Abgefieselt bis auf die Knochen: Kundgebung vorm Kaufhof in Ingolstadt

Das sagenhafte Kaufhaus-Konzept von René Benko ist sehr einfach gestrickt:
So viel Profit aus der Substanz ziehen wie nur möglich – so wenig Verantwortung wie möglich! Das Risiko tragen: nein – abwälzen!

Versagen ohne Konsequenzen

Ein Drittel der Häuser wird geschlossen, Tausende langjährig Beschäftigte werden auf die Straße geworfen. Insolvenz in Eigenverantwortung – das wunderbare Werkzeug, um Tarifverträge aufzukündigen, die Entlassenen um ihre Abfindung zu prellen und andere Rechnungen nicht bezahlen zu müssen. Sein Vermögen braucht Benko nicht anzutasten! Möglicherweise macht er noch einen Reibach aus dieser Situation: durch Lohnraub, Erpressung von Vermietern und Lieferanten, durch Immobilienverkäufe und Geschenke der Politik.

Die Innenstädte sollten gerettet werden – reinster Hohn! Ein immer versprochenes besseres Konzept gab und gibt es nicht. Sichtbar ist nur: für die Städte und die Nahversorgung wichtige oder beliebte Kaufhäuser werden rücksichtslos und eigenorientiert geschlossen. Weitere Schließungen sind zu erwarten – bis auf den Bestand an „Luxus“häusern, die vielleicht der Traum von René Benko sind. Solange er dirigieren kann, wird es so weitergehen; was er nicht brauchen kann, wird aussortiert.
Schuld sollen jetzt alle sein, die im Internet einkaufen, dann noch Corona, die Vermieter, die schrecklichen Autobeschränkungen, das Sonntagsverkaufsverbot und was noch … nur nicht der Versager Benko. 

Wer kann den Beschäftigten helfen, ausser sie selbst? Das Verhalten der Gewerkschaft ver.di ist schon fragwürdig. Sie hat die Macht der Belegschaft, den Betrieb zum Stillstand zu bringen und damit effektiv Druck zu machen, nicht nutzen wollen und steht nach „zähen Verhandlungen“ zu einem Vertrag mit einem rüden Kapitalisten, der den letzten Vertrag vom Dezember (mit Beschäftigungsgarantie) zerrissen hat. Wenn Benko raus wäre, hätte die Belegschaft vielleicht in Selbstregie eine Chance, die Kunden zu halten. Aber angesichts der zu erwartenden Sabotage z.B. der Banken und der Konkurrenz des bevorteilten Internethandels ist ihr das kaum zuzumuten.
In München läuft dieses Spiel noch übler ab als in anderen Städten (Berlin, Düsseldorf, Mainz, Ingolstadt …) wo es zu Aktionen und auch zu Kritik von Bürgermeistern an Benko kommt.

OB Reiter will was tun – und geht auf Tauchstation

22. Juni
Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter äußerte sich am Montag in einer Pressemitteilung zu den Schließungen der Filialen in München:
„Die Ankündigung der Schließung von Galeria Karstadt Kaufhof Häusern in München hat mich sehr betroffen gemacht. Vielen Menschen droht der Verlust ihres Arbeitsplatzes. Daher habe ich den Generalbevollmächtigten von „Galeria Karstadt Kaufhof“ heute um ein möglichst zeitnahes Gespräch gebeten, um zu klären, inwieweit die Stadt unterstützen kann, um die angekündigten Schließungen und damit verbundenen Kündigungen vielleicht doch noch abwenden zu können.“

3. Juli
„Ich bin total skeptisch, ob Herr Reiter wirklich was tun oder nur sein Gesicht in der Zeitung sehen will. Der Konzern lügt chronisch und Reiter wird sich auch anlügen lassen. Wir haben einen Runden Tisch gefordert, mit Unternehmens-Vertretern, Vermietern, OB und uns. Seit einer Woche warten wir auf einen Terminvorschlag von Reiter“, schimpft Dominik Datz (36), bei Verdi für den Einzelhandel verantwortlich. „Die Zeit läuft weg.“ (zitiert aus der BLÖD-Zeitung)

Bis heute war nichts mehr von OB Reiter zu lesen – die Arbeiter*innen hat er hängen lassen, die Gegenwehr unterlaufen, Benko sagt Danke.

Nachtrag:

17. Juli
Aktion am Stachus

21. Juli
René Benko lehnt Angebot ab. Michael Zechbauer, der Vermieter vom Kaufhof am Stachus: „Ich bin schockiert. Es ist extrem geschmacklos. Herr Benko hat niemals das Interesse an einer Einigung gehabt. Es geht ihm nur um die Erhöhung des Wertes seines Immobilienportfolios. Seine Mitarbeiter werden im Oktober auf der Straße stehen. Mir fehlt jede Form von Verständnis für diese Rücksichtslosigkeit“.

Oder so: Ein Kämpfer für Karstadt!

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