhaus in Hamburg. Aber auch mehrere Flächen in bester Lage, wo nun „mischgenutzte Quartiere“ entstehen sollen, in denen nicht mehr nur geshoppt wird, sondern auch gewohnt, gearbeitet, gespeist, Sport getrieben und Kultur genossen. Am Ku’damm 231 in Berlin soll so ein neues Quartier entstehen, genau wie in der Alten Akademie in der Münchner Fußgängerzone, sagt Herzberg. Ganz wichtig seien auch „Rückzugsmöglichkeiten ohne Konsumdruck“. Große Dachterrassen zum Beispiel. (Artikel in Die Zeit, 12/2020, ähnlich im Handelsblatt)

Timo Herzberg sagt die Unwahrheit – und er tut das unbesorgt, weil das in seiner Position ein Leistungskriterium ist und wahrscheinlich ist er darin ja nicht mal schlecht. In Berlin und Hamburg hat er für SIGNA aus den Händen von SPD und Grünen in weiten Bereichen die Stadtplanung übernommen. Dazu gäbe es viel zu sagen, wir wollen hier seine Behauptung für München gerade rücken (als Wiederholung dessen, was in diesem Blog seit über vier Jahren dokumentiert ist).

Die Alte Akademie ist nun seit letztem Jahr bis 2023 Baustelle. Bis auf die Fassade wird fast alles entkernt und abgerissen werden. Für ca. 400 Millionen Euro (Geld ist kein Problem) wird ein historisches Ensemble zerstört. Mit ihm bestens geeignete Räume für vielfältige Nutzungen, die (für eine viel geringere Summe) das städtische Leben hätten bereichern können. Durch kulturelle und wissenschaftliche Einrichtungen (wie früher), durch Wohnungen zu sozialen Preisen, durch kleine Büros und die Art von Läden, die aus der Innenstadt reihenweise vertrieben werden …

Das wäre dann tatsächlich ein „mischgenutztes Quartier“ – offen und attraktiv für die ganze Bevölkerung und ein Beitrag zur Umorientierung der Geschäftszone Innenstadt auf den Maßstab Mensch statt Maßstab Konsument. Aber die schonungslose Kommerzialisierung schlägt auch auf ihre Verursacher zurück: damit das Geschäft weitergehen kann, sieht sich die Managementebene zum Gegensteuern veranlasst, manchmal mit Fehlererkenntnis und vielleicht auch guten Absichten.
Zitate aus dem obigen Artikel der Zeit:

Die Menschen sollen sich wohlfühlen in den Innenstädten. „Vorbilder sind nicht mehr die uniformen Shoppingtempel und Fußgängerzonen, die die Konsumenten zunehmend langweilen“, sondern wie die Städte mit ihrer Vielfalt und Nutzungsmischung früher einmal waren.“ – „Die Menschen wollen sich durch pittoreske Städte treiben lassen, sie laufen lieber durch Freiburg oder Lübeck als durch eine gesichtslose Einkaufsstraße“. –  „Wo Warenhäuser verschwinden, gibt es wieder Lücken für Fachhändler“. Die müsse man unterstützen. Man könnte auch Nutzungen in die City holen, für die bislang oft kein Platz war: Uni-Institute, Schulen, Museen, Theater.“

Nicht so SIGNA und Timo Herzberg. SIGNA  betreibt eben in Berlin und Hamburg mit Neuplanungen massiv die Zerstörung noch bestehender Viertelstrukturen durch Hochhäuser und Ummodelung von erhaltenswertem Bestand zu Profitzentren. Die laufenden Projekte in Wien, Bozen oder München sind genau nach dem Schema der Stadtzerstörung, das jetzt langsam und nicht nur wegen Corona an die Wand fährt. So wie sie es in der Alten Akademie machen: „Mischgenutztes Quartier“ auf extrem-kapitalistisch: Zweitwohnungen für Millionäre, Edelbüros für Vermögensverwaltungen, Kaufhallen für internationale Edelmarken (künftige Mieter werden nicht genannt).
Keine Kultur, keine öffentlichen Einrichtungen, keine Rückzugsräume ohne Konsumdruck, kein Platz und keine einzige Wohnung für Menschen mit wenig Geld …

