München hat die Alte Akademie und darin eine einmalig großzügige Arkadenpassage verloren – gestaltet in der Wiederaufbauzeit von einem Architekten, der seine Stadt geliebt hat. Was hätte daraus gemacht können in Verbindung mit öffentlichen und kulturellen Nutzungen …

(Das sind genau die vier Computerillusionen, die SIGNA in den letzten Jahren präsentiert hat.)

Was wir stattdessen irgendwie in der obigen Art aufs Auge gedrückt bekommen werden (sollte es fertig werden), das haben Staat und Stadtrat (CSU/SPD) einem Oligarchen komplett überlassen. Einem Kleingeist der Geldvermehrung, der Ikonen der Architektur und Geschichte (nach ihrer Lage) sammelt, um sie von Kleingeistern der Investorenarchitektur mit lächerlichen Edelkonsuminstallationen vermurksen zu lassen.

Aber dafür wird doch der Schmuckhof geöffnet und den Münchnern geschenkt? – diese Woche im Bezirksausschuss …

Es ging um eine Stellungnahme des BA zum Kinderspielplatz, der bei 53 Wohneinheiten vorgeschrieben ist, aber durch Geldzahlung für einen Spielplatz in der Umgebung abgelöst werden soll. Das würde nicht anders gehen, kein Einspruch. (Die BA-Vorsitzende Frau Stadler-Bachmaier sinngemäß: Nicht schlimm, weil bei dem Klientel, das da einziehen wird, kaum mit Kindern in dem Gebäude zu rechnen sei.) Stefan Blum vom Unterausschuss Bauen war in dem Zusammenhang aufgefallen, dass in den Schmuckhof drei Restaurants einziehen sollen und der denkmalgeschützte Schmuckhof „zu einer einzigen Freischankfläche“ mutieren wird. Da auch das gepflasterte Bodenmosaik mit neuem Material nachempfunden werde, bliebe vom alten Schmuckhof nur die Raumwirkung – und die eben auch nicht. Der BA wird nun in seiner Stellungnahme anregen, dass die Freischankfläche auf die (neuen) Kolonnaden beschränkt wird. Ein gut gemeinter Versuch, aber es ist längst gelaufen. SIGNA lässt sich derlei auf höherer Ebene vertraglich zusichern, lang bevor Bürger*innen dahinter kommen… Wir haben darüber im April 2019 berichtet. Stadtbaurätin Merk hat es in die Vorlage des Bebauungsplans geschrieben, da mal nachfragen.

Da sollte man nicht naiv sein und der Bezirksausschuss hat ja Erfahrungen, die gern gleich wieder vergessen werden: Jedes Objekt wird im System Benko bis aufs Letzte gnadenlos ausgequetscht. Vom Untergrund über Arkaden bis ins unters Dach wird jeder Quadratmeter zu Geld verwertet. Auch die Gastronomie trägt ihren „Kleinmist“ bei, von wegen konsumfreie Zone. Das ist die Vorgabe. In einem zweiten Schritt wird eine Erzählung ausgesponnen, die entzückend klingt. Die verwenden dann die Sprachrohre im Stadtrat, das Referat für Stadtplanung und die staatliche Denkmalpflege, um in der Entscheidungsphase ihr Gesicht zu wahren. Am Ende hat Benko was er will, auch der Schmuckhof ist kaputt verwertet und alle Beteiligten waschen ihre Hände in Unschuld.
Eine frühe faszinierende Version dichtete Morger Partner Architekten schon 2016 im Beitext zu Planzeichnungen. Staunen Sie:
„Eine Gegenwelt zu den Strassen- und Platzräumen entfalten die unterschiedlichen Innenhöfe. Diese dienen primär der Erholung, Kontemplation und Erschließung. Der bestehende geschützte Pflasterbelag des Schmuckhofs wird wieder neu verlegt. Niveaudifferenzen werden mit feinen Stufen und Rampen überwunden. Eine solitäre Stieleiche (Quercus robur) wurzelt im sandigen Grund der darunterliegenden baulichen Überreste der Vergangenheit und beglaubigt die Hoffnung auf Beständigkeit. Im Bewusstsein, dass Geschichte keine verfügbare Grösse ist, dürfen hier Antworten auf die Frage der Identität gesucht werden.“

Von prosaischen Höhen zurück auf den Boden Münchner Investorenarchitektur: der Spielplatz in der „Hofstatt“, unweit der Alten Akademie. Ohne Worte.

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