Jetzt Einspruch einlegen!

Bis Freitag, den 3. August kann jeder Mensch (in und außerhalb Münchens) sich im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens äußern. Schriftlich über die Adresse: Referat für Stadtplanung und Bauordnung, 80331 München, Blumenstraße 28. Oder persönlich an den Vormittagen im Zimmer 240. An keine Form gebunden, jeder Einwand ist zulässig.

Alle Eingaben müssen gesichtet, bewertet und dem Stadtrat im Vorfeld eines Bewilligungsbeschlusses vorgelegt werden.

Die Auslegung der (dünnen) Bebauungsplanunterlagen läuft seit 3. Juli. Direkter Zugang: Download

Eine gute Informationsquelle über die ganzen Verwicklungen vom Verkauf, dem Vorgehen von SIGNA, dem Verhalten von Behörden und Stadtrat bis zu den vielen Stolperstellen, die diesem Projekt noch im Wege liegen, bietet die Sendung auf Radio Lora des Münchner Forums vom 2. Juli.

Man hört von vielen Seiten, wie geschickt und massiv die Lobbyarbeit von SIGNA im Hintergrund vorgeht. Legen Sie Ihren Stolperstein auf dem Münchner Investoren-Highway dazu! 

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Bebauungsplan Nr. 1975a: Alte Akademie

Seit 3. Juli können die Unterlagen im Referat für Stadtplanung und Bauordnung, Blumenstraße 28b/Erdgeschoss eingesehen – oder hier im Internet abgerufen werden.

Bis Freitag, den 3. August können Stellungnahmen und Einwendungen gegen die Planung ebenfalls beim Referat für Stadtplanung eingereicht werden. Nach genauer Prüfung hat der Stadtrat über den Bebauungsplan zu beschließen. Danach könnte SIGNA den Bauantrag stellen.

Die Öffentliche Erörterung findet statt diesen Mittwoch, den 11. Juli um 19 Uhr im Saal des Stadtmuseums am Jakobsplatz.

Dieser Bebauungsplan bringt wesentliche Punkte der kommerziellen Vernutzung der Alten Akademie zur rechtlichen Entscheidung. Also die „Umstrukturierung der stadt- und baugeschichtlich bedeutenden Anlage„, die eine „innenstadtspezifische Nutzungsvielfalt fördern“ soll, rein kommerziell gedacht. Kernpunkte im Bebauungsplan sind
– neben der kompletten Umnutzung von öffentlichen zu private Zwecken
– die Genehmigung einer Tiefgarage mit dem dafür notwendigen Abriss des Bauteils mit dem Kaufhaus Hettlage
– das Zuschlagen fast der gesamten Arkaden zur Verkaufsfläche trotz deren Widmung als Teil der Fußgängerzone
– Dachgauben im Penthouse-Format über dem Schmuckhof
– Kolonnaden im Schmuckhof.
Die Zerstörung des denkmalgeschützten Ensembles im Inneren würde danach mit dem Bauantrag abgehandelt.

In der öffentlichen Beteiligung kann zu allem Stellung genommen werden, später ist sie rechtlich nicht mehr vorgesehen. Bitte machen Sie davon reichlich Gebrauch! Teilen wir der Stadtverwaltung unsere Meinung mit!


In der Versammlung legte Klaus Bäumler (Münchner Forum) einen Appell zur Abstimmung vor, der fast einstimmig angenommen wurde. Die SZ berichtete wieder einmal unter der Überschrift: Der Kampf um die Arkaden.
Bei den Arkaden ist wichtig und nicht immer klar: Sie bestehen aus drei Teilen, die nicht willkürlich getrennt werden können. Die Arkade im Kopfbau ist wesentlich für die Passage, wurde aber durch den Wettbewerb, auf den sich das Planungsreferat und der Bezirksausschuss noch immer berufen, zur Verkaufsfläche hinzugeschlagen. Erhalt der Arkaden heißt notwendigerweise: Erhalt der Arkaden wie im Bestand!