Pittoreske Fassade – dahinter uniformer Shoppingtempel. Die Nutzung –  Vernutzung – der Alten Akademie durch SIGNA hat nicht den geringsten sozialen Anteil: weder in der Absicht, noch dass dieser von der Stadt München oder dem Staat Bayern eingefordert worden wäre. Die Wahrheit ist, dass die Innenstädte wie die Städte insgesamt zum Quartier für die Immobilienbesitzer und -verwerter gemacht wurden. Durch das unsoziale Bodenrecht, durch Intransparenz, durch Steuerschlupflöcher, durch das dienende Verhalten der Parteien und amtlichen Bürokratie… In diesem Sinne gibt es nicht einmal eine Mischnutzung, sondern eine einzige Nutzung zum Geldmachen für Wenige. Die große Masse der Bevölkerung wird von der Mitbestimmung über ihre Stadt ausgeschlossen und zu Konsumenten degradiert. In die Nachnutzung der ehemaligen Alten Akademie werden die meisten nur zum Schauen gehen können, was der Oberklasse so gegen ihre Langeweile geboten wird … Die Schandtat an der Alten Akademie ist diametral dem entgegengesetzt, was aus unserer Stadt werden könnte und sollte und kein Beispiel, das man anderswo erzählen kann!

Der Herr Soundso – eine Skizze von Charles Dickens

Der große Erzähler Charles Dickens bereiste 1842 die nordamerikanischen Staaten und fand dort einen Typus vor, der noch heute seine Mitmenschen blenden kann, weil die gesellschaftlichen Voraussetzungen es noch immer erlauben, auf Kosten anderer den dicken Mann zu spielen.

„Ein anderer Charakterzug ist die Lust am „smarten“ Handel, die manche Schwindelei und manch groben Treuebruch beschönigt, manchem Schurken die Macht gibt, sein Haupt höher zu tragen als ein ehrlicher Mann, obgleich er den Galgen verdient – aber diese „Smartness“ hat ihre Früchte getragen, denn sie hat in wenigen Jahren dem öffentlichen Ansehen mehr geschadet als die einfältigste, unbesonnenste Ehrlichkeit in einem Jahrhundert vermocht hätte. Mutwillige Bankrotteure und glückliche Schwindler werden nicht nach der goldenen Regel „Handle so, wie Du behandelt werden möchtest“, sondern nur nach ihrer „Smartness“ beurteilt. Ich entsinne mich, dass mir beide Male, als ich an jenem unseligen Cairo am Mississippi vorbeifuhr und von den schlimmen Folgen sprach, die solch grobe Betrügereien haben müßten, wenn sie ans Tageslicht kämen, erwidert wurde, es sei doch ein „smartes“ Unternehmen gewesen, mit dem ein gutes Stück Geld verdient worden sei: und das „Smarteste“ sei gewesen, dass man die ganze Geschichte gar bald vergessen und wieder zu spekulieren angefangen habe wie früher. Folgenden Dialog führte ich mehr als hundertmal mit Amerikanern: „Ist es nicht eine Schande dass der Soundso durch die infamsten und abscheulichsten Mittel zu einem großen Vermögen kommt und trotz all seiner Verbrechen unter euch Bürgern geduldet wird? Ist er nicht ein öffentliches Ärgernis? Wie?“ – „Ja, Sir.“ – „Ein überführter Lügner?“ – „Ja, Sir.“ – „Er hat schon Fußtritte bekommen und Stockschläge?“ – „Ja, Sir.“ – „Er ist ein ganz ehrloses, niedriges und verworfenes Subjekt?“ – „Ja, Sir.“ – Nun denn, um Gottes willen, worin besteht sein Verdienst?“ – „Ja, Sir, es ist doch ein smarter Kerl.“

Charles Dickens, Amerika, Verlag Winkler

Verkehrte Welt

Aktualisierung am 25. Januar

Bebauungsplan durchgewunken, Entscheidung verschoben

Gigantismus wieder eine Etappe weiter

Aktualisierung am 17. Dezember

Dicker Nebel in Hamburg

Bei der BILD-Zeitung stimmt die Welt wieder (im Falschen). Heute schreibt dort ein eingewechselter Redakteur spekulantenfreundlich, wie es sich für das Kapitalistenblatt gehört:
NEUER BLICK AUF KÜNFTIGES WAHRZEICHEN – Ein HOCH auf den Elbtower

Was war passiert?

