Wer ohne Alternativen denkt, wird vorgeführt

Man sollte denken, der Stadtrat Münchens habe genug zu tun, um mit Corona und den Folgeproblemen zu kämpfen und würde sich seine Sitzungstermine für Wichtiges vorbehalten. Dennoch gab es Ende des Jahres exklusiv ein Treffen der Fraktionen mit SIGNA, worüber hier berichtet wird. SIGNA hatte sich von einem Münchner Architekturbüro unverbindliche Bilder von einem Neubau des nicht denkmalgeschützten Teils des Karstadt zwischen Bahnhof und Stachus machen lassen. Alle Fraktionen waren sofort hellauf begeistert als hätten sie sich nichts anderes wünschen können. Weiter oder selber gedacht haben sie offensichtlich nicht (einzig DIE LINKE hat etwas herumgemäkelt).

Hätte die Reaktion der Stadträtinnen nicht auch so aussehen können:

Ladensterben, Überkommerzialisierung – was die Münchner Innenstadt als letztes braucht sind zusätzliche Geschäftsflächen für das immer gleiche!
– absehbare Klimakatastrophe – die Münchner Innenstadt braucht eher Grünflächen zur Abkühlung in den kommenden Hitzesommern!
Wohnungsnot, Entvölkerung der Innenstadt – wenn schon Neubau, warum kein Wohnprojekt für die Nicht-Reichen Münchens?
„Urbane Mischung“ – wenn die ungeliebte Fassade so stört, warum dann nicht diese neu machen und danach an weniger profitorientierte Projekte vermieten, für die seit langem kein Platz mehr ist, bzw. die vertrieben wurden?

Stattdessen fallen die Stadtratsfraktionen auf das durchsichtige Spiel SIGNAs herein, sich frühzeitig eine Zustimmung abzuholen, von der die wenig kritikfähigen und fehlereinsichtigen Stadträtinnen später nicht mehr loskommen werden? Warum konnten die Stadträtinnen nicht sagen: wir haben jetzt bestimmt keine Zeit für sowas! Wir wissen nicht, wie es nach Corona weitergehen wird, wir wissen nicht, wie sich die Innenstadt verändern muss, wir stehen erst am Anfang unserer Überlegung, was wir gegen den Klimanotstand zu tun haben! Abreißen und neue Renditepaläste bauen – das haben wir jetzt lange genug gemacht.

Der bestehende Karstadt gefällt nicht. Da lässt man sich „schöne Bilder“ zeigen, ist begeistert und überlässt privaten Konzernen das Denken, was für die Stadt gut ist.

Einer Firma, die gezeigt hat, dass sie Kaufhäuser nur runterfahren kann, die nur an maximaler Rendite interessiert ist und dabei auf der Schiene weiterfährt, die wirklich lebenswerte Innenstädte kaputtmacht und in die Sackgasse führt. Von einer Firma, die gerade das historische Kleinod der Alten Akademie zerstört (mit neuen Geschäften), ohne dass das Ergebnis davon endgültig zu sehen und zu bewerten wäre. Von einer Firma, die nur ihr eigenen Interessen berücksichtigt und andere mit geschickter Insolvenz für ihre Spekulationen bezahlen lässt.

Ein typisches Beispiel für Vergesslichkeit und Mangel an eigenen (oder auch grünen) Vorstellungen:

♦ „Die Grünen ließen sich ihren Unmut deutlicher anmerken. Der Signa-Gruppe gehörten viele Immobilien im Zentrum, bei der Alten Akademie sei ihr die Stadt sehr entgegengekommen, sagte Fraktionschefin Anna Hanusch. Man müsse sich bei künftigen Planungen „sehr kritisch anschauen“, ob der Investor auch der Stadt entgegenkomme.“ (SZ, 22.Juli, „Der Ärger nach dem Kaufhof-Aus“) – und ein halbes Jahr später voll kritisch:
♥ „Grünen-Fraktionschefin Anna Hanusch ist ebenfalls von der grundsätzlichen Idee überzeugt, das Areal kleinteiliger zu nutzen. Zudem lobt sie die vorgesehene Passage „wir begrüßen auch die höhere Durchlässigkeit“.“ (tz, 18.Januar, „Neuer Kaufpalast…“)
♥ „Die Idee, mehr Durchgänge zu schaffen, um die sperrende Wirkung des bisher sehr langen Riegels aufzubrechen, sei in ihrer Fraktion gut angekommen, berichtet Anna Hanusch, Fraktionsvorsitzende von Grünen/Rosa Liste. Ebenso wie das Vorhaben, mit verschiedenen Geschäften „eine größere urbane Mischung“ herzustellen.“ (SZ, 19.Januar, „So sehen die Pläne …“)

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