Benkos Vermögen wächst und wächst – mit und durch die Not der anderen

Niki Lauda hat gerade der Zeitschrift Capital verraten, wie prächtig Benko seinen Schatz vermehrt:
Seine Gesamterträge, die auf Dividenden sowie der Wertsteigerung seiner Anteile an zwei Signa-Gesellschaften basieren, bezifferte der Airline-Unternehmer auf durchschnittlich 18 bis 20 Prozent pro Jahr.“
Wie geschieht das Wunder?
„Wie Lauda profitieren Benkos Investoren in erster Linie von den stetig steigenden Immobilienpreisen, die auch den Unternehmenswert der Signa-Gruppe nach oben ziehen. Benko lässt seine Immobilien jährlich neu bewerten. In der aktuellen Marktlage wächst dadurch kontinuierlich das Vermögen in der Bilanz.“

Leistungsloses Einkommen – das aktuelle Stichwort

Die explodierenden Bodenpreise machen reich im Schlaf. Denn der Boden ist unersetzliche Lebensgrundlage und er vermehrt sich nicht. Grund und Boden in die Hände der Allgemeinheit – das ist die Voraussetzung für gleiche Lebensbedingungen, für Zugang zu sinnvoller Nutzung ohne die Bereicherung Einzelner, für eine demokratische Gesellschaft ohne Vorherrschaft von Tycoons und Zaren. Es braucht einen neuen gemeinschaftlichen Geist und neue Formen, wie die Allgemeinheit ihr gemeinsames Eigentum verwaltet.

Die steigenden Mieten hängen direkt mit den steigenden Vermögen der großen Immobilienbesitzer zusammen. Es ist dies nichts anderes als eine Enteignung der breiten Bevölkerung, eine direkte Umleitung sauer verdienten Lohns in die Kassen derer, die sagen können: Du lebst auf meinen Grund! Was gibt einem Menschen das Recht, diesen Tribut zu fordern – oder aus der Wohnung zu weisen? Leistung ist es nicht.

Damit diese Geldhaufen stetig wachsen ist es von großer Hilfe, wenn sich immer mehr Menschen und Arbeitsplätze in den Großstädten konzentrieren: Enge und Platzbedarf steigern die Bodenpreise automatisch. (Benko könnte Däumchen drehen, wäre er nicht Fanatiker.) Die den Investoren nahestehende Politik macht die Gesetze, die das Vorrecht von Eigentumstiteln schützen und bietet dazu die exklusive Möglichkeit, kaum Steuern zu zahlen. Die Stadtverwaltungen sind ihnen zu Diensten. Sie haben Stadtplanung aufgegeben, sie schanzen den Investoren den Boden zu und diese übernehmen die Planung. Die Städte sind zu Selbstbedienungsläden geworden. Einige wenige wollen Alles für mich! und machen dafür die Nacht zum Tage.

Eine grundsätzliche Änderung ist nötig! Es kann nicht so bleiben wie es ist, wir laufen zu auf einen Overkill, auf Städte, die kein Zuhause mehr sind. Der Widerstand beginnt im Kleinen und braucht dabei eine Perspektive, die den Investoren Herr wird: Grund und Boden in die Hände der Allgemeinheit!

„Arkaden-Spaziergang: Vom Alten Rathaus zum Karlstor“

Dienstag, 19. Juni 16:00 – 18:00

Das Münchner Forum lädt zum „Arkaden-Spaziergang: Vom Alten Rathaus zum Karlstor“ ein, der als „Aufzug unter freiem Himmel“ beim Kreisverwaltungsreferat angemeldet ist.

TREFFPUNKT: Im Tal, Ecke Maderbräustraße beim Weißen Bräuhaus / Stadtsparkasse

Die Arkaden der Alten Akademie in der Neuhauser Straße 8-10 sind prägender Bestandteil der Fußgängerzone. Sie stehen aktuell im Brennpunkt der Begehrlichkeiten eines Investors. Gegen entschiedenen Bürgerwiderstand hat eine Mehrheit des Münchner Stadtrats beschlossen, das derzeit laufende Bebauungsplanverfahren Nr. 1975 a durchzuführen mit dem Ziel, den öffentlichen Raum der Arkaden der Alten Akademie um ca. 400 qm zu reduzieren. Damit übergeht der Stadtrat mit Beschluss vom 21. Februar 2018 eine Vielzahl von Appellen und Einwendungen, die den Erhalt der denkmalgeschützten Arkaden und damit des öffentlichen Raums zum Gegenstand haben.

Die Arkadenbereiche der Münchner Innenstadt sind wichtige Bereicherungen des öffentlichen Raums. Sie bieten Schutz vor Regen und Sonne und abwechselnde Raumerlebnisse. Der kommerzielle Druck Arkadenflächen in Verkaufs- oder Gewerbeflächen umzuwandeln ist derzeit extrem hoch! Das Münchner Forum setzt sich deshalb für die Erhaltung dieses wichtigen Stücks öffentlichen Raums ein.