Hamburger Abendblatt, 11. Dezember
Fehlplanung? Hamburgs Politik stellt den Elbtower in Frage

Zitat: „Die Bürgerschaft hat beschlossen, dass es eine Baugenehmigung für den Elbtower nur geben wird, wenn eine Vorvermietungsquote von 30 Prozent für die Büroflächen vom Bauherrn nachgewiesen wird. Die Absicht der HafenCity GmbH und der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen (BSW), stattdessen eine Bankbürgschaft zu akzeptieren, die eine Finanzierung des Bauvorhabens nachweist, entspricht nicht dieser Beschlusslage. Es wird dazu zeitnah Gespräche mit der HafenCity GmbH und der BSW geben. Wir wollen schließlich nicht in dieser exponierten Lage einen leerstehenden Wolkenkratzer haben“, sagte Markus Schreiber, der SPD-Abgeordnete ist Mitglied im Haushaltsausschuss.

Noch ehe dieser dreiste Trick im Senat besprochen wird, zaubert SIGNA und präsentiert einen Mieter – hallo, hallo!

z.B. Hamburger Morgenpost, 16. Dezember
Hamburgs Riesenturm – Der erste Mieter will in den Elbtower

Und schon berappelt sich das bewährte Zusammenspiel von SIGNA, Immobilienspekulantenszene, Presse und SPD/Grüne-Senat ziemlich schnell und die Propagandamaschine verdrängt mit Siegerphantasien die Sorgen um das fragwürdige Projekt. Nur hinter vorgehaltener Hand bleibt Skepsis druckfähig: Hamburger Abendblatt: „Muss ein solcher Büroturm unbedingt gebaut werden?“„Hat sich Rene Benko verspekuliert?“

Eine Anfrage (mit der Antwort) von der linken Abgeordneten Heike Sudmann erhellt u.a. die Zusammenhänge um die Vorvermietungsforderung und deren eventuellen Ersatz durch Finanzzusage der beteiligten Banken: Kleine Anfrage an den Senat (Seite 4)

In CDU, FDP, Die Linke, SPD – überall gibt es Kritiker*innen, nur in einer Partei übrigens nicht: bei den Grünen. Sie haben dem geplanten Turm 2018 ihr wertloses Nachhaltigkeitssiegel mit einer großen Portion Geschwätz verliehen: „Ein neues Stadttor – hanseatisch und dynamisch zugleich“. Die verkehrte Welt bei den ehemals Grünen.

Wir sind gespannt wie es weitergeht. Der Elbtower ist ein Projekt des Größenwahns, des Profits einerseits und der Horrorwelt von Mega-Cities andererseits. Ein Projekt der Technik-Maschine, die Probleme schafft, statt Probleme zu lösen. Er wird hoffentlich nicht gebaut werden.


Die geforderte Vorvermietung von Büroflächen im Elbtower bleibt aus – egal?

Die BILD-Zeitung lügt, das ist bekannt. Was nun in der Hamburger BILD zu lesen war, wird deshalb auch nur ein Zipfel der Wahrheit sein.
Zwei Artikel hat dieses Blatt in den letzten zwei Wochen über den geplanten „Elbtower“ publiziert und wir verlinken diese hier nur, weil keine andere Zeitung darüber berichtet: 

Am 20.11.: Keiner will in 700-Mio-Projekt: Mietstillstand im Elbtower

Am 28. 11.: Eklat um Elbtower! Hamburger Senat hintergeht Parlament!

Meldungen dieses Blattes kommentieren wir nicht und warten gespannt darauf, dass Parteien (welche ?) und andere Presseorgane ihre Aufgaben wahrnehmen! Da BILD weder SIGNA noch Benko beim Namen nennt, ist übers Internet noch wenig durchgedrungen. Angesichts dessen, dass München mit ähnlichen Projekten beglückt werden soll: Bleiben Sie an der Sache dran!

… wird auch „Scholz-Tower“ genannt.

Wieder mehr lesen!

Das Ende einer Illusion

Die große Verheißung unbegrenzten Fortschritts – die Aussicht auf Unterwerfung der Natur und auf materiellen Überfluss, auf das größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl und auf uneingeschränkte persönliche Freiheit – das war es, was die Hoffnung und den Glauben von Generationen seit Beginn des Industriezeitalters aufrechterhielt. Zwar hatte die menschliche Zivilisation mit der aktiven Beherrschung der Natur durch den Menschen begonnen, aber dieser Herrschaft waren bis zum Beginn des Industriezeitalters Grenzen gesetzt. Von der Ersetzung der menschlichen und tierischen Körperkraft durch mechanische und später nukleare Energie bis zur Ablösung des menschlichen Verstandes durch den Computer bestärkte uns der industrielle Fortschritt in dem Glauben, auf dem Weg zu unbegrenzter Produktion und damit auch zu unbegrenztem Konsum zu sein, durch die Technik allmächtig und durch die Wissenschaft allwissend zu werden. Wir waren im Begriff, Götter zu werden, mächtige Wesen, die eine zweite Welt erschaffen konnten, wobei uns die Natur nur die Bausteine für unsere neue Schöpfung zu liefern brauchte.

Männer und in zunehmenden Maß auch Frauen erlebten ein neues Gefühl der Freiheit. Sie waren Herren ihres eigenen Lebens; die Ketten der Feudalherrschaft waren zerbrochen, sie waren aller Fesseln ledig und konnten tun was sie wollten. So empfanden sie es wenigstens. Und obwohl dies nur für die Mittel- und Oberschicht galt, verleiteten deren Errungenschaften andere zu dem Glauben, die neue Freiheit werden schließlich allen Mitgliedern der Gesellschaft zugute kommen, wenn die Industrialisierung nur im gleichen Tempo voranschreite. Sozialismus und Kommunismus wandelten sich rasch von einer Bewegung, die eine neue Gesellschaft und einen neuen Menschen anstrebte, zu einer Kraft, die das Ideal eines bürgerlichen Lebens für alle aufrichtete: der ideale Bourgeois als Mann und Frau der Zukunft. Leben erst alle in Reichtum und Komfort, dann, so nahm man an, werde jedermann schrankenlos glücklich sein. Diese Trias von unbegrenzter Produktion, absoluter Freiheit und uneingeschränktem Glück bildete den Kern der neuen Fortschrittsreligion und eine neue irdische Stadt des Fortschritts ersetzte die „Stadt Gottes“. Ist es verwunderlich, dass dieser neue Glaube seine Anhänger mit Energie, Vitalität und Hoffnung erfüllte?

Man muss sich die Tragweite dieser großen Verheißung und die phantastischen materiellen und geistigen Leistungen des Industriezeitalters vor Augen halten, um das Trauma zu verstehen, das die beginnende Einsicht in das Ausbleiben ihrer Erfüllung heute auslöst. Denn das Industriezeitalter ist in der Tat nicht imstande gewesen, seine große Verheißung einzulösen und immer mehr Menschen werden sich folgender Tatsachen bewusst:
– dass Glück und größtmögliches Vergnügen nicht aus der uneingeschränkten Befriedigung aller Wünsche resultieren und nicht zu Wohl-Sein führen;
– dass der Traum, unabhängige Herren über unser Leben zu sein, mit unserer Erkenntnis endete, dass wir alle zu Rädern in der bürokratischen Maschine geworden sind;
– dass unsere Gedanken, Gefühle und unser Geschmack durch den Industrie- und Staatsapparat manipuliert werden, der die Massenmedien beherrscht;
– dass der wachsende wirtschaftliche Fortschritt auf die reichen Nationen beschränkt blieb und der Abstand zwischen ihnen und den armen Nationen immer größer geworden ist.;
– dass der technische Fortschritt sowohl ökologische Gefahren als auch die Gefahr eines Atomkrieges mit sich brachte, die jede für sich oder beide zusammen jeglicher Zivilisation und vielleicht sogar jedem Leben ein Ende bereiten können.