Die Standpunkte 7.2018 des Münchner Forums enthalten einen ausführlichen Bericht über den gelungenen Spaziergang. Dazu einen Beitrag über den Schildbürgerstreich „Schließung der Arkade“ = Schaffung eines Flaschenhalses für die Fußgängerströme in der Neuhauserstraße.

Diese investorenhörige Einfalt übertrifft weit das in Jahrhunderten Übliche

Hier kommt eigentlich nichts Neues. Der Beitrag berichtet davon, wie Alexander Reissl (Fraktionsvorsitzender SPD) und Manuel Pretzl (Fraktionsvorsitzender CSU) ihr Eingreifen, das zum Stadtratsbeschluss im Februar führte, nun verschriftlicht haben. In einem gemeinsamen Brief vom März an das Münchner Forum, abgedruckt in den Standpunkten 4.2018, Seite 6/7.

Wir zitierten daraus mit vollständigem Zitat die Rechtfertigung ihres Tuns (sie nennen es „Meinung“):

„Jahrhundertelang hat es an dieser Stelle keine Arkaden gegeben. Die Ostfassade des Kopfbaus hatte eine bogenförmige Toröffnung, mittig angeordnet. Die Arkade im Kopfbau und im Hettlage Gebäude sind insbesondere als Reaktion auf die Verkehrssituation an dieser engsten Stelle im Verlauf Kaufinger- und Neuhauser Straße entstanden. Die historisch nicht begründete Arkade im Kopfbau soll nun wieder aufgegeben werden.

Die Arkade im Hettlagegebäude kann nach Ansicht der Stadtratsmehrheit auf ca. 4,20 Meter reduziert werden. Die Arkaden entlang der Kaufinger- und Neuhauser Straße weisen heute Masse zwischen vier und fünf Metern auf. Damit bleibt die Arkade Hettlagehaus im Rahmen des in der Münchner Altstadt Üblichen, einen Dominoeffekt kann es also nicht geben.

Die Mehrheit des Stadtrates ist der Auffassung, die Arkade entlang der Kapellenstraße aufgeben zu können. Es gibt Arkaden quer zur Hauptrichtung der Münchner Fußgängerzone in der Weinstraße und zum Rindermarkt. Beide Straßen und ihre Arkaden weisen ein Vielfaches an Fußgängerfrequenz als die Kapellenstraße auf. Diese Arkade endet auch schon nach wenigen Metern halb an der Seite des Nebengebäudes.“

Der eine Teil der Arkade soll historisch nicht begründet sein, der nächste ist breiter als das Übliche und der dritte Teil gilt ihnen sowieso nichts.
Nach dem Motto supergescheiter Bescheidwisser: Da gehen wir hin, da schauen wir uns das mal an und dann sehen wir schon und dann ist alles klar. Diese beiden Herren ignorieren was z.B. Dieter Wieland einbrachte, sie ignorieren den Brief der Akademie der Schönen Künste, die Opposition im Stadtrat und die Meinung vieler Bürger und eigener Parteileute. Sie ignorieren nicht nur für sich selbst, sie wollen andere Standpunkte nicht mal erwähnen. In ihrer Position als Stadträte ist diese Verweigerung einer vernünftigen Diskussion und Beschlussvorbereitung eine Anmaßung, die nur noch übertroffen wird durch die Dürftigkeit ihrer Auslassungen. Für uns zumindest ist klar, gerade weil die beiden SIGNA und Benko nie auch mit nur einem Wort erwähnen: Reissl und Pretzl sind höheren Verpflichtungen (Staatsregierung) und der immensen Lobbyarbeit Stadlhubers von SIGNA erlegen.

Und so endet ihr Brief ganz verdreht: Wenn schon alles hin ist, dann gebt den Leuten wenigstens eine Unterhaltung nach dem Motto Leben = maximales Shopping (und wer empfiehlt sich da mehr als der Kommerzfuzzy Benko?*).

„Ja, es wird Öffentlicher Raum aufgegeben. Andererseits entsteht die Aufgabe, nach dem Freistaat Bayern als Inhaber öffentliche Nutzungen in der Alten Akademie aufgegeben hat, einen attraktiven Ort in der Altstadtfußgängerzone neu zu schaffen, Arkade und Innenhöfe neu zu beleben. Ein Ziel, von dem auch die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger profitieren können.“

Am Montag, den 23. April wählt die SPD im Stadtrat turnusmäßig wieder den Fraktionsvorsitz. Ob es Reissl wieder wird?**


* kann der sogar eine Rest-Schrumpfarkade und einen (!) etwas eigensinnigen Innenhof beleben, der zum kommenden Highlight ganz Münchens hochstilisiert wird – und diese kommerzielle Ausbeutung leider nicht aushalten würde? Überhaupt: was Benko könnte, hat München schon im verdrießlichen Übermaß. Und welche Münchnerin geht noch in den Oberpollinger?
** Nachtrag: Zum dritten Mal nur mit Ach und Krach und langen Gesichtern. Was ist nur los mit dieser Partei?