Erich Fromm, Haben oder Sein, Einführung, 1976

Fahrgeometrisch gesehen muss das weg

Das Denkmal wird der neuen Nutzung angepasst: statt des offenen Torbogens wird eine eingehauste Ladezone und Einfahrt zur Tiefgarage von kommerziellem und technischem Fortschritt künden – es lebe das Rolltor …

„Die Durchfahrt (Torbogen) an der Kapellenstraße ist auf eine Breite von 5,00 m aufzuweiten und auf eine lichte Höhe am oberen Torbogen von ca. 6,00 m zu erhöhen, um die Zufahrt fahrgeometrisch zu ermöglichen.“
(Auslobungstext)

Frau Merk vom Referat für Stadtplanung und Bauordnung und Herr Pfeil vom Landesamt für Denkmalpflege gaben ihre Zustimmung bereits 2015.

Das kam diesmal zu spät …

17. Oktober: Am Tag der Schließung ihrer Galeria-Filiale wird Benko in Düsseldorf von entlassenen Beschäftigten symbolisch vermöbelt.

Ihre Arbeitsplätze und ihre minimalen Abfindungen haben sich zusammen mit den unbezahlten Rechnungen von Vermietern und Lieferanten in ein „gutes Polster“ verwandelt. (So Galeria-Chef Müllenbach zur FAZ, 27. Okt.). Insolvenz in Eigenregie = gesetzlich geförderte Gelegenheit zu Erpressung und Wirtschaftsbetrug? Mit der Insolvenzbeute konnte Benko auch noch einige neue Spekulationsimmobilien finanzieren …

Die Kollegen und Kolleginnen haben zusammengehalten, gekämpft und gelitten. Sie hatten Solidarität und Unterstützung. Letztlich gelang es den Benko-Leuten doch, die Sorge um die Kaufhäuser und Innenstädte in einem Schmierenstück zu ihren Gunsten zu nutzen. Der Kaufhaus-Versager Benko blieb Herr des Konzerns, die Beschäftigten, deren Arbeit alles erhält, waren wieder einmal die Bittsteller, der Ausschlachter kam davon und wird genauso weitermachen. Damit das nächste Mal – es wird kommen – nicht nur die Wut bleibt, darf die Gewerkschaft verdi nicht mehr den großen Fehler machen, auf die Durchsetzungsmittel Arbeitskampf und Streik von vorneherein zu verzichten. Benko führt seine Geschäfte wie einen Krieg und das braucht die dementsprechende Antwort, dann haut es auch Benko die Luft raus: Wenn die Arbeiter*innen die Befehle verweigern, wird auch der unverschämteste Großkotz klein!

… und er hat sie alle abgezockt!

Warum Schulden bezahlen, wenn es auch anders geht?

In einem Mitarbeiterbrief betonte GKK-Chef Miguel Müllenbach: „Der heutige Tag ist der Startschuss für einen Neuanfang, denn unser Unternehmen hat jetzt wieder eine gesunde Basis und die Aussicht auf eine sichere Zukunft.“ Der Warenhausriese könne sich voraussichtlich schon im Oktober wieder ohne irgendwelche insolvenzrechtlichen Einschränkungen und schuldenfrei dem Wettbewerb stellen. ….
Für die Gläubiger bedeutet das Ja zum Insolvenzplan den Verzicht auf einen Großteil des Geldes, das ihnen der Warenhauskonzern noch schuldet. Insgesamt müssen die Lieferanten, Vermieter und sonstigen Gläubiger auf mehr als zwei Milliarden Euro verzichten.
Für die Gläubiger gab es kaum eine andere Wahl, als dem Plan zuzustimmen. Bei einer Ablehnung des Insolvenzplans hätten sie wohl überhaupt nichts von ihrem Geld wiedergesehen. (alles aus der Süddeutschen Zeitung)

Der Spieleinsatz von Benko soll sich auf mehrere hundert Millionen beziffern – ein guter Schnitt.
Der Spieler nennt seinen Coup „Rettung für Galeria Karstadt Kaufhof“ statt „gelungene Erpressung“ und so lautet dann auch die Überschrift in der Zeitung. Es kann also weitergehen: Fortsetzung folgt…

Hochachtung vor dem Bezirksausschuss Ramersdorf/Perlach und allen Beteiligten, die mit Herz und Entschlossenheit ein ortsprägendes Gebäude verteidigen! (Bericht in der SZ vom 18.August)

Ganz anders Söder (damals Finanzminister), der Stadtrat Münchens und das Landesamt für Denkmalpflege im Fall Alte Akademie: sie haben ihren historischen und charakteristischen Wert nicht mal erkannt, sie haben den Immobilienspekulanten Benko eingeladen, sein Umnutzungsprojekt geradezu hofiert und schlussendlich (fast) alles genehmigt.

Der Einsatz der Perlacher zeigt, wie man auftreten kann, während bei der Alten Akademie die Werkzeuge des Denkmal- und Ensembleschutzes weggeworfen wurden:

Keine Umnutzung!

Die Alte Akademie hat über Jahrhunderte ausschließlich kirchliche, wissenschaftliche, staatliche Institutionen beherbergt. Die letzte Nutzung durch das statistische Landesamt nach dem Wiederaufbau hat bestens geeignete Räumlichkeiten für eine ähnliche Weiterverwendung hinterlassen. Der Bedarf dafür wurde kurzerhand verneint und das Ensemble meistbietend verkauft. Folge: Rein gewerbliche Nutzung eines historisch herausragenden Kulturbaus.

Keine gravierenden Veränderungen im Inneren!

Nach Buchstaben und Sinn des Denkmalschutzgesetzes ist das Innere eines Denkmals ebenso geschützt wie das äußerlich Sichtbare. Niemand der Verantwortlichen hat sich für das Innere mit vielen charakteristischen Details des Nachkriegs-Wiederaufbaus eingesetzt. Folge: Komplette Entkernung, kaum eine Wand im Inneren bleibt, alles wird für die neue Nutzung rausgerissen: für Kaufhaus, Luxusbüros, Luxuswohnungen.

Keine gravierenden Veränderungen im Äußeren!

Nach den Verwertungswünschen des neuen Besitzers soll – soweit es diesen als Aushängeschild dient – die Fassade erhalten werden. Da muss man schon sehr gutgläubig sein. Wie weit das tatsächlich der Fall sein wird, hängt von der nichtöffentlichen Baugenehmigung ab… Zugestanden wurde Benko schon die weitgehende Schließung und Verhunzung der Arkaden, die Zerstörung des Einfahrtstores, der Abbruch des Dachgeschosses und neue „zeitgemäße“ Dachgauben im Hinterhof.

Kein Entgegenkommen für unlautere Gewinnabsichten!

Wo die Perlacher sagen, der neue Besitzer muss wissen, worauf er sich eingelassen hat – dass er ein Denkmal erworben hat – wird bei der Alten Akademie das Gewinninteresse Benkos über alles gestellt: der horrende Kaufpreis rechtfertigt alles, was er für nötig hält, um aus der Alten Akademie als einem Verwertungsobjekt Gewinn zu schlagen. Die lächerlichen, propagandahaften Verdrehungen der SIGNA-Leute, dass nun endlich dieses Gebäude „begehbar“ und „geöffnet“ werde, wurden begeistert im Stadtrat übernommen.

Erhalt des historischen, sozialen und kulturellen Zusammenhangs!