Niemand mache sich falsche Vorstellungen

… das gilt für alle Seiten. Wir z.B. hoffen, dass dieses fatale Projekt noch kippen wird, können uns darin aber nicht sicher sein. SIGNA – die Developmentexperten – werden ihrerseits schon ahnen, dass sie für ein Millionengrab planen. Nach eigener Aussage ist es ein Gesamtinvestitionsvorhaben von über 400 Millionen Euro – die werden niemals wieder hereinkommen. Angeblich zwei Jahre Bauzeit, aber den Platz um den Richard-Strauss-Brunnen wollen sie bis Mitte 2022 (das wären 3 1/2 Jahre) für die Baustelleneinrichtung haben. Benko wäre nicht der erste „Tycoon“, der aus Vermessenheit (vorwärts immer, rückwärts nimmer) etwas an die Wand fährt. Das dürfte sinngemäß auch für Strahlemann Söder gelten, der auf staatlicher Seite für den Verkauf verantwortlich war.

Viele andere haben sich die Pläne noch nicht genau angeschaut oder sie zucken mit den Achseln angesichts des SIGNA-CSU-SPD-Schulterschlusses und machen gute Miene zum bösen Spiel oder vertrauen darauf, dass alles nicht so schlimm kommen wird.

Deshalb: Bitte lesen Sie nach, was geplant ist und vertrauen Sie niemandem. Es liegt alles auf dem Tisch, es steht in dem Beschluss des Stadtrats. Um es einfacher zu machen, wären hier die fünf Seiten aus diesem Dokument, die die Eingriffe beschreiben. Hier noch die Pläne aus dem Wettbewerb und die Überarbeitung der Architekten von 2018.

Anhand der Grafik ist zu sehen, wie die Alte Akademie, dieser Ort der Kultur und des geschichtlichen Erbes, bis zum Platzen mit Kommerz aufgefüllt werden würde. Wo wir jetzt Läden nur im Erdgeschoß finden, würde sich das auf vier Ebenen ausdehnen. Und von dieser Seite her werden die Arkaden extrem wichtig: weg damit für noch mehr Verkaufsraum in der Premiumetage und für die Präsentation nach aussen! Ein Maximalverwertungsplan für ein Gebäude, an dem handelstechnisch das Beste die Lage ist – schwierig. Wohlweislich hat SIGNA kein Konzept vorgelegt, außer dass das Goldene Quartier in Wien Vorbild ist (der Stadtrat hat vertrauensvoll kein Konzept verlangt). Da sollte eine Exkursion mal ausnahmsweise nicht am Finanziellen scheitern.

Soweit die Vorderfront, die Eingriffe im Schmuckhof und dessen Gebäudeteil gehen extra

Wir spinnen die Geschichte noch etwas weiter. Das Goldene Quartier beherbergt auf zwei Ebenen (EG und 1.OG) eine größere Anzahl absoluter Luxusläden. Und es darbt vor sich hin. Aber immerhin können die Mieter relativ leicht wechseln. Im Münchner Retailkomplex XY (Alte Akademie könnte man dann nicht mehr sagen) bestünde schon die Schwierigkeit, den hochgezüchteten Anspruchs-Konsumenten ins UG und ins 2. OG zu bekommen. Und wegen des eingeschränkten Zugangs und fehlender Werbewirkung nach aussen wird SIGNA letztlich 3,4,5 Großmieter brauchen. Wer würde das sein? Will das die Stadt? Wir überlegen das hier nur stellvertretend für Leute wie Stadtrat Reissl, die von attraktiven Geschäften träumen.

Fazit: Wenn Sie heute vor der Alten Akademie stehen und sich denken: Ja, wenn hier renoviert wird und ein paar Geschäfte reinkommen, das ist doch noch ok, dann hat das rein gar nichts mit dem zu tun, was im Ernstfalle passieren wird. Die Alte Akademie würde einem Kommerzexperiment geopfert. Die Alternative steht immer noch: Behutsame Renovierung unter Beibehaltung der Raumstruktur, des Daches, der Arkaden, des Wiederaufbaus aus den 50er Jahren und Wiedereröffnung mit kulturellen und öffentlichen Nutzern. Das wäre dann: Groß denken.