Die Alte Akademie ist in der Neuhauser Straße das letzte nicht-kommerzielle Ensemble, von hohem historischen und einem wieder gewinnbaren kulturellen und sozialen Wert. Gehandelt wurde nach einer anderen Maxime: die Innenstadt München als Zentrum für Kommerz, Profitmacherei durch Bodenspekulation, ein Standort, an den die Reichen der Welt ihr Geld tragen sollen… Die Kommerzialisierung der Alten Akademie wurde geradezu als Vervollkommnung dieses Umbaus der Innenstadt von einem kulturellen und sozialen Treffpunkt zur Einkaufscity hochgeredet.

Leider ist Perlach keine eigenständige Gemeinde, muss man jetzt sagen. Zuständig ist der Stadtrat Münchens und ausgerechnet das Münchner Referat für Stadtplanung und Bauordnung wird diesen Bauantrag bearbeiten. Rechtlich hat ein Bezirksausschuss kaum etwas zu sagen und seine Meinung wird regelmäßig im Interesse der Spekulation übergangen.

Den Perlachern wünschen wir Standhaftigkeit und Erfolg in ihrem Kampf für den Gasthof zur Post!

Und trotzdem mit Vollgas in die Katastrophe hinein bauen

„Im Dezember 2019 hat der Münchner Stadtrat den Klimanotstand für München ausgerufen und gleichzeitig die Stadtverwaltung beauftragt, einen Handlungsplan zu erarbeiten, wie das Ziel der Klimaneutralität der Gesamtstadt bereits in 2035 erreicht werden kann.“ ((muenchen.de) Dennoch gibt es einen Mann an entscheidendem Posten, der davon noch nichts gehört hat bzw. meint, es ignorieren zu dürfen.

Es gibt ja viele Leute (zuletzt Architekt Peter Haimerl in der SZ vom Wochenende), die überzeugt sind, dass München nichts derartiges wie eine Stadtplanung besitze. Dagegen steht, dass kürzlich, am 5. August, die SZ im Interview einen Mann präsentierte, der behauptet, gerade der neue Leiter der Stadtplanung in München geworden zu sein! Michael Hardi ist ein Eigengewächs aus dem Referat, das seltsamerweise auch „Stadtplanung“ im Namen führt. Beweist er mit dem alten abgestandenen Kalauer „Aber wir können nicht wie im Mittelalter die Zugbrücke hochziehen und sagen: Wir sind voll, keiner darf mehr rein“ die Qualität für den Posten? Mit dem pseudo-sozialen „Wir müssen unseren Platz teilen“ (soll heißen: die Baumafia verlangt Grundstücke und Baugenehmigungen) zeigt er schon Fähigkeiten im Nachsprechen Orwell’scher Sprechblasen.

Keine Scherze mehr. In dem Gespräch, das Sebastian Krass für die SZ führte, geht es nur um eins: Bauen, bauen, bauen – und es wird toll, machen Sie sich keine Sorgen!

Es geht einzig darum, dass München möglichst bald dicht sein soll – dafür wird der Mangel an Wohnungen instrumentalisiert (der wiederum Folge solcher landesweiter Nichtplanung ist). Offensichtlich geht es aber darum, dass die derzeit aktiven Grundstücksbesitzer und Baulöwen schnell ihr Futter bekommen – die letzten freien Flächen zur maximalen Bebauung. Das Wettrennen um die letzten Gelegenheiten läuft und Hardi macht den Weg frei. Auf Kosten der restlichen Bevölkerung, für die er Verständnis übrig hat. Von der wichtigsten Aufgabe einer tatsächlichen Stadtplanung, München auf die Klimakatastrophe vorzubereiten, ist dagegen nicht im Ansatz die Rede. Herrn Hardi (der als Untergebener von Frau Merk wohl nicht anders kann) nicht zu konfrontieren, geht auf das Konto der SZ-Lokalredaktion, die brav mitspielt. Mag vom Tod der Betonstädte auf anderen Seiten zu lesen sein, für unsere Stadt gilt das nicht…